Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1911)
- Date
- 1911-06-09
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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während 56 Lagen in Hall und Freudental ^verpflegten und - vier Kinder nach der Kinderheilstätte Nauheim gebracht' und abgeholt' wurden. Möge dieses edle Institut immer mehr Gönner im Lande finden, so daß alle Ansprüche an dasselbe erfüllt werden können/ wozu aber auch noch mehr Bewerberinnen für diesen wichtigen Beruf nötig sind. Gesterrrich-Nnoarn. L. Wien, 1. Juni. Vor einigen Tagen war in Wien das Gerücht verbreitet, daß im israelitischen Tempel in der Seitenstettengaffe eine Kindesleiche gefunden wurde, was zu einer Ansammlung vor dem genannten Gotteshause zur Folge hatte. Der.Sachverha.lt ist aber folgender: Die 21jährige Hausiererin. Molke Wirtheim er aus Galizien, die vor acht Tagen in der Klinik eines Kindes genas, hat in einem Massenquartier übernachtet, wo ihr neugeborenes Kind' starb. Da sie die Vorschriften nicht kannte, ist sie mit dem toten Kind in das Friedhofsamt dev Kultußgemeinde gekommen, um sich Rat zu holen.. Das tote Kind wurde beschaut und Lebensfchwäche als Todesursache konstatiert. Das Friedhofsamt befindet sich in der Seitenstettengasse in der Nähe des Tempels, und so ist das Gerücht entstanden von der angeblichen Auffindung einer Kindesleiche im Tempel. — Hofrat Professor. Oser hat die ihm anläßlich seines 70. Geburtstags gewidmete Summe von 20 000 Kronen der israelitischen Kultusgemeinde in Wien unter dem Namen „Leopold Oser-Stiftung" übergeben. damit diese alle zwei Jahre l)ie Zinsen im Betrage von 1 600 Kronen als Reisestipendium einem wissenschaftlich qualifizierten jüdischen Arzt verleihe oder zur Prämiierung für eine wissenschaftliche, Arbeit verwende. Bei der Verleihung sollen nur die Aerzte des Rothschild-Spitals oder der Wiener Allgemeinen Poliklinik berücksichtigt werden. Nunmehr hat sich das Komitee der Leopold Oser-Stiftung unter hem Vorsitz des Kultusvorstehers Rappaport konstituiert. Demselben gehören unter andere»: an: Hofrat b. Reuß, Mauthner, Mannaberg und Fleischrpann -und Zuckerkandel vom Rothschild - Spital. — Der Präsident derLemberger Handelskammer und Vorsteher der Lemberger ■ KuAusgemeinde Samuel Ritter v. Horowitz hat anläßlich seines 70.WÄurtstägs die Summe von 150 000 Kronen gespendet. 100 000 Hrpnen sind für den Bau eines israelitischen Spitals in Lemberg bDDmt. Außerdem spendete der Jubilar namhafte Beträge für andere humanitäre Zwecke, unter anderem für eine zu errichtende Wohltätigkeitsstiftung der Handelskammer die Summe von 50 000 Kror^n. — Letzten Samstag starb in Pohrlitz (Mähren) der in weilen Kreisen bekannte und hochgeachtete Rabbiner der Pohrlitzer Kultusgemeinde. Herr Josua Weiß, im^Alter von 83 Jahren. Der Verblichene hat sein durch mehr als 50 Jahre, verwaltetes Seelsorgeamt bis zur letzten Stunde in' vollster geistiger und körperlicher Frische ausgeübt. Weiß, der ursprünglich dem Kaufmannsstande angehörte, war auch'einige Jahre Rabbiner in Jewitsch, als Nachfolger des greisen. Wiener- Rabbiners Dr. Schmiedl, der von Jewitsch nach Sechshaus kam. — Für die erledigte Lehrkanzel der theoretischen Astronomie ' an der Wiener Universität wurde primo loev der außerordentliche Professor der Prager Deutschen Universität Dr. Samuel Oppenheim -vorgeschlagen. Dr. Oppenheim entstammt der altbekannten Familie Oppenheim, die in Deutschland und Oesterreich stark verbreitet ist, und ist ein Neffe des verstorbenen Thorner Rabbiners Dr. Joachim Oppenheim seligen Angedenkens. Die wissenschaftlichen Arbeiten Dr. Oppenheims auf astronomisches Gebiet wurden erst vor kurzem von der Jury der Rothschild-Stiftung prämiiert. Al V. Kremsier (Mähren), 1. Juni. Unser verehrter Rabbiner Herr Dr. Adolf Frankl»Grün hat vor kurzer Zeit an den Vorstand der Kultusgemeinde das Ansuchen gestellt,-man möge ihn aus Gesundheitsrücksichten:in den .Ruhestand treten^ lassen. Er hat 34 Jahre, in schlechten und guten Zeiten, seines Amtes, gewaltet, und Hunderte seiner Schüler gedenken nun der Wohltaten, die ihnen durch seine Fürsorge, durch sein liebevolles, humanes Einschreiten in schwierigen Fällen zuteil wurde. Hochgeachtet und Allerhöchst von Seiner Majestät dem Kaiser zu wiederholten Malen durch Ansprachen ausgezeichnet, ist er auch Zeuge von den denkwürdigen Tagen der Kremsierer Monarchen -Entrevue im Jahre 1885, wo der Kultusvorstand unter seiner Führung durch eine Allerhöchst befohlene Audiellz ausgezeichnet wurde. Ein Mann von hoher seltener' Bildung, hat er durch feine Werke, die weit verbreitet find, ungeteilte Anerkennung gefunden. Eines dieser Werke, „Die Geschichte der Juden Kremsiers". sei besonders erwähnt. ' Mit bienenhastem Fleiße ist wiese Sammlung urkundlich zusammengestellt, und alle Ereignisse in-unserer Gemeinde ziehen in lebhaften Bildern an dem Auge der Leser vorüber. 34 Jahre Rabbiner unserer Kultusgemeinde, 34 Jahre Leiter der Talmud-Thora-Schule und Lehrer an'den deutschen Volks-, Bürger- und Mittelschulen, das sind Daten, die keines weiteren Kommentars bedürfen. Kränklichkeit zwingt ihn nun in den Ruhestand zu treten. Mit Bedauern hat die Kultusgemeinde seinem Gesuche Folge gegeben, und so »vivd Herr Dr. Adolf Frankl- Grün nun sein Amt niederlegen und die Stätte seines segensreichen Wirkens verlassen. An der Seite seiner Gattin, die als Vorsteherin des hiesigen FraUen-Unterstützungsvereins viel Gutes und Edles anstrebte, möge er noch viele Jahre der Ruhe im Kreise seiner Familie genießen und seiner dankbaren Kultusgemeinde. Mitglieder gedenken. .; Von Sah und jfrr». — Die Beisetzung des Direktors der Deutschen Bank, Berthold Naphtali, fand am 31. Mai auf dem Friedhof der jüdischen Gemeinde in Weißensee unter großer Beteiligung statt. Die Handelskammer zu Berlin war durch ihren Präsidenten Ge heim rat Herz und zahlreiche Mitglieder vertreten. Rabbiner Dr. Weiße hielt die Gedächtnisrede, in welcher er der hervorragenden Fähigkeiten des'so früh Entschlafenen gedachte. — Aus Crone a. d. Brahe wird uns geschrieben: Dem Leiter der hiesigen paritätischen Schule, Herrn. Lehrer Frankenstein, wurde dieser Tage der ihm kürzlich verliehene Adler der Inhaber des Hohenzollernschen Hausordens in der Schule vor versammeltem Lehrerkollegium und den Schülern der oberen Klassen durch Herrn Kreisschulinspektor Bvder feierlichst überreicht. Nach dem Gesänge des Chorals „Lobe den Herrn" widmete Herr Kreisschulinspektor Boder Herrn L.rankenstein warme Worte der Anerkennung für seine 40jährige hiesrge Tätigkeit als'Lehrer und mehrjähriger Leiter der Schule. Herr FWAkenstein dankte mit bewegten Worten und brachte ein Kaiserhoch auS. — Zum Rabbiner der Leib Äsmichasell-Gemeinde in Hoh ensalza ist Herr Dr. Halpersoh n, ein Schüler des Berliner Rabbiner-Seminars, gewählt worden. — Herrn Koppel Strauß in Marburg wurde der Königliche Kronenorden IV. Klasse verliehen. Herr Strauß hat fast drei Jahrzehnte hindurch das Amt eines Gemeindeältesten der dortigen israelitischen Gemeinde bekleidet und wurde auf seinen Antrag wegen seines hohen Alters — er befindet sich in seinem 81. Lebensjahre — aus seinem Amte entlassen. Die Ueberreichung des Ordens und die Entlassung erfolgte in der Synagoge durch Herrn Provinzialrabbiner Dr. Munk unter anerkennender Hervorhebung der verdienstvollen und. erfolgreichen Wirksamkeit des Herrn Strauß für die religiösen Interessen der israelitischen Gemeinde. — Wie das „Neue Wiener Journal" aus zuverlässigster Quelle meldet, wird die einzige Tochter des verstorbenen Barons Albert Rothschild, Baronesse Valentine Rothschild, im August den Londoner Bankier Springer, einen Verwandten des Wiener Großindustriellen Baron Gustav Springer, heiraten. Die Mitgift der Braut wird auf 150 Millionen Kronen geschätzt. — Prinz Ludwig von Bayern weilte jüngstzum Jagdvergnügen in Ungarn. Bei ^dieser Gelegenheit verfaßte ein Jeschiwa-Bachur, namens Ignaz Fischer aus SLrvär,' ein Huldigungsgedicht in hebräischer Sprache, worin die Toleranz, die hohen Tugenden und die Herzenseigenschaften des Hohen Gastes verherrlicht wurden, und ließ das Gedicht dem Prinzen übermitteln. Der bayerische Thronfolger nahm die Huldigung mit großem Vergnügen entgegen, beschied den überglücklichen Talmudjünger zur Audienz, erkundigte sich freundlichst nach seinen Verhältnissen und übergab ihm ein. wertvolles Andenken als Ausdruck seines Dankes. — Die Stadtrepräsentanz von Szeged hat beschlossen, zur-Feier des lOO.^Geburtstages des berühmten Rabbiners Leopold ' Löw. von Szeged eine Straße nach seinem Namen zu benennen. Am 4. Juni fand eine^ Feier, statt, bei welcher der Bürgermeister Dr.sLLzär, Prof. KürmLn und der Sohn des Gefeierten, Rabbiner Immanuel Löw, Festreden hielten. - Das Budapester Amtsblatt