Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1911)
- Date
- 1911-06-30
- Page
- Seite 310 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Werk zustande zu bringen, das unseren Gemeinden und der Gesamtheit des Judentums zum Heil gereiche. An einem solch idealen Werke mitzuarbeiten, kann für die Teilnehmer, abgesehen von jedem praktischen Erfolg nicht ohne Frucht und Segen bleiben. Die Zukunft des Judentums - aber ist von keinem, auch dem besten menschlichen Gesetzgebungswerk bedingt, sondern von dem Bekenntnis zu dem Gesetz, das dem Gottesgeist entstammt und das durch das jüngst begangene Fest in uns erneuert worden ist. Gestärkt in dem Glauben an dieses Gesetz, an die ewigen Menschheitsideale, zu deren Verkündigung Israel berufen ist, wollen wir wirken zur Ehre des Judentums und zur Verherrlichung des göttlichen Namens. * Um 2 Uhr nachmittag wurde die vierte Generalversammlung des Nabbinerverbandes in Deutschland geschlossen. Gericht über dir Mitgliederversammlung drr Vrrrinigimg der lidrralen Lsddinrr Deutschlands. m 8. Juni tagte die Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands im Sitzungssaale des II. Verwaltungsgebäudes der jüdischen Gemeinde, Rosenstraße 2 zu Berlin. Von den 80 Mitgliedern, welche die Vereinigung zurzeit zählt, nahmen die folgenden 31 an der Versammlung teil. Außerdem waren ein Rabbiner und ein Rabbinatskandidat als Gäste anwesend: "; Vogelftein-Stettin (Vorsitzender), Appel-Karlsruhe, Bergmann-Berlin, BLumenthal-Berlin, Dienemann-Ratibor, Elsaß- Landsberg, Galliner - Charlottenburg, Goldmann-Oppeln, Jtaliener-Darmstadt, Kaelter-Danzig, Kahlberg-Halle, Koch- Weißenburg, Lazarus-Franksurt a. M., Lucas-Glogau, Neumark-Duisburg, Norden-Elberseld, Porges-Leipzig, Rülf-Brauuschweig, Salomon-Lauenburg, Salomonski-Franksurt a. O., Samuel-Essen, Schreiber-Potsdam, Seligmann-Franksurt a. M.', Silberstein-Schwerin, Silberstein-Stargard, Stein-Dresden Vogelstein-Königsberg, Weyl-Konitz, Wilde-Magdeburg, Winter- Dresden, Worms-Stettin. Als Gäste: Nathan-Berlin, Rabbinatskandidat M. L.ewiu- Berlin. Entschuldigt: Bloch-Posen, Coblenz-Bielefeld, Freudenthal-Nürnberg, Goldschmidt-Offeubach, Holzer-Worms, Maybaum-Berlin, Salseld-Mainz, Walter-Vromberg. Der Vorsitzende eröffnet um 6^4 Uhr die Versammlung, ernennt mit Zustimmung der Versammlung Worms-Stettin und Weyl-Konitz zu Schriftführern, und erstattet einen kurzen Geschäftsbericht, in dem er die erfreuliche Zunahme der Mitgliederzahl und die rege Beteiligung der liberalen Rabbiner an den Arbeiten und Bestrebungen der „Vereinigung sür das liberale Judentum" konstatiert. Das Andenken der verstorbenen Kollegen Feßler-Halle, Lewin-Freiburg und Silberstein-Wiesbaden, die der Vereinigung der liberalen Rabbiner seit deren Gründung angehört haben, ehrt die Versammlung durch Erheben von den Sitzen. Aus dem hierauf von Appel-Karlsruhe erstatteten Kassenbericht geht hervor, daß die Vereinskasse am 1. Januar 1911 einen Bestand von 925 Mark aufwies, daß aber mehrere Mitglieder mit ihren Beiträgen noch im Rückstände sind. — Von der Versammlung wird der Wunsch ausgesprochen, daß demnächst ein Mitgliederverzeichnis gedruckt und sämtlichen Mitgliedern zugeschickt werde. (Auf Grund der von zwei Revisoren vorgenommenen Kassenprüfung wird dem Schatzmeister am Schluß der Verhandlung Entlastung erteilt.) v . . In der an den Geschäfts- und Kassenbericht sich anschließenden Debatte wird von mehreren Rednern unter Hinweis'auf die von der-sogenannten Mittelpartei in ihrem Gründungsaufruf gegen die Vereinigung sür das liberale Judentum gemachten maßlosen Angriffe die Frage erörtert, ob ein Rabbiner gleichzeitig Mitglied der Vereinigung der liberalen Rabbiner und der Mittelpartei sein könne. Der Vorsitzende ersucht, mit Rücksicht auf die Erledigung der aus her Tagesordnung stehenden wichtigen Angelegenheiten von einer weiteren Diskussion über diese Frage für jetzt Abstand zu nehmen, und auf Antrag Seligmanns wird die Debatte über den Geschäftsbericht überhaupt vertagt und zu Punkt 3 der Tagesordnung „Feuerbestattung" übergegangen, da die Versammlung sich mit dem Vorschläge des Vorsitzenden einverstanden erklärte, der Beratung über die Reform der Ehegesetze die Besprechung dieser namentlich durch die in jüngster Zeit in den jüdischen Blättern erfolgten Veröffentlichungen im wahrsten Sinne des Wortes brennend gewordenen Angelegenheit vorangehen zu lassen. Der Referent Blumenthal-Berlin hält nunmehr seinen Vortrag, nimmt einleitend Bezug auf die betreffenden Artikel von Maybaum, Silberstein, Porges und Vogelstein in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" und im „Jüdischen Familienblatt" und legt unter Anführung von Aussprüchen aus Bibel und Talmud dar, daß sich in der gesamten jüdischen Literatur kein direktes Verbot der Feuerbestattung auffinden lasse, daß aber die Erdbestattung ein alter, allgemeiner und darum ehrwürdiger jüdischer Brauch sei. Er faßt seine Ergebnisse in vier Thesen zusammen, des Inhalts, daß die Beerdigung von Menschenleichen auf einem uralten, jüdischen Brauche beruhe und sich in das religiöse Bewußtsein der Juden tief eingelebt habe; 2. daß es Aufgabe der jüdischen Gemeinden und insbesondere der Rabbiner sei, sür die Aufrechterhaltung dieses Brauches einzutreten; 3. daß die jüdischen Gemeinden verpflichtet seien, die Aschenreste der durch Feuei bestatteten auf den Friedhöfen in der Reihe der Gräber beizusetzen; 4. daß auf Wunsch der Leidtragenden die Rabbiner ihre Mitwirkung bei der Trauerfeier nicht versagen sollen. An den lichtvollen und mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag knüpfte sich eine lange und zeitweilig sehr erregte Debatte, an der sich Winter, Appel, Weyl, Lucas, Silberstein- Schwerin, Salomonski, Kaelter, Seligmann, Rülf, Porges- Elsaß, Vogelstein-Kvnigsberg, Wilde, Samuel, Schreiber und der Vorsitzende beteiligten. Sämtliche Redner erklären sich damit einverstanden, daß der Rabbiner bei der im Trauerhause oder auf dem jüdischen Friedhofe stattfindeuden Trauerseier für die zur Verbrennung bestimmten Leichen seine von den Angehörigen erbetene Mitwirkung nicht ablehnen solle. Einige — so besonders Winter — wollen ihre Beteiligung davon abhängig machen, daß die Leiche jüdisch rituell behandelt sei, d. h. daß vor allem die Taharah stattgesunden habe. Andere halten in Berücksichtigung des Umstandes, daß in der Regel von der Beerdigungsbrüderfchaft die rituell vorgeschriebenen Formalitäten erfüllt werden, eine diesbezügliche Nachfrage für inopportun. Die selbstverständliche Forderung, daß die rituelle Behandlung der Leiche vor der Ueberführnng in das Krematorium erfolgen müsse, erst aussprechen, heiße einen Zankapfel in die liberale Vereinigung und in die Gemeinden werfen. Besonders lebhaft gestaltete sich die Diskussion über die von dem Referenten in seinem Vortrage und in den Thesen unerwähnt gelassene Frage bezüglich der Mitwirkung des Rabbiners jm Krematorium und bei der Beisetzung der Aschenrefte. Winter, Porges, Lucas, Silberstein-Schwerin lehnen die Beteiligung