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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-05-12 · Heft 19 (12.5.1911) · p. Seite 224

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 19 (12.5.1911)
Date
1911-05-12
Page
Seite 224 (sequence 8)
Language
German
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semitischen Grundlage der Ma-sai-Sprache Nicht zu zweifeln -ist. Man vergleiche Formen wie masaisch kunooi mit arabisch kam „Schmied", masaisch moruo mit arabisch maru^ „älterer Mann, Gatte"; masaisch el-kiboron stimmt zu arabifch-minäisch kabir „Priester" usw. Es ist also nach Hommel kein Zweifel möglich, daß die Masai ein semitisches Volk sind und daß ihre Urheimat in Arabien zu suchen ist. Nun erhebt sich allerdings die Frage, auf welchem Wege sie in ihre heutigen Wohnsitze gelangt sind. Wie wir schon hörten, kamen sie von Norden her; aber zweifelhaft kann'es erscheinen, ob sie die Landenge von Suez passiert haben und dünn durch das Wüstengebiet längs des roten Meeres zogen, oder ob sie zur See nach dem afrikanischen Kontinent kamen. Indes ist die letztere Möglichkeit ausgeschlossen, da ein viehbesitzendes Volk den Seeweg unmöglich wählen konnte; anderseits wissen wir, daß der Weg von Asien nach dem Innern Afrikas, den einst z. B. die Abessinier wohl gewandert sind, seit der Aufrichtung des neuen ägyptischen Reiches (etwa 1600 v. Ehr.) gesperrt war, wie wir aus der Geschichte Israels ja auch ersehen. Wir müßten also annehmen, daß die Masai noch früher, zur Zeit der sogenannten Hyksos- Herrschaft, eingewandert sind, oder daß sie später unbemerkt durch die Wüste gekommen sind. Eine Entscheidung läßt sich nicht mit! Sicherheit treffen, doch werden wir später noch sehen, daß kulturhistorische Gründe für eine sehr alte Einwanderung sprechen. In den ersten Abschnitten seines Buches teilt Merker das Wissenswerte über die Gliederung der Masai in Geschlechter und Untergeschlechter mit; er zeigt uns ferner, wie ihre vorübergehenden Behausungen entstehen und sich zu einem Kraal. vereinigen, der durch eine künstliche Dornenhecke gegen plötzliche Ueberfälle und wilde Tiere geschützt wird. Wir lernen ihre Familienverhältniffe kennen, die auf dem System der Vielweiberei äufgebaut sind — die Masai haben infolge ihrer unaufhörlichen Kriege einen Ueberfluß an Frauen -, ihre Vermögensordnung, das Zustandekommen der Ehen, die auf dem Kauf der Braut beruhen, endlich die Geburt und Erziehung der Kinder. Hierbei stoßen wir auf eigentümliche Gebräuche, die uns lebhaft an die entsprechenden jüdischen Sitten erinnern. Zunächst die Art der Namengebung. Wenn ein Knabe geboren worden ist, so erhält er seinen Namen nicht gleich bei der Geburt, sondern erst spater, längstens bis zu der Zeit, wo die oberen Schneidezähne durchbrechen. Der, Tag der Namengebung wird durch ein Fest gefeiert. Der \ Knabe sitzt auf dem Schoß der Mutter, die mit den anderen Weibern ihres Stammes über die Wahl eines Namens berät. Endlich erhebt sich ein älterer Bruder der Mutter und schlägt einen Namen vor, der allgemeine Annahme findet. Cr wird feierlich verkündet, worauf die. Versammelten den Knaben hochleben lassen und aus rufen: dabarischori ja gischu n dare. „erwerbe Rinder und Kleinvieh." Nach mancherlei Zeremonien, bei denen der Gott Mg ai der Masai angerufen wird, folgt ein Festschmaus, der meist mit allgemeiner Betrunkenheit endet. Bald nach der ersten Namengebung folgt eine zweite, wobei der Vater seinem Sohn einen Namen verleiht, mit dem er ihn nunmehr immer ruft. Wieder einen Namen erhält das Kind, wenn es laufen kann, hier von mütterlicher Seite, wie beim erstenmal. Endlich wird dem aus dem ersten erfolgreichen Feldzug heimkehrenden Krieger ein weiterer Name, diesmal von seinen Kameraden und Freundinnen, verliehen. Wir sehen, wie sich bei dieser Zeremonie Ueberreste des uralten Mutterrechts mit dem jüngeren Vaterrecht, und der Stammesorganisation kreuzen; sie erinnert an unsere jüdische Holekraasch. die sich freilich in einfacheren Formen vollzieht. Mit unserem jüdischen Ritus stimmt auch die Sitte der Beschneidung überein , die nach dem Glauben der Masai durch ein Gebot Gottes eingeführt ist. Sie erstreckt sich sowohl auf Knaben wie aus Mädchen und soll erfolgen, sobald erstere kräftig genug zur Teilnahme an einem Feldzug sind, also zwischen IS bis 16 Jahren, bei letzteren, sobald sie mannbar werden. Die Beschneidung erfolgt in jedem Jahre an einem bestimmten Tag nach einem genau geregelten Ritual, das uns Merkers ganz ausführlich schildert. Nach I derselben wird der Jüngling in! einem Zeitraum von etwa zwei 1 Jahren ins Kriegerleben eingeführt. I Alle während einer Reihe von « Jahren beschnittenen Knaben ij bilden eine Altersklasse; die ein- ] zelnen Jahrgänge bilden besondere , Gruppen. Je zwei Altersklassen bilden einen Verband, in dem die eine als die rechte, die andere als; die linke Beschneidung bezeichnet wird. Jede dieser beiden Altersklassen hat ihre genauen Vorschriften oder Verbote bezüglich des Genusses bestimmter Speisen, oder des Gebrauchs gewiffer Worte. Die meisten Berührungspunkte indes haben die Masai mit den Juden auf dem Gebiete der Schöpfungsmythen und der Urgeschichten sowie bei einzelnen religiösen Gebräuchen und Lehren. Die Masai glauben an einen Gott, Mg ai mit Namen, der ein körperloses Wesen, ein Geist ist. Ueber sein Aussehen denken sie nicht nach; eine Anfertigung bildlicher oder figürlicher Darstellungen Gottes wäre eine Sünde. Er ist allmächtig, allgegenwärtig, allwissend, gütig, unendlich. Die Masai fühlen sich als das auserwählte Volk ihres Gottes, ihnen sollen alle anderen Völker untertan sein. Sie glauben außerdem an Schutzengel, die auch die Seele des Gestorbenen in das Jenseits geleiten, das sie sich auf recht realistische Weise f .ausmalen. Dieses Paradies liegt im Norden; dorthin wenden sich die Masai auch bei ihren Gebeten. Das Paradies heißt in ihrer Sprache kerio, ein Name, der mit babylonisch kirü (aus älteren'kiriu) „Garten" übereinstimmt. Jhr Schöpfungs- | Mythus erzählt, daß die Erde im Anfang eine tzde, dürre *

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