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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-06-30 · Heft 26 (30.6.1911) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 26 (30.6.1911)
Date
1911-06-30
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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ist II»* > I UM- L'omi Blumeuthal, Große Pfahlstr. 10, hak einen Kursus, zur Erlernung dieserMethode eingerichtet, der nach,Aussage von Fach^ leuten und Aerzten Hervorragendes leistet. Ich glaube, durch diesen Hinweis Ihrem Leserkreis einen Dienst erwiesen zu haben und bemerke noch, daß - für rituelle Beköstigung der Patienten/' bestens- Sorge getragen ist. Auskunft erteilt Herr Dr. Hirsch- Hannover^ V.Z. Frankfurt a. M., 25. Juni. Als nach dem Tode des Freiherrn v. Rothschild die prachtvollen Meisterwerke deutscher Goldschmiedekuust, die der Sammlung , des verstorbenen Freiherrn.Karl Mayer v. Nothschild in Frankfurt entstammen, in das Ausland wanderten, erregte es -in Kunstkreisen großes Bedauern. daß diese Schätze dem Vaterlande verloren zu sein schienen. Nun wurde von einer großen Schar von Kennern ein Teil der Sammlung, in der Galerie Petit in Paris versteigert, und schon am ersten Tage wurden über 1 3OOOOO Franken -erzielt. Die hauptsächlichsten Käufer waren unter anderen die Firma I. und S. Goldschmidt in Frankfurt a. M., welche die drei bedeutendsten Stücke, und zwar einen Pokal von Petzold für 126 00O Franken, einen Nürnberger Hirsch für 96 OO0 Franken, einen gotischen Deckelpokal für 90 000 Franken und noch drei ändere Pokale für 123 000 Franken ersteigerte. Damit ist durch die Ankäufe genannter Firma ein bedeutender Teil der Sammlung, der die besten Gegenstände in sich schließt, wieder nach Deutschland zurückgekehrt, wo er hoffentlich eine bleibende Stätte finden wird. Stuttgart, 20. 3uni. Ans den 24. und 25. Mai d. I. waren die Rabbiner des Laubes zu ihrer jährlichen Versammlung 17. Hauptversammlung) eingeladen und bis ans zwei alle erschienen. Die Versammlung und ihre Tagesordnung stand unter dem Eindruck der schwebenden Fragen, ob und wieweit die seit der letzten Tagung erschienene Vorlage einer „Kirchlichen Verfassung der israelitischen Religionsgemeinschaft" unseren'Anträgen und Erwartungen entspricht und wie weit die beabsichtigte „Vereinfachung der Staatsverwaltung" und die damit bezweckte Reduzierung der Staatsausgaben die Verhältnisse in der israelitischen Landeskirche berühren. In dem ersten Referat besprach Herr Dr. Kahn, Mergtheim, den dem Landtag vorgelegten obengenannten Entwurf besonders nach der Seite hin, inwieweit darin eine ersprießliche, seiner Bildung, Stellung und Verantwortung entsprechende maßgebende Wirksamkeit dem Rabbiner besonders in den Bezirks-- gemeinden ermöglicht respektive garantiert ist. Was . diesbezüglich ' noch zu wünschen übrig bleibt und im Entwurf zum mindesten nicht deutlich genug zum Ausdruck kommt, soll noch einmal in einer. Eingabe an den Ausschuß der II. Kammer zusammengestellt, werden. Das zweite Referat (Referent Straßburger-Ulm) ist eingegeben von der durch obige, auch von der Königlichen israelitischen Oberkirchen- -behörde zu beachtende Ersparnis-Politik bedingten Besorgnis um den Bestand der einzelnen Rabbinate; in ausführlicher Weise wurde daher die historische Entwicklung des gegenwärtigen Bestandes der Rabbinatsst ellen und Bezirks gemein den (seit 1832) vorgeführt. Aus dieser Betrachtung ergab sich, daß der Wirkungskreis , der Rabbiner bezüglich Zahl der Seelen und der Bezirksgemeinden durchschnittlich tatsächlich gewachsen ist; und was den Wirkungskreis einzelner Rabbiner betrifft, wurde betont, daß sie, besonders in Anbetracht des bei dem Rabbiner selbstverständlichen Selbststudiums, im Durchschnitt als genügend beschäftigt zu bezeichnen sind, ja daß einzelne Rabbinate einen Wirkungskreis haben, der für eine allseitige und intensive Pastorierung als viel zu groß bezeichnet werden, muß: Diese im Referat gegebenen Nachweise, mit ausführlicher Darstellung und Begründung, sollen in einerDenkschrift zusammengestellt werden. (Durch StraßburgenUlm und Treitel-Laupheim.) .... Dasdritte Referat zeigte uns die gleiche B.esorgnis auf dem Gebiet der israelitischen Schule, das heißt besonders der wegen ihrer geringen Schülerzahl in erster Linie gefährdeten israelitischen Konfessionsschulen, die, wenn die diesbezüglichen Bestimmungen des Völksschulgefetzes auf sie Anwendung finden sollten, wohlolle mit dem 1. April 1912 aufhören würden, bestehen zu können. Die Schädigung, die dies für die ganze religiöse Erziehung und den Bestand mancher Gemeinde haben würde, wurde allerseits hervorgehoben und. beschlossenauch diese Verhältnisse nn einer Denkschrift zur Darstellung . zu bringen. (Referent: Schweizer-Weikersheim.) Diese.dreiuArbeiten sollen selbstverständlich auch/ der Königlichen Jsraelitischen / Oberkirchenbehörde, die letzte auch der evangelischen Oberschulbehörde, zur Kenntnis gebracht werden. Neben diesen Refe'- raten gingen einher Mitteilungen und Anregungen aus der Praxis, erfreulicherweise besonders solche, die auf dem Gebiet sozialer Fürsorge, liegen. Dem Gedanken der Errichtung eines israelitischen Krankenhauses in Stuttgart und eines israelitischen Erholungsheims ' in Freudenstadt wurde gern zugestiMmt und beschlossen, denen, die diese Einrichtungen angeregt haben, die Sympathie und Unterstützung der- Rabbiner zuzusagen; auch ein Antrag aus der Mitte der Kollegen (Treitel) betreffs Errichtung eines israelitischen Mädchenheims in Stuttgart wurde gutgeheißen und beschlossen, diese Anregung zur wohlwollenden Erwägung und zur Prüfung der Bedürsnisfrage an die Stuttgarter Loge U. O. B. B. weiterzugeben. Die Sitzung wurde nachmittags 2.Uhr geschlossen. Oesterreich-Ungarn. K. Wien, 22. Juni. Unter großer Beteiligung der Finanz- und Handelswelt wurde hier vor einigen Tagen der. Einzelprokurist des Bankhauses S. M. v. Nothschild, Herr Moritz Blum, zu Grabe getragen. Der Verblichene begann seine Karriere in- Aegypten, wo er in den achtziger Jahren als Kabinettschef des Finanzministeriums tätig war. Bald darauf kam er nach Paris <jum Comptoir d’Escomple unb vertrat diese Bank in Paris, London, China, Indien, Japan und Madagaskar. Im' Jahre 1891 wurde Moritz Blum vom Vankhause Rothschild engagiert, worauf ihn Baron Albert Rothschild zum Einzelprokuristen ernannte. Der Verstorbene erfreute sich in weiten Kreisen wegen seiner hervorragenden Charaktereigenschaften und seines liebenswürdigen, wohlwollenden Wesens aufrichtiger Sympathien und großer Wertschätzung. Einer der Brüder des Verblichenen, Julius Blum, ist der Vizepräsident der Kreditanstalt. Ein anderer Bruder, Alexander Blum, war durch mehrere Jahre sein Vorgänger als Einzelprokurist des Wiener Hauses Rothschild. — Am vorletzten Samstag brack in der Synagoge in Karlsbad auf der Frauengalerie mitten im Gottesdienste Feuer. - aus. Der Gottesdienst mußte unterbrochen werden, das Feuer wurde bald gelöscht. Wie aus Karlsbad berichtet wird, dürfte der Brand in der Synagoge gelegt worden sein, und zwar von . einem Geistes- , kranken. — Aus Prag wird den hiesigen Blättern gemeldet, daß der jungtschechische Abgeordnete Dr. Baxa, der in Prag-Altstadt als tschechischer Kompromißkandidat gewählt wurde, sich verpflichtet hat, nach den Wahlen eine Erklärung zu veröffentlichen, daß er nicht an die Schuld Hilsners glaube. Dr. Baxa hat bekanntlich / seinerzeit im Hilsner-Prozeß eine führende Rolle gespielt; er verfolgte im Verlauf des Prozesses die Tendenz, mit aller Gewalt den Glauben . an einen Ritualmord zu verbreiten. „Es ist sehr erfreulich," so bemerkt dazu die „Sonn- und Montagszeitung", „daß nun. auch schon Dr. Baxa von der Unschuld Hilsners überzeugt ist und keinen Anstand nimmt, seiner Ueberzeugung öffentlichen Ausdruck zu geben. Wir unserseits erblicken in dieser loyalen Erklärung des Dr. Baxa eine Bestätigung der hartnäckig sich erhaltenden Gerüchte, daß die Revision des Hilsner-Prozesses in sicherer Aussicht steht." Von Moh und jferu. — Zur Begründung einer „Curt und Elsa Sachs geb. Gräfberg- Stiftung" hat der Stadtverordnete Louis' Sachs dem Berliner Magistrat 10 000 Mark übermittelt. — Die Gattin des verstorbenen - Handelsrichters Rothenstein in Berlin, Frau Agnes Rothenstein, hat der Deutschen Gesellschaft für Kaufmannserholungsheime in Wiesbaden den Betrag von 10 000 Mark als Stiftung überwiesen. — Herrn Paul Lubszinski, dem Mitinhaber der bekannten chemischen Fabrik in Berlin, wurde der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen. — Nach kurzem, schwerem Leiden ist am 21. Juni Herr Louis Plonsker verschieden. Der Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde widmet dem Entschlafenen, der für unsere gottesdienstlichen Einrichtungen treu und hingebend, gewirkt, einen ehrenvollen Nachruf. — Anfang Juni wurde der jüdische Friedhof in Ezersk, Kreis Könitz, geschändet, indem von mehreren halbwüchsigen Burschen die Tür gewaltsam erbrochen wurde. Die Rowdys beschädigten Bäume und Anlagen und zerbrachen zwei Grabsteine. Dem Gendarm j.- «.«•r'UoV**

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