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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-05-19 · Heft 20 (19.5.1911) · p. Seite 238

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 20 (19.5.1911)
Date
1911-05-19
Page
Seite 238 (sequence 10)
Language
German
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- 238 >-A er sich mit aller Gewalt bezüglich des dritten Kandidaten, irgendwelche Konzession zu machen — als ahnte er, daß er damit mur seinem Nachfolger die Wege bahnte. Den schließlichen Sieg der „Revolutionäre" konnte er allerdings nicht aushalten. Die Bestätigung der vorgeschtagenen Kandidaten wurde ihm abgerungen, die Wiedereinberufung des großen Nationalrates erzwungen, und auf der bald darauf statt- ' gehabten Versammlung konnten die neuen Männer nicht bloß als die Träger des modernen Geistes und des fortschrittlichen, sondern ihre Wahl auch als der Triumph des einträchtigen Zusammenarbeitens und des Einigkeitsgedankens im jüdischen Gemeinwesen gefeiert werden. Für den Chachambaschi selber freilich hatte dieser Ausgang des Kampfes verhängnisvolle Folgen. Er war infolge seiner ablehnenden Stellungnahme zu sehr kompromittiert. Zudem lastete auf ihm das Odium, ehemals ein Günstling Abdul Hamids gewesen zu sein. Es setzte daher sofort eine sehr heftige Kampagne gegen ihn ein, und in der Presse wie in Versammlungen wurde der Nus nach seiner Entlassung in immer gebieterischerer Form laut. Mosche Halevy konnte sich auf seinem Posten nicht mehr halten. Er reichte seine Demission ein. Und noch vor Ende 1908 war Rabbi Haim Nahum als sein Nachfolger bestellt. (Fortsetzung folgt.) Leim Lämpchen. Roman von Peter UjvLri. Berechtigte Uebersetzung von Rosa Trencssni. XV. 3etzt schien es auch Berele, als ob das Zimmer in Flammen stände, so schwirrten die heiligen Namen in der Luft herum, besonders jener des Neb Hauptwort und des Reb Zeitwort, welche sicher heiliger sind als die anderen. Berele verzehrte sein Brot, sog sich voll mit himmlischer Wonne, dann ging er, wie er gekommen war, still und geräuschlos fort. Bor dem Tore lag des Verwalters Hund. Als dieser Berele erblickte, sprang er auf und mit frohem Winseln ihm entgegen. „Na, Du Hund," sprach zu ihm Berele, „das hättest Du sehen sollen!" Der Hund wußte nicht, was Berele in gehobene Stimmung versetzte, doch, da er ihn vergnügt sah, benutzte er die Gelegenheit und trottete jetzt nicht mehr hinter ihm her, wie zuvor, sondern an seiner Seite. Berele duldete diese Zudringlichkeit, und bis zum Morgen war die Freundschaft zwischen ihnen schon so groß, als ob sie seit 20 Jahren bestanden hätte. „Abend kannst Tu wiederkommen," sagte Berele höchst gnädig zu dem Hunde, als er bei Tagesanbruch heimwärts ging. Die Gassen wurden hie und da lebendig. Zu zweien, zu dreien eilten die Bachurim in das Beshamedresch zum Morgenvortrag. Denn um diese Zeit hielt der Nabbi den ersten Vortrag, und dieser währte bis zum Morgengebet. Der zweite, der Hauptvortrag, war vormittags von 10 bis 12. Keiner fehlte; dort waren auch Tante Breindls Heilige. Sie wollten doch — Gott behüte — durch irgendwelche Nachlässigkeit keinen Verdacht erwecken. Im Geheimen mußten sie sich in das hineinstehlen, was sie profane Wissenschaft nannten. Mit schrecklicher Ausdauer, mit bis zum äußersten angespannter Willenskraft, hungernd, frierend und entbehrend. . Wenn sich ein Verräter findet, so ist es um sie geschehen. Dann ist ihres Bleibens nicht mehr. - Man ahnte wohl in der Jeschiwa, daß Jumele Bierbrau und die sich ihm anschlossen, „Aufgeklärte" seien, doch daran lag nichts, denn im Grunde genommen imponierten sie dadurch und wurden insgeheim beneidet. Wußte man doch von Jumele Bierbrau ganz bestimmtdaß er Schillers „Räuber" .von Anfang bis zum Ende gelesen habe. Die Räuber von Schiller. Mit einem Wort, man wähnte Jumele auf dem Chimborasfo der Bildung und hielt ihn für eine große Autorität. Besonders Srole Posbenak schwärmte für ihn. Doch nur im stillen. Seine übergroße Armut machte ihn furchtsam und er verheimlichte sogar seine Freundschaft. Jumele aber bemerkte seine Anhänglichkeit und nahm sich vor, dem Jungen' an die Hand zu gehen. „Weißt Du wohl," sagte er zu Liweitzer, „er gab seine letzten vier Kreuzer her, als Du krank warst und wir für Dich gebetet haben." Liweitzer drückte gerührt Sroles Hand. Der arme Junge wäre am liebsten unter die Erde gesunken, so sehr beschämte ihn diese Auszeichnung. . „Um meinetwillen hast Du gehungert," sagte Liweitzer und betrachtete ihn mit staunenden Augen wie einen Helden. Der arme Srole brach fast in Tränen aus. „Es ist nicht wahr," widersprach er leise, „ich habe nicht gehungert. Das war Samstag abend, und Samstag hatte ich Dein Mittagsmal aufgegessen." „Nun, so wirst Du es auch fortan essen," sprach Liweitzer und sein Gesicht verzerrte sich eine Sekunde lang. „Ich gehe nicht mehr dorthin," setzte er leise hinzu. Srole wollte protestieren, doch mit Liweitzer konnte man nicht streiten. „Dabei bleibt es," sagte er festen Tones.. „Schön, schön," sprach jetzt Jumele, „doch von Samstag bis Samstag ist einmal Sattessen zu wenig. Wieviel bekommst Du von der Chewra?"^ wandte er sich an Srole. „Zweiunddreißig Kreuzer in der Woche." „Na, das ist für zwei Tage genug. Dann kannst Du' vier Tage fasten. Welches ist Dein Strich?"* 2) „Ich habe keinen. An mich ist nichts gekommen." Jumele schlug die Hände zusammen. „Und so lebst Du schon seit einem halben Jahre? Und wie, wenn Du Stiefel, wenn Du ein Hemd brauchst, oder ein Stück Seife? Wo nimmst Du es her?" In engem Kreise umringten ihn die Studenten. Mit großem aufrichtigen Mitleid betrachteten sie diesen Märtyrer der heiligen Wissenschaften, der, ohne einen Strich zu haben, leben konnte. Hat doch jeder Bocher einen solchen. Das ist sein Reich mit heiligen, unverletzbaren Grenzen. Und jeden Freitag durchwandert er dies, sein Reich, zehn Dörfer, zwanzig Dörfer, und erbettelt sich einen oder eineinhalb Gulden und lebt davon eine ganze Woche hindurch. Und dieser Junge da hat gar nichts, nicht einmal ein einziges Dörflern. Mit einemmal trat Mordche Danzinger aus der Reihe. „Ich gebe ihm Ohaj," sprach er einem Fürsten gleich, der einem seiner Getreuen eine Domäne schenkt. Der große Saal wiederholte von lautem Jubel. Dieser Mordche hatte den Nagel auf den Kopf getroffen. „Ich gebe ihm Keszi," sprach Ehone Leskowitsch. „Und ich Kismäny!" y Der Hilfsverein der Studenten. 2) Gegend.

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