Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1911)
- Date
- 1911-07-21
- Page
- Seite 338 (sequence 2)
- Language
- German
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der deutschen Judenheit eine gewisse Gruppe Von Pessimist, gibt, die sich mit dem konfessionellen Charakter der stäatliHi Ädlksschule.abzufinden bereit sind. Die große Vereiniguder südischen Gemeinden Deutschlands aber, darf unseres achtens unter gar keinen-Umständen zu dieser gewissen Grup sich zählen lassen, wenn sie sich ihrer großen Verantwortung und der Konsequenzen einer solchen Stellungnahme zur kor^* fessionellen Volksschule bewußt .bleibt. Mögen die Herren Lehrer, die sich für die konfessionelle AbschließungHmethode heim, Erziehungswerk der künftigen -Generationen begeistern, innerhalb ihrer lokalen Einflußsphäre für ihr Schülideal des Augenblicks eintreten, soviel sie wollen; abex sie sollten sich hüten, die Repräsentativinstitution der Gesamtheit der jüdischen Gemeinden Deutschlands aus die schiefe Ebene zu drängen zu suchen und dadurH jenen Elementen der gegenwärtigen, den Regierungskurs beeinfluffenden parlamentarischen Majorität Wasser auf iW Mühlen zu führen, die nicht - abgeneigt sein dürften, das Prinzip der konfessionellen Scheidung zum leitenden des ganzen staatlichen Unterrichtswesens zu machen. Nur den, welcher wie die Zionisten, vor einer solchen Konsequenz nicht zurückschreckt, sie vielmehr herbeisehnt, mag das Ziel locken, aber der sollte sich auch dessen bewußt sein, wohin der Weg führt, auf den man sich begibt: jüdische Mittelschulen, jüdische Realschulen, jüdische Gymnasien, jüdische Universitäten, jüdische Absonderung und jüdische Ausschließung an allen Ecken und Enden, und überall wird es uns entgegentönen: „Ihr habtD ja selbst gewollt!"; Welche Gründe werden denn nun für die konfessionelle Absonderung der jüdischen Schuljugend in besonderen jüdischen öffentlichen Volksschulen ms'Feld geführt? Da ist zunächst die leider nicht zu leugnende Tatsache, daß die Zahl der wirklich vorhandenen simultanen Volksschulen eine verschwindend geringe ist^ daß selbst viele Anstalten, die als simultan bezeichnet. werden, in Wirklichkeit doch konfessionellen Charakter tragen, vor allem aber: das jüngste preußische Vylksschulgesetz habe den konfessionellen Charakter der' Volksschule gesetzlich festgelegt. Diese Erscheinungen aber find Mißstände und Rückständigkeiten, die wir bekämpfen und zu ändern suchen, aber nicht durch unsere Resignation oder gar Zustimmung sanktionieren sollen. Woher sollen wir die Legitimation für unseren Kampf um die Simultanschuke nehmen, wenn wir selbst den Weg der konfessionellen Schule ' beschrei^enA'.Hrt,^ welchem Rechte wollen wir uns gegen das Prinzip der konfessionellen Scheidungen überhaupt wenden, : wenn' wir .selbst diesem Prinzip huldigen? Man spreche uNs nicht von einem Zwange, unter dem wir ständen, nicht von einer unfreiwilligen Separation unserseits. Dächte man auf den anderen Gebieten unseres staatsbürgerlichen Lebens und das öffentliche Erziehungswesen ist ein Teil des staats?" burgerMeu Lebens ebenso, dann kämen wir zur verzichtenden ^ßguaüon'.''ü'!dörhüupt. Dem unfreiwilligen Zwange untedstehen auch unsere jüdischen Juristen, unsere akademischen Lehrex und Universitätsdozenten, kurz alle jene Aspiranten von Perüfszweigsn, deren Zutritt man den Juden noch immer .vorenthält. Wir können uns, wir gestehen es, alle unsere spezifisch jüdischen Orgänisationen, soweit sie nicht religiösest oder wissenschaftlichen Zwecken dienen, nur als Kamp^- orgänisationen gegen die MePaVation denken. Wo das nicht der Fall ist, sehen wir nur Brutstätten des Zionismus,' dem ja. eine augenfällige Differenzierung eines jüdischen Nationalismus von . dem deutschen Nationalismus Lebenselement ist. Z^s sehen wir am deutlichsten an den studentischen Organisationen. Die im „K. C." vereinigten jüdischen Studentenvereine sind l«^tMSeparationen mit dem nur zu billigenden Charakter Vim "Kam Pf Organisationen gegen die erzwungene Separation u - ViaratniAfati STln vY-i« v» X11V* Hin ^B. I. C." vereinigten studentischen Verbindungen Nation über^ Aionismusr und jüdischen? Sonder- Das Verlang^ nach jüdischen Volksschulen t, Mnn auch vielen vielleicht nicht bewußtein -erster Ansatz zionistisches Bestrebungen, die sich von der Gründung jüdischer Kaffeekränzchen und jüdisch-nationaler Mädchenvereine bis auf die sönderstaatliche >,öffenlich-rechtlich gesicherte" Heimstätte in Palästina erstreckend Wir finden daher auch die e i fri g ste n Verfechter separatistischer öffentlicher jüdischer Volksschü^ den Zionist en. Auch das sollte unseren Lehrern zu denken geben. Nun sagt man, die gesetzliche Festlegung des konfessionellen Charakters der Volksschule bestehe nun einmal und wir könnten daher, wollten wir nicht auf die Erziehung unserer Jugend im. jüdischen Geiste verzichten, gar nicht anders handeln, als uns eigene Volksschulen zu gründen, die das Volksschulgesetz zulafse und unter gewissen Voraussetzungen auch der Staat zu subventionieren habe. Ja, was heißt denn Erziehung „im jüdischen Geiste"? Der Begriff dieses „jüdischen Geistes" malt sich in jedem Kopfe anders. Für den Orthodoxen. ist der „jüdische Geist" etwas anderes wie etwa bei den Mittelparteien oder Liberalen oder Zionisten, bei dem russischen Juden wieder anders als etwa bei den holländischen oder italienischen Glaubensgenossen. Wer im Judentum lediglich eine religiöse, nicht eine nationale Gemeinschaft erblickt, der darf das Wesen des jüdischen Geistes nur in den religiösen Fundamentalanschauungen suchen,, seine Komposition nur aus den Elementen, des religiösen Innenlebens vornehmen. Die Aufgabe, den jüdischen Geist zu pflegen und zu fördern, kann demnach immer nur dem Gebiete der Religion entnommen werden, nmmer nur Aufgabe des Religionsunterrichts und allenfalls des beispielgebenden religiösen Lebens innerhalb der Familie sein. Dazu aber dienen die Religisonss chulen, denen man allenthalben in allen Gemeinden — und mit Recht — die sorgsamste Pflege im wachsenden Maße angedeihen läßt, und das jüdische Haus. Was der jüdische Geist aber mit dem Unterricht.in"Nm^profanen Lehrfächern, was selbst der Geschichtsunterrichten den Volksschulen damit zu tun hat,, muß jedem,! der nicht national-jüdischen Jrrgängen zu folgen gewillt ist, unverständlich sein. Gewiß soll nicht , verkannt werden, daß es gewisse Gebiete des geschichtlichen Unterrichts . gibt, deren Darstellung in den Schulen von subjektiven und tendenziösen Momenten beeinflußt sein kann. Das freilich sollte nicht sein. Aber auch hier heißt es: nicht resignieren, sondern Schulter an . Schulter mit unseren andersgläubigen Mitbürgern gegen das Nebel tendenziösen Geschichtsunterrichts in unseren Volksschulen, wo ein solcher sich zeigt, ankämpfen! Und wir haben als Staatsbürger, die den anderen gleichgestellt sind, ein Recht zu verlangen, daß unsere Kinder in einer staatlichen Lehranstalt, die die Volksschule ist, in ihren religiösen Empfindungen auch unterricht nicht verletzt werden. Im übrigen aber bieten unsere Religionsschulen und der Religionsunterricht, der auch in den höheren Schulen immer mehr zu allgemeiner Einführung gelangt, und das Haus Gelegenheit zur Pflege jüdischen Geistes und zur etwaigen Korrektur konfessionell tendenziösen Geschichtsunterrichts. Das Wesentlichste aber ist und bleibt: Die Frage öffentlicher jüdischer Volksschulen läßt sich nicht aus dem großen Rahmen unserer gesamten staatsrechtlichen Stellung lösen. Wir deutschen Juden müffen es prinzipiell ablehnen, auch nur auf dem kleinsten Gebiete, geschweige denn dem bedeutsamen