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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-07-07 · Heft 27 (7.7.1911) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 27 (7.7.1911)
Date
1911-07-07
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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von der Persönlichkeit und dem Wirken der Verewigten. Nach dem üblichen Gebet wurde dann, was sterblich an ihr war, in das mit Rosen ausgekleidete kühle Grab gebettet und der Hügel mit Blumen und Kränzen bedeckt. Sie ruhe in Frieden! M. Hamburg, 29. Juni. Der Israelitische Verein für Krankenpflege (Likur Cholim Umischmaures), die älteste Wohltätigkeitsinstitution in unserer Gemeinde, kann auf eine ununterbrochene - zweihundertjährige Wirksamkeit im Dienste der Nächstenliebe zurückblicken. Aus Anlaß dieses seltenen Jubiläums fand im Logenheim, Hartungstraße, eine Feier statt, zu der sich außer zahlreichen Mitgliedern und Freunden des Vereins, Vertretern des Repräsentantenkolleginms und vieler anderer Gemeindeinstitutionen auch Vertreter unserer Nachbargemeinden Altona und Wandsbek mit den Herren Oberrabbiner Tr. Lerner-Altona und Rabbiner Tr. Bamberger- Wandsbek nebst ihren Damen eiugefunden hatten. Nachdem der Synagogenchor nntr Leitung des Herrn Oberkantor Dreiblatt den Psalm 100 vorgetragen hatte, nahm Herr Oberrabbiner Dr. Spitzer das Wort. Redner wies einleitend auf die glorreiche Vergangenheit des Vereins hin, der vor zwei Jahrhunderten unter den schwierigsten Anfängen von Männern ins Leben gerufen wurde, die die. Ausübung von Osmilutst Cliesed als ihre Hauptaufgabe, ja als ihren Lebenszweck betrachteten. Der Verein will ja durch seine Ziele, die er sich gesetzt hat, der leidenden Menschheit ein wirklicher Helfer sein. Seine Zwecke sind nicht nur vom jüdischen, sondern auch vom rein menschlichen Standpunkte der höchsten Anerkennung und größten Förderung wert. Anknüpfend an ein Midraschwort verbreitet sich dann der Festredner in höchst geistreicher Weise über den Wert und die Bedeutung der' Wohltätigkeit. Der Herr Oberrabbiner schloß seine Ausführungen mit einem Gebet für das fernere Blühen und Gedeihen des Vereins, für seine Vorsteher und Mitglieder und sprach die Hoffnung ans, daß es in der Hamburger Gemeinde nie an Männern fehlen möge, die gleich ihren glorreichen Ahnen die Wohltätigkeit und Nächstenliebe in so uneigennütziger Weise ausüben. Von Herrn Oberkantor Rosenblatt wurde dann unter Harmoninmbegleitung der Psalm 41 vorgetragen, worauf das Vorstandsmitglied Herr Julius Salomon noch einen Vortrag über die Gründung, Entwicklung und Wirksamkeit des Vereins während seines 20jährigen Bestehens hielt. Mit dem Chorgesang „^etri scholaum bechelech“ schloß die eindruckvolle Feier. ' Dresden, 2. Juli. Im Mai-Juni-Heft der „Bausteine", des offiziellen Organs der Gesellschaft für innere Mission im Königreich Sachsen, ist soeben aus der Feder des Ministerialdirektors Geheimen Rats Dr. Carl Roscher ein Aufsatz erschienen, der die Aufmerksamkeit weiterer Kreise verdient. Unter dem Eindruck der jüdischen Gruppe auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden, insbesondere der Sabbatstube, hatte der Verfasser, wie er selbst erklärt, den Dresdener Rabbiner Herrn Dr. Winter um einen Aufsatz über die Bedeutung der Sabbatweihe ersucht, und im Anschluß an dessen Ausführungen bemerkt Herr Geheimer Rat Tr. Roscher, daß die 99 Abteilungen der Ausstellung nichts enthalten, was sich an Bedeutung mit dem Sabbat (bzw. Sonntag) messen könne, wie er hier sein ergreifendes Symbol in der Sabbatstube gefunden habe. Während die christliche Sonntagsruhe diesmal in Dresden gar nicht zur Geltung komme, was als ein schwerer Fehler bezeichnet wird, ^zeuge diese Symbolisierung der Sabbatweihe von dem richtigen Takt der Leitung der jüdischen Gruppe. Gleichzeitig bringt der „Dresdner Anzeiger" einen Aufsatz über die biblische und jüdische Hygiene, in dem Herr Professor August Wünsche sich mit hoher Anerkennung über die jüdische Abteilung der Dresdener Ausstellung ausspricht. Gesterretch-Nngaru. Budapest, L8.-Juni. Im ungarischen Reichstag hielt der ungarische Unterrichtsminister am 15. v. M. eine Rede, in der er unter anderem folgendes ausführte: „Was die von mehreren Rednern angeregte Einführung der Jsraelitenautonomie betrifft, wäre es vor allem notwendig, die zwischen orthodoxen und neologen Gemeinden bestehenden Gegensätze zu beseitigen." Er könne, so führte Graf Zichy aus, nichts anderes tun, als die Aufforderung zur gemeinsamen Arbeit an sie zu richten. Sie hierzu zu zwingen, würde den Anforderungen des Liberalismus widersprechen. Redner versprach dafür zu sorgen, daß Mittelschüler nicht in solche Vereine eintreten, welche sich im Geist konfessionellen Hasses und der Intoleranz entwickeln. „Wenn wir aber Anzeichen der religiösen Intoleranz begegnen, möge das Haus überzeugt sein, daß nur die Taktlosigkeit der Lehrer und Führer der Jugend daran die Schuld trägt." Der Minister erklärte, er werde hierüber stets wachen, und falls er solchen Erscheinungen begegnen sollte, werde er nicht zögern, solchen gewissenlosen Elementen mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. Denn er perhorresziere nichts so sehr, als die mit dem christlichen Geist in Widerspruch stehende konfessionelle Intoleranz. LuszlMd. 2. Petersburg, 30. Juni. Die hier erscheinende Zeitschrift „Nowi Woschod" veröffentlichte kürzlich einen sehr interessanten Artikel über die politisch-wirtschaftliche Bedeutung der Mandschurei für das Russische Reich, in dem über den Anteil der Juden an der Entwicklung Charbins bemerkenswerte Details mitgeteilt sind. Der Autor, ein christliches Mitglied der russisch-geographischen Gesellschaft, schreibt hierüber: „Bisher haben diese Entwicklungsarbeiten fast ausschließlich Juden besorgt. Russische Handelshäuser von Bedeutung gibt es in der Mandschurei nur sehr wenige. Hingegen haben Juden hier den Handel und den Export gehoben. Der Aufschwung des Handels ist ausschließlich ihnen zu danken, und es ist nur natürlich, daß sie auch in der Stadtverwaltung stark vertreten sind. Juden leisten in Chardin die wertvollste kolonisatorische Arbeit und schützen auf allen Gebieten die Interessen und das Ansehen Rußlands gegenüber dem Vordringen der Japaner. Sie tun dies sowohl in der Presse als auch im privaten Leben. Während die russischen Kapitalisten und Großkaufleute noch immer Mißtrauen hegen gegen den fernen Osten, haben russische Juden mit geradezu bewunderungswürdigem Mute und beispielloser Energie in der Mandschurei blühende russische Handelszentren geschaffen, deren Tragweite nicht abgeschätzt werden kann. Bezeichnend für die wichtige Tätigkeit der Juden in Charbin ist die Tatsache, daß die russische Genossenschaftsbank in Charbin. die wichtigste russische Kreditanstalt in der Mandschurei, einen Juden, namens Zir ent schikoff, zu ihrem Generaldirektor berufen hat, unter dessen Leitung das Institut einen nicht geahnten Aufschwung nimmt. Uebrigens sei Hier erwähnt, daß die Charbiner Juden gegen die antisemitische Resolution der chinesischen Kaufleute, die Juden aus der Mandschurei zu vertreiben, eine Protestkundgebung veranstalteten. In dem betreffenden Beschlüsse wird betont, daß die Haltung der chinesischen Kaufleute in Charbin geradezu unverständlich sei, da sie ja mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Mandschurei zufrieden sein müßten. Es wird ferner statistisch nachgewiesen, daß dieser wirtschaftliche Aufschwung Charbins ausschließlich jüdischer Initiative zu danken ist." — Auf dem amerikanischen Geschwader, das vor kurzem Kronstadt einen Besuch abstattete, befanden sich 20 jüdische Marinesoldaten, darunter auch mehrere Offiziere. Unter den jüdischen Matrosen waren die meisten solche, die aus Rußland nach Amerika ausgewandert sind, und manche von ihnen haben sich, als sie Petersburg einen Besuch abstatteten, sogar den Spaß gemacht, auf einer Promenade im „Zoologischen Garten" laut im jüdischen Jargon, den sie noch nicht vergessen haben, zu konversieren. Es ist natürlich, daß sie, wie es sich „Gästen" gegenüber ziemt, nicht um ihre Pässe befragt wurden, aber wehe ihnen, wenn sie ihre amerikanische Marineuniform ablegten.— Aus Kiew kommt folgende interessante Nachricht: Zur Errichtung billiger Wohnungen in Kiew für Arbeiter und Handwerker, ohne Unterschied der Religion und Nationalität, hat Herr Rabbinersohn 120 OOO Rubel gespendet. Von Mh und jfern. — Nach der letzten Volkszählung wohnen in Charlottenburg 22 418 Israeliten, das sind, da die Gesamtbevölkerung 306 000 betrügt, 13,6 Prozent. — Aus Preußis ch-Stargard wird uns geschrieben: Aus Anlaß seiner Silberhochzeit schenkte derKöniglicheKommerzienratG oldfarb Hierselbst der hiesigen Stadt, die ihn zum Ehrenbürger ernannte, 100000 Mark für Verpflegung alter Bürger und Bürgerinnen. — Im Alter von 64 Jahren ist in Breslau der Stadtverordnete Siegmund Sachs gestorben./ Der Verblichene

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