Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1911)
- Date
- 1911-06-30
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 Speisesaal bot mit den etwa 50 Anwesenden, Damen und Herrsch' ein farbenreiches Bild. Vor dem Essen pries der Gastgeber in einer^ Ansprache an die Gäste das herzliche Einvernehmen zwischen' Vorstandsmitgliedern und den Heimdamen als einzig dastehend. Er schloß mit dem Versprechen: solange ein Oliven an der Spitze stehen würde, sollte es so bleiben!' — Nach aufgehobener Tafel ver> fügten sich alle wieder in den Garten. Bei angeregter Unterhaltung und dem munteren Spiel und Gesang der Tiroler schwand der Abend rasch dahin. Zum Schluß erstrahlte der Garten in reichem Lampionlicht, verbunden mit einem - langandauernden prachtvollen Feuerwerk samt bengalischer Beleuchtung. Die Erinnerung an dieses schöne Gartenfest wird bei den Teilnehmern noch lange cutdauern. W. Aus der Provinz Posen, im Juni. Das Oberverwaltungsgericht hatte darüber Entscheidung getroffen, was unter „gemischten Ehen" nach dem Kirchensteuergesetz vom 14. Juli 1005 zu verstehen sei. Frau H. war katholisch, ihr Mann gehörte dem Judentum an. Als Frau H. von der katholischen Kirchengemeinde gemäß der Hälfte des der kirchlichen Besteuerung zugrunde liegenden Steuersatzes, zu welchem ihr Mann veranlagt worden war, eingeschätzt wurde, erhob sie nach fruchtloser Beschwerde Klage beim Oberverwaltungsgerichl mit der Behauptung, unter „gemischten Ehen" verstehe man allgemein nur Ehen zwischen Katholiken und Protestanten. .Eine Mischehe im Sinne des Gesetzes und im Sinne des allgemeinen Sprachgebrauchs liege aber nicht vor, wenn sich eine Katholikin mit einem Juden verheiratet habe. Es sei auch im hohen Grade unbillig, daß das Einkommen ihres Ehemannes teilweise von der katholischen Gemeinde und voll von der jüdischen Gemeinde besteuert wird. Das Oberverwaltungsgericht wies indessen die Klage ab und führte unter anderem aus: Es sei nicht rechtsirrig, wenn die' katholische Gemeinde eine gemischte Ehe annimmt. Eine gemischte Ehe liege nicht nur vor, wenn ein Protestant eine Katholikin oder ein Katholik eine Protestantin heirate, sondern auch dann, wenn sich. Christen mit Juden oder Dissidenten verheiraten. — Wrescheu. Die verwitwete Frau Rosalie Ries beging in diesen Tagen ihren 80. Geburtstag. Körperlich und geistig noch frisch, ist die Greisin unermüdlich in ihrem Schaffen und Wirken. Wie eine echte jüdische'.- Frau, mit den hohen Tugenden, Religiosität und Bescheidenheit ge-- schmückt, wird sie von allen Bürgern der Stadt gleich geachtet und »geliebt. — Lobsens. Hier fanden Nepräsentantenwahleu statt. Es^ wurden neu respektive wiedergewählt: Sanitätsrat Dr. Simon, Max Pinkus, M. Scheye, G. Gerson und M. Herzseld. Als Stellvertreter wurden gewählt: Max Krutz, Hitler, Jakob und M. Lewin. Abraham Herzfeld wurde als Stellvertreter in den Vorstand und Israel Gromaden als Ersatzmann gewählt. — Ostromo. Der jüdische Schulvorstand hat die Auslösung der jüdischen Schule und Verschmelzung mit der evangelischen abgelehnt. — Zn in. Hierselbst starb im Alter von über 100 Jahren die Kaufmannswitwe Johanna- Salomon. Dieselbe war noch vor einiger Zeit geistig und körperlich rege und verstand es, die Leute mit ven Erlebnissen aus ihrer Jugendzeit gut zu unterhalten. Namentlich die Kriegszeil von Napoleon I., wie seine Soldaten nach Moskau zogen und elendiglich zurückkehrten, war ihr Lieblingsthema. Auch Episoden aus ihrem Heimatsort erzählte sie gar vielfach. Eine ansehnliche Schar von Kindern, Enkeln und Urenkeln folgten der Heimgegangenen, ehrwürdigen- Frau. Die Leichenrede hielt Herr Rabbiner Dr. Walter aus Bromberg. N. L. Hamburg, 23. Juni. Seit vielen Jahren hat der Israelitische humanitäre Frauenverein in Hamburg im Sinne seines mit Geistesstärke und Herzenstakt ausgerüsteten Gründers. Gustav Tu ch, eine seiner Hauptaufgaben in der Jugendfürsorge erblickt. Auch der Idee, von der Gründung von Ferienstätten wurde allmählich nähergetreten. Der gegenwärtigen ersten Vorsitzenden des Vereins, Fräulein Sidonie Werner, war es Vorbehalten, die kleine, von ihr selbst vor zwei Jahren geschaffene Ferienkolonie für jüdische Schulmädchen in Segeberg in einem eigenen stattlichen Heim unterzubringen. Für den nervus rerum sorgte der Schatzmeister des Vereins, Herr Paul Lascar, der, seinen eigenen Enthusiasmus für die gute Sache auch anderen mitteilend, in, erstaunlich kurzer Zeit ein Kapital zum Ankauf eines Gebäudes WWIPSi Äfiisflll zusammen brachte. In" der' vortrefflichsten Lage Segebergs, in dev Bismarckallee, eingvhegt von einem Tannendickicht und von lieblichen Gärten, erhebt sich' auf dem Landgebiet von Niendorf das schöne Haus, dessen 14 prächtige Zimmer ebenso wie 'die'Veranden','-ün6 Terrassen freundlich, sonnig und einladend sind. ' Für die -Einrichtung sind praktische, aber anmutige Gegenstände gewählt worden; die auch das Auge erfreuen. Als Leiterin ist ein in der Krankenpflege ausgebildete Schwester -gewonnen worden, und dadurch wird jetzt auch die Aufnahme von vorschulpflichtigen Kindern, Knaben sowohl wie -Mädchen, von vier bis sechs Jahren ermöglicht. In verschiedenen Abteilungen sollen jeden Sommermonat je 25 Jugendliche streng rituell verpflegt und mit Solbädern nach- Angabe des Arztes versorgt werden. Zuerst kommen die schulentlassenen jüdischen jungen Mädchen, die schon in der Erwerbsarbeit stehen, an die Reihe. Ihnen folgen dann die Kleinsten, und im Ferienmonat ziehen die Schulmädchen ein. Es ist sogar schon der Gedanke ausgetaucht, das Pflegeheim auch im Herbst und Winter jüdischen Erholungsbedürftigen: jugendlichen Alters später nutzbar zu machen. Die Anmeldungen ' müssen von einem ärztlichen Attest begleitet sein und an die erste Vorsitzende des „Israelitischen humanitären Frauenvereins" in Hamburg. Fräulein Sidonie Werner, Jsestraße 88, gerichtet werden. Am sonnigen Tage des 25. Mai um 4^2 Uhr mittags wurde das Erholungsheim feierlichst seiner Bestimmung übergeben. ' — Nürnberg, 22. Juni. Am 15. d. M. hielt der Landesverein für die israelitischen Kultusgemeinden in Bayern wieder seine regelmäßige Ausschußsitzüng dahier ab. Wie aus dem Jahresbericht für 1910 ersichtlich ist, wurden im verflossenen Jahr wieder 84 Unterstützungsgesuche mit zü'ammen 8530 Mark bedacht. Die Unterstützungen wurden sämtlich kleinen Landgemeinden'zu den Kosten des Religionsunterrichts, zum Lehrergehalt, zur Reparatur von Synagogen und zur Bestreitung sonstiger Kultuslasten zu-- gewendet. Außer der obigen Summe wurden größere Summen für Fortbildungskonferenzen jüdischer Lehrer, für Niederlegungsapparate beim Schächten und an allgemein deutsche jüdische Vereine bewilligt. Der Verein hat im vorigen Jahr gemeinsam mit der Konferenz der bayerischen Rabbiner und mit dem israelitischen Lehrerverein in Bayern an die Staatsregierung eine Petition um Erhöhung des. Etats für die Zwecke des israelitischen Kultus eingcreicht. Diese Petition wurde von den beiden Kammern der königlichen Staatsregjerung zur Würdigung hinübergegeben- und es konnte in der Ausschußsitzung mitgeteilt werden, daß die Regierung den Etat von jährlich 4000 Mark auf 7000 Mark erhöht habe. Eine weitere Petition um gesetzliche Regelung der Rechtsverhältnisse der israelitischen Elementarschulen und ihrer Lehrer soll in der nächsten Session des Landtages ihre Erledigung finden. Der Verein hat im vorigen Jahr in den Kultusgemeinden Nürnberg und Fürth durch seine dortigen Lokalkomitees eine Propaganda entfaltet, die ein sehr günstiges Ergebnis hatte, indem viele neue Mitglieder aus diesen beiden Kultusgemeinden dem Verein beitraten. Der Schriftführer des Wanderunterstützungsvereins Fürth—Nürnberg, HerrL. Seligsberger in Fürth, erstattete Bericht über die Wanderarmen-Fürsorge und teilte mit, daß der Anschluß an die Zentrale in Berlin von. gutem Erfolg begleitet -gewesen sei. da die Zahl der durchreisenden jüdischen Armen seitdem ziemlich bedeutend zurückgegangen sei. Es ist zu hoffen, daß der Landesverein im heurigen und den folgenden Jahren eine gleich segensreiche Tätigkeit entfalten wird wie im vorigen Jahre. Magdeburg, 26. Juni. Der S y nagogen« G e m e indev erban d der Provinz Sachsen hat sich auf-seinem am 18. Juni hier stattgefundenen Gemöindetage wie folgt konstituiert: 1. Gustav H eynem ann-Magdeburg, Kronprinzenstraße 12, Verbandsvorsteher; 2. Dr. Abraham Hirsch-Halberstadt, stellvertretender Verbands- Vorsteher; 3. Max Weil-Magdeburg, Bötticherstr. 45, Schatzmeister, an den von jetzt ab alle Geldsendungenzu richten sind, was wir wohl zu beachten bitten. H. K. Hannover, im Juni. Wie bekannt, ist man heute bestrebt, denen, die durch Geburt oder Unglücksfall einen Teil der Hörfähigkeit verloren haben, durch eine Methode zu helfen, welche es ihnen ermöglicht, unbemerkbar für andere diesen Mangel durch Ablesen zu heben. Eine Dame aus bester hiesiger Familie, Fräulein?