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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-07-28 · Heft 30 (28.7.1911) · p. Seite 353

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 30 (28.7.1911)
Date
1911-07-28
Page
Seite 353 (sequence 5)
Language
German
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MÜH ' ■ m 353 Krankheit in den Ruhestand- Das gleiche ist auch bei dem hervorragen d en Ghn äkol ogen Pro festor' F r e u n d in Straßburg. früher längere Zeit Vertreter seines Faches an t»er Breslauer Hochschule, der Fall. Freund ist dem Glauben seiner Väter treu geblieben, ebenso wie sein ehemaliger Breslauer Berufsgenosse Professor Lagneur, als Augenarzt rühmlichst bekannt, der neben ihm eine Reihe von Jahren an der Straß buraer Universität wirkte. Diese hat ja als Reichs-Universitätstch bisher erfreulicherweise von konfessioneller Unduldsamkeit fern gehalten und, wie hier jüngst zutreffend hervorgehoben würde, mehr ordentliche Professoren jüdischen Bekenntnisses aufzuweisen, als alle preußischen Universitäten zusammen. Immerhin gehörte Breslau — neben Königsbergs— noch zu denjenigen, die jüdischen Dozenten eine Verhältnis - mäßig günstige Stätte der Wirksamkeit boten. Wenn augenblicklich seit Siegln und Fraenkels bedauerlicherweise vor zwei Jahren so frühzeitig erfolgtem Tode und dem Rücktritt des Mathematikers Rosanes vom Lehramt kein amtierender jüdischer Ordinarius in Breslau mehr vorhanden, die Universität also nach dieser Richtung im antisemitischen Sinne „judenrein" ist, so ist diese seltsame Tatsache wohl bloß als Spiel des Zufalls zu betrachten, keineswegs aber auf ein bestimmtes. System oder gar eine veränderte Gesinnung des Lehrkörpers zurückzuführen. Allerdings waren unter den früheren jüdischen Ordinarien einzelne von Weltruß die man füglicherweise, ungeachtet ihres an manchen Stellen unangenehm berührenden unbequemen Glaubens, nicht gut übergehen konnte. Auch erfolgte ihre Beförderung meist in der sogenannten „liberalen Aera". Das Genie ist inkommensurabel. Die Größe von Geistesheroen läßt sich schwer abwägen und mit Entschiedenheit feststellen, wem die Siegespalme gebührt, namentlich wenn sich die Betreffenden auf verschiedenen, zum Teil heterogenen Wissensgebieten betätigt und ausgezeichnet haben. So fällt uns auch bei den Breslauer jüdischen Geistesfürsten: Caro. Ferdinand Cohn, Hermann Cohn. Freudenthal und Fraenkcl die Konstatierung schwer, wer von diesen wohl am meisten bleibende Bedeutung für sich in Anspruch nehmen kann. Nach der Tragweite seiner wissenschaftlichen Entdeckung trifft dies unbedingt auf Ferdinand Cohn, hinsichtlich der Breite der Lehrtätigkeit auf Jacob Caro zu. - Jacob Caro aus Gnesen, dem auch der jüngst entschlafene Herm. Senator entstammte, war der Sprößling einer alten Rabbinerfamilie. Der Wissenszweig, dem sich der hochbegabte junge Mann znwandte, bot überhaupt, namentlich aber einenl Juden für die damalige Zeit wenig materielle Aussichten. Slavische Sprachen in ihrem Bau, die Geschichte und Literatur der einschlägigen Völker waren es, die er mitheißem Bemühen studierte. Der Idealismus des Jünglings überwand alle Schwierigkeiten. So wurde ein Jude, der schon in jungen I Professor Dr. Jacob Laro geboren am 2. Februar 1836 zu Gnesen. Jahren nach vollendeten Studien Sekretär und Reisebegleiter der russischen Großfürstin Helene geworden war. der beste lebende Kenner der Geschichte Polens und ihr Historiograph als er 1904 seit langen Jahren ordentlicher Professorder Geschichte an der Universität Breslau, im eben begonnenen 70. Lebensjahre starb, rühmte ihm die philosophische Fakultät in ihrem Nekrolog nach, daß sie in ihm einen mit 35 Jahren mit begeisterter. Hingebung umfassendem und tief begründeten Wissen, glänzender Beredsamkeit wirkenden Lehrer, einen in selbständiger Forschung das erwählte Gebiet seiner Studien erschließenden und in genereller Darstellung beleuchtenden Geschichtsschreiber, einen liebenswerten, für die Würde seines Standes und die Aufgaben des Fakultätslebens arbeitsfreudig eintretenden Amtsgenossen verloren habe. Wie die zahlreichen Schüler, Angehörige aller Fakultäten in ihm einen scharfblickenden, des sicheren Weges bewußten Führer verehrten, so Werdern auch die Fakultäten das Andenken des Mannes, der so lange eine Zierde der ganzen. Hochschule war, stets dankbar in Ehren halten. Rektor und Senat bezeichneten ihn als „reich begabten, geistvollen Dozenten, einen der besten Kenner der slavischen Völker, als einen warmherzigen, angeregten und anregenden Dozenten". Diese kurze Kennzeichnung von berufener Seite, der zur näheren Beleuchtung nur noch hinzuzufügen wäre, daß, wie im Kolleg, so namentlich im jSeminar, von ihm die fruchtbarstem Anregungen ausgingen, ja eins förmliche wissenschaftliche Erziehung stattfand, ferner daß er nicht bloß mit der slavischen Geschichte vertraut war wie selten jemand, sondern auch auf anderen Gebieten, so der ^preußischen Geschichte, manchen wertvollen Beitrag geliefert und die Geschichte diverser Höfe beackert hat, schließlich noch Muße zur Abfassung manches feinsinnigen Gedichtes fand, genügt wohl zur Charakteristik des Forschers, Lehrers und — last not legst — Menschen Caro. Verheiratet war er mit Ottilie . v. Portheim aus einer Wiener jüdischen Patrizicrfainilie; ihr Bruder Paul v. Portheim, der als slucl. jur. einen Band frischer, stimmungsvoller Gedichte herausgegeben hatte, wurde kurze Zeit darauf durch einen jähen Tod dahingerafft! — An Jacob Caros Grab sprach außer dem Bruder Dr. Moritz Caro» Oberrabbiner in Lemberg, noch der hervorragende Geograph (jetzt in Leipzig),'Professor Partsch, der seinem Schmerz über das Hinscheiden des hervorragenden Mannes in ergreifenden Worten Ausdruck verlieh. (Fortsetzung folgt.) löriek aus Cinrinnati. JjVie Erziehungs- und Humanitären Institute unserer Stadt Os werden in übsehbarerZeit um ein weiteres vermehrt werden. ^, Am 25. April fand die Kründfteinleauna rum... BibliothÄs- und Administrations-GÄäude, des neuen Hebrew Union

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