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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-06-02 · Heft 22 (2.6.1911) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 22 (2.6.1911)
Date
1911-06-02
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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beherbergt werden.könnte. Am L April 19'10 ist Herr Bernhard Behrens aus dem Vorstände, dem er seit der Mündung des Ver" eins angehört hat, ausgeschieden. An seiner statt ist Herr .Albert Hermann in den Vorstand gewählt worden, der eifrig bemüht ist, Herrn Behrens zu ersetzen. Im Laufe des Jahres wurden 30t Kinder in neun Kolonien nach Elmen geschickt, die sich im Heim der gewissenhaftesten ärztlichen Behandlung erfreuen, die ihnen Herr Dr. Fricke liebevoll zuteil werden läßt. Besonderer Dank wird in dem Bericht dem Vorstand des Kinder-Sparvereins ausgesprochen, -weicher unter der umsichtigen Leitung von- Frau Cäcilie Friedländer stehend den Inhalt seiner Sparkästchen den wohltätigen Zwecken des Vereins zuwendet, ferner den Ehrendamen jenes Vereins sowie der hohen Protektorin des Vereins Exzellenz Frau Staatsminister Sophie v. Bötticher, die wiederholt die Anstalt besucht und sich über die Einrichtung lobend ausgesprochen hat. Der gleiche Dank gilt der Badedirektion, welche dem Verein die Solbäder zu ermäßigten Preisen abgibt, dem Vorstande der jüdischen Gemeinde Berlins für die Einräumung von Bureauräumen zur Untersuchung der erholungsbedürftigen Kinder, sowie dem Schularzt Herrn Tr. Zlocisti für seine liebenswürdige Bemühung um dieselben- Der Bericht schließt mit den Worten: Schließlich ist es uns noch eine angenehme Pflicht, allen unseren Gönnern und Freunden für die uns in so reichem Maße bewiesene Teilnahme herzlichst zu danken und sie zugleich zu bitten, unserem Unternehmen auch'-in Zukunst ihre wertvolle Unterstützung angedeihen zu .lassen. Spenden und jährliche Beiträge werden erbeten-an die Herren Moritz Manheimer, Tiergartenstraße '5;i und Salo Cassirer, Eislebener Straße 2. Berlin/ 23. Mai. In Angelegenheit des Wahl, konflikrs zwischen der Alliance in Paris und der Deutschen Co-nserenz-Gemeinschaft hatten die Bemühungen des Herrn Senator Fischer-Hannover, den Frieden herbeizuführen, insofern einen Erfolg, als daß man in Paris grundsätzlich nicht, abgeneigt ist> bei der im Herbst stattfindenden Wahl eines weiteren Drittels die Namen der jetzigen Berliner Liste zu berücksichtigen und auch sonstige Konzessionen in der Führung der Alliance zu machen. Paris hatte feine Liste längst nach den außereuropäischen Ländern versandt, da das Skrutinünn in etwa 14 Tagen zu erfolgen hat. Ohnehin ist inzwischen namentlich in Süddeutschland eine große Wendung zugunsten der Pariser Liste eingetreten, wenngleich über die Kandidatur Reinachs in einigen Lokalkomitees noch Bedenken bestehen die sich aber seit seiner „öffentlichen Erklärung", welche er auf diesbezügliche Anfrage abgegeben hat, wesentlich vermindert haben. Auch - in Berlin steht jetzt /ein Teil der Mitglieder auf dem Standpunkt der Pariser Liste,: teils mit, teils ohne Reinach, und die Vorsitzenden mehrerer deutscher Lokalkomitees, ebenso eine Anzahl Vertrauensleute haben, sich für die Pariser Liste ausgesprochen, teilst um nicht den entbrannten Kampf zu unterstützen, teils in der Erwartung, daß fernerhin in Paris eine, auch zugesicherte, weitere Berücksichtigung von Wünschen deutscher Mitglieder der Alliance erfolgen wird. 22 Berlin, 29. Mai. Die Deutsche Conserenz-Gemeinschaft der Alliance Isra6]ite Universelle sendet uns nachstehende Zuschrift: Wir machen die geehrten Mitglieder der Alliance Israelite Universelle darauf aufmerksam, daß unser französischer Kandidat Kommandant LipÄiänn, Versailles seine Kandidatur im letzten Augenblick zurück- 'gezogen hat, weil ihm von Herrn Bigart, Sekretär der Alliance in Paris, unsere ganze Aktion als eine deutsch-nationalistische hingestellt worden ist. Indem wir gegen diese Insinuation protestieren, müssen wir unser Bedauern darüber aussprechen, daß Herr Lipmann sich gezwungen gesehen hat, seine Kandidatur zurückzuziehen und bitten diejenigen Mitglieder der Alliance, die ihre Stimmzettel noch nicht abgegeben haben, an Stelle.des Herrn Lipmann den Oberrabbiner Jsaae Levy in Bordeaux zu wählen. W. Bosen, 25. Mai. Die Mitglieder der.15. Armenkommission hatten sich vor kurzem versammelt, um ihren Vorsitzenden Herrn Cohn für -seine langjährige, über 25 Jahre Tätigkeit auf dem Gebiete des Armenwesens eine Ehrung darzubringen. Herr Seminar. Professor Dr. Steuer pries in - warmen Worten die selbstlose Opfer. Willigkeit, welche Herr Cohn seinen reckt beschwerlichen und oft undankbarem Dienst über ein Vierteljahrhundert hat versehen lassen, . und -gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Jubilar seiner ehrenamtlichen Tätigkeit noch lauge erhalten bleiben möchte. Noch viele humorvolle . Reden würzten die feierliche Veranstaltung. — Der Kultusbeamte Hermann Kozminski ist, 75 Jahre alt, aus dem Leben geschieden. Der Verblichene war nahezu drei Jahrzehnte hindurch im Dienste der Synagogengemeinde tätig und hat seine Obliegenheiten stets treu und rechtschaffen erfüllt. Die Königliche Regierung ehrte den braven Mann durch Auszeichnung mit einem Orden. 6. Königshütte, 25. Mai. Der Verbandsvorstand des Synagogen-Gemeindeverbändes des Regierungsbezirks Oppeln stimmt allen Satzungsänderungen des Deutsch-Israelitischen Gemeindebnndes bei, wenn im § 13 Zusatz 2 folgende Skala bzw. der StimMenzahl angenommen wird: Gemeinden bis zu 100 000 Seelen und darüber erhalten 50 Stimmen, von 100 009 biß 20 000 Seelen erhalten 30 Stimmen, von 20 000 bis 500 Seelen erhalten 10 Stimmen, von 5000 bis 2000 Seelen erhalten 5 Stimmen, von 2000 bis 300 Seelen erhalten 3 Stimmen, von 300 Seelen und darunter erhalten eine Stimme. Die Seelenzahl der Filialgemeinden wird der der Hauptgemeinde zugezählt. Es verbleibt bei den den Gemeindeverbänden nach Zusatz 1 a. a. O. zugebilligten zehn Stimmen. st. Stettin, 28. Mai. Der Bericht über den Religionsunterricht in unserer Gemeinde für das Schuljahr 1910/11, erstattet von dem Dirigenten Rabbiner Dr-. Vogeistern, weist mit Befriedigung auf die Ergebnisse hin, die das verflossene Schuljahr aus dem Gebiete des jüdischen Religionsunterichts aufzuweisen hatte. Von 185 jüdischen Schülern der städtischen höheren und Gemeindeschulen haben im Wintersemester 182 am Religionsunterricht teilgenommen; ebenso günstig stellt sich die Frequenzziffer bezüglich der Mädchen, die sämtlich Religionsunterricht erhalten haben. Beklagenswert erscheint hingegen das schwindende Interesse für den hebräischen Unterricht bei den Eltern, die ihre Kinder diesem so wichtigen und integrierenden Teil des Religionsunterrichts entziehen. Anderseits kann es wieder.als eine erfreuliche Wendung zum Guten betrachtet werden, daß derFprtbildungskursus im Hebräischen-, der im Vorjahre wegen zu geringer Beteiligung ausfallen mußte, in diesem Jahre von 18 Personen beiderlei Geschlechts besucht wurde. Die Verteilung des Unterrichts an die Lehrer sowie die Stundenzahl war dieselbe wie in den vorangegangenen Jahren, darum konnte von der Aufstellung einet besonderen Tabelle Abstand genommen werden. 8t. Seesen am Harz, 26. Mai. Die Direktion der Jakobsohn- Schule zu Seesen am Harz (Realschule mit Realgymnasium) erstattet soeben den Bericht für die Zeit von Ostern 1910 bis Ostern 1911. Die Höchstziffer von 160 Hausschülern wurde um sechs überschritten. Die Schule hatte am 1. Februar 1910 im ganzen 307 Schüler. Diese Zahl erfuhr während des Schuljahres keine nennenswerte Verschiebung. Nach dem Religionsbekenntnisse teilen sich dieselben in 116 Juden, 188 Evangelische und 5 Katholiken. Dem während der Sommerferien in Charlottenburg verstorbenen Realschuldirektor widmete die Leitung wegen seiner unvergeßlichen Verdienste als früherer Direktor der Anstalt einen herzlichen Nachruf. Um die Erinnerung an den verdienstvollen Mann auch unter der gegenwärtigen Schülergeneration wach zu erhalten, wurde von seinen ehemaligen Schülern eine Arnheim-Stiftung errichtet mit dem Zweck, unbemittelten Schülern bei ihrem Abgänge von der Schule eine weitere Ausbildung zu ermöglichen. Auch die Nachricht von dem Dahinscheiden der Gattin des Kurators Herrn August Jakobsohn wurde von der Anstalt schmerzlich empfunden. Aus . Anlaß seines 25 jährigen Jubiläums als Kurator wurde Herrn Justizrat Dr. Julius Jakob sohn in seiner Wohnung in Berlin vom Lehrerkollegium eine Dankadresse überreicht. Als einen besonders denkwürdigen Tag aus der Schulchronik des verflossenen Jahres' wird das Gedächtnis der Scküler wie aller Teilnehmer den 26 September festhalten. An diesem Tage wurde durch Festgottesdienst im Tempel wie durch nachfolgenden akademischen Festakt das hundertjährige -Bestehen der Schulsynagoge (des Tempels) feierlichst begangen. Bei der akademischen Feier entwarf Herr Direktor Dr. Friedland auf Grund arckivalischer Studien eine geschichtliche Skizze des. Baues des Tempels und schilderte seine Bedeutung für die paritätische Tendenz der Jakobsohn-Schule. Erwähnt zu werden verdient. der für die festangestellten Lehrer der Anstalt hochbedeutsame Beschluß des Kuratoriums, nach dem Pensionsverhältnisse und Hinterbliebenen-

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