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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-05-26 · Heft 21 (26.5.1911) · p. Seite 250

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 21 (26.5.1911)
Date
1911-05-26
Page
Seite 250 (sequence 10)
Language
German
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250 Ein solcher Kenner des Judentums und damit ein Freund der Juden ist Angel Pulido, dev gelehrte Senator, der zwei Werke über die Juden geschrieben hat: „Los'judios espanoles“, und „Espanoles sin patria“/3 Und der> Jesuitenprofessor Fita, der sich mit der Entzifferung und Uebertragung hebräischer Inschriften beschäftigt, und noch andere. Pulidos Buch beschäftigt sich mit den Juden von Spanien, ihrer Geschichte, und gipfelt in dem Wunsch, daß sich möglichst viele Juden in Spanien ansiedeln, vor allem aber, daß die Abkömmlinge der alten spanischen Juden nach dem Vaterlande zurückkehren mögen. Denn Spanien'ist ihr Vaterland, mehr ihr Vaterland als manches Spaniers von heute. Juden zählten mit zu den ältesten Einwohnern der pyrenäischen Halbinsel. Bereits mit den Phöniziern sind sie -eingewandert, unter römischer Herrschaft waren sie, trotz Anfeindungen, zahlreich und nützlich, und auch die'germanischen Verfolgungen ließen sie nicht an ihrem Lande verzweifeln. König Reccared fing gegen Ende des sechsten Jahrhunderts an, das gute Verhältnis, das zwischen den Juden und der übrigen Bevölkerung bestand, zu trüben. ' Eine traurige Zeit begann für die Juden, die dem Lande so gute Dienste geleistet hatten, eine traurige Zeit aber auch für die so übel beratenen Könige. Der erbittertste Judenfeind, der Wüstling Roderich, unterlag den anstürmenden maurischen Kriegern, die sein eigener Vasall, Graf Julian, dessen Tochter der König verführt hatte, ins Land ries. (Fortsetzung folgt.) msm Skim Lämpchen. Roman von Peter UjvLri. Berechtigte Uebersetzung von Rosa Trencsöni. XVI. Sein Weg führte ihn am Schlosse vorbei. Schon aus der Ferne sah er, daß der Verwalter mit seinem Hunde vor dem Tore stand. Berele lächelte, als er den Hund erblickte. Ein braves Tier, das sich mit ihm befreundet hat. Als er bei dem Tor anlangt, nimmt er höflich den Hut ab und grüßt. Der Verwalter spuckt als Antwort in weitem Bogen vor ihm aus. Wie das der Hund sieht, wirst er sich — schups — mit einem großen Sprung auf Berele und stößt seine Zähne in dessen Stiefelschaft. Berele brüllt auf, doch nur aus Schrecken. Es geschah ihm nichts, denn den dicken Stiefelschaft konnten die Zähne der Bestie nicht durchlöchern. „Dieser Hund ist toll geworden," brummte Berele vor sich hin; doch wagte er nicht, dies laut zu sagen, da er befürchten mußte, daß der Verwalter darüber böse würde. Uebellaunig ging er nach Hause, und als er abends den Rock anzog und die anderen Attribute seiner Würde an sich nahm, empfand er wieder eine Art von Beben in seinem Herzen. Doch trotzdem wagte er sich in die finstere Nacht hinaus. Als er mit etwas verschleierter, zitternder Stimme hergesungen hatte, daß die Uhr neun geschlagen habe, fühlte er wieder den Hund des Verwalters in seiner Nähe. Der Hund rieb seine Nase freundlich schweifwedelnd an seinem Nock und tat, als ob nichts geschehen wäre. Vergeblich wollte er ihn von sich wegscheuchen, vergebens stach er zu wiederholten Malen mit der Lanze nach ihm, der Hund wich bis zum Morgengrauen nicht von seiner Seite. Tags darauf war Wochenmarkt und Haschl Ochs hatte ihn. gebeten, er möchte,ihm doch beim Zeltaufschlagen behilflich sein, da sein Weib krank sei. Deshalb ging Berele 'in der Frühe nicht nach Hause, sondern dem Marktplatze zu. Er half Haschl Ochs und blieb bis Mittag bei ihm. Dann beim Glockengeläute begab er sich endlich nach Hauses er tat beim Gehen ein wenig geziert, denn jetzt sahen ihn viele in seiner Nachtwächter-Uniform. Wieder mußte er an dem Schlosse vorübergehen und wieder stand der Verwalter mit seinem Hunde dort. Berele versteckte seinen Kopf tief in den Rockkragen und wich in weitem Bogen dem Schloßtore aus. Nicht um die Welt hätte er hingeschaut. Da Plötzlich hörte er freundlich lautes Gekläffe/ Das Blut erstarrte in seinen Adern und aufwimmernd greift er nach seinem Bein. Aber der Hund biß nicht hinein. Nur seine Nase preßte er an den Rock und leckte diesen mit großem Wohlbehagen. „Hei. Jude!" schrie ihm der Verwalter nach, „hast Du etwa den Rock von Jauo Dwortschak gekauft? Es scheint mir so." „Ja, von ihm," erwiderte Berele. „Hab" mirs gleich gedacht. Deshalb hat Dich der Hektor jetzt so gern, denn der Dwortschak hat ihn aufgezogen." Und in der Tat war ihm Hektor mit ungebrochener Treue anhänglich, doch nur so lange, als er ihn in Jano Dwortschaks Rock sah. So oft er ihm aber anders unter die Augen, kam. bellte er ihn unversöhnlich an. Liweitzer wurde gesund und wurde ein neuer Mensch, doch ging dies nur sehr langsam vor sich. Jene Sonnenstrahlen, welche das menschliche Gebet in den Himmel tragen, hatten, so lange Liweitzer im Krankenbette lag, wahrlich viel zu tun. Denn es gab in Nagysöröd kaum eine Menschenseele, welche für ihn nicht einige flehende Seufzer emporgesandt hätte, abgesehen von den zeremoniellen Gebeten, die der Rabbi und die Jeschiwa für seine Genesung herschluchzten. So vielem Flehen kann der liebe Herrgott nicht sein Ohr verschließen, und es war dies auch nicht seine Absicht. Er hatte keinerlei Grund dazu, den trefflichen Bocher vor der Zeit vor seinen Richterstuhl zu zitieren. Er hatte ihm eine kleine Prüfung auferlegt, ihm etwas Feuer in Hirn und Adern hineingeträufelt, wovon sein Bluk in Fieber geraten mußte. Das war alles. - > In Nagysöröd gingen dessenungeachtet die Hiobsbotschaften von Mund zu Mund. Ja, ja, der, arme Liweitzer sei schwerkrank. Der Doktor, welchen Eschkeles zu ihm gesandt hatte, sagte zwar, daß das Uebel nicht gefährlich sei, doch konnte er dies nur wenigen sagen und so wußten es nur weniger. Tante November hingegen, Liweitzers Quartierfrau, sprach mit vielen Leuten, und sie äußerte sich anders, -als der Doktor. Ueberhaupt sah Tante November den Doktor höchst ungern. '! . „Eine Kränk' weiß der Doktor," brummte sie bei den Eschkeles'schen, als sie dort war, um zu melden, daß der Doktor, den man ihr auf den Hals geschickt habe, dem Kranken eine Medizin verschrieben habe. Was kann der auch wissen? Ein solcher Apekojres! Weiß er etwas vom Judentum? Weiß er etwas von unserer heiligen Religion? Er ißt ohne Kopfbedeckung und fährt am Sabbat im Wagen herum. Und der kommt und setzt sich und beklopft die Brust des Kranken. Was beklopft er ihm die Brust? „Das ist so der Brauch," erklärte Frau Eschkeles. „Das ist ein schlechter Brauch," polterte Tante November. „Ist denn jene kranke, schwache - Brust aus Holz? Was

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