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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-05-12 · Heft 19 (12.5.1911) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 19 (12.5.1911)
Date
1911-05-12
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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jungen Seelen gepflanzt, draußen, das Leben ist die Stätte, das Feld, wo die lebendigen Saaten aufgehen. Das Judentum verlange weniger Glauben als Tun, als edles Handeln und sittliche Lebensführung. Die Grundwahrheiten des Judentums jedoch müssen in ihrer ganzen. umfassenden Bedeutung erkannt und festgehalten werden, auch religiöse Uebung und frommer Brauch nicht geringschätzig behandelt und Gebet und Gottesdienst immerdar hochgehalten werden, damit diese nicht, Verfehlen, ihre veredelnde und erhabene Wirkung - auf -Gemüt und Herz auszuüben. Die Lehren der Religion - mögen sie mit dem ernsten Streben erfüllen, tüchtige und brauchbare Menschen,- aber auch gute und edle Jüdinnen, zu werden. Nach einer alten Midrasch-Erzählung.habe Gott nur die Kinder für würdig gefunden. Bürgen zu sein für die Erfüllung und Heilighaltung des Thora Wortes, das sei auch der Gedanke, der dieser Feier zugrunde liegt, daß sie, die heute die Weihe der Religion empfingen, die Hoffnungen und Erwartungen erfüllen, die in sie gesetzt und sich alle Tage ihres Lebens als treue Glieder der jüdischen Religionsgemeinde fühlen und betätigen. Durch den vom Rabbiner gesprochenen Priestersegen wie auch durch nochmaligen stimmungsvollen Chorgesang erhielt die Feier einen wirkungsvollen Abschluß, die sicherlich "dazu angetan war, die jungen Mädchenherzen im angegebenen Sinne nachhaltig zu beeinflussen. 13. Berlin, 4. Mai. Die Organisation für hebräische Spr ache und Kultur, Ortsgruppe Berlin, teilt mit, daß die Kurse für hebräische Sprache auch im Sommer fortgesetzt werden. Die Teilnehmer der Anfängerkurse des Winters sollen jetzt zur Lektüre eines zusammenhängenden ' Textes übergehen, daneben sollen die im Winter durchgenommenen Einzelstücke wiederholt, das grammatisch Pensum soll scharf eingeprägt werden. Die Fortgeschrittenen werden gleichfalls mit einem punktierten Text beginnen, aber auch schon unpunktierte Texte vornehmen, vor allem wird bei ihnen auf Uebung im Sprechen Gewicht gelegt werden. Die Kurse sollen die Zeit vom 1. Mai bis.15. Juli umfassen; der Preis beträgt 3 Mark. Der Kursus für die Anfänger findet wöchentlich Donnerstag von 1/29 bis 10 Uhr in der Mädchenschule der Jüdischen Gemeinde, Kaiser, straße 28/29 (nahe Bahnhof Alexanderplatz', der Kursus für Fortgeschrittene Mittwoch von V-9 bis 10 Uhr im Lokal der National- Jüdischen Frauenvereinigung. Oranienburger Straße 9/10 (nahe Bahnhof Börse) statt. Die Kurse begannen am 3. bzw. 4. Mai. Diejenigen, die sich im Sommer an den Kursen nicht beteiligen önnen, bitten wir um gütigen schriftlichen Bescheid, da wir die Fühlung mit allen Teilnehmern unserer Kurse erhalten möchten. Die von der Organisation herausgegebenen zehn Unterrichtsstücke/ nebst einer kurzen Zusammenfassung der hebräischen Grammatik für Anfänger sind zum Preise von 1 Mark gegen Voreinsendung des Betrages durch Herrn Max Cohn, Kurfürstendamm 118 oder bei der Buchhandlung Genzer, Oranienburger Straße 27 zu haben. H. Dresden, 8. Mai. Die am letzten Sonnabend hier eröffnete Internationale Hygiene-Ausstellung hat, wie Ihre Leser bereits. wissen, auch eine jüdische Abteilung aufzuweisen, Herr Rabbiner / Dr. Max Grün Wald-Wien ist jder Leiter dieser Abteilung, ^die er mit viel Eifer und großem Geschick zusammengestellt hat, wofür sowohl ihm als auch seinen fleißigen Mitarbeitern ungeteilte Anerkennung und der Dank der jüdischen Gesarntheit gebührt. In zwei Räumen der historischen Abteilung sind die jüdischen Gegenstände eingeordnet. In Raum 3 zunächst das Altertum. Wir sehen ThorarolltzN, die den Text medizinischer Stellen zeigen. Mäntelchen und Thoraschmuck sind reichlich vorhanden. Dann ein Zelt der Wüstensemiten, das eine Vorstellung geben kann von dem Zeltbau unserer Ahnen. Kleine Modelle stellen Krüge, Olivenmühlen usw. dar, Gegenstände, die die heutigen Juden Palästinas brauchen. Wichtig sind die Tafeln, wo uns die antiken Wasserleitungen gezeigt werden, wie^per- Tunnel von Siloah und die salomonischen Leiche- Ferner sind hervorzuheben die phönizisch-jüdischen Grabanlagen, die uns reichlich gezeigt werden. Auf einer Tafel sehen wir althebräische Trachten. Die Entwicklung der Hygiene bei den Juden in der griechischen Zeit -ist, da wegen ihrer weiten Verzweigung unmöglich, unterblieben..... Manschst. sich, damit, begnügt, diesbezügliche Talmudstellen auf Wandtafeln hebräisch und deutsch zu veröffentlichen. In Raum 26 sehen wir ein Sabbatzimmer. Aus der Traulichkeit, dem Frieden, der uns hier entgegenstrahlt, können wir die mächtige sanitäre Bedeutung des Sabbats ermessen. Ferner liegen dort Beschneidungsinstrumente und Bestecke, antike und moderne, kostbare und einfache aus. Bessomimbüchsen eigener Gestalt, Becher Und Schüsseln, Sabbatlampen und Leuchter. Hier sind auch einige sehr interessante Modelle, darstellend das Schächten, das Koschermachen des Fleisches, die Tahara, das Waschen einer männlichen Leiche. Sehr wichtig ist auch folgender Versuch, der angestellt wurde. Zwei ungefähr gleich große Hammel wurden genommen, der eine geschlachtet, der andere geschächtet. Das Herz des letzteren war nun viel kleiner wie das des geschlachteten. Das kam daher, daß das Herz des geschächteten Tieres kein Blut mehr enthielt, weil dies alles heraüs7 geflossen war. Blutleeres Fleisch aber kann sich stets länger frisch halten! Viele Photographien, die jüdische Zeremonien darstellen, hängen an den Wänden. Ferner Bilder von Frankfurter Grabsteinen. Das Wiener Ghetto ist in einem'Modell aus Papiermache dargestellt. Dr. Grunwald wird , demnächst, im Aufträge der historischen Abteilung ein Buch: „Hygiene der Juden" herausgeben, das sehr reichhaltig und interessant ist. — Köln, 3. Mai. Am Montag den 24. April fand Hierselbst eine außerordentliche Tagung des rheinischen Rab biner-Verb and es statt, die sehr gut besucht war. Hauptgegeastand der Verhandlungen war die Durchberatung solcher formulierten Anträge zum Organisationsgesetzentwurf, welche der Verband auf der Pfingstt'agung des Allgemeinen Deutschen Rabbiner-Verbandes einzubringen und zu vertreten beabsichtigt. Das einleitende Referat hielt Dr. Samuel (Essen). Die Anträge wurden in einer von Dr. Jacob redigierten und durch Zusätze von Dr. David erweiterten Fassung einstimmig zu Beschlüssen der Konferenz erhoben und dem Vorstande zur weiteren Veranlassung übergeben. Zu Referenten auf der Berliner Tagung wurden die Herren Dr. N e u mar k und Dr.Iaco b bestellt. lieber Bildung von Rabbinatsbezirken im Rheinland'referierte DU Neumark; es soll ein Plan aufgestellt und in einer Denkschrift dem Vorstande des Verbandes' rheinischer Synagogengemeinden unterbreitet werden. — Es folgte ein wissenschaftlicher Vortrag von Dr. Jacob: „lieber die Bedeutung von Namensänderungen in der Bibel." Den Schluß bildeten freie Besprechungen über schwebende Fragen. Dr. Norden fragte an, wie sich Rabbiner gegebenenfalls zu der Veröffentlichung der Tauflisten stellen sollen. Dr. Rosenthalj (Köln) führte eine Erörterung über ein seelforgerisches Problem herbei; andere Fragen der rabbinischen Praxis wurden gestreift. Die Sitzung, die einen sehr angeregten Verlauf genommen, wurde gegen 6 Uhr geschlossen. Türkei. 2. Jerusalem, 2. Mai, In der heiligen. Stadt herrscht große Aufregung. Ein sehr.reicher Engländer nahm seit einiger Zeit auf. dem Felsen, an welchem die Omar-Moschee steht, Ausgrabungen vor, da er hoffte, daß er dort das Grab Davids oder die heilige Lade entdecken würde. Die Ausgrabungsarbeiten wurden zuerst von zwe Herren aus Konstantinopel überwacht; der englische Forscher zahlte ihnen für ihre Mühewaltung monatlich je 800 Mark. Unlängst wurden die beiden Herren nun aber nach Konstantinopel zurückberufen und durch Personen ersetzt, die in Jerusalem selbst wohnen. In der Nacht zum 18. April betraten der Engländer und einige seiner Freunde t Omar - Moschee und öffneten, von einigen Komplizen unterstützt nd gedeckt, ein Grab, das bisher unverletzt geblieben war. Was sie gefunden haben, und was sie Mitnahmen, weiß kein Mensch mit Sicherheit anzugeben. Die Muselmanen von Jerusalem behaupten, daß der Engländer den Stab Mosisdas Schwert Salomos, die Bundeslade und die Gesetzestafelrsigestohlen habe. Man veranstaltete sofort Protestversammlungen; mehr konnte man nicht tun, da der Engländer und seine Leute schon am 18. April mehr als 30 Kisten mit geraubten Gegenständen nach Jaffa geschafft hatten. Am selben Tage noch wurde die kostbare Beute an Bord einer Jacht gebracht. Da man mit einigem Grund annehmen kann, daß die Verwaltungsbehörden von den Plänen der englischen Archäologen gewußt haben, wandte sich der Zorn der Muselmanen in erster Linie gegen den Gouverneur der Stadt; da er ohnehin schon unbeliebt war, bedrohte man ihn und mit ihm den Kommandanten der Gendarmerie mit dem Tode. Am Abend herrschte i n Jerusalem eine wahre Panik. In der ganzen Stadt schlossen die Magazine Und die Klöster die

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