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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-07-14 · Heft 28 (14.7.1911) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 28 (14.7.1911)
Date
1911-07-14
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 L. A. Beelitz, 2. Juli. Am Sonntag den "25. Juni statteten-' Mitglieder der Montefiore-Loge der „Jsraelitischen Erziehungs-" anstalt für geistig zurückgebliebene Kinder" einen Besuch Begünstigt von schönem Wetter konnten die Logenbrüder das schöne Gelände, das in einem prächtigen Nadelwalde gelegen ist, besichtigen: Aus Anlaß dieses Besuches hatte der Direktor der Anstalt, Herr Bein, eine Ausstellung von Schul- und Schülerarbeiten veranstaltet: Hier bekam man einen Einblick in dieses überaus schwierige Gebiet der Heilpädagogik. Man sah, wie die ganz Kleinsten, die mit nur wenigen Begriffen ausgestattet, in die Anstalt eintreten, bunte Perlen aussuchen und dann aufziehen lernen, wobei ihr Farbensinn geweckt und ihre Hand einige Sicherheit erlangt; wie diese Kinder dann zum Stäbcheul'egen fortschreiten, und wie sie so allmählich von Stufe zu Stufe steigend, aus ihrer geistigen Umnachtung in das Licht' der Erkenntnis geführt werden. Wahrlich eine nicht zu unterschätzende Aufgabe. Man sah ferner, wie bei den Fortgeschritteneren Pappe, Ton und Plastilina in den Dienst des Unterrichts gestellt werden. Durch diese Arbeiten wird einerseits die manuelle Geschicklichkeit der Kinder gefördert. indem ihre Hand zur Arbeit brauchbar gemacht wird, und anderseits ihr Anschauungsvermögen vertiefte indem sie wahrnehmen lernen und das ZÜahrgenommene dann manuell wiedergeben lernen. Erfreuend war die Sauberkeit in den Heften. Besonderes Interesse erregten die von den Kindern selbstgestochtenen Körbe, die die Kinder unter Anleitung eines Korbmachermeisters Herstellen. Wenn man in Betracht zieht, mit was für Kindern man es hier zu tun hat. so ist das eine erstaunliche Leistung. Und all das ist in einem kurzen Zeitraum von Jahren erreicht' worden. Nach der Besichtigung der Ausstellung vereinigten sich die Teilnehmer zu einem Kaffee, der im Park der Anstalt eingenommen wurde. Nach dem Kaffee trugen die Kinder Volkslieder und hebräische Weisen vor, waS vor allem Bewunderung erregte. Alle Besucher/ stimmten darin überein, daß die Anstalt ein Bedürfnis für alle Juden gewesen sei und ihre Berechtigung habe. Leider aber erweist sie sich jetzt schon als zu klein, um alle die armen Geschöpfe aufzunehmen, und so trägt sich das Kuratorium heute schon mit dem Gedanken,' die Anstalt in kürzester Zeit zu erweitern. w. Ans der Provinz Posett, im Juli. Posen. Als Einkommensteuer der hiesigen Synagogengemeinde kommen im Rechnungsjahr 1911/12 450/0 des Staatseinkommensatzes zur Hebung. Die an die Synägogen-Gemeinde zu Posen zU zählende Einkommensteuer wird nach der von der Königlichen Regierung unterm 24. April 1896 ge?' nehmigten Steuerordnung vom 10./15. März 1896 im Anschlüsse an die Einschätzung für die staatliche Einkommensteuer erhoben. Der geringste zur Hebung kommende Steüerbetrag ist auf eine Mark jährlich festgesetzt. Im Vergleich zu den anderen Shnagogen- Gemeinden in unserer Provinz erhebt die hiesige israelitische Gemeinde den niedrigsten Prozentsatz der Staatssteuer zu ihren Haushaltungsausgaben. Die Synägogen-Gemeinde Posen zählt ungefähr 1700 Zensiten. — Gnesen. Der diesseitige Kreis, welcher 56 265 Einwohner zählt, hat nur 952 jüdische Seelen. An Schulen sind im ganzen 75 vorhanden, welche zusammen 9475 Knaben und Mädchen enthalten; hierzu gehört eine jüdische Schule mit 28 Kindern. Ein deutlicher Beweis, wie sehr die jüdischen Gemeinden der Provinz Posen wegen der großen Abwanderung nach dem Westen zurückgehen. — Mosch in. Bei der hier stattgefundenen Ersatzwahl für den verstorbenen Kaufmann Mannheimer wurde der Kaufmann Isidor Fränkel zum Stadtverordneten gewählt. — Ostrowo. Der jüdische Schulvorstand hat die Umwandlung der dreiklassigen jüdischen Volksschule Hierselbst in eine einktassige beschlossen. Än dieser Schule unterrichten zurzeit zwei Lehrer dreißig Schüler. Filehne, 6. Juli. Unsere altehrwürdige Gemeinde hat mit dem Wegzuge unseres Vorsitzenden Herrn Sanitätsrat Dr. Fron zig einen sehr empfindlichen Verlust erlitten. Aus gut jüdischer Familie stammend, kam Herr Sanitätsrat Dr. Fronzig vor 28 Jahren nach Filehne, wurde am 8. Januar 1889 zum Repräsentantenvorsteher gewählt, hat im unermüdlichen Fleiße für das Gemeinwohl seine beste Kraft hergegeben und würde dann am 23. Januar 1897 zurtt ersten Vorsteher der Gemeinde berufen. Aus Anerkennung seiner großen Verdienste haben die Gemeindebehörden einstimmig beschlossen, Herrn Dr. Fronzig zum Ehrenmitglied zu ernennen, und wurde dieses durch Ueberreichung sines Ehrendiploms, welches das Aron Hakodesch unserer Synagoge in prächtiger Aquarellzeichnung darstell^ beurkundet. Die Abschiedsfeier, welche unter regster Beteiligung der Gemeindenritglieder stattfand, verlief in harmonischster Weise: Nach Eröffnung der Feier brachte Herr Alfred Salinger, dem die Leitung der Feier an- . vertraut war, das Käiserhoch aus und erteilte Herrn Rabbiner I. Nobel das Wort. Dieser führte in längerer, von warmem Empfinden beseelter Rede aus, daß das Liebesmahl ein symbolisches Zeichen dafür sei, wie die Gemeinde mit ihrem langjährigen Vorsteher bis zum letzten Äugenblick der Trennung vereint bleiben wolle und eine geistige Brücke zu schaffen bemüht sei, die die bevorstehende räumliche Entfernung überspannett solle. Als einmütigen Ausdruck dieser Gefühle überreichte Redner mit wahrer Genugtuung dem Scheidenden' im Aufträge der Gemeindekollegien wie der Geineinvemitglieder das Diplom als Ehrenmitglied der Synagögengemeinve Filehne. Herr A. Kleißner widmete im Namen des Vorstandes schlichte, aber zu Herzen gehende Worte der Dankbarkeit. Herr Ä. Salittger brachte die Abschiedsgrüße der Repräsentantenversammlung dar. Herr C. Ledh ermahnte die Gemeinde, die Einigkeit und Eintracht, für die der Gefeierte so viel gewirkt habe, auch weiter zu pflegen und gegen jede Sonderinteressen zu schützen. Herr S. David dankte im Namen der ChewraKadischah. Ein poetischer Abschiedsgruß von Frau Hannchen Cohen wurde verlesen. Herr Abramczyk dankte im Namen der jungen Kaufleute für die treue Behandlung und den gewissenhaften Rat, mit denen der bewährte Arzt ihnen in Krankheitsfällen stets beigeständen habe. Alle Redner schlossen die Familie des Gefeierten in ihre guten Wünsche ein. Voll sichtlicher Erregung dankte Herr Sanitätsrat Dr. Fronzig für die außerordentlichen Ehrungen, die ihm zuteil geworden seien, und legte der Gemeinde nahe, ihren hohen Ruf und ihre geschichtliche Ehre rein und makellos zu erhalten; auch aus der Ferne wolle er Filehne nicht vergessen. L. Breslau, 6. Juli. Die Ortsgruppe Breslau des jüdischen Frauenbundes berichtet über' ihre Tätigkeit in den Jahren 1909 und 1910. Durch das streng durchgeführte Prinzip der Arbeitsteilung auf den verschiedenen Gebieten der weiblichen Fürsorgetätigkeit und des Frauetterwerbs ist einer Zersplitterung der Kräfte in wirksamer Weise vorgebeugt und ein zielbewußtes Arbeiten gesichert. Die Ziele der Ortsgruppe sind durch § 2 der Satzungen des jüdischen Frauenbundes festgelegt. Zur Erfüllung der gegebenen Aufgaben mußten folgende getrennt arbeitende Einzelgruppen gebildet werden: 1. die Beratungsstelle, 2. die Jugendgruppe, 3. die Hauspflegegruppe. 4. die Gruppe gegen den Mädchenhandel, 5. die LehrerinnenabteilUttg. Außerdem wurde Noch eine PropagandasteÜe errichtet, deren Leitung Frau Neisser übernahm. In allen Gruppen wurde recht fleißig gearbeitet. Die^ Beratungsstelle hatte 167 Fälle im Jähre 1910 zu prüfen, von denen 45 zur Erledigung kamen, 42 an andere Vereine und Behörden überwiesen werden mußten; in 62 Fällen handelte es' sich nur um augenblicklichen oder vorübergehenden Notstand, der beseitigt wurde. Durch die Zusammenarbeit mit anderen für diese und ähnlicke Zwecke wirkenden Körperschaften, die alle in dankenswerter Weise ihre Hilfe und Unterstützung liehen, konnte die Gruppe den : vielfältigen und oft recht schwierigen Aufgaben, die an sie herantraten, genügen. Der Stipendienkaffe wurde zur Verteilung an Familien und Einzelpersonen 1852.35 Mark überwiesen, die 50 Personen zugute kamen. Auch in den übrigen Kommissionen haben sich die Damen mit Eifer und Hingabe den hohen Zielest der Ortsgruppe gewidmet: Die Lehrerinnenabteilung bezweckt vor allem die wirtschaftliche Lage des jüdischen Lehrerinnenständes zu heben. Einen nennenswerten Erfolg haben die dahin zielenden Bestrebungen dadurch zu verzeichnen, daß endlich auch hier ein Stellennachweis geschaffen wurde, durch welchen Erzieherinnenstellen wie Privatunterricht vorzugsweise in Kreisen des jüdischen Frauenbundes vermittelt werden. Vor allem lüg aber der Angliederung dieser Gruppe an den Verein die Absicht zugrunde, vorzüglich geeignete Hilfskräfte in den Dienst der sozialen Arbeit zu stellen. Beider allgemein günstigen Entwicklung, die die Ortsgruppe in ihren beiden ersten Jahren genommen hat, bei dem' stetigen Anwachsen der Mitgliederzahl, die auf 246 gestiegen ist, wie bei dem grüßen Interesse, das man in weiten Kreisen dem Verein entgegen bringt, ist e

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