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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-06-23 · Heft 25 (23.6.1911) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 25 (23.6.1911)
Date
1911-06-23
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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jüdische Geschichte und Literatur gestellten Aufgaben zu fördern/ . Und schließlich lag der Versammlung noch der' folgende Antrag Kattowitz vor: „Vereine, die einem Bezirksverbande angehören, sind, wenn dieser korporativ Mitglied des Verbandes ist, von selbst, eventuell gegen gemäßigten Beitrag Mitglieder des Verbandes." Alle diese Anträge gelangten bei den entsprechenden Paragraphen der beantragten neuen Satzungen zur Erörterung uüd zur Beschlußfassung. Auch das vorgesehene Referat des Herrn Rabbiner Dr. Samuel-Essen über „Neue Aufgaben des Verbandes" mußte, da die Zeit.nicht ausreickste, gewissermaßen in die Debatte über die Statutenänderung als Torso eingeschoben werden. Die §§ 1 und 2 der Satzungen wurden debaltelos angenommen. Bei § 3 gelangte dann der Antrag Essen auf Schaffung eines eigenen Verbandsorgans zur Diskussion. In der Begründungdes Antrages führte Rabbiner Dr. Samuel aus, daß über die Nützlichkeit einer solchen kleinen periodischen (Monats-) Schrift kaum Meinungsverschiedenheiten herrschen dürften. Eine andere Frage sei die des Bedürfnisses einer solchen und die finanziellen Mittel zur Herausgabe derselben. Was den Inhalt der Zeitschrift betrifft, so müßte-er genau auf das Bedürfnis der Vereine, zugeschnitten sein. Die Zeitschrift müßte bringen: literarische Ueberfichten, Bibelexegese, Talmudisches, jüdische Geschichte, vaterländische Geschichte, Berichte über die Arbeit der einzelnen Vereine, Austausch der Erfahrungen der einzelnen Vereine usw. . Für die Redaktion sei ein hervorragender Kenner der fraglichen Gebiete zu gewinnen, und an Beitragenden dürfe es nicht fehlen. Da müsse man an den Idealismus appellieren und er zweifele nicht, daß man recht viele Gratis beitrüge erhalten würde. Gegen die derzeitige Annahme des Antrages sprach zunächst Prof. Philippson. So verführerisch der Antrag auch sei, er wäre verfrüht. Im gegenwärtigen Zeitpunkt, da der Verband noch im Stadium der Konsolidierung sei und man in recht engen finanziellen Verhältnissen stehe, müsse er dringend vor Annahme des Antrages warnen. Von größter Bedeutung sei die Geldfrage. Die Monatsschrift der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft.des Judentums erheische einen jährlichen Zuschuß von rund 7000 Mark. Viel weniger würde auch eine Verbandszeitschrist nicht kosten. Sehr schwer werde man auch einen geeigneten Redakteur finden, und gute Artikel würden weder für Honorar noch ohne Honorar zu erhalten sein. Bezüglich der Literatur-Übersichten liege seiner Meinung noch kein Mangel vor, man fände solche in den Publikationen der „Allgemeinen Zeitung des Judentums", des Gesamtarchivs, der Logen usw. Wir ständen in Gefahr, durch die Annahme des Essener Antrages uns zu zersplittern. Erst müsse einmal der Verband finanziell gut fundiert sein. Vielleicht nehme man den Antrag einmal später wieder auf. Für den Antrag tritt Herr Dr. Bernfeld ein, der die Verweisung desselben an eine Kommission beantragt. Die Versammlung beschloß, den Antrag Essen bis zum nächsten Verbandstag zu vertagen. — Der Antrag Thorn betreffend Vorträge und Redner in den Literaturvereinen wurde nach eingehender Debatte, die sich an das begründende Referat des Herrn Professor Horowitz knüpfte, einstimmig angenommen. Herr Rabbiner Tr. Kälter-Danzig empfiehlt die systematische Arbeit, wie sie in der Veranstaltung bestimmter Vortragszyklen sich darstelle. Die sprunghafte Arbeit, die Heranziehung von Paraderednern verschuldeten oft die Vereine selbst, die Leute wollen vielfach nur Unterhaltung. Denselben Gedanken spricht auch Herr Landesrabbiner Dr. M a n h e i m e r - Oldenburg aus. Rabbiner Dr. R o s e n t h a l - Köln führte aus: Ter Antrag Thorn trifft das Herz der Sache. Die Vorträge in den Literaturvereinen haben an sich an Zugkraft verloren, weil'die Neuheit der Sache verschwunden ist. Sie haben an Interesse auch eingebüßt, weil die Vortragsthemen vielfach sich mit allen möglichen Dingen, selbst mit denen auf dem Monde beschäftigen, die sich irgendwie mit dem Judentum in Verbindung bringen lassen. Auch dieser Redner empfiehlt Vortragszyklen und teilt dabei mit, daß der Kölner Literaturverein den Vortragenden direkt Themen gestellt hat, so würden für diesen Winter die Zyklusvortrage unter dem Zeichen des Hundertjahr-Jubiläums der Emanzipation der Juden stehen. Auch die Rednerliste empfiehlt er sehr sorgsam auszuwählen, da man vielfach sehr schlechte Erfahrungen' mit gewissen Rednern gemacht habe. Herr Rabbiner Dr. Goldmann-Oppeln führt die Einbuße an Interesse darauf zurück, daß wir mit anderen Dingen übersättigt sind und wir unter der Konkurrenz der anderen Vereine, wie Zentralverein, Logeri^ Jugendvereine leiden. Die Anträge Berlin-Memel. Thorn, Kattowitz werden ebenso wie die neuen Satzungen mit ganz unwesentlichen Abänderungen iA^inzelberatungangenommen. Eine besondere Ehrung für den Begründer und Förderer des Verbandes, für Dr. G. Karpeles, enthält der § 12 der neuen Stätuten, der da lautet: „Die Beiträge der immerwährenden Mitglieder sowie. Spenden und etwaige Legate dürfen für die laufenden Ausgaben des Verbandes nicht verwendet werden, sondern fließen in den bereits bestehenden Wanderrednerfonds, der den Namen„Gustav Karpeles-Stiftung" führen soll. Schließlich erfolgte per Akklamation die Wahl des Vorstandes und der Revisionskommission. Danach, setzt sichder Vorstand aus den folgenden Herren zusammen: Professor Dr. Philippson, Ehrenvorsitzender; Dozent Dr. El bogen, , erster Vorsitzender; Rabbiner Dr. Frank-Köln, zweiter Vorsitzender; Alois A. F. Marcus-Berlin, Schatzmeister; Albert Katz-Pankow, Sekretär; Dozent Dr. Brann-Breslau. Dr. Fink-Hamburg, Professor Dr. Horowitz-Charlottenburg, Kommerzienrat Emil L. Meyer- Hannover, die Rechtsanwälte Dr. Fr an cken-Aachen und Dr.Guggenhe im-Offenbach, Dr. Paul Homb.urger-Karlsruhe, Aron Hirsch, Chefredakteur I. Landau, Benas Levy, Willibald Loewenthal, Justizrat Dr. Fedor Stern-Berlin, Leon Scheinhaus- Memel, Dr. Wall er stein-Gelsenkirchen, die Rabbiner Dr, Braunschweiger-Kattowitz, Dr. Samuel-Essen und Dr. Kälter-Danzig, Kommerzienrat Elb-Dresden, Justizrat Bauer-Augsburg und Hauptlehrer Herb st-Lissa. Zu Revisoren wurden die Herren Stadtrat Giemkiewitz und Rechtsanwalt D. Feilchenfeld gewählt. Zürn Schluß hielt Herr Professor Philippson noch eine anseuernde Ansprache, in der er besonders betonte, daß es hauptsächlich darauf ankomme, daß jeder einzelne in seinem Kreise nach Maßgabe seiner Kräfte für die Sache der jüdischen Literaturvereine wirke, dann sei ein Wiederaufleben der Verbandssreudigkeit sicher zu erwarten. 2/D Berlin, 20. Juni. Der bisherige erste Vorsitzende der Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation, Tr. Isidor ' G in s berg-Berlin, hat sich aus Gesundheitsrücksichten gezwungen gesehen, sein Amt für einige Zeit niederzulegen. In seinem an den Vorstand gerichteten Schreiben/heißt es: „Um jeder unzutreffenden Auslegung meines Schrittes zu begegnen, möchte ich darauf Hinweisen, daß ich schon an Nervenschmerzen litt, als ich meine berufliche Tätigkeit aufgab. In den letzten Monaten fühlte ich, daß mein altes Leiden wieder zum Vorschein kam. Dies ist der einzige Grund, weshalb ich mich zurückziehen muß. Er findet seine Bestätigung in der Tatsache, daß ich auch meine Ehrenämter in anderen Humanitären Gesellschaften gleichzeitig niederlege. Wenn ich mich auch an den Arbeiten der Allgemeinen Jüdischen Kolonisations- Organisation vorläufig aktiv nicht weiter beteiligen kann, bleibt ihr mein Interesse jedenfalls nach wie vor gesichert. Die von mir zugesagte Beteiligung au einem von der Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation zu schaffenden Bodenkauf- und Agrarkredit- Jnstikut in Höhe von 50 000 Mark erhalte ich aufrecht. Sollte mein Gesundheitszustand im Lause eines Jahres sich soweit bessern, daß die Wiederaufnahme meiner Tätigkeit in humanitären Gesellschaften mir gestattet wäre, würde es mir eine Freude sein, auf meinen Posten wieder zurückzukehren." Wie man aus diesen Ausführungen ersieht, beruht die Meldung einiger Blätter, daß der vorübergehende Rücktritt des Herrn Dr. Ginsberg als eine Krise in der Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation zu deuten sei, auf einer irrigen Auffassung. Ebenso ist es unzutreffend, daß die Bemühungen der Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation um Beschaffung von Fonds für das kommerzielle' Bodenkauf-Institut gescheitert wären. Die Gründung eines solchen Instituts ist gesichert und wird im Laufe-der nächsten.Monate vollzogen werden. In Anerkennung der großen Verdienste, die Herr Dr. Ginsberg während seiner Amtstätigkeit sich um die Allgemeine Jüdische Kolonisations-Organisation erworben hat, ist er vom Vorstand zum Ehrenpräsidenten der Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation gewählt worden. Dr. Ginsberg hat die Wahl angenommen und bleibt in diesem neuen Charakter weiterhin in ununterbrochener Fühlung mit der Organisation. Die Leitung der Geschäfte hat der zweite Vorsitzende,

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