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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-07-21 · Heft 29 (21.7.1911) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 29 (21.7.1911)
Date
1911-07-21
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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zu früh und zu nberraschend gekommen; .die. Deutsch - nationales waren unzureichend organisiert, die Wähler versagten teilweise dens; Weisungen der Leitung die.Heeresfolge. Und gerade die Leute unter den Christlich-sozialen, die mit der bestehenden Wirtschaft unzufrieden find, fanden keine Anlehnung an bestehende Gliederungen. s.'Nicht DerNichtung der Wiener Christlich-sojiälen känn die Äufgabe . der Aukun.fi sein, sondern Wiederaufbau ,.nd Umgestaltung aus dölkisch'Lr Grundlage," Es steht also „zu. erwarte»,, daß sich die „freiheitlichen" Deutsch'nationalen und die Christlich sozialen demnächst wieder gerührt in die Arme sinken werden, um den Kämpf gegen „Juden und Sdzialdemokraten" mit vereinten Kräften führen zu können. — Der Schauspieler Herr Benno Wünsch, .ehemaliges.Mitglied d'es Josef» städteL Theaters, hat nach voränsgegaugener Äblegüug des römischrechtlichen , und des' judiziellen Rigvrosums dieser Tage auch vor) emer Kommission, der die. Pröfefforell Hofrät Bernatzik, Hofrat Menzel, Professor Strisow.er und Baron Mieser ängehörten. das staatsrechtliche Rigorosum beständen und wird am 14. d. M. zum Doktor der Rechte promoviert.. < Nuszland.. Petersburg, 14.'Juli. Bei uns in Rußland ist älles konfessionell, sogar die Mortalitätsstatistik. So wird von amtlicher Stelle über die Sterblichkeit-im Jahre in den „St. Petersbürgskija Wjedö-. mosti" berichtet, es stürben alljährlich im Russischen Reiche von 1000 Orthodoxen 32 bis 34 Personen, von 1000 Katholiken 23 bis 25 Personen, von 1000 Protestanten 20 bis 23 Personen, von 1000 Mohammedanern 23 bis 26 Personen, von 1000 Juden 15 bis- 17 Personen.- Die „Semschtschina" sieht mit Grauen den Moment voraus, wo Rußland total „verjudet" sein wird;'man bedenke: es sterben noch einmal so viel Orthodoxe als Juden! Das Blatt philosophiert folgendermaßen:- „Wahrhaftig! Man beginnt die Psychologie der alten Pharaonen zu begreifen, die vor nichts zürückschreckten in dem Kampfe gegen die Ueberschwemmnng durch diese „menschenähnlichen Wesen'",- wie sie unlängst ein Mitglied der Reichsdumä nannte." Also noch ein Grund, um die Juden zu unterdrücken! Armes Rußlands —' Indessen -empfehlen wir der- ^Semschtschina", den offiziellen Bericht über die Verbreitung der Trunksucht unter den Kindern in Rußland etwas genauer anzu^. sehen; vielleicht findet sie in ihm eine Erklärung für die große r Sterblichkeitsziffer unter ihren Stammesgtznofsen. Nach dem genannten Beria.t vergeht fast kein Tag, daß man nicht selbst in Petersburg eine Anzahl schwer betrunkener Kinder im Alter von acht bis neun Jahren auf den Straßen äuflesen und sie entweder in ihreWohnung oder in eine Heilanstalt bringen würde. Unter den 70000 Betrunkenen,^ die durchschnittlich -jährlich in Petersburg , äufgegriffen Werdens sind nicht - weniger als 8000.Kinder im Alter unter zehn Jahren. Das sind demnach in Petersburg allem durchschnittlich 20 pro Tag. Ihre Zahl wird, wie der Bericht sagt, täglich größer. Die trunk-- süchtigen Kinder . rekrutiereu sich, nicht nur aus der ärmeren Bevölkerungsklasse. sondern im großen Maße auch, aus den Reihen der Reichen und der sogenannten Intelligenz. — Auf. Befehl des Untersuchungsrichters ist in Kiew der Stiefvater des in diesem Frühlings unter angeblichen Anzeichen eines Ritualmordes ermordeten Knaben Juschtschinsky, namens Prichodko, verhaftet worden.' Der Knabenmord in Kiew hat bekanntlich zu einer Interpellation in der , Duma geführt. Die russischen nationalistischen Blätter mit de^ ,,Rowoje Wremja". ünb dem „Swjet" aN der Spitze, hatten den? mysteriösen Knapenmord in Kiew zum Anlaß einer Ritualrnord Hetze gegen die Juden genommen, und diese.Hetze, erzeugte im jüdischen Niedexlassungsgebret eine..Pogrompanik, die sich erst dann legte, als die. Lokalbehörden strenge Weisungen zur. Unterdrückung der ttn« ruhen gegen Juden erhielten. Inzwischen entsandte das Justizministerium. einen hohen Beamten nach'Kiew, um die Angelegenheit zu .untersuchen.. Das Ergebnis der Untersuchung war,..daß der . Knabenmord.-keinen ritualen Charakter trage. Die unter dem BeH dachte des an dem Knaben Juschtschinsky ' begangenen Ritual.morbes verhafteten Juden wurden auch sofort freigelassen. Nun wurde der . Stiefvater des ermordeten Knaben unter dem Verdachte der Täterschaft verhaftet. so daß der mysteriöse Knabenmörd. wie es scheinsam Vorabend seiner Aufklärung stehen dürfte. Äußer dem Stießvater. des in Kiew erm.yrdeten. Knaben I u s cht.schinski.. wurden dessen .Bruder, ferner zwei .Onkel' des Ermordeten, N es ch i n s kt. und Tschirikow., sowie eine Nachbarin, Jyera Tscheborj ako w.a. verhäftet. Die Verhaftung erfolgte/auf.spezielle Anord ning des' stell-' vertretenden Justizministers" Were w klm . . . .. Von MH und jsern. , Eine Anzahl hochherziger Freunde des Berliner Kaiser- Friedrich-Museums hat -sich züsammengetan, um dem' Museum aus der' vor kürzem in Berlin erfolgten Medäillenauktion der Sammlung Adalberts v. La'nna eine Anzahl hervorragend er Stücke züzuführen. Unter - detr- Stiftern der Medaillenerwerbungen sind von unseren - Glaubensgenossen die Herren Geheimer Kommerzienräf Arnhold.- Otto Ferst,- Dr. James' Simon ün d Geheimer Kommerzienrat -Sbe'i nt ha l.' — Der Mitbegründer und Mitbesitzer der „Breslaüer^Gerichtszeitung", Loüis Cohn, welcher sich im RcvolütiönHjätzr gro^e -Verdienste um die liberale Sache erlvorbeü hat/ beisonders durch Verbergen verfolgter Freiheitsmänner, später Sozialdemokrat wurde und Senior dieser Partei war , ist im Alter von. 80 Jahren gestorben. — Aus dem alten, bereits geschlossenen jüdischen Friedhose in Hirschberg wurdenv i er Gva b d e n km äler umgeworfen, zwei' zertrümmert und eins beschädigt. Mit Hilfe des Polizeihundes; wurden zwei noch - nicht zwölf Jahre alte Schüler als Täter, ermittelt, die auch ihre Tat eingestandeu. — Die mündliche Äbsolutorialprüsung an der Israel iti s ch en R e a ls ch ule Fürth, am 4. und 5.-V. M. unter Vorsitz des . Ministerialkommissärsköniglichen Rektors Dr.-Z w.am zig er ist von elf Schülern der Oberklasse bestairden W.orden;darunterwar'einer mitlaut er erstenNoten. — In Pforzheim fanden in den:'letzten Tagen die Wahlen für den Bürgeraüsschuß 'statt.? :Bei;?-dieser/ Gelegenheit wurde auch der Käntor der jüdischenMetneinde, Hauptlehrer Sommer, als Stadtverordneter 'indie städtischen Kollegien gewählt. Es ist erfreulich, daß man?in einer solch.bedeutenden Industriestadt dem Lehrerstand gebührend Rechnung ttägt... — Kommerzienrat. Mart. Moritz .Mayer-, in MaiNjZ; wurde.;;zum Beigeordneten, der Bürgermeisterei i gewählt. — Aus Stuttgartwird berichtet: Das Königspaar überwies von der zu seiner?silbernett Hochzeit gesammelten Spende von 540000 Mark den Betrag von 10 000 Mark, an den israelitischen Asyl- und Unterstützungsperein. — Die Gemeinde Kopenhagen hatte ihren Oberrabbiner. Dr» Leweystein; abgesetzt, muß aber jetzt durch Gerichtsurteil 60 000/Kronen Entschädigung zahlen. — Aus Amsterdam wird gemeldet:-Bei dem Besuch des' französischen Präsidenten haben die Herren M.. F.? Stolias, Dr. de Hartog h, . A. As sch er und S. Vas Di as . einen.' französischen Orden bekommen.. Kaiser - Franz Josef.,: hat. .dem Großindustriellen Dr.Hoxace Landau den Ritterstand; verliehen,- — In Szämos-Krassö (Veszprämer Komitatj äst .der Iltefte Rabbiner Ungarns Isaak Re i ch im Alter von?117.Jahren.gestorben....;Er. galt als Wunderrabbi. Im. vorigen; Jahre hat. er: feine vierteFrauim Alter von 93 Jahren verloren.; ..In-'. se1n.er...;.-.Bjbl-jDtßeL sollen sich verschiedene kostbare Bücherschätze befinden, Reich; war ein intimer . Freund des Wunderrabbi von Sadagora.-Die Wabe.mie der Wissenschaften in Paris hat-dieser.Tage-den; Drouyn de Lhuys-Preis in Höhe von 2000 Franes dem; Rechtsprofessor; Gaston May für seine Arbeit über Pen Frankfurter; Vertragvom 10. Mai 1871 zuerkannt. — ..Da bei dem ..jüngst abgehaltenenallgemeinen Kongreß der Bibliotheken in. Rußland die jüdischen Delegierten infolge Ver- . Weigerung.. des Wohnrechts nicht zu Worte kommenkonnten, beschlossen, sie/:-einen Kongreß, zu veranstalten,, auf welchem ausschließlich. jüdische Biblivthekssragen zur Besprechung gelangen sollen. — Die New-Aorker jüdische Einwandernngsgesellschaft „Reb re.w ImiFranl ^iK Ko.eietx" .hat! an .sämtliche jüdische, Einwanderungs. . gesellschaften eine Ei.nlabung. zu - einer Konferenz ergehen lassen,?in welcher wichtige Reformen aus dem Gebiete des Emigrantenschytzes beraten tverden sollen. -Die Konferenz, wird- Ende. Juli in New Bork statlfindem. . . . . , Beraii'twortticher Redakteur: Albert -Katz in Perlin^Pankow.,Florastrabe.58. , Druck und Verlag von Rudols Masse in Berlin. .

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