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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-05-12 · Heft 19 (12.5.1911) · p. Seite 225

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 19 (12.5.1911)
Date
1911-05-12
Page
Seite 225 (sequence 9)
Language
German
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Wüste war, eine Ueberlieferung, die auch die Bibel bekanntlich besitzt. Dann stieg Gott vom Himmel herab, kämpfte mit dem Drachen und besiegte ihn; aus seinem Blute entstand das Wasser und befeuchtete die wilde Steinwüste. An der Stelle wo der Urdrache getötet worden war, entstand das Paradies" Dann schuf Gott durch sein Schöpsungswort Sonne, Mond, Sterne, Pflanzen und Tiere und zuletzt das . erste Menschenpaar. Den hier genannten Urdrachen en diamassi oder en tiamass finden wir im babylonischen Schöpfungsmythus wieder, wo er Tiamat heißt und im Kampfe mit dem Gott Marduk unterliegt; aus seinem Leibe bildet dieser den Himmel und die Erde. Auch die jüdische Ueberlieferung kennt den Drachen; man vergleiche Jesaja Kap. 51, 9: Auf, erwache, gürte Dich mit Kraft, Arm Jahwes; auf, wie in den Tagen der Vorwelt, den Geschlechtern der Urzeit. Bist Du es nicht, der zerschmettert hat Rahab, der durchbohrt hat den Drachen (Tanin)? Bist Du es nicht, der austrocknet das Meer, die Wasser der großen Tehom (m-r Dnn ^)? — Wir haben also eine Parallele in masaisch diamassi, babylonisch Tiamat und hebräisch Tehom , die eine weite Perspektive eröffnet. Sie zeigt uns einerseits, daß die Sage vom Urdrachen allgemein semitisch ist, und anderseits, daß infolgedessen die Ansicht von der Abhängigkeit des biblischen Schöpfungsberichts von der babylonischen Ueberlieferung aufzugeben ist. Wir haben vielmehr drei selbständige Sprossen der alten Stammsage in der chaldäischen, jüdischen und masaischen Ueberlieferung zu erkennen. lScbluß folgt.) Heine-Studien." Von Ludwig Geiger. II. gar manche' und durchaus nicht schlechte ^^^ir besitzen Biographien Heines: gelehrte Arbeiten, wie die Strodtmanns, hie eine unendliche Fülle neuen Materials verwertet, sodann ins einzelne gehende Darstellungen, die besonders das äußere Biographische, berichten, wie Karpeles^ zahlreiche Schriften, endlich ästhetische Abhandlungen und polemische Auseinandersetzungen. Was uns fehlte, war ein großzügiges Buch, das DoÖetöe§ iminet weitschichtiger werdenden Materials, mit feinem Stilgefühl in wahrhaft vornehmer, glänzender Darstellung ein volles und y Heinrich Hernes Leben,' Werke und Briefe Tempel-Klassiker, Heines sämtliche Werke 10 Bd. n Leipzig. 4 Mark. von Rudolf Fürst. Der Tempelverlag glänzende Md des Menschen und Künstlers zu entwerfen imstande ist. Das hat Rudolf Für st geliefert und darum freuen wir uns der wohlgelungenen trefflichen Leistung. Fürsts umfangreiches Werk, 539 Seiten, ist eine vollkommene Biographie, die den Helden von der Wiege bis zum Grabe geleitet. Es erhebt nicht den.Anspruch, den ein einzelnes Werk überhaupt nicht erfüllen kann, ein breit ausgeführtes Bild der Zeit zu liefern, aber es nennt und charakterisiert kurz die Verwandten und Gefährten des Dargestellten und gibt, wenn es auch auf eine breite Ausmalung, des Literatur- und Kulturlebens der Orte verzichtet, in denen der Dichter sich aufhielt, doch genügende Bemerkungen, die den Leser in den Stand setzen, den richtigen Standpunkt zur Würdigung der. Leistungen des Dargestellten zu gewinnen. Die Anerkennung des guten Buches wird durch einige Gegenbemerkungen nicht geschmälert. Ich stelle einen kleinen Uebelstand voran, der aber nicht auf das Konto des Verfassers zu setzen ist, sondern der der Sammlung zur Last fällt, in der unser Werk erschienen ist. Die Biographien der Klassiker des Tempel-Verlages sollen nämlich, da in den Ausgaben nur die Werke, nicht die Wnefe abgedruckt werden, Briese mit der Lebenserzählung verbinden. Nun ist's gewiß an und für sich kein Nachteil, sondern eher ein großer Vorteil, wenn dem Weser Proben der köstlichen Briefe Heines geboten werden. Mber für mein Empfinden wäre es besser gewesen, diese Briese in einen Anhang zu verweisen. Die Einreihung solcher Stücke in die Erzählung hat den großen Nachteil, den Verfasser zu zahllosen Verweisungen zu veranlassen, bald auf -die Episteln, die viel später mitgeteilt werden, bald auf solche, die an früheren Orten abgedruckt sind. Ein fernerer Mangel besteht darin, daß die Anlage .nicht vollkommen zweckentsprechend ist: der Anfang ist entschieden' zu breit geraten und infolgedessen mußten einige Schlußkapitel, um den Umfang nicht allzu sehr anschwellen zu lassen, etwas kurz bemessen werden. Sodann habe ich einige Bedenken gegen die Sprache. Nicht etwa, daß das Buch, wie einige frühere Heine-Biographien, in ermüdend gelehrtem oder wie. andere in saloppem Stil ''geschrieben ist; im Gegenteil, die Darstellung ist von aus- : gereifter, künstlerischer Feinheit. Aber der Verfasser liebt gar zu sehr Fremdwörter, er gefällt sich in sehr kühnen, oft aus Heine selbst entlehnten, und doch nicht, immer recht paffenden . -Bildern, z. B. „Schaletder Kuhreigen der Juden" (S. 422), 7,oder in Neubildung von Worten oder Uebernahme Heinescher -Ausdrücke, die, wenn auch nicht sprachwidrig, so doch höchst .ungewöhnlich, sind und dadurch das Verständnis erschweren, >z.' B. „A.dvökatie". (S. 104), „Schwärmereichen" (€>. 312), C ' -; 3Üf

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