Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1911)
- Date
- 1911-06-09
- Page
- Seite 272 (sequence 8)
- Language
- German
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des Juden ift ein fortJCauf^nbeS' JBudifü^ren von.^.ohn und Strafe, mit denl letzten Ziel, viel Lohntaten aufzuweisen,. '4: Die jüdische Religion sieht im Reichtum den. Segen ' Gottes^ Zwar kommt es auch, vor, daß der Fromme auf Erden ' erprobt wird», um im Jenseits doppelten Lohn^zu erhalten- Äber im Durchschnittist Reichtum. ein Zeichen.himmlischen Wohlgefallens, im irdischen Glück bewährt sich.' die Frömmigkeit. ' 5. Wie die jüdische Religion gleich dem Kapitalismus jede Mystik und jeden Herzenserguß abweist, in allem und, jedem nur zweckbedacht ist, so ist .auch das Streben der jüdischen, Religion, das ganze Leben zu rationalisieren. . Fort mit allem Triebleben, mit der harmlosen Freude des naturalen Menschen! Zu nichts sich hinreißen lasten k Rur kein Enthusiasmus, keine Begeisterung, keine Gefühlsduselei. . ..Die jüdische Heiligkeit ist eigentlich nur Einengung des sexuellen Lebens, „Gerechtigkeit" ist nur Befolgung der Gesetze. 6. Die jüdische Religion ist schon von der Bibel her fremdenseindlich, und der Talmud, wie die jüdischen Codices des Mittelalters haben wenig daran geändert.. Wird auch hier und da ermahnt, den Fremden wie den Israeliten zu be-' handeln, tauchen diese Mahnungen doch unter in der Fülle der den Fremden .ungünstigen Aussprüche und Handlungen. Diese Stellung zum Fremden hat die Rücksichtslosigkeit, die jedem Kapitalismus innewohnt, in den Juden außerordentlich entwickelt. , Ist das alles nicht eine merkwürdige, kaum zufällige Üebereinstimmung? Muß man da nicht zur Erkenntnis gelangen, daß die jüdische Religion den Kapitalismus der Juden mitbegründet habe, daß-sonach das kapitalistische Talent der Juden ein angeborenes sei?. Daß diese Religion einen ungeheuren Einfluß auf die Juden ausgeübt hat, weiß jedermann. Vielleicht haben jene recht, die das Judenvolk als das „unfrömmste" Volk apf Erden bezeichnen, aber so „gottesfürchtig" im engen Wortsinn wie die Juden ist auch kein Volk auf Erden gewesen. Zittern und zagen sollst du vor deinem Gott, lehrt die jüdische Religion. Und das Judenvolk hat gezittert und gezagt vor seinem Gott, ist vergangen in Angst und Beben vor ihm, in dessen Hand Leben und Gesundheit, Reichtum und Ehre. Hätte Sombart alle seine Argumente aus unverrückbar feststehenden Tatsachen sich geholt, wäre seinem Buch der durchschlagende dauernde Erfolg sicher gewesen. Eine solche Tatsache ist z. V. die Stellung der Juden zu den „Fremden". Wie es zu dieser Stellung gekommen ist, daß sie ursprünglich keine ändere war als. die anderer Nationen, daß sie nur durch die Kanonisierung des. Pentateuchs und die Verhältnisse im Mittelalter stabilisiert wurde, hat den Forscher, der die Folgen der Tatsache darstellen will, wenig zu kümmern. Die Tatsache besteht: das Judentum, so wie es sich eben entwickelt hat, war fremdenunfreundlich, um nicht direkt fremdenfelndlich zu sagen, daher eher fähig, die dem Kapitalismus unentbehrliche Rücksichtslosigkeit zn üben. Auch bas geht den 'Forscher nicht an,, daß die moderne Entwicklung der jüdischen Religionsgeschichte in diesem Punkt entschiedenen Wandel geschaffen hat. Zu der Zeit, als der Kapitalismus in die europäische Kultur seinen Einzug hielt, war von diesem Wandel noch nichts zu spüren. Auch das könnte noch hingenommen werden, daß Sombart. in dem Kapitel „Die Rationalisierung des Lebens" weder der. jüdischen „Heiligkeit," noch der „Gerechtigkeit" gerecht wirb und . Rationalisierung nennt, was in ^Wahrheit den irrationalsten Grund (rational im Sombartschen Sinne genommen) und das irrationalste Ziel hat: Gott. Selbst-alles, was Sombart „jüdische Eigenart" nennt und seine großen Phantasien darüber, . „wie jüdisches Wesen entstand,".. kann man getrost dahingestellt sein lassen. ..... Wie soll aber der Theologe schweigen, wenn Sombart-, um alle Seiten des jüdischen Kapitalismus in den jüdischen Religion aufzudecken, dieser Mängel zuschreibt, die. hafteten stp wirklich, am Judentum, es verdientermaßen zu ein er inferioren Religion stempeln würden?' Oder darf es unbeanstandet bleiben, wenn Sombart zufällige Nebenerscheinungen für wesentlich hält und in ihnen jenes charakteristische GrnMelement der Religion sieht, das auch den. Kapitalismus...kennzeichnet? — Gewiß, Sombart hat ein einseitigesTendenzbuch-M schrieben, er sagt es ja selbst. Er sammelt, nur ein Material, und zlpar jenes, das die. Richtigkeit seiner Thesen 777 „seinMxrL ist schließlich doch nur ein Thesenhuch — nachweisep>,soll... Ex wählt sonach aus der niemals in ein.einheitliches SystM.gebrachten jüdischen Religion prinzipiell nur jene- Keile, , .^dj?. sßx seine Thesen sprechen, läßt dagegen alles unberücksichtjgt, .Ms ihnen widerspricht. Ist das aber einem gründlichen. Fyxschffr gestattet? Kann man nicht auf diese Weise , überall alles finden? Hier heißt es doch nicht,, einen witzigen Einfall oberflächlich zu erhärten, sondern über eine Religion Urteile zu sprechen, von denen ihr Wert unter den Religionen abhängt. Sombart verwahrt sich gegen die Insinuation, irgendwelche Werturteile abgeben zu wollen. Wer glaubt ihm aber das? Ist denn nicht jedes Ausrufüngszeichen ein Werturteil? Und es fehlt bei Sombart gerade in dem wichtigsten Teil seines Buches, auf den Seiten 225 bis 296, an Ausrusungszeichen wahrlich nicht. Ich gestehe offen, wenn es wahr sein sollte, was Sombart sagt, daß die jüdische Religion nur die Furcht vor Gott kenne, daß ihr in ihrer späteren Entwicklung religiöse Inbrunst und Mystik vollständig, fehlen; wenn es ferner wahr sein sollte, daß der Jude nur dann betend vor seinen Gott hintreten dürfe, wenn er irgendeine Gegenleistung, wenigstens von seiten seiner Väter mitbringt,, dann strecke ich, der jüdische Theologe, die Waffen und erkläre selbst meine Religion für inferior. Ich spräche mit Milton: „Mag ich zur Hölle fahren, aber solch ein Gott wird niemals meine Achtung erzwingen." So sei es mir denn gestattet, Sombart in diesen Punkten richtig zu stellen. Vielleicht erweisen sich diese Richtigstellungen kräftig genug, seine These, daß die jüdische Religion die Grundzüge kapitalistischen Wesens an sich trage, daß daher das kapitalistische Talent d^r Juden nicht nur ein anerzogenes, sondern auch ein angeborenes sei, einigermaßen zu erschüttern.' Da es sich nur um die Grundprinzipien handelt — Prinzipien, ohne die keine Religion zu den höheren Religionen gezählt werden kann — verweile ich weder bei kleinen Jrrtümern, . hie Sombart unterlaufen, da er ja nicht aus den Quellen schöpft, noch bei Sentenzen und Aussprüchen, die gleichsam als Würze in die Darstellung hineingestreut sind. Ich beschränke mich, auf die Untersuchung der Stützpfeiler feiner Thesen. . Lin kleiner litersrilcher Skandal in Kopenhagen 1794. Von Ludwig Geiger. n dem kürzlich erschienenen Buche „Timoleon und- \ Immanuel, Dokumente einer Freundschaft. Brief- Wechsel zwischen Friedrich Christian zu Schleswig- Holstein und Jens Baggesen, herausgegeben von Hans Schulz", Leipzig (S. Hirzel) findet sich unter dem Datum des 24. Mai-1794