Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1911)
- Date
- 1911-07-21
- Page
- Seite 346 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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«Ich segne dessen Pfade/ der dich fromm verehrt" (das. 815). _ . «Was nur zu schönem Siege führt, ein Jegliches — gewähr ihm: — — — •— —- 1 . Mag auch des Saatfelds und der Herden -reichste Frucht .? In steter Fülle wachsend und. gedeihend/stehn, .. -Und aüch^des Volks Nachkommenschaft gesund erblühn. ' ' Den 'Frevler aber rotte desto schneller äüs. . Nimmer breche fruchtabstreifend arge Pest herein, Schafe, reich genährt und fett, mögen stets ein Lämmerpaar; - Gebären zur bestimmten Zeit. Die Erde mag-; . Schätz' ausstreuen durch Bergwerk, . Welches segnet Hermes Huld" (das. 821A, 854 ff.)'. . - . «Denn eine Stadt im Segen preist die Himmlischen" (Die Sieben box Theben, 77). ■. , ^3)000 c^i8^^nfßl^eöl^ücEt Blüht der Stamm des Gerechten" (Agamemnon, 761 f). „So lange Zeus waltet, gilt das Wort:. Wer Böses-sät, erntet schlimm" (das. 1563 f.).' . ' v «Für blutigen Schlag sei blutiger Schlag Der gebührende Lohn! «Wer frevelte, büßt!" . So gebeut urgraue.Verkündung." , (Die Totenspenderinnen 312 ff.)!; «Zeus, der verwandte, gleichwägende Richter, schallt ' - Beider Parteien Stand: lohnt der.Gerechten Pfad'; - . Straft der Verruchten Fuß." ■ , (Die Schutzflehenden 402ff.) Also die der Götter Rache und Zorn.sprühenden Dramen des größten .attischen..,Dramatikers - -halten < nichtanders das; irdische Glück, den Reichtum für einen Segen der Götter, wie die Juden. Und daß die anderen griechischen Dramatiker über Lohn und Strafe nicht anders dachten^und 1 schrieben; dürfte wohl jeder bestätigen, den das Schulgriechisch - noch nicht. ganz in Stich gelassen hat. - Singt doch auch Bakchilides: - ■ - - . .... «Selig der Mann, wenn der Gott ihm ... . Schönes zu kosten gewährt Und bei' beneidenswertem Glück sein .. j . Leben zu fuhren in Wohlstand."! .. Auch an Platons „Gorgias" (79). erlaube ich mir Herrn; Sombart aufmerksam zu machen. Schade, daß Sombart! scheinbar seine Kenntnisse aus dem Griechischen nicht auf-; gefrischt hat; er Hätte, uns ein hübsches Buch schreiben können I über Kapitalismus und Hellenentum!! Und , welch eiw grandioses erst über Kapitalismus und! Römertum! Welche MÄhrung zollten doch diese nüchternen,! intelligenten Römer ihrem Handelsgott! Meyer schreibt mj seinem Buch „Altgermanische Religionsgeschichte" der römischen! Mythologie „nüchterne Geschäftsmäßigkeit" zu (S. 57)!? Aber sonderbar, auch die Germanen zeigen sich in ihrer? alten Religion als ein durchaus kapitalistisches Völklein. Einer, ihrer Hauptgötter war bekanntlich Wodan, Dieser Wodan heißt bei Tacitus und anderen I^ereurius mercatqr, negotiator, j nundinator als „Gott der Händler, der reisenden Kaufleüte." - „Der Vergleich wurzelt in der -Betonung der Klugheit, der- Schlauheit? ja der überlegenen Einsicht vor allem in die; menschlichen Geschicke. ' Die Charakteristik Hhndluljöds lautet: j „Laßt uns Heervater.bitten, seine Huld zu gewähren. Der gern dem Gefolge sein Gold spendet; Dem einen gibt Sieg er, dem ändern dchätze, Weisheit vielen,- und gewandte Rede;^ -? Dem. Seemann Fahrwind, dem Sänger Dichtkunst, -^, . Männliche Tatkraft manchem Helden." Wie mich das an einen alten Midrasch hat erinnert, Herr Sombart verzeihe mir, wenn ich zu vergleichen wage! „Komm^ und sieh, wie Gottesart nicht Menschenart ist. Ein Menschenkönig kann nicht Krieg führen und zugleich So fer'sein und Kinderlehrer. Nicht so der Heilige, gelobt sei er.Gesterrü am'Schilfmeer,, war er wie ein Held, ein Krieger: "'Jahve ist ein Mann des Kriegs, Jahve ist sein Name. (Ex. 15, 1); heute wieder bei der Offenbarung steigt er , hernieder, um seinen' Kindern Unterricht in der Thora zu geben" (Ex. r. XXVllI, 5). ' Wer die. alten Sagen, die nüchternen Weisheitssprüche der germanischen Völker kennt, der wird finden, daß auch da die Religion durchsetzt ist von Furcht und Rache, Lohn und Strafe, von? Verlangen nach irdischem Glück unp Reichtum. Und daß. auch das Schuldbüch keiner höher entwickelten Religion be£ Altertums fremd war, weiß nicht nur jeder Theologe. Was müssen wir aus all dem schließen? Daß allen Völkern ein kapitalistisches£0(611*. im Blut liege, daß man daher von dem jüdischen Bewährungsgedanken, der sich mit dem der anderen Völker vollständig deckt, unmöglich auf den speziellen jüdischen Kapitalismus als Urtalent schließen könne; daß ferner jedes Volk kapitalistisch wird, wenn es durch eigenartige Verhältnisse zum Kapitalismus gedrängt wird. - Herr Professor Sombart dürste vielleicht. entgegnen: .»jC’est le ton, qui fait la musique.“ Daß sämtliche Völker des Altertums das? Lohn- und Strafprinzip, wie auch den Bewährungsgedanken als Grundprinzipien ihrer Religionen ansahen, sei zugestanden. Hieraber kommt es auf die Form an. An keiner Religion wird derart rechnerisch dieses Prinzip .dargestellt, in keiner so buchmäßig Konto geführt, wie in der jüdischen. „Seltsam muten uns aber.auch die Reden so vieler Rabbanan an, die zuweilen wie gewiegte Geschäftsleute über die schwierigsten ökonomischen Probleme streiten, und die sehr häufig Grundsätze aufstellen, die gar nicht anders dann als Aufmunterung zu einem, emsigen Erwerbsleben aufgefaßt werden können. Es wäre reizvoll, aus dem Talmud allein die Stellen zu sammeln, in denen moderne Erwerbsprinzipien von diesem oder jenem Rabbi vertreten werden (die ja in der Tat e>|t genug selbst große Geschäftsleute waren)." Wäre Herr Sombart von diesem kleinen Satz ausgegangen, den er mter paranlhese an gefügt hat, er hätte leicht mehr Verständnis der Sache entgegengebracht. Es wäre ihm vielleicht eine Phase in der jüdischen Religionsentwicklung nicht entgangen, der auch im allgemeinen bis jetzt zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden ist, die aber den Gang des religiösen Lebens der Judenheit mächtig beeinflußt hat. Ich meine, die Laisierung in.der Führung des religiösen Lebens. Es liegt auf der Hand, daß. ein Priester, ein Prophet, ein Dichter, ein Philosoph von . Beruf ganz anders .spricht als ein Handwerker, ein Kaufmann, ein Händler. Mögen auch diese wirkliche .Deuker sein, dichterisch hoch veranlagte Menschen, ihre Gleichnisse. ihre Redensarten, ihre: Sentenzen schöpfen sie doch aus den Erfahrungen ihrer Welt, aus ihrem Umkreis, ihrer Beschäftigung. Wenn ein Greisler Reichsratsmitglied wird, merkt man ihm doch den Greisler meilenweit an, sein Talent, seine Bedeutung "in allen Ehren. Merkt man etwa einem Jesaja, einem Jeremia, dem Verfasser des Hiob, oder um in die Rabbananzeit zu kommen, einem Philo, einem Josephus, irgendeinen Merkantilismus an? In den Sprüchen einesjeden Volkes ist er zu merken, ebens0 in denen der - Juden. Und -wenn manche Soferim. und „Rabbanan" An Bildern, Sentenzen, Gleichnissen kapitalistische Züge, aufweifen, /ist dies nicht auf das Konto der ^Religion zu setzen, - sondern auf das des Berufes ^dieses., oder jenes Schriftgelehrten. Warendoch