Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1911)
- Date
- 1911-07-07
- Page
- Seite 318 (sequence 6)
- Language
- German
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Monotheismus durch die- Welt zu tragen, war seine Misstom Daher erklärte sich Einhorn aufs entschiedenste gegen Mischehen, und konnte sich nicht entschließen, statt des Sabbaths/den Sonntag einzuführen. In seinem Gebetbuche entfernte er den Priestersegen, die Anspielungen auf Wiederbelebung und Wiederherstellung des jüdischen Staates. '/Er kürzte die vielfachen Wiederholungen, entfernte die überflüssigen Pijutim. Er behielt das Hebräische für wichtige Abschnitte bei, gab . aber der Landessprache einen breiten Platz. . In gewisser Weise ist Einhorn von seinen Nachfolgern, den kühnen rücksichtslosen Reformern überholt worden. Aber seine Leistungen verdienen nochheute Anerkennung und Würdigung als die eines der gediegensten Träger des Reformgedankens. Er war, wie sein Biograph es schön ausdrückt: „Ein Lichtträger der Wahrheit, ein Zertrümmerer der Idole, vor allem ein Pfeiler der Festigkeit und Gradheit, unnachgiebig, ungebeugt, treu wie Gold." Mn toleranter deutscher König. 5 Von L. Fränkel (Planegg). as Datum des 13. Juni brachte das menschlich tief erschütternde Schicksal des unseligen Ludwig II. von Bayern vom Jahre 1886 durch ganz Deutschland in Erinnerung. Es ist hier natürlich nicht der Ort, auf das besondere Wesen dieses merkwürdigen Fürsten überhaupt einzügehen. Aber dazu, ihm in einer Richtung, die wohl fast allen den vielen spekulativen oder gar sensationslüsternen Darstellungen seines Erdenganges wie in den wenigen sachkundigen Lebensbildern zu kurz kommt, ja meistens ganz vernachlässigt wird, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, besteht hinreichend Anlaß: König Ludwig II. war ein in religiöser Hinsicht geradezu musterhaft duldsamer konstitutioneller Herrscher. Ohne mit allgemeinen Behauptungen diese Tatsache erhärten zu wollen, stellen wir zunächst ein paar schlagende aus den eigenen Aeußerungen des bekanntlich gar nicht redseligen Monarchen zusammen. Diese entnehmen wir dem im Jahre 1910 erschienenen vortrefflichen knappen halboffiziellen Lebensabriß, den Professor Th. Bitterauf im letzten H55.) Bande der „Allgemeinen Deutschen Biographie", veröffentlichte, wo sie, als bezeichnend, geschickt in die Charakteristik verwoben sind: also gewiß einer lauteren Quelle. Schon im Jahre 1864 antwortete der soeben auf den Thron Gelangte auf eine gemeinsame Adresse der acht Landesbischöfe:. „Die Ziele, welche die kirchlichen Oberbehörden verfolgen, ebenso die Mittel und Wege, deren sie sich zu bedienen gedenken, können unter vollständiger Wahrung der von meinem Vater sorgfältig gepflegten glücklichen konfessionellen Zustände des Landes auch Endzweck und Wege meiner Regierung sein." Ludwigs idealistische und wahrhaft konstitutionelle Stellung über den Parteien des ihm anvertrauten Staates kennzeichnet sein programmatischer Satz: „Ich kenne in meinem Lande nur eine Partei, jene der wahrhaft edlen Menschen,, die durch reine Gesinnungen, nützliche Tätigkeit, durch ihr Wissen dem Gemeinwohl dienen, seien es nun schlichte . Arbeiter, Bürger, Bauern, -Gelehrte, Journalisten, pflichtgetreue Beamte, die gleich miv dem Volke gewissenhaft dienen, Offiziere, die meinen Soldaten Freunde wie Führer sind, würdige Priester aller Konfessionen-, die al s wahre Seelen ärzt e gelten- oder gerechte Richter, Lehrer meines Volkes oder Adelige, die mit/ dem Adel dM Titels auch .den der Seele verbinden und in allem; voranleuchten, diese alle — und nur diese sind von meiner Partei." Damit stimmen völlig die Anschauungen in seinem Handschreiben an den Ministerpräsidenten und Kultusminister v. Lutz vom 23. Februar 1882, seiner letzten, aus eigenem Antrieb entsprungenen Regierungshandlung, überein. Daselbst heißt es unter anderem: „Es ist mein fester Wille, daß den religiösen Bekenntnissen des Landes die sorgsamste Beachtung und Pflege zuteil werde . . ." Wie weit des bekanntlich fast übertrieben gemütvollen Fürsten „Fürsorge für die Armen und Unterdrückten" —so Th. Bitteraufs Urteil ging, bekundet eine gelegentliche Aeußerung: „Die rechte Lösung der sozialen Frage in meinem Lande würde ich für höher halten, als wenn ich durch Waffenruhm Herr von Europa werden könnte ..." Betreffs Ludwigs Stellung zum Judentum unterrichte uns die Schilderung seiner Anwesenheit in Fürth Anfang Dezember 1866, , wie sie ein ganz unverdächtiger Gewährsmann, G. L. Scharrer - Schauenberg (Augsburg), zweimal niedergeschrieb.en hat: in dem Büchlein „Unbekanntes und wenig Bekanntes aus den ersten drei Regierungsjahren König Ludwigs II. von Bayern 1864 bis 1866. Der Abgott seines Volkes. Der König und die Frauen. Goldene Tage in Nürnberg" (München 1906), und „Ludwig II. von Bayern. Eine Königsnovelle zum 25. Todestag <13. Juni) des Unvergeßlichen. Nach wahren Begebenheiten und geschichtlichen Quellen erzählt", in der „Münchener Illustrierten Zeitung" 1911 Nr. 23 — 25. Daselbst wird folgendes erzählt: ,;Drei Tage nachher (4. Dezember 1866), unmittelbar nach einer Revue in Nürnberg, - ritt der König, nur von einem Lakai begleitet, nach Fürth, wo er unangemeldet und unerwartet eintraf. Aber wie ein Lauffeuer hatte sich die Nachricht dort rasch verbreitet: ,Der König ist da!' Er begab sich zunächst in das Rathaus, wo er den Bürgermeister John, einen Bruder der Marlitt, auf dessen Bureau überraschte, und während sich jetzt Kanonendonner und .Glockengeläute vernehmen ließ und eine freudig bewegte Menge sich in den Straßen sammelte, verlangte der König die Synagoge zu besichtigen. Als er dort anlangte, war diese schon völlig beleuchtet, und auch der Rabbiner (Dr. Löwy) konnte seinem Landesherrn bei dessen Ankunft in der Vorhalle entgegentreten. Er begrüßte den König mit dem Segensspruch: .Gepriesen sei der,' der da kommt im Namen des Herrn; wir aus dem Hause des Herrn heißen Ew. Königliche Majestät herzlich willkommen/ Dann geleitete er den hohen Besuch in die Synagoge. ,Jst. es in Ihrem Tempel Sitte, mit entblößtem oder bedecktem Haupte zu erscheinen?' war die jetzt folgende Frage des Königs. ,Wir Juden,' antwortete Dr. Löwy, .betreten das Gotteshaus mit bedecktem Haupte, für Ew. Majestät gibt es hier keine Vorschrift/ Darauf ersuchte der König den Rabbiner, den. Stellen seines Gespräches das Hebräische beizufügen, da er an dieser Sprache, ,die für ihn besonderen Wohlklang habe', großes Interesse nehme. ,Jst es auch einem Nichtgeistlichen gestattet, diese heilige Stätte zu betreten?' ,Für Ew. Majestät gibt es in diesem Tempel keine Stätte, die nicht betreten werden dürste.' — Der König ließ sich sodann den auf dem heiligen Vorhang angebrachten Widmungsspruch übersetzen und fragte: ,Was bedeutet die der Thora aufgesetzte.Krone?' ,Drei Kronen gibt es im Judentum, die der Gelehrsamkert, des Priestertums und des Königtums; letztere ist den Juden von großer Bedeutung- ^und büst<Unsere^Heilige/Schrift insbesondere/ lehrt, mit /aller Treue/nttd/Ergebenheit LemHeAscher^des Landes anzuhstngen