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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-06-02 · Heft 22 (2.6.1911) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 22 (2.6.1911)
Date
1911-06-02
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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in Weißensee an den'diesjährigen hohen Feiertagen. Die Bewilligung einer Ausgabe zur Aenderung der Beleuchtungsanlage in der Synagoge Kaiserstraße wurde vertagt. Auf Anregung des Architekten Herrn Kutznitzki sollen noch mehrere leistungsfähige Firmen zur Einreichung von Offerten aufgefordert werden. Mit Nachdruck trat" der Redner dafür ein, vor allem jüdische Firmen zum Bewerb heranzuziehen. — Auch die Bewilligung einer Ausgabe zur Anschaffung von Exemplaren der kleinen Schul- und Hausbibel von Jacob Auerbach verfiel der Vertagung. Es sollen, erneute Verhandlungen mit dem Verleger des Buches eingeleitet werden, um einen niedrigeren Preis zu erwirken. Fast allgemein wurde die Ansicht geäußert, die Bibel in der Luxusausgabe Herstellen zu lassen,' da sie als Geschenk-; werk für die eingesegneten Knaben und Mädchen verwendet wird.— Einem Kaufvertrag über das Eigentumsrecht an dem Feldweg hinter dem Friedhof an der Schönhauser Allee wurde zugestimmt, die Schaffung einer Bureau-Assistenten- und einer Kanzlistenstelle für das. Zentralbureau, genehmigt. — In dringlicher Vorlage wurde schließlich noch der, Kostenanschlag für die gynäkologische und Entbind.uygsanstalt des neuen'Krankenha uses mit 1998(0 Mark angenommen. Für den Bau dieser Station steht aus der Stiftung der Gemeinde anläßlich der Silberhochzeit des Kaiserpaares und den Erträgnissen der von: Krankenhausvorstande veranstalteten Sammlung ein Betrag von rund 825400 Mark zur Verfügung. Die Kosten des Baues werden aus diesen Mitteln entnommen.. Die gesamte Anlage wird sich, wie Herr Louis Sachs mitteilte, wohl ohne jeden Gemeindezuschuß aus den Zinsen des übrigbleibenden Kapitals erhalten können. ... *** Berlin, 30. Mai. Unter zahlreicher Beteiligung weiter Kreise fand am 25. v. M. in der Aula der „Israelitischen Taubstummenanstalt zu Weißensee" die Arauerfeier für den nach längerem Leiden im -Alter von 68 Jahren verstorbenen Direktor Markus Reich statt. Der Sarg verschwand fast unter der Fülle der Blumen» und Kranzspenden, mit denen Freunde und Verehrer des Verblichenen seine Ruhestätte schmückten. Selbst die so überaus; bedürftigen Zöglinge der von ihm geleiteten Anstalt ließen es sich nicht nehmen, dem teuren Duhingeschiedenen. „ihrem lieben Direktor" und väterlichen Fürsorger durch eine Kranzspende den letzten Tribut ihrer Dankbarkeit und Anhänglichkeit zu zollen. Die Trauerrede hielt Rabbiner Höxter, der in ergreifenden Worten das Lebensbild des Entschlafenen zeichnete und sein segensreiches Schaffen und Wirken zum Wohle der jüdischen Taubstummen in Deutschland würdigte. Sodann ergriff Herr Gehtzimrät Dr. I. Boas, Vor- sitzender des Vereins Freunde der Taubstummen, das Wort, um dem Schmerze des Vorstandes Ausdruck zu geben über den herben Verlust, der ihn durch den Heimgang dieses trefflichen Mannes getroffen hat. Der Redner rühmte an seinem unvergeßlichen Direktor Markus Reich nicht nur dessen Liebe zu den Menschen, sondern auch seine Treue im Erstreben und Erringen. Die Treue sei es, die das kleinste so ernst nimmt wie das große, die den Verstorbenen von Erfolg zu Erfolg geführt habe. Mit Worten tiefgefühlten Dankes an. den Heimgegangenen schloß der Redner. Zum Schluß sprach Herr Kol odzinski im Namen des trauernden Lehrerkollegiums. Er brachte so recht zum Ausdruck, was Direktor Reich seinen Schülern und Lehrern gewesen und gelobte dem „praktischen Idealisten" in seiner großen Menschlichkeit Liebe und Treue über das Grab hinaus. Tief zu Herzen ging es, als einer der von Markus Reich ausgebildeten Zöglinge das Lied: „Es ist bestimmt in Gottes Rat" sprach, das so tröstlich ausklang in ein „Auf Wiedersehen". Alsdann wurde der Sarg vom Trauerhause, in welchem der Verblichene Jahrzehnte so segensreich gewirkt hatte, von einerzahllosen Menschenmenge zum Friedhof geleitet. Im Gefolge befanden sich unter anderen die Berliner Mitglieder des Vorstandes des Vereins „Freunde der Taubstummen", Vertreter des Hilfsvereins für israelitische Taubstumme, der Direktor der Königlichen Taubstummen-Anstalt zu Berlin, Vertreter des akademischen Vereins für Naturwissenschaften und Medizin, der deutschen Reichsloge, der wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin, sowie dem Verstorbenen befreundete Direktoren der jüdischen Schulen und Waisenhäuser Großberlins. Auch zwei evangelische Geistliche des Ortes nahmen an dem Leichenbegängnis teil. Nachdem der Rabbiner die Liturgie beendet hatte, sang der Königliche Musikdirektor, Herr Oberkantor Friedmann, ein Freund des Entschlafenen, ergreifend das EI mole raelmmim-Gebet, und unweit der Stelle, wo seine um die Anstalt hochverdiente Schwester von ihrem arbeitsreichen Leben ausruht, fand auch Markus Reich die letzte Ruhestätte. Berlin, 23. Mai. Von der Deutschen Conserenz - Gemeinschaft der Alliance Isra61ite Universelle geht uns nachstehende Erklärung zu: In 'Ihrem gesch. Blatte vom 19. d. M. gelangte eine Korrespondenz zum Abdruck, in der über den Wahlkampf zwischen dem Comite Central der Allianc in Paris und der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft . einige Mitteilungen gemacht werden, die geeignet sind, ^die Leser über die wahre Sachlage irre zu führen und daher einer Berichtigung bedürfen. 1. Es ist nicht richtig, daß die ganze Aktion gegen Paris nur unter Leitung der Herren Geheimrat Landau und Dr. Nahuda geführt wird. Eine ganze Reihe von Mitgliedern des hiesigen Lokal-Komitees beteiligt sich ununterbrochen in gleicher aufopferungsvoller Weise an unseren Sitzungen und Beratungen über die schwebende Wahlfrage. 2. Es ist nicht richtig, daß Herr Dr. Za hu da das Amt eines Geschäftsführers der D. C. G. übernommen hat. Wahr ist nur: daß unser bisheriger Geschäftsführer seine Demission aus dem Grunde eingereicht hat, weil ihn seine beruflichen Pflichten daran hindern, das ihm von uns-anvertraute Amt mit der Energie zu versehen, die die jetzige Zeit erfordert. 3. Es ist nicht wahr, daß wir in Paris Zionisten als unsere Kandidaten aufgestellt haben. Wie uns versichert wurde, gehört kein einziger unserer Kandidaten der zionistischen Partei an. Eine Unwahrheit ist es, wenn gesagt wird, unsere Pariser Kandidaten behaupten, wir hätten ihre Namen mißbraucht. Wir haben keinen einzigen von diesen Kandidaten ohne vorher eingeholte ausdrückliche Einwilligung aufgestellt. Wahr ist nur: daß einer unserer französischen Kandidaten, der eine hohe soziale Stellung einnimmt und von guter, treuer jüdischer Gesinnung ist, auf Betreiben des Sekretärs der Alliance Herrn Bigart sich gedrängt fühlte, uns gegenüber seine Bedenken gegen seine Kandidatur auszusprechen, weil der Herr Sekretär ihm unsere ganze Aktion als eine deutsch-nationalistische bezeichnet habe. Die Behauptung, daß einige unserer Pariser Kandidaten nicht einmal der israelitischen Kultusgemeinde angehören, ist nur dazu angetan, in Deutschland die Auffassung zu verbreiten, als seien die betreffenden Herren konfessionslos, was aber durchaus nicht der Fall ist, weil es in Frankreich bekanntlich seit der Trennung von Kirche und Staat keine anerkannten Kultusgemeinden gibt und es jedem Juden frei- ' steht, einer Kultusgemeinde anzugehören oder nicht. 4. Es ist nicht wahr, daß wir die Vertretung der ottomanischen Judenheit im Comit6 Central in unserer Liste ausgeschaltet haben. (Das hat unser Korrespondent gar nicht behauptet. Die Red.) Wahr ist vielmehr, daß wir an Stelle des von Paris aufgestellten Herrn Isaac Fernandez das Mitglied des Kaiserlich Ottomanischen Senats Behor Effendi Aschkenazi in die Liste der Kandidaten ausgenommen haben. Diese von Paris aus in Deutschland verbreitete Behauptung geht darauf zurück, daß eine frühere, nock im Vorbereitungsstadium befindliche Kandidatenliste durch Indiskretion nach Paris übermittelt wurde. Die Herren in Paris haben es nicht einmal für nötig gehalten, uns anzufragen, ob die ihnen zugegangene Liste bereits als feststehend zu betrachten sei. ££2 Berlin, 29. Mai. Das Jüdische Kinder-Genesungsheim im Soolbad Elmen kann mit Befriedigung auf das Berichtsjahr 1910 zurückblicken. Die Idee, welche zur Gründung des Heims geführt hat, hat sich glänzend bewährt. Die Kinder, die meist in überfüllten, schlecht gelüfteten Zimmern ihr kümmerliches Dasein bei mangelhafter Ernährung fristen,, nehmen nicht nur an Körpergewicht, sondern auch an geistiger Frische in diesen der Erholung gewidmeten Wochen so zu, daß es eine Freude ist, sie bei ihrer Rückkehr von Elmen zu beobachten. Diese so in die Augen springenden Erfolge des Aufenthalts in Elmen bringen es mit sich, daß sich immer mehr Kinder um Aufnahme in, die Anstalt bewerben. Leider aber fehlt es an Mitteln» mehr als 30 Kinder zu gleicher Zeit aufzunehmen. Sollten sich edeldenkende Menschen finden, die dem Verein größere Summen zur Verfügung stellen, dann würde er imstande sein, durch einen Erweiterungsbau auf eigenem Grund und Boden das Heim so zu vergrößern, daß leicht die doppelte Zahl von Kolonisten

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