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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-06-16 · Heft 24 (16.6.1911) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 24 (16.6.1911)
Date
1911-06-16
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Betätigung. Die Frage ist auch nur scheinbar eine rein materielle, > denn nickt der materiell damit verbundene Vorteil eines höheren Einkommens ist der Stimulus fürs Examen, sondern der Hebung der Standesinteressen soll es in erster Reihe dienen, insofern hier das ideale Streben vorherrscht, durch Wissen und Können, durch Fleiß und Fähigkeit dahin zu-gelangen, wo Theologen auch stehen. D.as. führt zu einem die Kräfte anspannenden Wetteifer und würde ein entsprechendes Aequivalent für das Opfer aN Zeit und Mühen sein. ' Mögen die Anforderungen immerhin höher geschraubt werden, mag auch das Maß allgemeiner Bildung gesteigert werden, der Riegel des Examens kann zuletzt immer noch, vorgeschoben werden.. Bisher steht das höhere Examen in seinen Anforderungen in keinem rechten Verhältnis zu dem für Unter- und Mittelklassen, — das mehr, einem ' Wiederholungsexamen gleicht als einer Art von Mittelschullehrerprüfung, insofern sich nach diesem Zuschnitt eher zeigen soll, was der Kandidat noch vom ersten Examen her behalten,, als was' er Neues zugelernt hat. Die Fortbildungskurse und Examina' sollten besser gar nicht miteinander verquickt werden. Sollen die Kurse einen rein ideellen Zweck haben, die wissenschaftlicher Fortbildung, dann wäre es unter Umständen zweckmäßiger, vom Examen ganz abzusehen, der Wissende und Fähige könnte sich auch als „Ungeprüfter" zur Geltung bringen. Die drei aufeinanderfolgenden Examina, das erste im Seminar, das zweite und dritte auf Grund der eigenen Fortbildung können auch leicht die Einheit des Neligionslehrerstandes durch das System der Gruppen und Kategorien zerreißen. Das erste. Examen im Seminar läuft Gefahr zur Bedeutungslosigkeit herabzusinken. Vielleicht wäre es möglich, durch Umbiegung der Ziele des Seminars mehr Bedacht aus die Ausbildung von Religionslehrern zu nehmen, die mit solchem Wissen ausgerüstet sinddaß sie von vornherein mit Aussicht auf Erfolg an höheren Schulen unterrichten könnten. Ihn nur auf den Religionsunterricht'in der Voltsschule zu beschränken, liegt auch heutzutage nicht in der Absicht des Seminars. Dazu wird in den Religionswissenschaften im Vergleick zu anderen Disziplinen zu viel geboten. — Sollen durchaus weitergehende Examina' gemacht werden, dann aber nur mit einer für alle, die sich ihnen unterziehen, gleichen Berechtigung oder überhaupt keine. — Kurse zur Weiterbildung in jedem Falle, aber nach freiem Ermessen, ohne daß den Fernstehenden direkte Nachteile daraus erwachsen. — Die Kurse erleichtern wohl den Weg der Fortbildung und. kürzen ihn durch Zweckmäßigkeit ihrer Einrichtung ab, aber auch ohne dieselben läßt sich namentlich bet den reichen Bildungsgelegenheiten der Großstadt und mit gutem Willen mit Erfolg eine Erweiterung und Vertiefung der Bildung überhaupt wie der in den Religionswissenschaften erzielen. - Wollen die Seminariker ihre Existenzberechtigung erweisen und bei der scharf wissenschaftlichen Konkurrenz^on allen Seiten nicht unterliegen, wollen sie bei der leider zurzeit so geringen Aussicht .auf. Anstellung als Volksschullehrer sich nicht das Feld des Religionsunterrichts gänzlich abgrasen lassen, so müssen sie sich ebenfalls tüchtiger machen, ob mit oder ohne Examen. — Hinsichtlich der Art der Kurse verlangt der Referent freie Wahl der Fächer, im Vordergrund stehe der Stoff, der praktische Verwendung für den Unterricht findet. Auch die Auswahl des' Stoffes muß die Billigung der Kursisten erfahren. Der Betrieb darf kein rein schnlmäßiger sein. Die Kurse müßten eigentlich trotz der bereitwilligst zur Verfügung , gestellten Mittel der Gemeinde materiell, unabhängig von irgendeiner subventionierenden Körperschaft sein. Ist die Weiterbildung vornehmlich unsere Angelegenheit, und erhoffen wir davon Vorteile für uns, dann sollten sie auch aus unseren. eigenen Mitteln unterhalten werden. Daß das Seminar gegenwärtig ebensowenig wie in Zukunft uns nicht zu fertigen Berufsmenschen ausbilden kann, ist ein Geständnis, das den Ruf auch des besten' Seminars nicht verkleinert. An die Kollegen richtet Referent den Appell: Wer sick selber fertig dünkt, ift's am allerwenigsten, und wer einsieht, daß es ihm noch fehlt, ist auf dem besten Wege zur Vervollkommnung. . 22 Berlin, 9. Juni. Der .Verein für Arbeitsnachweis, begründet von den Berliner Logen U- O. B. B.. (Monbijouplatz 10, Telephon Amt III, 2589), schreibt uns: Der Einfluß der fortschreitenden Saison auf viele Zweige des Engros? und Detailhandels bedingt, auf dem Arbeitsmarkt ein erhebliches Aufschnellen des Be-' d arfs ani Arbeitskräften. . Erfreulich war die vermehrte Nachfrage um so mehr,.: als das Angeböt an beschäftigungslosen Arbeitskräften gegenüber dem Vorjahr einen merkbaren Rückgang aufweist. Zur Kenntnis des Bureaus gelangten im Berichtsmonat 365 Vakanzen, in welche 89 Kaufleute,- 109 Handlungsgehilfinnen und 116 gewerbliche Arbeiter, insgesamt .314 Personen placiert werden konnten. Auch die Abteilung Schreibstube, in welcher die übertragenen Arbeiten von stellungslosen Bewerbern ausgeführt werden, konnte eine erhöhte Beschäftigung aufweisen, wenngleich eine noch erhebliche Inanspruchnahme vöN seiten der Herren Auftraggeber sehr erwünscht wäre. L. Breslau, 12. Juni. Dem Verzeichnis der in der Israelitischen Kranken-Verpflegungs-Anstalt (Fraenkelsches Hospital) im Jahre 1910 aufgenommenen und verpflegten Kranken entnehmen wir, daß im Berichtsjahre in der medizinischen Abteilung 834 Patienten neu ausgenommen wurden, so daß mit den früheren 66 insgesamt 900 Kranke behandelt wurden. Von ihnen waren 732 jüdischer, 116 evangelischer und 52 katholischer Konfession. Als geheilt konnten 257 entlassen werden, es starben von den 861 in Behandlung befindlichen Kranken 57. Assistenzärzte waren dir Herren Dr. Löwi, Dr. Salzberger und Dr. Hofstein. Die Stelle des am 1. Juli ausgeschredenen Herrn Dr. Hofstein wurde durch Herrn Dr. Kleinstraß und vom 1. Oktober ab durch Herrn Dr. Löwen - stein besetzt. Die Zahl der in der chirurgischen Klinik behandelten Patienten beträgt 679, von welchen im Laufe des Jahres 640 entlassen wurden. Nach der Religion waren 506 jüdisch, 117 evangelisch und 56 Katholiken. Operationen würden an 498 Patienten vollzogen, von denen 30 starben. Auf der Unfallstation wurden 121 Personen eingeliefert. Die erste Assistentenstelle wurde in eine Sekündärarztstelle um gewandelt und Herrn Dr. Hädda übertragen. In augenärztlicher Behandlung befanden sich 98 Kranke, an denen 57 größere Operationen ausgeführt wurden. Der Verpflegungskostentarif mußte infolge der gesteigerten Betriebs- und Verwaltnngs» kosten auch für Mitglieder von Krankenkassen von 2 Mark auf 2.50 Mark pro Tag erhöht werden. An der staatlich anerkannten Krankenpflegeschule des Krankenhauses haben von den ausgebildeten Lehrschwestern sechs ihre Prüfung bestanden. W. Posen, 10. Juni. Der Verein jüdischer Lehrer in den Ostprovinzen hielt hier am 6. d. M. seine 23.Jahresversammlung ab. Ein großer Teil der Mitglieder hatte sich hierzu eingefunden. Im Aufträge des Vorstandes der Synagogengemeinde Posen und des Verbandes der Synagogengemeinden des Regierungsbezirks Posen war Herr Israel Friedländer als Gast erschienen. Nach einer Begrüßung der Versammelten durch den Vorsitzenden Herrn Hauptlehrer Her bst-Lissa würde in die Erledigung der Tagesordnung eingetreten. Es erfolgte zuerst die Erstattung des Jahres- und Kassenberichts. Auf dem Verbandstage in Frankfurt a. M. wurde die Lage der öffentlichen jüdischen Volksschulen besprochen. Es gilt, die Vorschläge, die der Vereinsberichterstatter nicht allein für die Erhaltung der jüdischen Volksschulen bzw. für die Neuerrichtung in dazu besonders geeigneten Groß- und Mittelgemeinden, sondern auch. für die wirtschaftlichen Standesinteressen gemacht hat, durch unermüdliche Arbeit in die Tat umzusetzen. Daß die Erhaltung jüdischer Volksschulen iw kleineren Gemeinden der Oftmark nicht mehr möglich ist,, beweist die Auflösung der Schulen in Fraustädt, Gostyn und Pinne. Um so dringender müssen die Gemeinden ermahnt werden, einen jüdischen Lehrer anzustellen oder mindestens mit. dem Religionsunterricht einen seminaristisch gebildeten Lehrer zu beauftragen. Zu der von dem Verbände der Deutschen Juden geplanten großen Jahrhundertfeier der Emanzipation der Juden in Preußen wird auch der Verein sein bescheidenes Scherflein beitragen. Der Verband plant die Herausgabe, zweier Schriften über die Stellung der Juden in Preußen, vor und nach 1812, und zwar eine wissenschaftliche und eine volkstümliche. Der- Verein zählte zu Beginn des Berichtsjahres 63 Mitglieder, darunter zwei Ehrenmitglieder: den Vorsitzenden Hauptlehrer Herbst und Seminardirektor Dr. Holzmann. Davon schieden drei unfreiwillig aus. Neu eingetreten sind vier Mitglieder. Die Vereinskasse vereinnahmte im abgelaufenen Geschäftsjahre 353.64 Mark und verausgabte, 221.60 Mark, mithin verblieb ein Bestand von 132.04 Mark. Nach dem Anträge derNachprüfer.wurde die Entlastung

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