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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-07-21 · Heft 29 (21.7.1911) · p. Seite 339

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 29 (21.7.1911)
Date
1911-07-21
Page
Seite 339 (sequence 3)
Language
German
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I! i b^i j;ffentjCi0ett lintcm^t^ uni’ tn eigene Abschließüng zü be- . gebxn. Wir wünschen keine konfessionelle Trennung der Schuljugend, wie wir solche Trennung, auf allen anderen Gebieten des sozialen, wirtschaftlichen und. staatlichen Lebens mit aller. Macht bekämpfen.' Menn wir -unserem «wackeren jüdischen Lehrerstand auch gern und willig alle verdiente Sympathien entgegenbringen, hier auf' diesem Gebiet muß das Standesinteresse, mag es auch niit andersgearteten Argumenten noch zu operieren.versuchen, den großen allgemeinen Interessen, der deutschen Gesamtjudenheit weichen. Die jüdischen Gemeinden Deutschlands sollten wohl bedenken, daß. die Errichtung jeder; neuen jüdischen öffentlichen Volksschule einen Schritt auf. der Bahn zu einem besonderen jüdischen Volksschulwesen, und damit in logischer Konsequenz zu einem besonderen jüdischen Unterrichts wesen innerhalb des Staates bedeutet. Die organisierte Gemeinschaft der jüdischen Gemeinden Deutschlands, den „Deutsch -Israelitischen' Gemeindebund" aber' auf diese schiefe Ebene zu drängen ist ein Beginnen, dem gegenüber mit aster Nachdrücklichkeit den Herrn Lehrern zugerufen werden muß: „Hank weg!" , . Modestus, Die Wlachr Berlin, 18. Juli. "eine Leser werden mir das Zeugnis geben, daß ich sie " während meiner nun fast zweijährigen Redaktionsführung mit eigenen Angelegenheiten nicht behelligt habe. Ich habe auf keinen der zahllosen Angriffe geantwortet, die von zionistischer, orthodoxer und selbst liberaler Seite gegen mich erhoben wurden und habe in dieser Zeitung' von meiner sonstigen wissenschaftlichen und schriftstellerischen Tätigkeit weder gesprochen, noch sprechen lassen. Wenn ich heute eine Ausnahme mache, so geschieht es> um einen unwürdigen Angriff der. „Staatsbürgerzeitung" abzulehnen. Unter dem Titel „Aus Ludwig. Geigers Goethe-Jahrbuch der Goethe- Gesellschaft" fühlt sich der Artikelschreiber bemüßigt, an dem Inhalt des Goethe-Jahrbuchs Kritik zu - üben, wobei er natürlich alle wichtigen Mitteilungen und trefflichen Aussätze verschweigt und nur einzelnes hervorhebt, was er bemängelt, weil er es nicht versteht: Das. brauchte kaum erwähnt zu werden, denn das ist eben die Manier der meisten Kritiker, die am liebsten von dem reden, was sie nicht verstehen. Aber er geht weiter. Er hebt meinen Nekrolog auf Bernbard Suphan hervor, in dem ich dessen letztemir gegenüber gestochenen, auf seinen treuen Mitarbeiter Julius Wable bezüglichen Worte mitgeteilt habe und bemerkt-!„so müffW selbst noch tote Germanen für die lebenden Hebräer zeugend Er braucht diese hämische Bemerkung, ohne zu ahnen, mit welcher Hingebung' Wahle seine Pflicht und viel mehr als das getan, mit welch unerschütterlicher Treue Suphan an Wahle gehangen hat. Der Artikelschreiber bemerkt sodann: „Aus den Mitteilungen über die Gesellschaft geht hervor, llüß die beiden jüdischen Herren. Professor Wable und Dr. Morris die goldene Goethe-Medaille erhalten haben." Er will damit natürlich, ohne es ausdrücklich zu sagen, wieder eine ungerechte Bevorzugung der Juden konstatieren, unterläßt, es aber^ seinen Lesern mitzuteilen, daß der Vorstand, der Goethe-Gesellschaft, der diese Auszeichnung verliehen, aus lauter „Ariern" besteht, daß die beiden also Geehrten die selbstlosesten, nur der Sache ergebenen, vor der großen Welt fast'flüchtenden Forscher, wahrhafte Typen deutschen Gelehrtenfleißes sind.^ Der Ärtikelschreiber macht sich endlich das Vergnügen, auf 24 Zeilen die ' Namen d^r jüdischen Mitglieder: 'öe> Möetd^'esWchafd''Änfzuzählen, ohne zu, begreifen,"/!>äß'-"„diöstz8 ' Drängen jüdischen Blutes zur' Goethe-Gesellschaft", wie er sich geschmackvoll äus- ' drückt, nur' eine' Huldigung' an' den größten' - heütschen Genius bedeutet. Wenn /er aber zum Schlußsäßd,^„wir- Äerden^stün auch wohl nicht lange mehr ' äüf 'eine geMnigte GoeD- Äusgabe für das deutsche Volk; zrr warten brauchen, im' der die auf Juden bezüglichen^Stelleneinfachgestrichensind", - so braucht man diesen Satz nur äbzudrucken/ - um die : ganze Niedrigkeit; des Standpunktes des Verfassersallen klär zu machen. Bei den großen- Goethe-Ausgaben sind Juden in hervorragendetn Sinne beteiligt;. einzelne Editionen ' rühren ausschließlich von Juden her. Es ist nienräls einem deutschen . Forscher jüdischen Glaubens auch nur im Träum einstesällen, irgendeiye derartige Stelle M unterdrücken; ' der Verfasser jenes Artikels müßte, wenn er nicht sounwissend und bös- : willig wäre, wissen, daß ich selbst alle Stellen Goethes, die.sich auf die Juden beziehen, selbst die schlimmsten zusammengestellt habe. Schmach und Schande über solchen Tiefstandder Gesinnung, wie er sich in demangeführten Artikel zeigt: - - Wie sehr Juden trotz - aller Verfolgung und hämischen Beurteilung der Missenschaft und dem Menschenwohl dienen, wogen zwei Beispiele.zeigen. Das eine ist die Unterstützung, welche Herr Oskar Tietz einem wichtigen Forschüngsunternehmen gewidmet hat, das vielleicht auch für die Geschichte der Juden Resultate verspricht. Die durch, viele Zeitungen gegangene Notiz lautet so: . ' . ' ' ' 7 Die Gesellschaft für PalWinaforschung in Berlin hat beschlossen, eine Expedition zur Erforschung des Toten Meeres. nach Palästina zu entsenden. Sie soll im Oktober d. I/unter , der Fichrung des Kustos ym königlichen, Institut für Meereskunde. jn. Be.rljn, Herrn . Dr. Ludwig Brühl, von Jaffa aufbrechen, der von drei,/oder vier Europäern begleitet wird und sich, etwa sechs Mochen. lang, mit der Erforschung des merkwürdigsten aller Binnenmeere, zu be- . fchästigen gedenkt. ...; Im 19. Jahrhundert haben bereits einige Forschungsreisen die genauere Untersuchung des etwa 75 km langen und bis zu .breiten abflußlosen Gewässers zum Gegenstände gehabt. Aber nur eure einzige^ die des Amerikaners Lynch, hat sich über einen längeren 'Zeitraum erstreckt und mit ausreichenden Jnstrumenteu gearbeitet. Diese. Expedition fand schon .1848/49 statt und arbeitete mit den damaligen unzulänglichen Methoden. Es , ist deshalb anzunehmen, , daß eine mit modernem. Rüstzeug ausgestattete Expedition ganz neue und grundlegende Ergebnisse zeitigen wird. Denn über die Kon. siguration. des Meeresbeckens, die chemische Beschaffenheit des Wassers und - ferner Strömungen, über das fernere Verhalten der verschiedenen Salzkomponenten des fast 7 24./°/g. Salz enthaltenden Wassers.weiß Man so gut wie nichts. Auch die ovgayMe Welt ist nicht genauer untersucht. Während/ manfrüher urmckksni,daß das Tote Meer ohne alle Lebewesen sei, weiß, man heute vom Vorkommeneinet kleinen Fischart, die lebende Junge zur Welt bringt. Man hofft aber auch andere lebende Organismen, Algenarten, Bakterien, die im schwefelw.asserstoffhaltigen Wasser, zuleben vermögen, Plankton auffinden zu können. Auch für die vonvan.t'Hoff. über marine Salzablagerungen.ausgestellten Theorien wird eine genauere Untersuchung des Bodens des Toten Meeres-und seiner Ablagerungen vielleicht, wichtige Resultate zeitigem 'Dre Expedition erweckt deshalb m wiffenschaftlicheü Kreisen lebhaftes Interesse. ' ' ' Die andere ist eine großartige Stiftung L’umauitaria/'bie in Malland im Jahre 1893 errichtet worden ist.JhrZweck ist nach dem ersten Paragraphen der Statuten der folgende: „Zweck der Umänitaria ist. Unbemittelten ohne jeglichen ^Unterschied durch geeigneten rationellen Unterricht und durchllebe'rträgung

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