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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-06-09 · Heft 23 (9.6.1911) · p. Seite 273

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 23 (9.6.1911)
Date
1911-06-09
Page
Seite 273 (sequence 9)
Language
German
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U73 folgende" Darlegung - ches Prinzen ' an seinen literarischen Freunde (S^226.)-- - . ’ir-c* ■r «*.t - - 'Copenhagen, Ende Mai 1794.; Nach Anku nft ' 'der-- > heutitzett! PM füge ick noch hinzu, daß in Copenhagen neuer Lerm ist. Ein Singestück, in welchem man der spottet,, Ist ausgepWewpiorden.. Der Direkteur hat dies übel- ,L^WSMMM.^pjyd„qngx^igt.,...ß)ar.anf.ist Befehl gegeben, das Stück 'unverändert, .zw gePen,^ und .^ol^bedsente sind vertheilt gewesen, üirk die ^'seifenden zn beobachten.'' Es ist dennoch gepfiffen worden, man hat indeß die Klugheit gehabt, sie dort nicht anzuhalten. Wie ÄM schrMH' so ^sMeinM den andern Täg gerichtlich vorgeladen worden. Der TiMeur'ff'vll''hüÜöerk Thaler versprochen haben, itM tdtt-MtzstUer^-etckdeckt" - werdem "kann, denn er hält es für ^MeiiGa-hcheE^ - .{‘Hin *'”■** *v ■ -n -:--. . 'der ^börfLehMden Stelle wandte ich mich aMÄeri"rÜe ^MsaAtideü'HWr^ der^ Gelehrten, Herrn Prof. Dr. D. Simonsen in Kopenhagen und erhielt von ihm eine Zuschrift, die ich. im^WMM^Dltzeü'l'Üfse.''- " Was StE'^das in ^öAnhagen am 19. Mai 1794 (und an drei folgenden Abenden). ausgefififfen wurde, war eine Uebersetzung" der'Mttersdprsschen "Üperettd „Das rote KäppchN"'(dänisch:'äea röäe Üue), deren Libretto (nach Holzmann- Bohatta, AnoNymen-Lexikön) von C. A, Vulpius sein soll. Vor der Einstudierung war bekannt geworden, daß der Liebhaber sich für den „Schulsinger" der Synagoge ausgibt und ein „übertriebenes" ^Lied ohne Worte singt,° „Wie man singt in der Synagotze^. -Mas Pfeifen wäre gewiß meinen Landsleuten zur EM zu 'rechnen, ' tvenN'' nicht der wahre Beweggründ ein ganz anderer gewesen/Mre: ein längst bestehender Kampf gegen den unfähigen' Theaterchef Graf F. Ahlefeld. (Der Kampf wurde fortgesetzt und ÄMfetd Mßte noch in demselben'Jahre gehen.'Er würde Dm dänischen Minister in Berlin ernannt,' 'kam'aber viel "Wter hiiü/ weil der arg verschuldete Graf sich zuerst mik'seMN'KÄditören äuseinanderseßen mußte.) ' ‘ ■*‘- Die Leiter-' der Bewegung^ wären nach der- Hauptcsüelle: Th. Overskou: äen ' üaNglre Lkueplaäs III 1860, Seite 595 ff!/ der Schauspieler 'Schwarz und die Schriftsteller Th. Heiberg, Rahbek undL. SaNder (alle sehr bekannt). Das Parterre pfiff schon vom ersten Akte än, obgleich das Lied erst'am Ende des-ganzen Stückes' vorkommt, und schließlich wurde das Lied nach Overskou so gänzlich ,,ohne Uebertreibung" gesungen, daß - man von einer Parodie nicht reden konnte. Auch in seiner .Zeitschrift ,vew äsnske . I-jlskuer^ zeigt sich Rahbek verärgert: „Es lasse sich nichts denken, was mehr gegen Ehrbarkeit und gute Sitten -verstoße, als eine solche Berh öhnung des-üffentlichen Gottesdienstes einer Religion, die, selbst - wennsie nichtschon mit der - Staatsreligion so nahe verwandt seidoch jedenfalls hier gestattet und geduldet sei".. •: - / . - ■ - Die Unruhen dauerten an allen drei Abenden fort, an denen noch das;.Stück gespielt wurde, obgleich die das Lied einleitende Replik- - wegfiel (wenn - der Prinz - „unverändert" schreibt, wie auch Rahbek, meint er also das Lied selbst). In den Memoirender. Zeitgenossen sehe ich die Angelegenheit erwähnt von I. T. Münster (gestorben- .als Bischof von Seeland 1854), in sesnen „Mitteilungenüber mein Leben":. Er erinnerte sich kaum noch daran, warumer(etwa,50Jahre vorher) gepfiffen hatte,. dagMU weißer. noch, daß.er erst nach Schluß der Aufführung pfiff und beshülb, mit einer Strafe von. fünf Thalern.belegt wurde^, während die Spielunterbrecher zehn Thaler Strafe erlegen müßten. " ' , v Die Geschichte oer Juden ist doch merkwürdig. Im Jahre 1819 importierte man hierher aus Deutschland die. Hep-Hep. Fehde, um einer als judenfreundlich bekannten, sonst reaktionären Regierung Sorgen zu bereiten. 25 Jahre früher, 1794, nimmt man den heftigsten Anstoß an einem Operettenlied, das einen Synagogengesang darstellen sollte, um einen unbeliebten Theaterleiter zu stürzen. So weit der gelehrte Kommentator. Was nun das Singspiel, das rote Käppchen von C. A. Vulpius, bekanntlich dem Schwager Goethes, betrifft, (ich benutze die Ausgabe: „Deutsche Schaubühne", 4. Jahrgang, 2. Band, Augsburg 1792) so ist es ein recht unbedeutendes Stück, in dem ein bekanntes Motiv aus Molieres Georges Dandin benutzt ist, daß sich eine Frau um ihren eifersüchtigen Mann zu ärgern, scheinbar in einen Brunnen stürzt, daß der Gatte ängstlich aus dem Hause läuft, währenddessen die Frau wieder ins Haus hineinschlüpst, den Mann ausschließt und den Betrogenen höhnt. Der übrige Inhalt des Stückchens ist eine Eifersuchtskomödie: der mit Lina verlobte Offizier Felsenberg hat ein zärtliches Verhältnis mit Hedwig, der Frau des Schulzen Ritsche, weiß sich aber schließlich herauszureden und wird endlich mit seiner Braut glücklich. Eine kleine Episode des Stücks bezieht sich auf Juden. Der genannte Felsenberg verkleidet sich nämlich als Jude, gibt sich als Händler und Schuldiener aus und verkauft dem Schulzen ein rotes Käppchen, das die Kraft haben soll, daß die Frau dem Manne so lange treu ist, so lange er das Käppchen auf dem Kopfe hat, sich aber sofort dem zuwendet, der an Stelle des Mannes das Käppchen trägt. Dieses Experiment wird dann von Hedwig ganz lustig ausgeführt. Der verkleidete Jude hat nun zwei Arien zu singen, die eine wird in dem mir vorliegenden Texte nicht mitgeteilt, sondern nur durch die beiden Worte: „da, da" angedeutet und es scheint, als wenn hier der verkleidete Schulsinger irgend etwas zu extemporieren hatte. Eine zweite Arie, die er gleichfalls vorträgt, hat folgenden Wortlaut: Ich wünsch ihm, daß ers Käppel hier Macht tausend Jahre tragen. Er wird, Herr Schulze, glaub ers mir, ' Zu allen Leuten sagen: Der Jud', von dem ichs Käppel hob, . Das reut mich kä mol nit. .. Das Käppel geb ich niemals her, A solche! Käppel gibts nit mehr. ' Und alle Käppel auf der Erd - Säu Nit dar (sie) rote Käppel werd, Und wenn er auch hätt, . Grünes. Blaues und . so weiter (eine ganze Reihe von Farben werden hier aufgezählt) So sein doch alle Käppel auf Erd Das rote ledern Käppel nicht wert. Man muß sagen, ein unschuldigeres, freilich auch , ein läppischeres Lied gibt es kaum, und es würde eine starke Empfindlichkeit dazu gehören, daß ein jüdisches Publikum oder die Polizei sich über eine solche Nichtigkeit aufgeregt hätte. Möglich ist es aber, daß bei der Kopenhagener Aufführung bei der ersten Arie, die in unserem Text wie gesagt, nicht mitgeteilt wird, böse judenfeindliche Stellen sich befunden hätten. Anderseits richtete sich, wie Herr Simonsen in der obigen Ausführung dargetan hat, der Protest des Publikums weniger gegen den Inhalt des Stückes als gegen den Theaterdirektor. Immerhin ist der ganze Vorfall Wohl der Mitteilung wert.

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