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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-07-21 · Heft 29 (21.7.1911) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 29 (21.7.1911)
Date
1911-07-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Begründet voÄ Rabbiner Dr. Ludwig Philippson " ' Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats prosehor Dr.Lndwig Geiger Verlag: Kuäolk ölosse. SerUn» 7erusslerner Strasse 46/49 Alle Zusendungen für Redaktion und' Expedition sind an dl» Adresse: Verlag der »Allgem. Zeitung de» Judentums*, Berlin SW., Jerusalemer Straße «t6/<*9, zu richien. Verlag vo« Rudslf rNosse, Berlin. Diese Zeitung .erscheint wöchentlich.. Abonnements-Preis: durch den Buch. Handel oder die Post (in Berlin und Vororten durch,unsere vertriebsstellen) bezogen . vierteljährlich S NI. . Lehrer und jüdische VvMschule., — Die Woche.. — Berechtigte Wünsche der Juden S? elillas. — H. Senator. Non Lndwig'Eeiger. —Professor Felix Liebermann. Bon Ludwig Geiger.— Zum Andenken .an den Kirchenrat Tr. M. v Wassermann.' Von Dr. Adolf Kohut. — Ter Kapitalismus der Juden und die jüdische Religion. Von Dr. I. Z iegl er, Rabbiner. — Feuilleton: Beim Lämpchen. Roman von Peter UjvLri. — Literatur. Der Gemelndcbote lBeilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums*). Berlin, Königsberg i. Pr., Aus der Provinz Posen, Rakel, Hamburg, Hamm i. SB;,' Worms,. Magdeburg. 'Frankfurt a. M., Straßbürg i. E.) Wien, Petersburg. — Von Nah und Fern. , . Lehrer und Milche Volksschule. it dem System konfessioneller Abschließung wird sich kein ehrlicher- Freund liberaler Weltanschauung befreunden können, da ein solches System mit dem liberalen Prinzip an sich in einem direkten. Gegensatz steht. Der gefestigte Liberale, mag er nun jüdischen oder christlichen Bekenntnisses sein, muß-und wird daher in Konsequenz seiner Gedankenwelt prinzipieller Gegner der konfessionellen Absonderung beim Erziehungswerk des Heranwachsenden Geschlechtes, also Gegner dev konfessionellen Volksschule sein. Da zudem die Volksschule eine Veranstaltung des Staates ist, nicht eine solche der Kirche, die Theorie des getauften Juden Stahl vom christlichen Staate durch. Verfassung und unbestrittene Maxime der Staatsrechtslehre negiert wird, so müssen alle Bestrebungen, ob sie nun von Erfolg gekrönt sind oder nicht, die aus die Konfessionalislerung dieser S taat sin st itut'ionen hinauslaufett, als mit dem Geiste des . Staatsgrundgesetzes unvereinbar bezeichnet werden.- Und selbstverständlich auch dann, wenn solche Bestrebungen von jüdischer Seite ausgehen. Mögen es Motive sein, welcher . Art nur immer, wer die Separation .unserer Schuljugend nach konfessionellen Gesichtspunkten betreibt, fördert den Rückschritt und weist insbesondere uns deutsche Juden auf ein Ziel, das uns eine Station zurück.in die. Epoche des^ Ghetto zu führen geeignet ist. Wir können uns daher mit den neuerdings besonders prätentiös in den Kreisen der . organisierten jüdischen Lehrerschaft hervortretenden Bestrebungen, jüdische öffentliche Volksschulen zu begründen, nicht nur nicht einverstanden, erklären, sondern müssen vor dem : Fortschreiten auf einer solchen verhängnisvollen Bahn laut .warnen. Der Hinweis.. auf die durch das neue preußische z Volksschulgesetz erfolgte - gesetzliche Festlegung des konfessionellen 1 -Charakters der preußischen Volksschule kann uns nicht in der! Ueberzeugung erschüttern, daß die. Aera Falck keine bloße Episode iw der Geschichte der preußischen Schulpolitik bleiben' werde. Dieser Entwicklung aber dient nicht, wer dem ' / Augenblicke dient, unbekümmert um die unabsehbaren Kon-! sequenzen der Inkonsequenz. V 1 Es ist natürliche daß die deutsche Judenheit die Frage der öffentlichen jüdischen Volksschule nicht unter dem Gesichtswinkel des jüdischen Lehrer-Interesses beurteilen darf. So sehr wir allen Forderungen, die die soziale und materielle Stellung unserer jüdischen Lehrer bessern und heben wollen, sympathisch gegenüberstehen, in dieser Frage eines öffentlichrechtlichen Prinzips muß das Allgemeininteresse der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens, und nur dieses in den Vordergrund gestellt werden. Eine weisere Beschränkung in 'bet.. argumentatio pro domo wäre daher gewissen Lehrervorkämpfern der konfessionellen Volksschule anzuraten. Es - darf einmal, bei aller Anerkennung der Bedeutung und der Leistungen der jüdischen Lehrerschaft für die Judenheit, doch ausgesprochen werden, daß in letzter Zeit überhaupt hie und da Neigungen hervorgetreten sind, den jüdischen Lehrerstand als die Achse hinzustellen, um die sich die ganze jüdische Welt zu drehen hat. In der Frage der jüdischen öffentlichen Volksschule hat der „Verband der jüdischen Lehrervereine", obwohl ihm nicht unbekannt ist, daß fast alle Groß- und Mittelgemeinden verständigerweise die konfessionelle Schulabsonderung prinzipiell ablehnen, dennoch die Führung übernommen und eine eifrige Propaganda für die Sache eingeleitet, ja er betreibt mit all dem temperamentvollen Eifer idealer Stürmer das Ziel, den „Deutsch-Israelitischen Gemeindebund" zu einer Stellungnahme für die separatistische jüdische öffentliche Volksschule zk gewinnen. Man weiß, daß die Frankfurter Tagung des Lehrerverbandes vor kurzem den Beschluß faßte, den Gemeindebund anzugehen, die Frage der jüdischen Volksschule aus die Tagesordnung des nächsten Gemeindetages zu setzen, obwohl es bekannt ist, däß der Ausschuß dieser Organisation sich längst dahin entschieden , hat, zwar die bestehenden Volksschulen zu unterstützen, dagegen Mt Begründung derartiger neuer Schulen abzulehnen. Das Verlangen, diese Frage nun vor das Forum des Gemeindetages zu bringen- -kann daher doch nur den Sinn haben, den Musschußdes Gemeindebundes durch den Gemeindetag desavouieren zu lassen. Wenn sich die eifrigen Herren Befürworter der öffentlichen jüdischen Volksschulen nur nicht täuschen: Der Gemeindetag dürste erstmals in seiner überwältigenden Majorität sich auf die Seite des Ausschusses des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebündes" stellen, und wenn er das nicht täte, so würden die Groß- und Mittelgemeinden sich an einen Beschluß des Genzeindetages im Sinne des Lehxerverbandes — im wohlverstandenen Interesse der Judenheit — doch nicht kehren. Welchen Sinn soll es also haben, den Genieindetag mit breiten..Erörterungen über ein Thenra zu belasten, deren Ergebnis zu greifbaren praktischen Folgen doch kann und die höchstens, dazu angetan sein können, der nichtjüdischen Oeffentlichkeit den Schein vorzügaukeln, paß es innerhalb

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