Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1911)
- Date
- 1911-05-12
- Page
- Seite 223 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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-itnb nach einer gründlichen Diskussion zu der Frage der -Feuerbestattung ' Stellung genommen und fast einstimmig folgenden Antrag zum Beschluß erhoben: „Die Leichenverbrennung entspricht nicht dem altüberlieferten jüdischen Herkommen. Es ist die Pflicht der Rabbiner, für die Ausrechterhaltung' der hergebrachten Sitte einzutreten. Indessen soll der Rabbiner bei den zur Verbrennung bestimmten Leichen der an ihn ergangenen Aufforderung Folge leisten und die religiöse Mitwirkung durch Beteiligung an der Leichenfeier nicht versagen." Es wäre vom Standpunkt der Unparteilichkeit, um nicht zu sagen der Loyalität wohl angebracht gewesen, daß Silberstein, der unter Anführung von Namen und Rabbinaten sich in seiner Ansicht über die religiöse Unzulässigkeit der Feuerbestattung „mit den bedeutendsten rabbinischen Autoritäten der Gegenwart und der jüngsten Vergangenheit" in Uebereinstimmung zu befinden behauptet, diesen ihm bekannten Beschluß der liberalen Rabbiner, an dem gleichfalls anerkannte — wenn auch nicht von ihm anerkannte — rabbinische Autoritäten mitgewirkt haben, nicht verschwiegen hätte; dem Lesern seines Aufsatzes würde dann eine vollständigere, eine nicht einseitige Darstellung des Sachverhaltes geboten worden, sein.. Der Wunsch, daß den Ueberlieferungen der Vergangenheit von allen Glaubensgenossen, auch von den fortschrittlich gesinnten, pietätvolle Berücksichtigung zuteil werde, wird von allen liberalen Rabbinern geteilt. Nicht minder aber ist der Wunsch der sogenannten Laien berechtigt, daß die Rabbiner auch ihren religiösen Anschauungen Rechnung tragen und ,nicht aus -reinem starren Formalismus' ihnen in den ergreifendsten Augenblicken den religiösen Beistand versagen mögen. . . . Die Malm. Ein vstafrikcinisches Semitenvolk. ' Von Sigmund Feist. - ttt vorigen Jahre erschien in zweiter Auflage ein Buch, % das im höchsten Maße die Beachtung und das Interesse der Semitologen verdient?) Der Verfasser, ein befähigter und strebsamer. Offizier der ostasrikanischen Schutztruppe, hat leider die Fertigstellung dieserzweiten Ausgabe seines Werkes nicht erlebt, da ihn im-Februar 1908 ein plötzlicher Tod ereilte. Dreimal hielt sich Merker in Ostafrika auf; seine. Anwesenheit erstreckte sich jedesmal über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Seine Abkommandierung in das Innere unserer ostafrikanischen Kolonie nach Moschi, am Fuße des Kilimandscharo, wo er sieben Jahre verblieb, brachte ihn in .innigste Berührung mit dem Volk, dessen . Herkunft, Religion, Sitten und Sprache er aus das Liebevollste und Gründlichste untersuchte, den kriegerischen Masai, die als . Nomaden in den weiten Steppen Ostasrikas umherstreisen. Was er z. B. über die von den Masai erzählten Urgeschichten von der Weltschöpfung, dem Paradies, Sündenfall usw. aus dem Munde alter Leute gesammelt hatstimmt in so auffälliger Weise mit unseren jüdischen Ueberlieferungen überein .?) Die Masai. Ethnographische Monographie eines ostasrikani. . schen Semitenvolks, von ffi. Merker, weiland Hauptmann in der Kaiserlichen Schutztrüppe für Osiafrika. Mit 89. Figuren, .6 Tafeln) 62 Abbildungen und einer Uebersichtskarte. Zweite verbesserte und ' vermehrte" Auflage' Berlin 1910. Dietrich Reimer -Wrnft Vohsen): und berührt sich so nahe mit den babylonischen Legenden, daß wir daraus die weitgehendsten Schlüsse auf die ursemitischen Vorstellungen ziehen könnten, wenn bei den Masai nicht eine spätere Beeinflussung etwa durch die' in Aethiopien lebenden Falaschas, durch islamische Lehren oder durch christliche Missionare vorliegt. Eine Mystifikation des Verfassers, der zwar ein'vorzüglicher Beobachter war und dem die'Kniffe und Listen der Masai nur zu gut bekannt waren, erscheint ebenfalls nicht ausgeschlossen. Freilich hat sich der-bekannte Münchener Orientalist' Fritz Hommel Mit der Prüfung des Materials befaßt und in einem Vorwort seine Ansicht niedergelegt, die in rückhaltloser Anerkennung des von Merker Geleisteten gipfelt. Ob wir die Masai als Semiten oder, wie andere wollen, als Hamiten bezeichnen, ist kein so großer Unterschied, da die beiden Gruppen in letzter Linie, jadoch urverwandt sind, wie die Sprachen und der somatische Typus beweisen. Die Masai sind von Norden her in ihre heutigen Wohnsitze eingewandert, nicht in einem Zug, sondern in drei Schüben, die sich in größeren Zeiträumen folgten. Die Reste des am frühesten eingewanderten Trupps sind die Asa, auch Wandorobo genannt, d. h. die Armen, da sie durch Kriege, Viehseuchen und Bedrängung durch die umwohnenden Negervölker so 'geschwächt waren, daß sie - durch den zweiten Schub der Masai, die El-Kuafi, leicht unterworfen, und verdrängt wurden.^ Dieselben Ursachen führten aber auch bei diesen zur Verdrängung durch den dritten Trupp, die El-Masai; aber schließlich verbündeten sich die El-Kuafi mit den Et-Mäsai zum gemeinsamen Kampf gegen die sie bedrohenden Tatoga-Neger. Als diese'bezwungen waren, entbrannte der Kampf'zwischen den beiden Stämmen aufs Neue und dauerte das ganze 19. Jahrhundert durch.. Er endete mit dem Sieg'der El-Masai. Die Unterlegenen gingen teils in sie auf, teils erhielten sie sich als 'El-Muli, El-Lumbua usw. Die Kärawanenleute nennen sie Wakuafi. Sie sind meist friedliche Ackerbauer geworden; freilich hüben sie infolgedessen ihr Volkstum nicht rein erhalten, sondern viel Negerblut in sich ausgenommen. So müssen wir die El- Masai, die letzten Einwanderer, als die reinsten Vertreter dieses Volkes ansehen und sie haben ihm ja auch für die Europäer den Namen gegeben. In ihrer Sprache haben die drei Zweige des Masai- Volkes manches Trennende) doch in der Hauptsache sprechen sie.eng verwandte Idiome, die Merker als zur semitischen Sprachgruppe gehörig ansieht. Ebenso stimmen sie in ihren religiösen Anschauungen und in ihren sonstigen Sitten und ' Gebräuchen überein. Mit diesen drei Gegenständen, der Sprache,- der Religion und den Sitten der Masai wollen wir uns zunächst beschäftigen. . : Hervorragende Kenner der afrikanischen Sprachen wie Professor Karl Meinhof haben die Zugehörigkeit der Masai zu den Semiten auf Grund ihrer Sprache, bestritten: Der genannte Gelehrte gibt zwar zu, daß sie sich in ihren körperlichen Eigenschaften scharf von den umwohnenden! Negerstämmen unterscheiden, soweit sie sich rein erhalten haben; er erblickt aber in ihrer Sprache soviel nichtsemitifche Züge, basier I von einer Zugehörigkeit der Masar zum semitischen Sprachstamm nichts wissen will? Nun haben die'Masai allerdings bön kuschitischen Völkern, wie den Somali-und Galla, mancherlei sprachliche Beeinflussung erfahren (die Zahlwörter-z. Befind diesen entlehnt); aber sie haben doch in den flexivischen Formen ihrer Sprache, z. B. in der 'Konjugation d'es-sogenannten -Imperfekts - rein semitische - Eigentümlichkeiten bewahrt: Zahlreiche Wörter stimmen ganz mit' arabischen Benennungen desselben Gegenständesüberein,-sä daß ander