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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-06-09 · Heft 23 (9.6.1911) · p. Seite 267

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 23 (9.6.1911)
Date
1911-06-09
Page
Seite 267 (sequence 3)
Language
German
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erhoben, um jum: Gemeingut werden zu können; es hat einen klassischen, einen ewig gültigen Ausdruck gefunden. Hier spricht nicht Gott zum Menschen, 'hier redet der Mensch zu Gott, oder er philosophiert, oder er ergeht sich in Pädagogischen Auseinandersetzungen. Auch in Israel gab es Geister,'-.dieunabhängig von Thora und Nebiim eine Lösung suchten für die Erscheinungen des Lebens, das an Widersprüchen so reich ist. Im Hiob und im Koheleth tobt gewaltig der grüblerische Zweifel, doch ringen sich die beiden Zweifler zu einem Ausgleich empor: der eine erkennt einen weisen Gottesplan an, der andere findet nichts Heilsameres, als sich vor dem Unerforschlichen in Ehrfurcht zu beugen und in seinem Herzen das Ewige zu finden.2) Auch die „Sprüche Salomonis", die aus der Beobachtung des Weltgetriebes zu einer richtigen Bewertung des Daseins gelangen, sie stellen Regeln der Weisheit auf, die vor Vorwurf und Reue schützen und ein glückliches Gleichmaß der Tage verbürgen. — Aber erst der Psalter ist es, der die eigentlich persönliche Religion ausprägt. Hi er . sind keine Reflexionen des Verstandes, hier hält die Seele gleichsam Zwiesprache mit ihrem Gott, und zwar in jener Innigkeit, wie sie nur Glaube und Vertrauen entfachen .kann. Ein Weiser nennt das ganze Psalmbuch ein einziges Hallelujah, darin man nicht lesen kann, wie man die Bücher des Homer liest;3) da vernimmt die in sich blickende Seele in allen Lebensfragen den rechten Bescheid und gewinnt in allen Lebenskämpfen einen sicheren Halt. — Nicht in schwermütigen Klagetönen bleiben wir - befangen, nicht in Mißtönen selbstquälerischer Verzichtleistung, wie so oft das Lied weltlicher Sänger. Aus jeder peinigenden Engnis finden wir den Ausweg und die Befreiung: ob Schmerz und Leid uns lähmen wollen, ob Bosheit und Gewalt uns umgarnt, ob Schuld uns niederbeugt in Gottes Lichte finden wir die heilende Kraft, überwinden wir Furcht und .Schrecken und stehen zu einem neuen Leben auf. Kindliche Daseinsfreude und innere Harmonie durchwirken die Tage; das kurze, enge Leben wird weit und wächst ins. Erhabene in der Hoffnung ewiger Seligkeit: durch Kamps zum Sieg, durch Nacht zum Licht, durch Reinheit zum Frieden, mit einem Wort: durch Gott zum Heil! Schon zur Mitternacht wehte über die Saiten der Harfe Davids ein milder Hauch, ihm entflohen die Schreckgestalten der Nacht, liebliche Bilder zogen an ihm vorüber, und mit der Morgenröte nahm er die Harfe, die über seinem Haupte hing, um dem Schöpfer ein freudig Lied 311 fingen.4) Die Harfe Davids ward die Harfe Zions, ja darüber hinaus eroberten sie sich die Welt. .Das Psalmlied, das König David, die goldene Krone auf dem Haupte, zu seiner goldenen Harfe sang, es ward das Gotteslied des Menschen, es ward das Gotteslied Israels und der Völker-für alle Zeiten.5) Fassen wir unsere Darlegungen-kurz zusammen: .Der heilsame Ernst des Gesetzes, die flayinrende Begeisterung der Propheten, die beseligende Gottinnigkeit der Psalmistey, die befreienden Lebensregeln der Weisen — sie machen uns die Bibel zur „Heiligen Schrifb".. Die Thora ist uns das „Bundesbuch", das uns zu einem Priestervolke weiht; die Propheten Eröffnen uns die.Menschheitsreligion, die Psalmisten vertreten die persönliche Religion, in der sich jedermann wiederfindet. Die Volksreligion, die Menschheitsreligion, die persönliche Religion — in ihrer Vereinigung haben wir die israelitische Religion. y Hiob 42, 1-6. 2) Koheleth 3, 11, 14. «) Midrasch tehillim l, 6, 8. 4) Berachoth 3 b. 5) Midrasch tehillim- 18. I. Dir Woche. Berlin, den 6..Juni. us Anlaß des Jubiläums des Generaldirektors Baltin sind diesem zahlreiche Ehrungen zuteil geworden. Der Kaiser hat ihm mit einem in warmen Worten gehaltenen Handschreiben die Brillanten zum Kronenorden I. Klasse verliehen. Der Hamburger Senat hat beschlossen, in Anerkennung der Verdienste des Jubilars um Hamburgs Handeb und Schiffahrt einen im Hafen herzustellenden Kai Ballin-Kai zu benennen. Unter den zahlreichen Telegrammen und Schreiben, die eingegangen sind, befindet sich auch folgendes Telegramm des Reichskanzlers: „Zu Ihrem Silberjubiläum als Direktor der Hamburg-Amerika-Linie sende ich Ihnen in aufrichtiger Wertschätzung meine herzlichsten Glückwünsche. Wenn Deutschland sich mit vollem Recht der Stellung freuen darf, die es sich im Welthandel erkämpft hat, so muß dabei immer dankbar der Arbeit gedacht werden, die Sie an der Spitze der größten deutschen Reederei im abgelaufenen Vierteljahrhundert' geleistet haben. Möge es Ihnen vergönnt sein, noch lange Ihre Kraft so erfolgreich wie bisher für die großen Aufgaben einzusetzen, die Ihr Amt einem ManNe Ihrer Art immer neu entgegenbringt." Glückwunschtelegramme sandten unter anderen der Großherzog von Oldenburg und die Hamburgische Handelskammer, Schreiben des Staatssekretärs des Innern und des Staatssekretärs des Reichspostamts. Ferner gratulierten Großadmiral v. Tirpitz und Fürst Bülow sowie die großen deutschen mit der Hamburg-Amerika-Linie in Beziehung stehenden Unternehmungen. , Aus demselben Anlaß wurde Herrn Albert Ballin durch Beschluß von Rektor und Senat der Technischen Hochschule zu Berlin-Charlottenburg die Würde eines Doktoringenieurs ehrenhalber verliehen. - Die Auszeichnung erfolgte auf einstimmigen Antrag der Abteilung für Schiff- und Schiffmaschinenbau. Das Ehrendiplom spricht aus, daß die Verleihung der Würde eines Ehrendoktoringenieurs in Anerkennung von Ballins hervorragenden Verdiensten als unermüdlicher Vorkämpfer der deutschen Schiffahrt, als tatkräftiger Mitbegründer des deutschen Welthandels und als bedeutender Förderer der Schiffbautechnik erfolgt ist. Die antisemitischen Zeitungen, welche obige Nachrichten am 2. d. M. ebenso prompt wie die liberalen Blätter ihren Lesern mitteilten, vergaßen diesmal hinzuzüfügen, daß Albert Ballin der jüdischen Glaubensgemeinschaft angehört. z'--'.;-'-' — \* .;;• •, .■ Ueber die große Stiftung, die Horace Landau in Wien vor kurzem der dortigen kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zum Zwecke der Teilnahme an dem Wettkampfe der Staaten und Völker, die alten verschütteten Kulturstätten aufzudecken und die älteste Geschichte der Menschheit zu erforschen, in Höhe von 360 000 Kronen gemacht hat, ist.- jetzt die Verfügung getroffen worden: 100000 Kronen sollen' zum Ankauf des wissenschaftlichen Nachlasses des österreichischen Arabiensörfchers Eduard Glaser und zur Veröffentlichung des Nachlasses verwendet werden. Der Rest von 250 000 Kronen ist zur Veranstaltung von Ausgrabungen in Babylon, Syrien, A.eghpten und Südarabien bestimmt. , . Der Nachlaß Eduard Glasers ist kürzlich» ^vM München wo Glaser; starb, in die Wiener Hofbibliothek: - Merführt, worden. Er besteht aus Hunderten von. Papierabdrücken von Inschriften aus dem alten Sabäerreich und aus Äner: größeren Anzahl von Tagebüchern, Kartenskizzen und anderen Schriften des Forschers. Die zahlreichen -Stein- und Bronzedenkmäler,

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