Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-05-26 · Heft 21 (26.5.1911) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 21 (26.5.1911)
Date
1911-05-26
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228961-3228983--67505-3279725
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

gewählt worden. — Die Stadtverordnetenversammlung hat folgende Zuschüsse an die höheren Mädchenschulen Hierselbst beschlossen: Die' Sads'sche Schule 150 Mark, Knoth'sche und Wegner'sche 8500 Mark beziehungsweise 4350 Mark. Trotzdem wird der Religionsunterricht an die jüdischen Schülerinnen nicht erteilt. — Dem Kaufmann Bernhard Schwersenz ist in Hohensalza der Charakter als Kommissionsrat verliehen worden.— Ostrowo. Der Haushaltsplan der hiesigen jüdischen. Gemeinde schließt in Einnahme und Ausgabe mit 20700 Mark. Zur Deckung dieses Betrages außer den indirekten Steuern für das laufende Wirtschaftsjahr wurden an direkten Steuern 80% der Staatseinkommensteuer erhoben. — Krüben. Einer der ältesten Bürger hiesiger Stadt, Gersohn Bergmann, verschied, 92 Jahre alt. Tie Beisetzung fand in Kobylin statt. — Xions. Herr Kaufmann Moritz Kantorowitz ist anläßlich seines 70. Geburtstages zum Stadtältesten ernannt worden. M. Hamburg, 19. Mai. Frau Oberrabbiner M. Hirsch, die Gattin des vor zwei Jahren verstorbenen Hamburger Oberrabbiners, ist gestern nach kurzer Krankheit im 79. Lebensjahre gestorben. Die Dahingeschiedene, die einer altberühmten ungarischen Rabbinerfamilie entstammt, zeichnete sich namentlich durch die Förderung aller Wohltätigkeitsinstitutiouen aus; sie erfreute sich denn auch in der ganzen Gemeinde einer außerordentlichen Hochachtung und Wertschätzung. Die Bestattung, die heute nachmittag vom Trauerhause, Rutschbahn 24, aus stattfand, gestaltete sich zu einer bedeutenden Trauerkundgebung. Unter den Leidtragenden bemerkten wir außer den Verwandten und Freunden, die selbst aus weiter Ferne herbeigeeilt waren, Mitglieder des Gemeindcvorstandes und Vertreter sämtlicher Institutionen des Synagogenverbandes, auch waren die Rabbiner und Delegierten der Nachbargemeinden anwesend. Die Trauerrede hielt Herr Oberrabbiner Dr. S. Spitzer. Nachdem Herr Professor Isidor Hirsch-Prag der treuen Mutter ein ergreifendes Abschiedswort gewidmet, wurde der Sarg von den Rabbinern und Vorstehern der Beerdigungsbrüderschaft auf den Leichenwagen gehoben. Der imposante Leichenkondukt, der aus Hunderten von Fußgängern und zahlreichen Folgewagen bestand, bewegte sich nach dem alten Friedhof in Ottensen, woselbst die Beisetzung der edlen Frau an der Seite d'es vor zwei Jahren verstorbenen Gatten stattfand. Herne, 19. Mai. Die hiesige Synagogengemeinde erbaut einen eigenen Tempel. Die baulichen Arbeiten sind bereits so weit gediehen, daß der Tag der Einweihung der Synagoge mit Bestimmtheit festgesetzt werden kann. Und zwar soll die feierliche Einweihung,! zu deren würdigem Verlauf schon jetzt alle Vorbereitungen getroffen werden, am 15. Juni stattfiuden. Eigentlich hatte man einen früheren Zeitpunkt in Aussicht genommen, doch machten die umfangreichen Bauarbeiteu diese Verschiebung notwendig. Da die Kosten des vornehmen Bauwerks außerordentlich hoch sind, hat sich unsere Gemeindeverwaltung gezwungen gesehen, die Mitglieder mit 140 Prozent Gemeindesteuer zu belasten. Dies ist wohl einer der höchsten Sätze den Synagogengemeinden sonst ausschreiben und ein erfreuliches Zeichen für die Opferwilligkeit unserer Gemeinde. K. Köln, 18. Mai. Am 21. v. M. trat im „Hotel Berlin" zu Köln der Vorstand des „Israelitischen Krankenheims in Bad Neuenahr" zu einer Sitzung zusammen. Dieselbe wurde von dem Vorsitzenden, Herrn Kommerzienrat Wahl aus Barmen, geleitet. Anwesend waren ferner die Herren: Rabbiner Dr. Frank-Köln, Rabbiner Dr. Kalischer-Bonn, Abr. Bär-Ahrweiler, S. Meyer- Frankfurt a. M. und Dr. med. Weidenbamn-Neueuahr. Die Bestrebungen des Israelitischen Krankenheims in Bad Neuenahr sprechen in dem Grad für sich selber, daß sie großer Befürwortung nicht bedürfen. Doch sei es gestattet, kurz die Ausgabe zu zeichnen. Es ist bekannt, daß das Heer der Stoffwechselkrankheiten (wie Zucker- Harnruhr, Gicht, Nierenleiden usw.) gerade unsere Glaubensgenossen in erschreckender Weise befehdet. Ausgehend von der Tatsache, daß diese Erkrankungen, sich selbst überlassen, unaufhaltsam Siechtum und Verfall herbeisühren, bei geeigneten Maßnahmen dagegen, die davon Befallenen, wenn nicht immer wieder gesund, so Doch für viele Jahre arbeits- und erwerbsfähig werden können, hat unser Verein sich die Aufgabe gestellt, unbemittelte Glaubensgenossen, die mit einem der- - artigen Leiden behaftet sind, vor dem physischen, ihre Familien vor dem materiellen und sozialen Untergang zu bewahren. Zu diesem Zweck gewährt der Verein den dessen Bedürftigen unentgeltlich Kur und rituelle Verpflegung in Bad Neuenahr, woselbst sich die einzige alkalische Therme Deutschlands befindet, weithin die' beste Aussicht auf erfolgreiche Behandlung jener Leiden besteht. Seit dem vorigen Jahr hat der Verein in einem von ihm zu seinen Zwecken gemieteten Hause seine Aufgaben unmittelbar in Angriff genommen und die Leitung in die vertrauenswerten Hände der vorzüglich bewährten Oberschwester Sophie Meyer niedergelegt, die der Frankfurter Schwesternverein uns in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt hat. Die Kranken werden dort genau nach der Anordnung des Arztes behandelt und rituell verpflegt. Sämtliche Pflegebefohlenen hätten allen Grund mit dem Erfolg der Kur zufrieden zu.sein. Welche Wohltat ist größer als die, welche der Armut und der Krankheit zugleich erwiesen wird! Diese in immer weitere Kreise gedrungene Erkenntnis hat denn auch bewirkt, daß immer reichlichere Unterstützungen unserem Verein zuflossen. Dennoch genügen sie noch nicht, um allen den bedeutenden Anforderungen, die an uns herantreten, gerecht zu werden. Immerhin konnten im vergangenen Jahr 40 Prozent der Bewerber die Wohltaten des Vereins genießen. In dieser Saison sollen nach Beschluß des Vorstandes in der anfangs erwähnten Sitzung 60 Gesuche berücksichtigt werden. Es darf die mit Recht gefeierte jüdische Wohltätigkeit aus diesem hervorragenden Gebiete sozialen Schaffens so wenig wie anderswo hinter denanderen Glaubensbekenntnissen zurückstehen. Möge unsere Bitte um noch nachhaltigere Unterstützung vor allem die Herzen unserer begüterten Brüder und Schwestern rühren! Gewähret uns großherzig Mitgliederbeiträge, Zuwendungen für die Einrichtung des Heims, Zeichnungen für den Baufonds. Edle Spenden nimmt der Rendant Herr A. Bär in Ahrweiler gegen Quittung entgegen. Für - jede Unterstützung dankbar, erflehen wir Gottes Segen für alle, die, indem sie unseren Armen und Kranken beistehen, doppelte Wohltaten üben Karlsruhe, 20. Mai. Freudig werden es die badischen Israeliten, mit wenigen Ausnahmen, begrüßen, daß der Großherzog das bisher mit dem Justizministerium verbundene, nunmehr von diesem abgezweigte Ministerium des Kultus und Unterrichts dem seitherigen Ministerialdirektor Dr. Böhm, der seit zwei Jahren auch Ministeri.alkomnrissär bei dem israelitischen Oberrat war, übertragen hat. Es ist noch in frischer Erinnerung, wie dieser seingebildete, charaktervolle und einem gesunden Fortschritt huldigende Mann auf der letzten Synode gegenüber den Verunglimpfungen des Oberrats> sich mit diesem solidarisch erklärt und gegen den Vorwurf, einen Keil zwischen Oberrat und Regierung zu treiben, Verwahrung eingelegt hat. Auch auf dem letzten Landtag ist er den durch die Treibereien orthodoxer Fanatiker verschuldeten Angriffen auf den Oberrak mit Entschiedenheit und durchschlagendem Erfolg entgegengetreten. Damals hat das bekannte Frankfurter Zentralorgan der Orthodoxie sich erdreistet, einen Gegensatz zu konstruieren zwischen dem angeblich den Oberrat desavouierenden Staats- und Kultusminister v. Dusch und seinem „mißleiteten" Ministerialdirektor Böhm. Nun ist dieser in vollem Einverständnis mit dem Ministerpräsidenten v. Dusch selbst Kultusminister geworden. Gesterretch-Mngarn. K. Wien, 19: Mai. Die Wiener Blumentage, die einen glänzenden Verlauf nahmen und einen bedeutenden materiellen Erfolg erzielt haben, scheinen mit einem Mißakkord abschließen zu wollen. Dies gilt von der Verwendung des durch den Blumenverkauf erzielten Erträgnisses zu rein antisemitischen Zwecken. „Ganz Wien," so schreibt die Wiener „Sonn- und Montagszeitung", „ohne Unterschied der Stände und der Religion, hat sich an der werktätigen Mithilfe zum glänzenden Ergebnis des Blumentages beteiligt, und das Judentum stand, wie immer bei solchen Anlässen, in der ersten Reihe und griff bereitwilligst in die Taschen zu dem angestrebten wohltätigen Zweck. Galt es doch der Hilfe für die Obdachlosen. Aber siehe, nun das Werk gelungen, da zeigt es sich, daß es. sich auch hier nur um ein Vorspann für klerikale Zwecke gehandelt hat. Denn nach den jetzt bekannt gewordenen Widmungen des Erträgnisses wird dieses an zehn humanitäre Vereine verteilt, darunter sieben von ausgesprochen klerikaler Tendenz. Das Elend ist interkonfessionell; so soll es auch bie Abhilfe sein, die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.