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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-06-23 · Heft 25 (23.6.1911) · p. Seite 300

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 25 (23.6.1911)
Date
1911-06-23
Page
Seite 300 (sequence 12)
Language
German
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3ÖÖ ltttb Mischehe^' ein ziemliches Gefasel. Was soll^z. B. heißen: „Die alldeutschen Wodan-Verehrer?" Sehr schön ist in detz Aprilnummer die Betrachtung Warschauers zum Passahfest und recht eigenartig Maybaums Darlegung in der' Mainummer „Assimilation und kein Ende". Ich glaube nicht, daß seine Deutung von „Weohavto lereacho comaucho“ die so lautet: „Du sollst lieben, was deinem Nächsten eignet, der wie du ist/ viele Freunde finden wirk Ich würde es jedenfalls für recht bedauerlich halten, wenn diese Anschauung und damit die Vernichtung des Gedankens „Tu sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst" die herrschende wird. Ganz besonders ist aus der Mainummer der Vortrag des Baurat Körte über den Neubau des Krankenhauses hervorzuheben. 13. Der Hauptaufsatz in den beiden Nummern ist der von Jakob Segall „Die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden in Deutschland". Er ist noch nichtbeendet, wir kommen vielleicht darauf zurück, wenn er fertig ist. Der Aufsatz von Maxim. Anin, „Jmigration, Arbeiterkonkurrenz, Arbeitsprotektionismus", eine sehr fachmännische, nicht allgemein verständliche Studie, hebt die traurige Lage der jüdischen Auswanderer hervor und fordert eine planmäßige, zielbewußte Organisation der jüdischen Wanderung. Die kleinen Mitteilungen unter, dem Titel „Statistisches Archiv" sind wie gewöhnlich von sehr großem Interesse. 14. Der Sonderabdruck enthält die Studie von W. Hanauer, „Zur Statistik der jüdischen Bevölkerung in Frankfurt a. M." Die Bevölkerung hat sich aus dem niedrigsten Stande von 63 Einwohnern im Jahre 1447 bis zum Jahre 1905 auf 22 476 erhoben. Vor 60 Jahren betrug die Anzahl 7620, sie hat sich also in einem halben Jahrhundert verdreifacht. Die jüdische Bevölkerung wird nach Alter, Geschlecht, Zivilstand, Bewegung der Bevölkerung usw. sehr instruktiv geschildert. Merkwürdig ist, daß die Zahl der Ehen unter den Juden geringer ist wie unter den Katholiken und Protestanten, und daß die Geburtsziffer seit 1880 erheblich gesunken ist; 1905 war sie um die Hälfte niedriger als die Durchschnittsziffer. 15. Von dieser Nummer war in der Presse, auch in unserem Blatte, mehrfach dieRede. Staatsmänner,Politiker allerSchaitierungen. Zentrumsleute neben den Freisinnigen sind vertreten. Die Zentrumsleute antworten zum Teil sehr sympathisch. Auch einzelne Damen wurden gefragt und haben geantwortet. Unter den Männern der Wissenschaft sind die christlichen Glaubens sehr dünn gesät. Schriftsteller und Künstler haben zum Teil sehr hübsche Worte beigesteuert; hätten wir mehr Platz, so könnte eins oder das andere angeführt werden. Zionistisch äußert sich bloß Herr H. Struck, unsympathisch W. Bloem. Die Sammlung ist recht interessant, aber ein vollkommenes Echo der Zeitgenossen ist sie nicht. 16. Das neue Heft ist fast nur dem Leben, wenig der Wissenschaft gewidmet. Nur zwei Artikel von sieben beschäftigen sich mit wissenschaftlichen Gegenständen: sonst ist von der Rabbinerkonferenz, der freien jüdischen Vereinigung, der gegenwärtigen Stellung der Juden zur Türkei die Rede, leider mit stark zionistischen: Einschlag. Da England manche Wochenschriften besitzt, die das Aktuelle stark berücksichtigen, so würde ich dieser Monatsschrift, die mit dem vorliegenden Hefte ihren zweiten Band beginnt, doch den bringenden Rat erteilen, das wissenschaftliche mehr zu berücksichtigen. Eine ausführliche Bücherübersicht, die hauptsächlich neue englische Erscheinungen bespricht, macht das Ende des Heftes aus. 17. Die Nummer dieses täglich erscheinenden Blattes wurde mir geschickt wegen eines interessanten Aufsatzes von Louis Germain Lövy, der den Beweis führen soll, daß Judas der Verräter niemals existiert habe. Zunächst möchte man meinen, daß es sich bei dieser' Ausführung um einen Aprilscherz handle. Diese Meinung ist aber gänzlich irrig. Dem ehrlichen und würdigen Verfasser war es durchaus ernst. Er will beweisen, daß der Verrat des Judas an sich keinen Sinn habe und daß er nur von den Späteren erdacht worden sei „damit sich die Schrift erfülle". Diese ganze Verratsgeschichte sei nichts als eine Ausführung von Stellen des Alten Testaments: die 30 Silberlinge nach einem Worte des Jeremias, der Selbstmord des Judas nach 2. Samuel 17, 23. Ich gebe diese Notizen, wie man sie in dem geistreichen Aufsatze findet, ohne selbst ein Urteil darüber zu wagen. 18. Diese Nummer soll erwähnt werden, wegen des Aufsatzes „Ludwig Gomperz, ein vergessener Verehrer Lessings. Ein kleiner Beitrag zur deutschen Literatur- und Theatergeschichte von Daniel Jacoby." Der Verfasser, einer unserer gewissenhaftesten und feinsinnigsten Literarhistoriker, behandelt hier einen Schriftsteller des 18.Jahrhunderts, der als Gegner Friedrichs des Großen bekannt ist und der der Einzige war, der von dem Angegriffenen ein freundliches Wort empfing. Die Wertschätzung, die Gomperz Mendelssohn und Lessing schenkte, ,wird von Jacoby behandelt, die Bemerkungen des Königsberger Autors über beide werden sorgsam gebucht. L. G. SprechssÄ. Ueber den Ausfall der Stichwahlen in Oesterreich erhalten wir kurz vor Schluß des Blattes folgendes Telegramm: Die Wiener Stichwahlen haben die Niederlage der Christlich-Sozialen endgültig gemacht. Ihre sämtlichen Wiener Parieigrößen, darunter Handelsministcr Weiskirchner, Exininistcr Wittek, Bürgermeister Neumayer, Abgeordnetenhauspräsident Pattai, der Parteiführer Geßmann sind gefallen gegen Deutschliberale und Sozialdemokratie. Die Straßen sind von einer in Jubelstimmung befindlichen Volksmenge erfüllt; Extrablätter werden laut verlesen und mit Hot,rufen aus die antiklerikalen Sieger begleitet. * ie „Frankfurter Zeitung" enthält in ihrer Nummer 164 vom 15. Juni die nachstehende Berichtigung: Berlin, den 13. Juni 1911. Zu unserem Bericht über den Deutsch-Israelitischen Gemeindetag sendet uns Herr Professor M. Philippson, der geschäftsführende Vorsitzende des Gemeindeblindes, folgende berichtigende Zuschrift: „Ihr Korrespondent bezeichnet die Zurückverweisung des Entwurfes einer Satzungsänderung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes an den durch eine Kommission des Gemeindetages verstärkten Ausschuß als ein „Begräbnis erster Klasse". Gestatten Sie mir die Berichtigung, daß das nach der Auffassung des Ausschusses keineswegs der Fall ist. Vielmehr werden sogleich nach dem Ende der großen Ferien Ausschuß und Kommission die Arbeit an der beabsichtigten Satzungsänderung beginnen." $ ir werden ersucht, den Bericht über den letzten Gemeindetag dahin zu berichtigen, daß der in dem Artikel erwähnte Antrag nicht von der Gemeinde Ratibor, sondern von dem durch Herrn Justizrat Berger in Königshütte sO.-S.) vertretenen Verbände der oberschlesischen Synagogengemeinden gestellt war. Für diesen Antrag ist auch Herr Landtagsabgeordneter Dr. Cohn-Dessau. * 4/t^eine deutsche Bibelübersetzung. Ausgabe für Schule und Haus, * wird in der nächsten Zeit in einer neuen Auflage erscheinen. Da das Buch neu gesetzt wird, so kann ich das Ganze einer eingehenden Revision unterziehen. Ich bitte die Herren Rabbiner, Schulleiter und Lehrer, die sich für diese Schulbibel interessieren, mir freundlichst Aenderuugs- und Verbesserungsvorschläge möglichst bald zu machen. Sie werden von mir mit großem Dank entgegengenomm-rn und, soweit sie mit Plan und Anlage des Buches in Einklang zu bringen sind, nach Möglichkeit berücksichtigt werden. Dr. S. Bernfeld, Charlottenburg, Goethestraße 81. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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