Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1911)
- Date
- 1911-07-07
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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75. Jahrgang Nr. 27 Der Oemelndebote. Vetlsse zur „Allgemeinen Leitung deK Judentum^' Berlin, 7. Juli 1911 Korrespondenzen und Machrichten. Deutschland. 8. Berlin, 29. Juni. Die heutige Abendsitzung der Nepräsentanten-Versammlung hatte als letzte Sitzung vor den Ferien noch ein reichliches Material von 39 Vorlagen zu erledigen. Der öffentlichen Sitzung ging ausnahmsweise eine geheime voraus, in welcher die Kommission zur Vorbereitung der Wahl eines Gemeindeältesten Bericht zu erstatten hatte. In der gleichen Sitzung wurde auch der bisherige Rabbiner der Kölner jüdischen Gemeinde Herr Dr. Rosenthal zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde einstimmig gewählt. Zur Annahme gelangte auch die von der Kommission vorgeschlagene Resolution, den Gemeindvorstand zu ersuchen, auf die Wahl eines liberalen Rabbiners schleunigst Bedacht zu nehmen. — In der öffentlichen Sitzung teilte der Vorsitzende Herr Louis Sachs geschäftlich mit, daß der Gemeindevorstand die von den Repräsentanten angenommenen Richtlinien für die Gewährung von Subventionen an Religionsvereine genehmigt hat. Er teilte ferner mit, daß die Lieferung der kleinen Schul- und Hausbibel von Jacob Auerbach an die Verlagsfirma Poppelauer vergeben ist, welche auf die Preisherabsetzung nicht eingehen konnte, und daß Herr Professor Bla schke seine Wiederwahl in die Subventionskommission angenommen hat. Alsdann wurden mehrere Zuwendungen angenommen. Der Rentier Ferdinand Schlesinger hat in seinem Testament 25 000 Mark zu Grabeserhaltungs- und Wohltätigkeitszwecken ausgesetzt. Für Wohltätigkeit szwecke verbleibt ein.Kapital von rund 13 000 Mark. Herr Justizrat Dr. Ignatz Cohn gab bei dieser Gelegenheit seiner Freude über die große Graberhaltungsspende Ausdruck, betonte aber, daß häufig Beträge ausgesetzt werden, die nicht zur Pflege der Gräber ausreichen und deshalb vom Gemeindevorstand zurückgewresen werden müssen. Diese Tatsache sei geradezu beschämend, da unsere Glaubensgenossen allgemein in dem Ruf stehen, bei Legaten außerordentlich freigebig zu sein. Herr Siegfried Sachs erwähnte, daß die Friedhofskommission eine Redaktionskommission eingesetzt habe, welche einschlägige Fragen — unter anderem auch diese Frage — im Gemeindeblatt zur Erörterung bringen werde. Eine fernere Zuwendung von 25 000 Mark hat der Rentier Schlesinger an das Krankenhaus vermacht zur Errichtung einer Ferdinand- und Bertha-Schlesinger-Stiftung. Frau C. Lindemann hat dem Krankenhaus einen Betrag von 100 Mark als Geschenk zur Abhaltung einer Jahrzeit für ihren Ehemann zugewiesen. Mit Rücksicht darauf, daß es sich um eine wenig bemittelte Witwe handelt, für welche der Betrag ein Opfer bedeute, hat der Krankenhausvorstand beschlossen, die Zuwendung anzunehmen. — Zur Beratung eines Statuts der Bäukommission und einer Geschäftsordnung des Bäubureaus wurde eine aus den Herren Loewenthal, Gerson Simon, Weile, Tietz, Dr. Ginsberg und Lewinski bestehende gemischte Deputation eingesetzt. Derselben wurde das Kooptationsrecht zugesprochen und ihr die im Entwurf bereits fertigen Satzungen der Baukommission zur Beratung überwiesen. — Zur Kenntnisnahme gelangte die Abrechnung über die Stände-Vermietung in den Synagogen und Betlokalen für das Jahr 1910/11. Die Gesamtzahl der zur Vermietung gestellten Plätze betrug 28585 im Nominalwerte von 269103.50 Mark, die sich auf sechs Synagogen und 18 Betlokale verteilten (im Vorjahre 29010 Plätze im Nominalwerte "von 282103.60 Mark bei 6 Synagogen und ebenfalls 18 Betlokalen). Hiervon wurden verausgabt: 1. zum vollen Preise 24552 Plätze im Nominalbeträge von 235359,50 Mark; 2. zum halben Preise 268 Plätze im Nominalbetrags, von 1685.50 Mark; 3. als Freiplätze (gegen Zahlung eines Betrages an die Armenkommission) 224 Plätze im Betrage von 3232 Mark; unentgeltlich 3409 Plätze im Nominalbeträge, von 27371.50 Mark. Es gelangten somit insgesamt zur Verausgabung 28453 Plätze im Nominalwerte von 267 648.50 Mark. Nicht verausgabt wurden 132 Plätze im Nominalwerte von 1455 Mark. Der Armenkommifsion wurde für die Mazzoth-Verteilung an den diesjährigen Passahtagen Entlastung erteilt. Zur Verteilung gelangten 376,20 Zentner, während der Verbrauch sich im Vorjahr auf 373,83 Zentner belief. Insgesamt wurden 8232 Personen gegen 8310 im Vorjahre und 9766 im Jahre 1909 bedacht. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 10503.45 Mark. Der Gesamtaufwand für die Speisung der in der hiesigen Garnison dienenden jüdischen Soldaten am Passahfeste betrug 201.25 Mark. Die Beköstigung wurde von zehn Soldaten in Anspruch genommen, denen 145 Mahlzeiten verabfolgt wurden. — Auch der Rechnungsabschluß der Kommission für die Friedhofs-Angelegenheiten pro 1910/11 lag zur Entlastung vor. Die Ausgaben überstiegen die Einnahmen um 11 044 Mark. Beerdigt wurden im Berichtsjahre auf dem Friedhofe in Weißensee 1464 Erwachsene und 270 Kinder, in der Schönhauser Allee 42 Ewachsene. Die Sterblichkeit unter den Gemeindemitgliedern ist gegen das Vorjahr trotz der gesteigerten Seelenzahl gesunken. Insgesamt sind jetzt in Weißensee 38 491 Gräber vorhanden. — Die Ausgaben der Zentralstelle für die Wohltätigkeitsanstalten pro 1910/11 beliefen sich auf 7139.10 Mark. Zu den 85 Anstalten und Instituten, welche am Ende des letzten Geschäftsjahres der Zentralstelle und dem Verbände für die Wohltätigkeitspflege angeschlossen waren, sind zwei weitere Vereine getreten. Es wurden von 68 Vereinen und zahlreichen Privatpersonen 21179 Anfragen an die Zentralstelle gerichtet und 17660 Berichte erstattet. Im Laufe des Jahres wurden 1958.neue Personalkarten angelegt, so daß ihre Gesamtzahl bei der Zentralstelle 19185 betrug. Die Sonderabteilung für Studierende hat sich weiter gut bewährt. Seit dem Bestehen der Abteilung sind 195 Anfragen an die Zentralstelle gerichtet und. 170 Berichte ay sie erstattet worden. Die Zahl der vorhandenen Personalkarten beläuft sich auf 322. Die Auskunftsstelle wurde im abgelaufenen Geschäftsjahre an 231 Tagen von 547 Ratsuchenden in Anspruch genommen. — Die zur Revision der Kassen und des Depositoriums eingesetzte Kommission erstattete durch Herrn Lewinski ihren Bericht. Zu Bemängelungen hat kein Anlaß Vorgelegen, doch empfahl der Referent namens der Kommission, die Revisionskommission in Permanenz zu erklären, um von Zeit zu Zeit Unvermutete — und nicht, wie bisher angemeldete — Revisionen vornehmen zu können. Aus Anregung des Herrn Löwenthal wurde diese Angelegenheit bis nach den Ferien vertagt. — An Stelle des Herrn Geh. Justizrats Timendorser, der bekanntlich wegen Ärbeitsüberhäufung sein Ehrenamt im Gemeindevorstand niedergelegt hat, wurde Herr Justizrat Bernhard Breslauer einstimmig zum Gemeindeältesten gewählt. — Als Vertreter für die vierte Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen Juden, die hier am 5. November d. I. stattfindet, wurden die Herren Hirsch, Dr. Cohn, Löwenberg, Löwenthal, Man heim er, Dr. Minden,Pincus,Louis Sachs, Dr.VeitSimon und Geheimrat Senator gewählt,, in den Festausschuß die Herren Loewenthal, Gerson Simon und Rosenow abgeordnet. Seitens des Gemeindevorstandes sind die Herren Jäcoby, Eisner, Sanitätsrat Dr. Stern, Netter, Badt, Sanitätsrat Dr. Feilchenfeld, Seligsohn, Geheimrat Landsberg, Geheimrat Pieck und Syndikus Lilienthal in Vorschlag gebracht worden. Zu der Hauptversammlung find 20 Vertreter für die Gemeinde Berlin und deren Vororte zulässig. Die zur Vornahme baulicher Reparaturen erforderliche» Ausgaben werden debattelos bewilligt. Zur Anschaffung eines neuen Trauhimmels für die Neue Synagoge wurden 1150 Mark genehmigt. Zur Bestreitung der durch die Einführung des Normallehrplans an den GemeindereligionSschuken erforderlich gewordenen Mehrstunden wurde ein Betrag von jährlich 2970 Mark vom 1. April d. J. ab ausgeworfen. Die durch die Trauerfeier für Herrn Rabbiner Dr. Ungerleider entstandenen Kosten werden im Betrage von 1422.31 Mark nachträglich bewilligt. — Die Vergütung