Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1911)
- Date
- 1911-06-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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75. Jahrgang Nr. 23 . . Berlin, 9, Juni 1911 VeNsge zur „Allgemeinen % ettung öejS Judentums öiorrklpllndrn?rn und Oachrichtm. Deutschland. =■ Berlin, 4. Juni. Dem Vernehmen nach ist das Fortbestehen des Deutsch - Israelitischen Gemeindebundes ernstlich bedroht. Die in Angelegenheit der Statutenänderung namentlich von zionistischer und orthodoxer Seite gegen den Gemeindebund inszenierte heftige Agitation, die vielfach über daS Ziel hinausgeschossen ist (wie selbst viele Gegner anerkennen), hat dem Vernehmen nach, leider sowohl dem Bundesvorsitzenden, Herrn Professor Dr. Martin Philippson, als auch die Ausschußmitglieder, die sich mit Genanntem solidarisch erklären, amtsmüde gemacht, so daß sich der Bund im Stadium einer ernsten Krisis befindet, deren Folgen noch nicht abzusehen sind. Soeben sind die auswärtigen Mitglieder des Ausschusses durch Eilbrief zu einer dringenden Sitzung auf Mittwoch abend nach Berlin berufen, um auch ihrerseits Stellung zu nehmen; zu einer weiteren Vorbesprechung ist auf. Sonnabend abend geladen. Eingedenk der großen Verantwortlichkeit, welche die Gegner auf sich laden, fallsdurch ihre Stellungnahme der Bund in die Brüche gehen sollte, sind besonnene Gegner mit Anhängern des Antrages in Verhandlung getreten, um Vermittlungsvorschlüge zu machen, die darauf ausgehen, den größeren Genieinden eine ihnen nach Seelenzahl und Beitrag zukommende größere Stimmcnzahl zu sichern, dabei aber auch die Stellung kleiner Gemeinden zu berücksichtigen, doch haben die Verhandlungen einstweilen zu keinem positiven Ergebnis geführt. (Auch verschiedene Verbände, z. B. Pommern, Reg.-Bez Oppeln usw. haben Vermittlungsanträge gestellt.) Sowohl auf seiten derjenigen Gemeinden, die den Standpunkt als Anhänger der Vorlage einnehmen, als auf seiten der Opposition ist man sich des Ernstes der Lage voll bewußt. Möge in die am nächsten Sonntag stattfindcnde Tagung des nun 42 Jahre lang bestehenden Gemeindebundes ein versöhnlicher Ton einziehen und die vorherrschenden Differenzen zum Segen der jüdischen Gemeinden zum Ausgleich bringen. —m. Berlin, 6. Juni. Am Sonntag den 28. Mai mittags 12 Uhr fand die festliche Einweihung des neuen jüdischen Kinderheims unter reger Beteiligung von Freunden und Gönnern der Anstalt statt. In dem hübsch geschmückten Spielsaal begann die Feier mit dem von den Hortkindern vorgetragenen Gesang: »Die Himmel rühmen". Herr Rabbiner Dr. Hochfeld hielt die weihevolle Festrede, in welcher er ausführte, wie eng die Bestrebungen des Kinderheims mit dem Wesen des Judentums verwandt seien. Dann gedachte Herr Stadtrat Weigert in gerührten Worten der Gründerinnen der Anstalt, Frau Rabbiner Dr. Maybaum und seiner eigenen Gattin, und brachte der jetzigen Vorsitzenden seine Glückwünsche dar. Diese selbst, Frau Gertrud Seligsohn; gab einen kurzen Ueberblick über die Leistungen des Kinderheims und dankte allen, die zur Errichtung dieses Gebäudes mitgeholfen, ein Dank, der mit der Bitte verknüpft war, dem Vorstand die Sorge um die Fortführung der segensreichen Arbeit erleichtern zu helfen. An den von den Kindern frisch vorgetragcnen Schlußgesang eines Frühlingsliedes schloß sich der Rundgang durch das in jeder Beziehung zweckentsprechend eingerichtete Haus unter Führung des Vorstandes und seiner jungen Helferinnen. Alle Abteilungen, sowohl die für die einbi^ dreijährigen Kinder, der Kindergarten, der Hort, die Unterkunstssäle für die im Augenblick eines Heims entbehrenden Kinder, die Küche, die verschiedenen Badezimmer und der schöne Spielplatz wurden einer eingehenden Betrachtung unterzogen. Es erweckte besondere Freude, daß alle Räume von dem frischen Leben der Kinderscharen erfüllt waren, und ganz besonderes Entzücken erregten die Einrichtungen für die Allerkleinsten, die in einem Dachgarten ihr eigenes kleines Reich besitzen, wo sie sich nach Herzenslust tummeln können, ohne von den größeren Kindern gestört zu werden oder sie zu stören: "Die fein durchdachten, bei aller Einfachheit praktischen und hübschen Räume des Hauses erregten allgemeine Bewunderung, und hochbefriedigt und mit den besten Wünschen für das fernere Gedeihen des Hauses verließen alle das neue Kinderheim, voller Bewunderung für die Leistungen des Vorstandes und seiner energischen Vorsitzenden. P. Allenstein, 1. Juni 1911. Ter Verband der Synagogen. Gemeinden Ostpreußens hat zum 12. Deutsch-Israelitischen Gemeindetag in Berlin folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Dem § 13 des neuen Statuts ist einzufügen: „Jeder Verbandsgemeinde ist gestattet, sofern sie keinen eigenen Vertreter zum Deutsch-Israelitischen | Gemeindetag entsenden will, den Ausschuß ihres. Synagogen-Verbandes mit ihrer Vertretung und dem Recht der Stimmenabgabe für sie zu betrauen." 2. Ter Deutsch-Israelitische Gemeindebund wird gebeten, die Interessen der jüdischen Beamten bei dem neuen Angestellten-Versicherungsgesetz zu vertreten und besonders dahin zu wirken, daß Ersatzkassen neben der Reichs-Versicherungsanstalt zugelassen werden. Sofern dies erreicht wird, wolle der Deutsch- Israelitische Gemeindebund die Gründung einer ihm. unterstellten allgemeinen Pensionskasse für jüdische Gemeindebeamte in Erwägung ziehen. W. Posen, 4. Juni. Anläßlich des 70. Geburtstages des Rabbiners Dr. Bloch fand heute vormittag 11 Uhr im Tempel der israelitischen Brüdergemeinde eineVorfeier statt. Das Gotteshaus war gedrängt voll. Auch von auswärts waren viele Festteilnehmer erschienen. Nach einem Präludium stimmte, der Chor unter Leitung des Herrn Oberkantors Oswald das „Boruch Habu“ an. Es folgte dann der Gesang „Zu Dir, o Herr, steigt unser Fleh'n". Die Festpredigt wurde von Herrn Rabbiner Dr. Vogelstein-Stettin gehalten. Redner beleuchtete in eingehender Weise das seelsorgerische Walten des Jubilars. Die Worte machten einen wohltuenden Eindruck auf die andächtig lauschende. Menge. Ein Sologesang „Halleluja" schloß sich dem an. Es folgte nun eine Ansprache des Herrn Rabbiners Dr. Walter-Bromberg, die ebenfalls mit großem Beifall ausgenommen wurde. Ein Schlußgefang mit einem Postludium beendeten die erhebende Feier. W. Aus der Provinz Posen, im Juni. Posen. Aus Anlaß der Feier des 50jährigen Bestehens des Deutschen Handelstages ist dem Geheimen Kommerzienrat Michael Herz, Hierselbst, vom König von Sachsen das Osfizierskreuz des Albrechtsordens verliehen worden. — Bei der Eröffnung der Ostdeutschen Ausstellung, welche am 16. v. M. hier stattfand, ließ sich der Kronprinz unter anderen Personen auch die Herren Justizrat Placzek, Geheimrat Herz und Fabrikbesitzer Lasser vorstellen und richtete an dieselben einige Fragen. — Die hiesige Synagogengemeinde hat zwei der ältesten Mitglieder, Kaufmann Abraham Cohn, 98 Jahre alt, und Frau Minna Elkus geb. Katz, 90 Jahre alt, durch den Tod verloren. — Kolmar i; P. Dem Rechtsanwalt und Notar Raphael ist der Charakter als Juitizrat. verliehen worden, ebenso dem Rechtsanwalt und Notar Salinger in Wollstein. — Gnesen. Zu Vertretern für den diesjährigen Städtetag in Posen wurden Stadtverordnetenvorsteher Wreczynski und Piek gewählt. — Laboschin. Der jüdische Schulvorstand hat an Schulbeitrag für 1911 105% der Gemeindesteuer gegen 75% im Vorjahre zu erheben beschlossen. M. Breslau, 4. Juni. Der diesjährige siebente Ferienkursus in Religionswissenschaften für jüdische Lehrer findet vom Donnerstag den 6. Juli bis Mittwoch den 26. Juli statt. Es werden lesen: Herr Seminarrabbiner Professor Dr. Lewy: 1. Ueber ,8eker hachinuch“ zweimal wöchentlich, 2. Ueber Traktat „vereeli Lrer" zweimal wöchentlich; Herr Dozent Dr. Brann: 3. Aus der Wirtschaftsgeschichte der deutschen Juden im Mittelalter von der Karolingerzeit bis zum schwarzen Tod zweimal wöchentlich, 4. Geographie von Palästina einmal wöchentlich, 5. Ausgewählte Stellen aus dem Kommentar des Nachmanides zum zweiten Buch Moses einmal wöchentlich, 6. Methodik des Bibelunterrichtes im Urtext einmal wöchentlich; Herr Dozent Dr. H oro v itz: 7.ReligionsPhilosophie: