Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1911)
- Date
- 1911-07-21
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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Einschränkung des Wanderbettels geleistet hat, voraus. Dieser Bericht, der den hohen Verdiensten'der derzeitigen.Gründer um das Zustandekommen der Kasse zum Zwecke einer organisierten Unterstützung notleidender.Armer vollauf gerecht. wird, dabei aber auch die moderyen Bestrebungen zur Herbeiführung eines engeren Zusammenschlusses der. Unterstützungsvereine Deutschlands zur planmäßigen, zielbewußten Arbeit 'genügend würdigt, stammt aus der Feder des jetzigen Vorsitzenden, des Rabbiners Dr. Holzer. Am Schlüsse dieser Jubiläumsausgabe finden alle die Gönner und 'Freunde des Vereins Erwähnung, die innerhalb des genannten Zeitraums den Verein mit namhaften 'Spenden, die zum Grundstockskapital geschlagen werden konnten, bedacht haben. Im abgelaufenen Jahre wurden 2370 Personen gegen 2518 vom Vorjahre mit 4348.90 Mark unterstützt. Dem Vorstande der Verwaltung, gehören gegenwärtig an: die Herren Dr.J. Holzer. Hermann Herz und L. Oppenheimer. Das Grundstücksvermögen beträgt 46823.35 Mark. Die Bilanz schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 7032.40 Mark ab. An Mitgliederbeiträgen gingen 2081.70. Mark ein, während an Spenden 2353. Mark gesammelt wurden. st. Magdeburg, 14. Juli. Der Synagogen - Gemeinde- Verband der Provinz Sachsen hat nach dem».für das Geschäftsjahr 1910/11 ausgegebenen Geschäftsbericht - einen schweren, Mt unersetzlichen Verlust durch das Ableben seines Ausschußborsitzenden, Herrn Kommerzienrat Benjamin Hirsch »Halberstadt erlitten. 'Alle die Erfahrungen. Anregungen und Eindrücke, die er in den verschiedenen Vereinen .und Verbänden der" Gesamtjudenheit, - denen er an leitender Stelle angehörte, gesammelt, hier in dem Gemeinde-Verbände seiner Heimatsprovinz suchte er sie zu. verwerten und ihnen greifbare Form und Gestalt zu verleihen. Ebenso schmerzlich berührt wurde der Verband aber auch durch das Hinscheiden. zweier anderer Ausschußmitglieder, der Herren Selmar Bergmann-Mühlhausen und Adolf Eisner-Nordhausen, die beide ihr lebhaftes Interesse den Bestrebungen des Verbandes zuwendeten und einen beträchtlichen Teil ihrer reichen Arbeitskraft in den Dienst des von der Vereinigung zu fördernden Werkes stellten. Durch Beitritt der Gemeinde Schwarza,. Kreis Schleusingen, ist die Zahl der ordentlichen Mitglieder auf. 25 gestiegen. Wegen der unzulänglichen Geldmittel, vre deü Verband an einer Ausdehnung seiner Tätigkeit und dringend ^wünschenswerten Erweiterung seiner Aufgaben hindern, wurde nach einem Beschluß des Gemeindetages, der am 8. Mai 1910 in Magdeburg stattfand, ein Rundschreiben an die Mitglieder zur Erhöhung der Jahresbeiträge erlassen. Einige stellten eine solche in Aussicht, während Magdeburg, Halberstadt und Erfurt der Anregung sofort Folge gaben. Mit Unterstützung des Verbandes wurde in sechs Gemeinden, die bisher des Religionsunterrichts entbehrten, ein solcher neu eingerichtet. Derselbe wird von den Lehrern der benachbarten Großgemeinden erteilt. Anerkennung verdient besonders das löbliche Bestreben des Verbandes, durch religiöse Ansprachen und Abhaltung von Vorträgen, die seitens geeigneter Prediger zeitgemäße, das Judentum stark interessierende Fragen behandeln, auch in den angeschlossenen kleineren Gemeinden religiöse Wärme und Innigkeit^ Teilnahme und Liebe für das Judentum zu wecken. Der Verband hatte zu den vom Deutschen Israelitischen Gemeindebund veranstalteten Gemelndetagen Herrn Justizrat Chohke-Magdeburg delegiert. In den Ausschuß wurde Max Weil-Magdeburg gewählt. Der Kassenbericht hat. durch den bedeutenden Zuschuß von 1065.40 Mark zu den Kosten der Einrichtung des Religionsunterrichts an verschiedenen Orten eine Abnahme seines bisherigen Bestandes um 601.95 Mark zu verzeichnen. Im ganzen wurde» für Verbandszwecke 2720.25 Mark verausgabt. Die Einnahme betrug im laufenden 'Verbandsjahr 4793.32 MarÜ Das nicht unerhebliche Defizit muß durch Mehrleistungen der Mitglieder ausgeglichen werden, soll der Verband auch fernerhin seiner segensreichen Tätigkeit für Erhaltung deS Judentums in gleichem Maße obliegen. - . , , ^.Frankfurt a. M., 14. Juli. Das Mädchenstift (Philipp und Charlotte Speyersche Stiftung) zu Frankfurt a. M. kann in seinem zuletzt erschienenen Jahresbericht 1908/10 gerade für die Jahre 1909 und 1910 über recht erfreuliche Kassenverhältnisse berichten. Während die Einnahmen sich 1910 auf 21 799.74 Mark beliefen, betrugen die Ausgaben nur 20385.77 Mark, so daß ein Ueberschuß von 1413.94 Mark der Chärlötte-Speyer-Stiftung für unvorhergesehene Fälle überwiesen' werden konnte. Weniger günstig stellte.'sich in dieser Hinsicht das Jahr 1908 dar, das mit einem Fehlbetrag von 386.03 Mark abschloß, der wiederum derselben Stiftung zur Deckung entnommen wurde. Durch die schmerzlichen Verluste, von denen die Anstalt durch den,Tod von vier hervorragenden Vorstandsmitgliedern betroffen wurde n Sidonie Daun, Rosalie TeblS, Franziska Speyer,, Fritz Auerbach — wurde die Verwaltung in tiefe Trauer versetzt. Aus dem Nachlaß der Verblichenen fielen dem Stifte größere. Vermächtnisse zu, aus dem Fritz Auerbachschen ein Legat von 1000 Mark.' Durch, den Georg und Franziska Speyersche» Nachlaß von 10 000 Mark wird es dem Vorstand leichter, ein Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben herzustellen. Im ganzen fanden in den Berichtsjahren (1908 bis 1910) 40 Mädchen Aufnahme, darunter vier Vollwaisen, elf vaterlose, vier mutterlose Mädchen. Das Aufnahmealter der Pfleglinge bewegt sich zwischen 14 und 18 Jahren.- Die meisten entstammen Frankfurt und den angrenzenden Provinzen, vorzugsweise Hessen-Nassau. Fast die Hälfte bildet sich zu Kontoristinnen aus, ~ acht zu Schneiderinnen, vier zu Putzmacherinnen, zwei besuchen . die städtische Handelslehranstalt, zwei bereiten sich int Sr. Hochschen Konservatorium für die Musiklaufbahn vor. Die Leitung , lag wie in den Vorjahren in den bewährten Händen der Hausmutter Fräulein Lepehne. Zu erwähnen wäre noch, daß die Statuten die Genehmigung der Regierungsbehörde fanden. . ' ... .. J. W. Straßburg i. E., 16. Juli. Die Gesellschaft für die Geschi ch te de r Jsr a el i t e n in E ls a ß - Lot h rin gen versandte dieser Tage ihren vierten Bericht, dem. ein Verzeichnis der Ausschuß- Mitglieder und ein solches .der Mitglieder der Gesellschaft vorausgeht. Der Bericht, enthält die Ansprache, welche auf der am 27. November .1910 zu Straßburg abgehaltenen, fünften ordentlichen Generalversammlung durch den Präsidenten. her Gesellschaft Herrn.Charles Levy. aus Colmar gehalten wurde, sowie den von Herrn Dr. Ginsburger erstatteten. Jahresbericht. In letzterem werden die Namen aller Personen aufgezählt, welche der Gesellschaft in irgendeiner Weise ihre Unterstützung haben zuteil werden lassen, ferner wird der verstorbenen Mitglieder gedacht und;&itf die erfreulichen Erfolge hingewiesen, welche die Gesellschaft auch im vergangenen Jahr zu verzeichnen hatte. Aus dem von Herrn B. Moch, Direktor der israelitischen Gewerbeschule in Mülhausen, erstatteten Kassenbericht ersehen wir, daß der Kassenbestand am 27. November 1910 die Summe von 675.12 Mark aufwies> wozu noch eine Einlage bei der Langus äs Aulbouss i. H. von 521.65 Mark kommt. Gleichzeitig mit diesem Bericht erhielten die Mitglieder und Spender einen Abdruck des Vortrags, „Die Medizin und Hygiene der Juden in Elsaß- Lothringen von Dr. GinSburger". GLfterreich-Nngarn. v,' W. Wien, 12. Juli. In einem Wiener Bezirke mit stark jüdischem Einschläge wurde jüngst ein fortschrittliches Siegesfest über den Ausgang der Wahlen gefeiert. Nun, gar so viel Grund zum Jubeln haben wir Juden denn doch nicht; die Herren Deutsch-freiheitlichen, die sich während der Wahlkampagne die Mitwirkung der Juden und Judettliberalen gar wohl gefallen ließen, entpuppen sich jetzt als Deutsch-nationale, die im Judenpunkt mit den Antisemiten immer an einem Strange gezogen haben. Ja, den tapferen Deutschnationalen bangt es förmlich vor ihren Erfolgen über die Christlichsozialen; sie strecken dem geschlagenen Bruder die Hand zur Versöhnung entgegen. In den „Alldeutschen Bl? (1. 7.) jammert Herr Professor Paul Samassa: „Nun liegtdie Befürchtung nahe, baß. wenn die christlich-soziale Herrschast in Wien zusammenbricht, nicht etwa die Art von Liberalen, wie sie vor dem Antritt der Herrschaft durch die Christlich-sozialen am Ruder waren, ein güter Durchschnitt von braven Spießbürgern mit etwas jüdischem Zusatz, wieder ans Ruder käme, sondern eine mit der Sozialdemokratie aufs engste verbrüderte jüdische Demokratie übelster Art. Das wäre national kein guter Tausch, und gegenüber dem Monarchen hätte Wien dann einfach ausgespielt, es wäre politisch vollkommen einflußlos. Die , Macht des Judentums einerseits, der Sozialdemokratie anderseits, ist in Wien aber so groß, daß der Kampf dagegen im getrennten Heerhaufen aussichtslos ist. Darum ist der christlich-soziale Zusammenbruch ,1^ J ..... . V -. - ■y'wiVj-