Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1911)
- Date
- 1911-07-21
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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- =*= Berlin, 18. Juli. Der Senior der Berliner Handelsrichter, Ka u fm a n n Herma n n L an d s b e r g er. feierte dieser Tage seinen 75. Geburtstag. Der Jubilar gehört einer alteingesessenen Berliner Familie an und nimrnV iw der Berliner Kaufmannschaft eine her-' vorragende..Stellung ein, Als. früherer Mitinhaber des bedeutenden Konfektionsstoffhauses Jacob Landsberger war er länge Zeit' einer der führenden Männer in der Textilindustrie ' Landsberger ist der Senior der Berliner Handelsrichter und war einer der Begründer des Deutschen Kreditoren-Verbandes^ Aus den Kreisen der Berliner Kaufmannschaft sind dem Jubilür zahlreiche" Glückwünsche dargebracht worden. Für? das Handelsrichter-Kollegium überbrachte eine Deputation ein großes Blumenarrangement, und die Aeltesten der Kaufmannschaft sowie der Handelskammer entsandten ebenfalls Delegierte und kostbare Blumenspendeü. ' " 7 8t. Königsberg i. Pr> im Juli. Aus dem kürzlich erschienenen -Berichte des Verbandes der Synägögengemelnden Ostpreußens über das Geschäftsjahr vom 1. April 1910 bis 31. März 1911 geht hervor, daß auch im vergangenen Berichtsjahre die Fürsorge für Förderung des ReligioUsschulwesens unter den Aufgaben des" Verbandes obenan stand. Das Bestreben --der Organisation, den Religionsunterricht nur noch von ordnungsmäßig vorgebildeten Lehrern erteilen zu lassen, findet in den beteiligten Kreisen Anklang und die weitestgehende Berücksichtigung. Gar 'häufig ' empfiehlt sich aus Zweckmäßigkeitsgründen die Zusammenlegung zweier oder^mehrerer benachbarten 'Gemeinden zu einem Gruppenverband; von dieser Neueinrichtung wurde in verschiedenen Fällen Gebrauch gemacht, und dadurch das für die kleinen Landgemeinden schwierige Problem einer ausreichenden Besoldung der Kulturbeamten in zufriedenstellender Ttzeise gelöst. Sehr oft aber mußte auch der Verband mit'seinen Mitteln eingreisen, um den Gemeinden die Anstellung einer seminarisch gebildeten Lehrkraft zu ermöglichen. Da diese Mittel aber für diese Zwecke nicht mehr ausreichen, so richtet der Verbands- Vorstand einen warmen Appell an Verbandsgemeinden und einzelne Mitglieder zur Erhöhung der Beiträge bzw. zum Anschluß als unterstützendes Mitglied an den Verband. Zu den Fragen des neuen Organisationsgesetzes wie der Reglung der'Wanderbettelei in Ostpreußen hat der Verband auf seinem außerordentlichen Gemeindetage in Allenstein am 11. September' 1910 Stellung genommen. Das Referat über den Gegenstand" hielt Herr Rechtsanwalt Hirsch-Königsberg. Der Ausschuß blieb mit geringen Aenderungen derselbe. Herr Stadtrat S. Jacoby-Osterode verzog aus der Provinz. An seine Stelle trat Herr Joseph Loewenstein-Eydtkuhnen. Nach Bestimmung des neuen Verbandstatuts wurde Herr Prediger Sturmann - Osterode in den Verbandsausschuß gewählt. Durch Tod verlor der Verband sein geschätztes Mitglied Eduard Jakoby- Rastenburg. Der Kassenabschluß'zeigt für 1910/1911 eine Einnahme von 12376.14 Mark, der Ausgaben in der Höhe von 5437.79 Mark gegenüberstehen. IV Alts der Provinz Posen, im Juli. Ostrowo. Zu dem , Kreisfchulinspektionsbezirk Ostrowo gehören 50 Schulen mit 96 Lehrern und 9 Lehrerinnnen. Die Schulen werden von 7206 katholischen, 1441 evangelischen und 29 jüdischen Kindern besucht. Auffallend ist der Rückgang der Zahl der jüdischen Kinder. Die Sexta A des hiesigen Gymnasiums wird von keinem jüdischen Schüler, die Sexta 8 von nur zweien besucht. Auch Ostrowo gehört, zu den Synagogengemeinden unserer Provinz, welche durch die zusehends starke Abwanderung nach dem Westen immer mehr an Seelen- . zahl abnehmen. — Jan oWitz. Auf dem hiesigen jüdischen Friedhof sind mehrere Grabsteine durch Steinwürfe erheblich beschädigt worden.. Als Täter kommen einige Schulknaben in Frage. — Lobsens. Hier verschied im Alter von 54 Jahren das Mitglied des Magistrats Herr Kaufmann Moses Scheye. Mit ihm ist eine der markantesten. Persönlichkeiten der Stadt^und ihrer Verwaltung, der er 16 Jahre lang augehörte,' dahingegangen. Für alles, was städtisch war und hieß, trat der Verstorbene mit größter Hingebung, mit vorbildlichem Eifer und seltener Umsicht , ein. Er war dem wirtschaftlich Schwachen stetst ein treuer Freund und Helfer, und dem Schönsten und Besten galt sein. Streben; immer wußte, er aus der Tiefe -des Herzens zu schöpfen. " - L2 Rakel, 14., Juli. - Am 6. Juli feierte der Lehrer und .erste Kantor unserer Gemeinde Herr P eczk o ws ki seine Silberhochzeit. Aus diesem Anlaß wurden dem Jubilar vielfache Ehrungen erwiesen, ' die von: den Sympathien-;welche sich Herr Peezkowski in de^Gemeinde erworben, ein beredtes Zeugnis äblegten. Im Namen und Aufträge des Gemeinde- und' Schulvorstandes ~ überreichte ihm der Rabbiner Div Perlitz unter herzlichen Glückwünschen eine ansehnliche Ehrengabe. Die Liedertafel, uni' die er sich 'als Dirigent verdient gemacht hat, widmete ihm einen kostbaren'Tafelaufsatz, der Lehrerverein und sämtliche Wohltätigkeitsvereine in der Gemeinde feierten ihn als eines ihrer ' eifrigsten Mitglieder und bemühten sich, ihn durch wohlverdiente Aufmerksamkeiten zu erfreuen.' ' M. Hamburg, 16. Juli. Der Verein selbständiger jüdischer Handwerker' und Gewerbetreibender zu Hamburg von '1906 . hielt eine Mitglieberversämmlnng unter Vorsitz des Herrn B. Heinemann ab. Bel' der Erstattung des Vörstandsberichts würde vom Vorsitzenden daraufhingewiesen, daß es den Bemühungen des Vorstandes immer'mehr gelinge, daß Veremsmitglieder bei Vergebung von Arbeiten innerhalb der Gemeindeinstitütionen mehr berücksichtigt werden. Bei dem Neubau der Talinud-Tora-Realschule; die nun ihrer Vollendung entgegengeht, haben' viele Mitglieder die Arbeiten zur inneren Einrichtung usw. erhalten. Es lag nun ein Antrag des Vorstandes vor, betreffs Veröffentlichung der zu vergebenden Arbeiten durch die Gemeinde. Der Vorsitzende wies darauf hin, daß in Berlin ' der Bruderverein es durchgefetzt habe, daß "die Submissionsarbeiten im Gemeindeblatt veröffentlicht' werden, vielleicht ließen sich auch die Gemeindekollegien in' Hamburg herbei, ständige Submissionsanzeigen in der Presse zu veröffentlichen. Von anderer Seite wurde noch darauf hingewiesen, daß auch viele Institutionen, die nicht direkt der ' Gemeinde unterstehen, die Ausschreibung respektive Vergebung ' der Arbeiten nicht "öffentlich bekannt geben. Auch hier müßte auf die maßgebenden Kreise eingewirkt werden, daß eine ÄeNderung des bisherigen Modus eingeführt werde,- denü bei rechtzeitiger Bekanntmachung würde auch der jüdische Handwerkerständ mehr berücksichtigt werden. Es wurden dann noch verschiedene' Vorschläge -gemacht, unter änderen, daß die zu vergebenden Arbeiten in der Gemeindestube dürch Anschlag bekannt gegeben werden" Die Versammlung beschloß dann, eine fünfgliedrige Koyrmission' zu wählen, die die betreffende Angelegenheit nochmäls einer PÄfüng unterziehen soll. Es lag-dann noch ein Antrag vor'betreffs „Unterstützüng durchreisender Handwerker". Der Antragsteller Nisfensohn wies' 'auf die oft so große Not der durchreisenden Berufskollegen"hin und empfahl, diesen Leuten aus. der Kasse eine.' einmalige Unterstützung zu gewähren. Herr Berlin empfahl, dem Israelitischen Verein für Obdachlose, Und zwar für die Zwecke des „Daniel-Wormser-Hauses" einen jährlichen Beitrag zu gewähren, depp dieser Verein hak sich'in ganz besonderem Maße die' Unterstützung der durchreisenden.' Handwerker zum Ziel gesetzt. Eine jedesmalige Unterstützung der durchreisenden Handwerker aus der Vereinskasse sei schon aus' finanziellen Gründen schwer durchführbar." Herr Nisfensohn erklärte sich denn auch hiermit einverstanden, und fand der betreffende Antrag Berlin einstimmige Annahme. In der allgemeinen Aussprache wurden dann noch einige interne Vereinsangelegenheiten besprochen.' Hamm i. W., 13. Juli. Der erste Vorsitzende unserer Shnägogengemeinde, Herr Moses Schreiber, hat'mit Rücksicht auf sein hohes , Alter sein Ehrenaint als Präses des Vorstandes niedergelegt. Herr Schreiber hat nicht weniger als fast vier Jahrzehnte zum Wohl der Gemeinde ehrenämtlich gewirkt. Die ganze Gemeinde, insbesondere auch die Beamten derselben, denen er stets, wie ein wohlwollender Freund entgegenkam, sehen ihn ungern aus seinem Amt scheiden. Ein schöner Beweis det Anerkennung seinerVerdienste um'die Gemeinde wurde ihm um Tage seiner Amtsniederlegung züteil. Eine künstlerisch ausgesührte Adresse mit dem Bilde der Synagoge tvürde Herrn Schreiber von einer Deputation unter anerkennenden Worten für seine Verdienste um das Gemeinwesen überreicht. ' L. Worms, 14. Julil Dem diesjährigen Jahresbericht des Israeli tischen Unterstützung sVerei ns uv Worms a. Rh. geht aus Anlaß des 50 jährigen Bestehens des Vereins eine treffliche zusammenfassende Darstellung der Tätigkeit dieses Vereins auf dem Gebiete der Armenfürsorge und alles dessen/ was er zur