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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-07-21 · Heft 29 (21.7.1911) · p. Seite 347

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 29 (21.7.1911)
Date
1911-07-21
Page
Seite 347 (sequence 11)
Language
German
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viele von ihnen Handwerker, Krämer, Händler, Ackerbauer und haben die Form Hrer Rede mit " ihrem Beruf in Verbindung gebrachtihre Sentenzen oft aus ihm geholt. Auf diese Weise erhielten manche ihrer religiösen Lehren einen geschäftsmäßigen Anstrich, der Sombart verleitet hat, von einem kapitalistischen Zug der jüdischen Religion zu sprechen. Daß diese Sätze. nicht ohne Einfluß auf die Juden blieben, sei ohne weiteres zugegeben.; Darum handelt es sich aber nicht. Die Frage ist die, ob die jüdische Religion als solche mit' ihren Grundprinzipien als.Beweis' dafür herangezogen werden könne, daß dem Juden der Kapitalismus im Blute stecke, als Ureigenschaft, nicht als etwas Anerzogenes,. sondern als ein Angeborenes- Sombart bringt nun b<r§ Kunststückchen zuwege, ein Bild, . ein Gleichnis, eine Sentenz zum Wesen, zum Kern zu machen. Einernster, unvoreingenommener Forscher, der nicht zu seiner Tendenz um jeden Preis.Belege sucht, sondern. durch die Füllen des Materials zur Tendenz gedrängt wird, hätte sich vor solchem Irrtum wohl gehütet. 7....; So bleibt wohl Sombarts Gedanke, die Juden seien zum Kapitalismus nicht nur durch die Verhältnisse, durch „objektive Umstände" geführt, worden, sondern auch krast ihres eigenen Wesens, wie es sich in der jüdischen Religion spiegelt/doch nichts mehr als ein witziger, geistreich durchgeführter feuilletonistischer Einfalls dem' die Wissenschaft ihre .Punze versagen muß, Wie jede höhere Religion, so ist auch der „Judaismus" eine Religion, der' Liebe, der Inbrunst, der Mhstik und der Gnade. Und wie kxine Religion, so konnte sich "auch' die jüdische nicht frei machen vom Lohn- und Strafprinzip, vom Bewährungsgedanken, obwohl auch da tiefere Naturen eifrig gegen diese Urprinzipien ckller Religionen gekämpft haben. Daß kleinere Züge, Bilder. Gleichnisse, Sentenzen kapitalistisch gefärbt sind, liegt zum Teil in der Laisierung der Führung des religiösen Lebens, indem seit der Kanonisierung des Pentateuchs je später je mehr nicht Dichter, Priester, Philosophen von Beruf die religiösen Lehrer des Judenvolks geworden sind, 'sondern Laien, Krämer, Handwerker, Ackerbauer, Händler/ Zum Teil aber sind das zufällige Erscheinüngen, wie' sie in jeder religiösen Literaturzumal in ihren volkstümlichen Teilen, in den nüchternen Sprüchen und Sentenzen des Volkes sich finden, doch keiner Religion als wesentlich zugeschrieben werden können. 'Solche Sentenzen haben zweifellos den Erwerbssinn der Juden kapitalistisch gefördert, nicht nur weil die wirtschaftlichen Verhältnisse dazu angetan waren, sondern auch, weil die Beschäftigung mit allen Seiten des religiösen Lebens und der religiösen Literatur bei den Juden zu allen Zeiten eine, sehr rege war. Derartige Sentenzen und Aüssprüche jedoch für das Wesen der Religion halten, ist zum mindesten —unwissenschaftlich. Äelm Lämpchen. Roman von Peter UjvLri. Berechtigte Uebersetzung von Rosä Trencsöni.. XXlV. wie hätte.er es gewdgt, das Brot anzufassen, welches der wundertätige Gott mit Fluch beladen hatte. Er schaute es nur an, doch selbst besten Anblick! peinigte ihn. 'Er hätte es lieber nicht gesehen, und er schloß deshalb' die 'Äugen. Doch sah er es ' auch dann noch/Und 'das Schuldi bewußtsein ließ ihm keine Ruhe. Er wollte fliehen, doch wie er sich rührte) wurde sein Schmerz noch heftiger. Das quälende Schamgefühl über seinen tiefen Fall brannte in seiner Seele, so daß er darüber fast wahnsinnig wurde. Er wich immer mehr zurück, und doch, stieß ihn.eine unbekannte Macht wieder zum Fenster hin. Dann lugte er mit angstWen Blicken aus die Gasse hinaus, ob ihn auch keiner beobachte;, auch auf die Kinder warf er einen argwöhnischen Blick und herrschte sie an: ■ ■ „Was habt Ihr da zu schauen?" Die Kinder verkrochen sich furchtsam und blickten scheu ans ihren. Vater. Instinktiv fühlten die kleinen Herzchen, daß es jetzt geraten; sei, sich zu ’ ducken, denn es ist etwas lös-. Ganz nahe beim Fenster lag auf der Kommöde Otes Gebetbeutel. Sein Blick fiel daraus, und da kam ihm in den Sinn, daß er noch nicht gebetet habe. "Mt zitternden' Händen löste er das Band davon und nahmden Tallis hervor,' Eben wollte er ihn um den Kopf.wickeln, als sich sein Blick abermals auf das Brot Heftete, und da schien es ihm, als ob das Brot Leben bekommen hätte, und als ob der Schnitt, den er daran gemacht hat, so klaffe, wie ein weitgeöffneter Menschlicher Ptund, der schreiend anklagt. . Ore warf rasch das Gebetbuch auf das Brot und preßte dieses mit.'den Ellbogen nieder, damit es nicht schreie. Doch das Brot schrie auch unter dem Tallis. Der arme Ore konnte das Hämmern in. seinem Kopfe nicht mehr ertragen. Er mußte. aus seinem Hause den Fluch entfernen/ welchen er mit eigenen Händen hereingebracht. hatte. Was daraus entstehen konnte, um.das kümmerte er sich nicht — .das Brot durfte nicht hier bleiben. i Er griff nach. dem Brot, umwickelte es mit dem Gebetbuch und lief damit weg. Für die Kinder hatte er kein einziges cheruhigendes Wort. . - > . Er rannte - atemlos zum Bäcker hin. ... „Reb Bünem," sprach er leichenblaß, „ich Hab' es zurückgebracht. Ich kann es nicht behalten, Da ist es." Und mit zitternden Händen legte er das Brot auf das Pult nieder. >. „Was ist das, Reb Ore?" fragte der Bäcker. „Sie sehen/ es doch " „Aber wozu haben Sie es hergebracht?" „Es gehört Ihnen. Bei Nachtwarich hier und habe es gestohlen." - . . . . : Reb Bünem -lachte. Es fiel ihm ein, daß Or.e in seinen besseren Tagen der Spaßmacher der Gemeinde gewesen .sei. Wie es schien, waren in ihm die früheren Fähigkeiten wach geworden. Doch als er ihn bester in Augenschein nahm, sah er, daß Ore zitterte. Da wurde er auch ernster und begann in /verändertem Tone:.; . - '// „So machen Sie doch keine Dummheiteil, Reb Ore. Sagen Sie mir, warum Sie gekommen sind." „Nur darum." - -; „Aber was geht mich dieses Brot an? Das; gehört nicht mir." „Es - gehört Ihnen. Hier habe ich es heute nacht entwendet, als es keiner sah. Es war gutes frisch gebackenes Brot. Moseschen und Davidchen haben ' schon lange - kein weiches Brot gegeffen, und; gestern beim Schlafengehen haben sie sehr geweint. Und mir wollte das Herz brechen-und ich bin davongerannt und in den Gaffen herumgeirrt, denn ich Hab' mich nicht getraut näch Hause zu gehen, damit; ich' die abgemagertey,. blassen Gesichtchen nicht sehen soll/ Und -ich bin; 'hwr börbeigegangen/ uyd das Brot wär zunt Auskühlen

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