Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 30 (28.7.1911)
- Date
- 1911-07-28
- Page
- Seite 357 (sequence 9)
- Language
- German
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357 nur unsere kostbare Zeit: Und so beantrage ich Schluß der Debatte und Uebergang zur Tagesordnung? Unter der etwas stark burschikosen Form birgt sich in dieser Rede eigentlich mehr als eine Abwehr, es liegt darin geradezu ein Programm. Man kann es ja schließlich begreifen, wenn einige wirtschaftliche Erfolge der Inden in gewissen interessierten Kreisey eine gereizte Stimmung hervorgerufen haben; obwohl in solchem Falle der Hinweis auf die Griechen und Armenier, die tatsächlich das Land kommerziell beherrschen und hierin den Juden unvergleichlich weit überlegen sind, doch ganz anders am Platze wäre. Aber wie die Dinge einmal liegen, kann es sich jetzt nicht darum handeln, die vorhandenen Kräfte lahmzulegen, sondern umgekehrt möglichst viele neue Elemente zu schaffen, welche den eingeleiteten ökonomischen Entwicklungsprozeß des Landes durchzuführen angetan sind. Eine weise Regierung wird daher auch aus alledem nur die eine durch die Logik der Tatsachen unzweideutig gegebene Konsequenz ziehen können: die wertvollen jüdischen Kräfte-dem Staate nutzbar zu machen und jegliche auf deren Unterbindung abzielenden Bestrebungen als d?m Gemeinwohle verderblich zn bekämpfen trachten. Lur jfrsgr der Lrichknorrbrmmmg. A^urch einen Freund meines Blattes wurde ich auf die Zeitschrift „Die Neuzeit" hingewiesen, die in ihrem vierzehnten Jahrgang Nr. 15 und 16 vom 10. April 1874 zwei Artikel des Herausgebers, des gelehrten Simon Szanto, enthält. Sie richten sich gegen die Ausführungen von Ludwig Philipson, der dabei nicht sehr glimpflich behandelt wird. Von diesen Sticheleien nehme ich hier keine Notiz, sondern will nur auf das Tatsächliche Hinweisen, das Szanto an führt. Er versucht darzulegen> daß die Stellen der Bibel erstens eine vormosaische Sitte andeuten, Ehebrecherinnen zu verbrennen (1. Moses 38. 24) und zweitens, daß das mosaische Gesetz Verbrennung von Priesterstöchtern vorschreibe, die sich der Prostitution ergeben hätten, und solcher Personen, welche Blutschande begehen. Im Buche Josua wird erzählt, daß Achan zuerst gesteinigt und dann verbrannt worden wäre. Während alle diese Stellen zwar von Leichenverbrennungen reden, aber doch nur von einem als Strafe diktierten Feuertode, werde im Buche Samuel erzählt, daß die Leichname Sauls und seiner Söhne in Jabesch verbrannt worden seien, ohne daß gegen die Form der Bestattung ein Vorwurf erhoben werde. Endlich wird auf die Stellen des Verbrennens „über Königsleichen" hingewiesen (Jeremias 34, 5, 2. Chronik 16, 14 und 21, 19). Die beiden Stellen werden nicht in der Art, wie Mahbaum es versuchte, gedeutet, sondern so wie es auch Vogelstein zugab : „Dem Verstorbenen oder über ihm verbrennen", nicht aber „den Verstorbenen oder ihn verbrennen". Ueber dieses Verbrennen über Königsleichen bemerkt Szanto: „Die alten Kommentatoren des Talmud sind der Meinung, daß die Prozedur folgende war: man verbrannte l das Fleisch der Leiche entweder durch Feuer oder durch ätzenden Balsam- und zündete über dem Aschenrest einen Scheiterhaufen an, um die Wertsachen, als: Waffen, Möbel, Kleider darin zu vernichten. Die Knochen aber wurden dem Grabe reserviert. In dieser Weise wurde auch mit der Leiche des Rabbi Gamliel um» gegangen." Szanto führt dann ferner aus, daß in den talmudischen Bestimmungen allerdings viele Vorschriften sich fänden, um dH Integrität der Leichname zu erhalten, daß aber im Gegensatz dazu sich doch manche Bemerkungen finden, die für die Gestattung der Leichenverbrennnng angeführt werden können. Der gelehrte Verfasser schließt: „Die Frage, darf man nach dem jüdischen Religionsgesetz Leichen verbrennen, ist nach dem Gesagten dahin zu beantworten: der Wortlaut läßt die Frage unentschieden, der Geist des Gesetzes aber bejaht sie ganz entschieden, besonders wenn man wegen Raummangels zur Beerdigung in die Enge gerät." -Vielleicht noch bedeutsamer als diese interessanten, mitunter sehr drastischen und witzigen Ausführungen Szantos ist ein Beitrag des bekannten Hirsch Fasset in Nr. 18 desselben Blattes „Nachträgliches zur Frage der Leichenverbrennung". Die Zuschrift Fassels schließt mit den Worten: „Da nun jetzt dieser Volksglaube (nämlich, daß die Verstorbenen miteinander Gespräche halten, auch nach Jahren oder nach Jahrtausenden Besuche von ihren Seelen empfangen) nicht mehr vorhanden ist, so stehet der Verbrennung der Leichen von seiten der Satzung nicht das geringste entgegen; ja könnte sogar vollzogen werden, selbst wenn anzunehmen wäre, das Begraben sei ein Minhag Israels. Zur Zeit des Talmuds wurden Leichen nicht begraben, sondern in Höhlungen, ob natürlichen oder gemachten, gleichviel, beigesetzt, und erst wenn das Fleisch verwest war, wurden die Gebeine gesammelt und begraben... Es würde daher, selbst wenn das Begraben eine religiöse Pflicht wäre, welche sich dort nur auf das Begraben der Gebeine beziehen könnte, dem Zweck vollkommen entsprechen, wenn das Fleisch, statt es der ekelhaften Verwesung preiszugeben, verbrannt und die Gebeine begraben würden. Gewonnen würde nicht nur an Räumlichkeit der Gottesäcker, sondern es schwände auch die Angst vor dem Erwachen im Grabe, einer Todesart, gegen welche das Verbrennen bei lebendigem Leibe Labsal ist." Es scheint mir interessant, auf diese merkwürdigen Ausführungen, die vor 40 Jahren gemacht wurden, hinzuweisen. L. G. IES!C KM Leim Lämpchen. Roman von Peter UjvLri. Berechtigte Uebersetzung von Rosa Trencsäni. XXV. Und so gingen sie zu, dem anderen Bäcker. Dieser erkannte richtig das Brot als das seinige und begegnete dem Geständnis des zerknirschten Sünders nicht mit Zweifeln. Er weiß nicht, ob man ihn bestohlen hat, doch wenn Ore behauptet, daß er ihn bestohlen habe, so ist es sicherlich wahr. Reb Bünems Augen funkelten. „Na, was sagen Sie dazu, Reb Gasche? Ein großes Wunder, was? Ein riesig großes Wunder. Ich möchte gern wissen, was es bedeuten soll." Und überaus gut gelaunt rannte er davon.; Auch Reb Gasche war der Ansicht, daß hierein Wunder geschehen sei, doch ein anderes, als Reb Bünem dachte. Als Ore Weggehen wollte, gab er ihm ein frischgebackenes Laib. „Aber nehmen Sie davon Ehale*), Reb Ore, ich glaube,- daß mein Geselle das heute vergessen hat. l); Vor dem Backen wird ein Stück rohen Teigs weggenommen und in die Glut geworfen zur Eriimrrung an die Lpfergaben Dies heißt Chale, und die religiösen Frauen betrachten dös Chalc» Nehmen als eine heilige Pflicht, die sie nie versäumen.