Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1911)
- Date
- 1911-05-12
- Page
- Seite 227 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Line Legende. -SVn einer Stadt des Morgenlandes Da weilt ein altes Ehepaar, - Voll wackern Sinns,.vornehmen Standes, Innig verbunden manches Jahr. Ein gut Geschick hat ihm gegeben Des Körpers und des Geistes Kraft, Zum Hochgenuß ward ihm das Leben Und nicht zur Pein in enger Haft. / Und alsder frohe Tag gekommen, Ein halb Jahrhundert sich erneut, Daß er zur Gattin sie genommen, Da zeigt das Paar sich hocherfreut. Sie wollen diesen Tag sich schmücken Recht aus der Liebe reinem Quell. ‘ Sie sinnt, den Gatten zu beglücken, Damit sein Auge leuchte hell. Sie läßt den Künstler zu sich kommen Und sagt ihm: „Mol' -das kleine Haus, Aus dem, zu seinem Heil und Frommen Er wandelt' in die Welt hinaus. Damit er, wenn nun auch die Zeiten Ihm stattlich — reiches Gut beschert, Er in der prächt'gen Säle Weiten Die niedre Heimatshütte ehrt." Doch er weiß lange nicht zu finden Womit er die Geliebt' beglückt; Sie scheint ihm, trotz der Jahre Schwinden. Noch, stets mit Jugendreiz geschmückt. Er möcht' den Hals mit Perlen zieren, Brillanten flechten in ihr Haar; Mit funkelnden Demantenschnüren Beschäm' sie der Genossen Schar. Er spricht von seinem Plan der Trauten, Er fragt die Freudinnen um Rat; So lockend seine Worte lauten, Sie billigt nicht, was er erbat. Sie spricht: „Nicht Perlen, Gold und Schätze Verkünden Deine Liebe mir; Nicht was das Auge bloß ergetze, Sei unsres-hohen Festtags Zier. Zu unsers Weihetags Gedenken Erhebe sich ein Tempel weit, Den wir den Armen freudig schenken. Zu ihrer Pflege-stets bereit. ' Wo sie, die von der Welt gemieden, Von Krankheit schwer gebeugt und Not, Ein'Heim erlangen, voll von Frieden, Ein Schutzdach bis zu-ihrem Tod. Das ist der Schatz, den ich begehre, Den ich ersehne, früh und spät, Ein Schutzhaus zu der Menschheit ' Den Tempel der Humanität." Es lauscht der Mann des Weibes Worten, Gern führt er aus, wqs sie ersann, Handwerker ziehn von allen Orten, Das Haus der Armen man begann. ifSifWSp 227 — Und da das Haus nun aufgerichtet. Stand hochbeglückt das alte Paar, - Zuni Himmel seinen Blick geri.utet- Die- Augen leuchten wunderbar. Und beide'sprechen: „Aller Erdglanz Muß in der Zeiten 'Strom vergehn, ’< Nur des Erhabnen ew'ger Wertkranz. Nur Menschenliebe wird bestehn."; - X. Y. Z. Leim Lämpchen. Roman von Peter UjvLri. Berechtigte Uebersetzung von Rosa Trencsäni. XIV. J) Das Händewaschen vor dem Essen mit dazugehörigem Segens, spruche. 1 ^^erele hätte es wahrlich niemandem eingestanden, doch es verhielt sich tatsächlich so, daß er sich über die Freundschaft des Hundes maßlos freute, und daß ihn ein süßes Gefühl von Mut beschlich, seitdem sich ihm das tapfere Tier als Begleiter angeschlossen hatte. Mit heldenhaft festen Tritten ging er fortan diX Straßen entlang; die Wachenden sollen wissen, daß der Nachtwächter, der neue Nachtwächter auf die Gemeinde acht gibt. Denn hie und da sieht man noch aus einem Fenster schwachen Lichtschein auf die Gasse dringen, zum Zeichen, daß noch nicht alle schliefen. „Sie lernen, siehst Du," sprach Berele und schaute nach rückwärts auf den Hund. Tatsächlich lernten sie in jenen kleinfensterigen Zimmern. Bleichwangige Jünglinge saßen bei den großen Büchern und lernten laut und singend. Denn den Talmud kann man nicht einfach lesen, den muß man hersingen. Nur so gewinnt das aramäische Idiom lebendig tiefen Sinn. Berele schaute mit durchdringenden Blicken nach rechts und nach links', und als in den Bäumen das trockene Laub ^aschelte, hob er schnüffelnd den Kopf in die Höhe. Na, jetzt wird er gleich einen Dieb fassen. Wo er doch ganz gut wußte, daß nur die Zweige geraschelt hatten. Dann begab er sich von der Straße auf den Bürgersteig und blickte zuweilen über eine Umzäunung, ob etwa ein Dieb im Hof herumschleiche. Dann stellte sich auch der Hund auf zwei Füße und schaute ebenfalls in den Hof hinein, und Berele hatte nichts dagegen einzuwenden, denn vier' Augen sehen mehr als.zwei. . ' Gegen Mitternacht wurde er hungrig.' Er hatte Proviant mit'sich, doch konnte er mit dem Essen nicht beginnen, denn der Brunnen am Marktplatz war zugefroren' und gab kein Wasser, er aber kann ohne Mojze h nicht essen. Deshalb entschloß er sich nach kurzem Besinnest an Tante Breindls Fenster zu klopfen und Einlaß zu verlangen. Man konnte nicht behaupten, daß die Zeit eben zum Besuchen geeignet'gewesen wäre, doch Berele war in seiner Eigenschaft'als Nachtwächter eine Autorität, die man nicht hinausweisen konnte. Tante Breindl war keine gewöhnliche Frau. In Nagysöröd war sie als Quartiergeberin' die Trustmacht. Ost wohnten zwölf bis vierzehn. Bocherim bei ihr. Es hatten sich Kartelle gegen sie gebildet, aber sie konnten ihre Macht nicht brechen; sie stand einfach außerhalb des Wettbewerbes. Ihre Feinde , hatten gegen sie aufgebracht, daß ihre Anziehungskraft darin bestehe, daß sie die Kräutküchen, welche' ihre erwachsene Tochter, die Rest, am Freitag backe, zst halben Preisen hergebe. mmmß? lUk'' UM IW II I.NMlUl’l l ■ ri l.l "! .m- ... m>«.»«>