Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1911)
- Date
- 1911-07-14
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3228961-3228990--67627-3279854- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
nicht zu verwundern, daß auch die Finanzen sich in gesunder,, aufsteigender Entwicklung befinden. Der Kassenbericht weist in Einnahmen und Ausgaben 3629 30 Mark auf. Die Synagogengemeinde Breslau hat ihre Subvention im abgelaufenen Jahre auf 600 Mark erhöht und außerdem dem Anträge des Vereins, Frauen die Teilnahme an ihrer Armenpflege zu gestatten, in bereitwilligster Weise entsprochen. So gehören nun seit Dezember vorigen Jahres zwei Frauen mit beratender Stimme der Armenkommission der jüdischen Gemeinde an. Möge das Streben des Vorstandes, die jüdische Frau als einen vollwertigen Faktor auf dem Gebiete der Kulturarbeit und werktätiger Nächstenliebe erscheinen zu lassen, von Erfolg begleitet sein. --München, 7. Juli. Das „Bayerische Vaterland" (Nr. 142) ist über den „massenhaften Judenzudrang nach Bayerns Hauptstadt" ganz entsetzt und empfiehlt folgendes probates Gegenmittel: ,,Schließlich bleibt nichts anderes übrig, als alle Juden, die sich unnütz gemacht haben, zusammenzufangen und nach unseren Reichskolonien zu exportieren, um die europäische Zivilisation nach Afrika zu tragen. Uns wäre geholfen .und die Hottentotten und Kongoneger werdenwenn sich die Juden mausig machen, schnell mit. ihnen fertig werden; so wäre auch ihnen, unseren deutschen Brüdern dritter Klasse, geholfen." Ein Hauptmitarbeiter dieses toleranten Christenorgans war, worauf die,,L. V.-Ztg" mit Recht aufmerksam macht, früher der Pfarrer Münsterer aus Ponholz, der seit Jahr und Tag spurlos unter Mitnahme von über 100 000 Mark, die er als Rechner einer Darlehnskasse den bayerischen Bauern stahl, verschwunden ist. Vielleicht ist dieser fronlme Zentrumspfarrer gar zu den afrikanischen Wilden gereist, um den vom „Bayerischen Vaterland" vorgeschlagenen Iudenimport immer vorznbereiten? z. Köln, 6. Juli. Der Verein israelitischer Lehrer der Rheinprovinz und Westfalens (Sitz Essen) hielt seine Jahresversammlung ab. Die gut besuchte Versammlung wurde von dem Vorsitzenden, Hauptlehrer Graf-Essen, mit Begrüßungsworten eröffnet. In einem Rückblick und Ausblick betont der Vorsitzende das stete Streben des Vereins nach der Errichtung öffentlicher jüdischer Volksschulen, er wünscht ferner, daß statt der jetzt bestehenden fünf jüdischen Privatseminare zwei staatliche Anstalten geschaffen würden. Als erschienene Ehrengäste begrüßt er den Stadtschulrat Professor Dr. Heinrichs, Mitglieder und Repräsentanten des Vorstandes der Synagogengemeinde, die Rabbiner Dr. Frank und Rosenthal, Sanitätsrat Dr Apfel, den Vorsitzenden des Verbandes rheinischer Synagogengemeinden, und das Ehrenmitglied des Vereins Realschuldirektor Tr. Adler-Frankfurt a. M. Stadtschulrat Professor Dr. Heinrichs überbringt die Grüße des verhinderten Oberbürgermeisters und ladet zum Besuch einer der modernen Schulen Kölns ein. Namens des Vorstandes der Synagogengemeinde spricht Herr Heilbronn, für den Provinzialverbaud, der bisher immer treu mit den Lehrern zusammenwirkte. Sanitätsrat Dr. Apfel. Dr. Frank - Köln erinnert an feine alten Beziehungen zu dem Verein und seine Pensionskasse, für die er bisher 36100 Mark gesammelt hat. Er verbreitet sich weiter über die Geschichte der jüdischen Schule Kölns und gedenkt der Verdienste des früheren Stadtschulrats Dr. Brandenberg um die Hebung der jüdischen Schule Kölns. Ebenso begrüßt Dr. Rosenthal als Rabbiner die Lehrer Rheinlands und Westfalens. Der Vorsitzende der Rheinlandloge. Herr Blumenau, spricht von der gemeinsamen Arbeit der-Lehrer und der Loge, als Sohn des verehrten Herrn Lehrers Blumenau-Essen gedenkt er der Begeisterung der alten Lehrer für. ihre gemeinsamen Interessen und wünscht der heutigen Generation gleichen Eifer. Dr. Adler-Frankfurt gedenkt der treuen Mitarbeiter im Verband, der in den letzten Jahren so manche Wünsche zur Erfüllunggebracht hat. Die Lehrer Rheinlands und Westfalens, das Elitekorps der jüdischen Lehrer Deutschlands, , ermahnt er zu weiterer treuer Arbeit. Rektor Coblenz. Köln begrüßt er als Ortskollege. Aus dem jüdischen Volksschulwesen Kölns, dem größten Deutschlands, macht er eingehende Mitteilungen, und er zeigt, wie Köln als : Stadt der Parität anderen Gemeinden bei der Gründung jüdischer'Volksschulen vorbildlich sein könnte. Nach Dankesworten des Vorsitzenden an die Redner und geschäftlichen Mitteilungen, nimmt Seminardirektor Dr. Spanjer-Münster das Wort zu einem tiefgründlichen Vortrag über die Propheten in der jüdischen Volksschule. Der Redner verbreitet sich über den Wert der anschaulichen Darstellung der prophetischen Einzelpersönlichkeiten für die religiös-sittliche Bildung der Kinder. Der mit langanhaltendem Beifall aufgenommene Vortrag, wird gedruckt erscheinen. Der um die Angelegenheit der jüdischen Schulen hochverdiente Sanitätsrat Dr. Apfel-Köln wird daraus einstimmig zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt. Bei der folgenden Vorstandswahl wurde Lehrer Spier-Wesel wiedergewählt. Der Ort der nächstjährigen Tagung, mit der das goldene Jubiläum der Pensionskasse des Vereins verbunden sein wird, soll vom Vorstand bestimmt werden. Ueber die Pensionskasse berichtet Herr Graf-Essen. Dieselbe hat gegenwärtig ein Vermögen von 165 443.60 Mark. An Einnahmen hatte die Kasse 12 718.57 Mark. Nach Abzug der Verwaltungskosten wurden an die Pensionäre (die Quote mit 42 Mark) 7686 Mark verteilt, der Rest zum Kapital geschlagen. Den Kassenverwaltern wurde Entlastung erteilt. Es folgte dann noch eine längere Besprechung von Vereinsangelegenheiten und Standesfragen. Nach Schluß der Tagung wurde eine Fahrt in das Siebengebirge unternommen, von der die Teilnehmer hochbefriedigt von den Eindrücken der herrlichen Landschaft heimkehrten. 22 Frankfurt a. M., 6. Juli. In Würdigung der bekannten, vielfach beklagten Tatsache, daß die dramatische Literatur deutscher Sprache äußerst arm ist an Erzeugnissen jüdischen Inhalts, geradezu steril an solchen jüdischen Empfindens, — hat sich die Unterzeichnete jüdische Jugendorganisation zu folgendem Ausfchreiben entschlossen: Das beste, uns bis zum 15. Oktober d. I. zugehende Drama, dessen Stoff dem Gebiete der jüdischen Geschichte entnommen ist. oder auch ein gegenwärtige Ideen bzw. Geschehnisse behandelndes jüdisches Milieudrama soll mit einem Preise von 150 Mark belegt werden. Bedingung ist, daß die Aufführung des betreffenden Dramas die Dauer, von. einer Stunde nicht überschreite, auch daß es sich parteipolitischer und parteireligiöser Tendenzen enthalte, da es nur unter diesen Voraussetzungen dem von uns verfolgten Zwecke, es bei einer Vereinsfestlichkeit zur Wiedergabe zu bringen, genügen kann. Als Preisrichter wird ein von uns zu berufendes Kollegium literarisch Gebildeter fungieren. Nichtpreisgekrönte Stücke werden ihren Verfassern alsbald wieder zurückgesandt, oder sollen — wenn sie für gut befunden werden — für eine spätere Aufführung in Betracht gezogen werden, in welchem Falle dann eine entsprechende Tantieme an den Autor entrichtet würde. Sämtliche Einsendungen, die auf dieses Ausschreiben Bezug haben, sind zu richten an den „Montefiore", Verein zur Pflege der idealen Interessen jüdischer junger Leute, Frankfurt a. M>, Seilerstraße 22. tzollsnkl. Amsterdam, 6. Juli. Am letzten Sonntag fand hier die alljährliche Generalversammlung des niederländischen Komitees und der holländischen Mitglieder der Alliance Israölite Universelle unter Vorsitz des Präsidenten des niederländischen Komitees, Advokat Dr. Ascher, statt. Die von Delegierten sämtlicher holländischen Lokalkomitees zahlreich besuchte Versammlung wurde außerdem von einigen hundert Amsterdamer Mitgliedern besucht. Im Anschluß an einen seitens des Sekretärs des holländischen Komitees gehaltenen hochinteressanten Vortrag über «Die Juden in der modernen Literatur" fand eine Aussprache über allgemeine Verhältnisse der Alliance, insbesondere über die Schulfrage statt. Rabbiner Dr. Wagner aus Utrecht griff das Zentralkomitee wegen angeblich nicht religiöser Leitung der Schulen an. Der aus Paris anwesende Schatzmeister der Alliance, Herr Jacques Machiels, ein geborener Holländer, sowie der aus Paris anwesende Sekretär der Alliance, Herr Bi gart, traten den Angriffen mit Erfolg entgegen, und zwar an der Hand von vorgelegten Beweismitteln, so daß die Versammlung, mit Ausnahme weniger Zionisten, sich durch die mit Beifall aufgenommenen Erklärungen'der beiden Pariser Herren befriedigt erklärte. Grsterreich-Nngaru. K. Wien- 6. Juli. Die „Neue freie Presse" appelliert in der Morgennummer vom 5. Juli an edeldenkende Menschenfreunde zur Unterstützung einer hundertunddreijährigen Greisin. Dieselbe,: eine Glaubensschwester Namens Klara Pollak, lebt in Groß-Beranaubei Jglau (Mühren). Sie hat'sich Zeit ihres Lebens durch Geflügel-