Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1911)
- Date
- 1911-07-07
- Page
- Seite 320 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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der König wankt nicht, der auf Gatt vertraut und. auf.die Gnade des Höchsten" (21, 8). : „Sei eingedenk deines Erbarmens und deiner Gnaden, die von jeher sich bewährt haben. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Freveltalen; deiner Gnade gemäß denke jetzt an mich, um deiner Güte willen, o Jahve ... Um deines Namens willen, o Jahve, verzeihe meine Schuld, mag sie auch groß -sein" (25, 6 ff.). „Gott liebt Gerechtigkeit und Recht, die Gnade Jahves erfüllt die Erde" (33, 5). „Du, o Jahve, wirst nicht vollends abwenden dein Erbarmen von mir, deine Gnade und Treue werden mich stets behüten" (40, 12). „Sei mir gnädig, o Gott, deiner Gnade gemäß, nach der Fülle deines Erbarmens lösche aus meine Freveltaten" (51, 3). „Erhöre mich, o Herr, nach deiner vollen Gnade, nach der Fülle deines Erbarmens wende dich mir . zu" (69, 17). „Wohl war ihr Herz nicht fest bei ihm, sie hielten nicht standhaft zu seinem Bunde. Er aber ist gnädig, löscht aus die Schuld, vernichtet nicht, ist langmütig, läßt nicht seinen ganzen Zorn aufflammen" (78, 37 f.). „Denn du, mein Herr, bist gut und verzeihend, voll Gnade gegen alle, die dich anrufen" (86, 5). „Er gab seine Wege kund dem Moses, seine Taten den Kindern Israel: Gnädig und barmherzig ist Jahve, langmütig und voll Huld. Streitet nicht für ewig, trägt nicht ewig nach. Tut uns nicht nach unseren Sünden, vergilt nicht nach unseren Freveltaten. Denn wie sich der Himmel hochdehnt über die Erde, so weit wölbt sich seine Gnade über jene, die ihn fürchten. Wie Ost von West entfernt ist, so entfernt er von uns unsere Sünden. Wie ein Vater sich der Kinder erbarmt, so Gott derer,- die ihn fürchten. Denn er kennt unseren Trieb, weiß, daß wir nur Staub sind. . . . Doch die Gnade Gottes währt ewig für jene, die ihn fürchten, und sein Heil erstreckt sich auf Kindeskinder" (103, 7 ff). „Gnädig ist der Herr und gerecht, unser Gott ein Barmherziger" (116, 5). „Wolltest du die Sünden aufbewahren, wer könnte bestehen, o Herr" (130, 3). „Gnädig und barmherzig ist Jahve, langmütig und groß an Gnade. Gut ist Jahve gegen alle, und sein Erbarmen wendet sich allen seinen Werken zu" (145, 8 f.). Lassen wir Apokryphen, Pseudepigraphen beiseite, ebenso Philo und die Evangelien — bekanntlich jüdische Schriften —, auch die Briefe des Paulus wollen wir nicht in den Bereich unserer Betrachtung ziehen. Wie sprechen sich die Weisen der Mischna und der Gemara — also die Soferim, die Schriftgelehrten — über die göttliche Gnade aus? Da lesen wir unter anderem: „Wenn jemand einmal in den Akten der Regierung verzeichnet ist, kann er aus den Akten nicht mehr gestrichen werden, wenn er auch noch so viel Geld geben wollte. Du aber, o Gott, sprichst : „Tuet nun Buße, ich nehme sie . an." Denn es heißt (Jes. 44, 22): „Wie eine Wolke lasse ich verschwinden deine Freveltaten, wie Gewölk deine Sünden; kehre, zu mir. zurück, ich erlöse dich" (Sisre Num. 8 184). — Zwei gute Führer erstanden den Israeliten : Moses und König David.. Diese beiden hätten wohl ihren Sünden ihre Verdienste entgegenstellen können. Sie taten es nicht, sondern beteten (um Gottes Hilfe) ohne jede Gegenleistung. Wie soll erst jener, der nur einer ist von ihren letzten Schülern anders als ohne Gegenleistung Gottes Gnade erflehen (Sisre Deut. 8 26). — „Gott sprach zu Moses.: „Ich bin gnädig dem, gegen; ben ich es sein will und barmherzig gegen den, dem ich Erbarmen zeigen will" (Ex. 33, 9). Er sprach: „Wer ein Anrecht hat aus mein Erbarmen, gegen den verfahre ich in meiner Eigenschaft des Erbarmens; wer es aber nicht hat, „ich bin gnädig." gegen den übeich Gnade auH unverdient"' Deut. r. II i)., — „Ziehe vor dem Volke" (Ex. 17,15). Was will das sagen? Sei mir ähnlich. Wie ich Böses mit Gutem vergelte, so vergilt auch du Böses mit Gutem" (Ex. x. XXVIg):^ >„Du führtest in deiner. Gnadei (Ex. 15, 13). Eine Gnade war es, die du uns erwiesen hast, da wir ja keine Taten in unseren Händen hatten" (Mech. 50 b). — Moses sprach zu Gott: Als du mir den Befehl gabst: . „Nun gehe, ich senden dich zum Pharao und führe hinaus aus Aegypten mein Volk, die Kinder Israel" (Ex.. .3, 10), sagtest du es mir in der Eigenschaft des Erbarmensdaß du sie erlösen wollest. Vielleicht wendete sich indes dein Erbarmen in Richterstrenge? _Da erwiderte ihm Gott: „Ich bin Jahve" (ibicl. 6, 2). Ich beharre bei meiner Eigenschaft des Erbarmens" (Ex. r. VI4). — „Komm und sieh, wie nicht Menschenart Gottesart ist. Kränkt ein Mensch den anderen, bekämpft er ihn aufs Messer. Gott aber ist nicht so. Er verfluchte die Schlange. Und doch findet sie ihre Nahrung, ob sie auf ein Dach schleicht, oder irgendwo tief unten sich vergräbt. Er verdammte Kanaan. Trotz alledem aß der Sklave Kanaan, was sein Herr aß. Er verfluchte das Weib — alles läuft dem Weibe nach. Er verfluchte den Erdboden, alle leben von ihm (Joma 75 a). — „Bei dir, o Herr, ist das Recht, bei uns die Beschämung" (Dan. 9, 7). „Selbst wenn wir Gutes tun, schauen wir nur aus unsere anderen Taten, und unser ist die Beschämung. ... Zum Beispiel. Wenn jemand ein Feld verpachtet und dazu Korn zum Säen und Ackergeräte gibt, teilt der Pächter mit ihm den Ertrag. Nicht so Gott, gepriesen und verherrlicht sei sein Namen. Die Welt und alles in ihr gehört ihm . . . der Boden ist sein, die Früchte sind sein, er läßt Regen und Tau fallen, ... . er tut alles . . . und was fordert er? Den Zehnt, oder eins von fünfzig als Gabe. . . . Oder. Israel zog durchs Meer, aber auch das Silber, woraus Micha ein Götzenbild verfertigte, zog mit durchs. Meer. Dennoch spaltete es sich vor ihnen. . . . Ein anderes Beispiel. Sie verfertigten ein gegossenes' Kalb. Nach all dem hätte das Manna nicht auf den Boden fallen sollen. Dennoch „verweigertest du ihnen nicht dein Manna" (Neh.9,20).. ... Die Israeliten standen unten und meißelten ein Götzenbild, um ihren Schöpfer zu erzürnen. . . . Gott aber saß oben und meißelte an den zwei Tafeln, um ihnen Leben zu geben. Wahrlich, dein ist die Wohltat, unser die Beschämung" (Ex. r. XLli:). — „Wenn 999 Engel den Menschen vor Gott für schuldig erklären und nur einer für nichtschuldig, entscheidet Gott für nichtschuldig. Ja noch mehr. Wenn von diesem einen Engel auch noch 999 Teile schuldig sagen, ein Teilchen nur unschuldig, entscheidet Gott für. nichtschuldig": (Jer. Kidduschin 61 d). — „Komm und sieh, wie Gottes Art nicht Menschenart ist. Besiegt man einen Menschen, grämt er-sich darob, Gott aber freut sich, wenn man ihn (sein Richtamt) besiegt" (B. Pesachim 119 a). — „Mag auch schon das scharf' Schwert auf dem Halse des Menschen ruhen, höre er nitji auf, auf Gottes Erbarmen zu hoffen-(Ber. 10 a). — „Gottes Name wird nur beim Guten genannt, nicht beim Bösen. Daß dem so ist, ersiehst du daraus, daß Gott, als er das Licht und die Finsternis schuf und ihnen Namen gab, er seinen Namen nur beim Lichte hinzusügte: „Und Gott nannte das Licht Tag, die Finsternis aber nannte er Nacht" (Gen. 1, 5). So fügte auch Gott seinen Namen hinzuals er Adam und Eva erschuf,, aber nicht, da er sie verfluchte." (B. Tauch- Lev. . 20 b). — „Selbst im Zorne gedenkt Gott des Erbarmens" (B. Pesachim 87 b), — „Gott sprach zu Israel : „Ich bin der erste" (Jes.44,6) zum Guten, und ich binderletztezumBösen (Num. r.XXitz) Das ganze Jahr hindurch beschäftigt sich Israel mit der Arbeit^ aber am Neujahrstage nehmen sie die Posaunen und lassen sie ertönen. Da erhebt sich Gott von seinem Richterhron, setzt sich auf den Thron -des Erbarmens und Ist voll: Mitleid