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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-05-12 · Heft 19 (12.5.1911) · p. Seite 219

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 19 (12.5.1911)
Date
1911-05-12
Page
Seite 219 (sequence 3)
Language
German
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in das goldene Buch ihrer Ehrenbürger einzutragen, so ist der Name Kuranda dennoch nicht vergessen. Kuranda hat nicht nur für seine Zeit gelebt, sondern auch für die nächste schöne Zeit, die der heutigen, wenn nicht alle Anzeichen trügen, bald Nachfolgen wird. . ' Ueber spanische Verhältnisse macht folgende Notiz die Runde durch die Zeitungen: Entgegen der'vielfach verbreiteten Meinung, als fei der jüdische Kultus .von dem Toleranzdekret vom 10. Juni 1910. nicht betroffen worden, verdient eine kleine Notiz wiedergegeben zu werden, die dieser Tage die Runde durch die hiesigen Blätter machte, was allein schon beweist, daß der an sich belanglosen Begebenheit eine gewisse Bedeutung beigelegt werden darf. Die Meldung, die wir absichtlich dem klerikalen „ABC" entnehmen, .lautet: Sevilla, IO. April. Heute wurde in der Synagoge die Konfirmation des jungen Israeliten Salomon Sabal gemäß dem Ritus der jüdischen Religion gefeiert. Alle hiesigen und eine Anzahl eigens zugereister Israeliten nahmen an dem. Alt teil, bei dem der Knabe, in den rituellen Mäntel gehüllt, vor* dem Rabbiner Salomon Coen einen Abschnitt aus dem alten Testament sowie einen Lobgesang auf seine Religion und das spanische Vaterland rezitierte. Unter den zahlreichen Mitgliedern der Sevilläner Gesellschaft, die der Feier beiwohnten, befanden sich auch der Bürgermeister, mehrere Stadträte und der ehemalige Minister Borbolla. Man sieht, daß die Feier durchaus den Charakter der Oeffentlichkeit hatte, den das erwähnte Dekret den nicht katholischen Kulten zugestand. Bemerkt sei schließlich noch, daß die von anderen Blättern mitgeteilten Namen israelitischer Festteilnehmer, fast durchweg, wie ja auch der des Konfirmanden selbst, auf spanischen Ursprung schließen lassen. Aus Rußland veröffentlicht die „N. I. K." unter dem Titel , „Die Million des Barons Hirsch und' Pobjedonoszew" nachstehenden, höchst seltsamen Artikel; für den wir dem genannten Blatt die Verantwortung überlassen wollen: Wie erinnerlich, hat der Duma-Abgeordnete Graf Uwarow bei der Beratung des Etats des heiligen Synods die Enthüllung gemacht, daß Baron Hirsch, dem verstorbenen allmächtigen Oberprokurator Pobjedonoszew eine Million Rubel zum Geschenk gemacht habe, um von ihm die Aufhebung des jüdischen Ansiedlungsrayons ...ü erlangen. Von einem Eingeweihten erfährt man nun interessante Einzelheiten. Baron Hirsch hatte den Plan gefaßt, große jüdische Volksmassen aus Rußland nach Argentinien zu befördern, um sie dort zu kolonisieren. Da aber nach den russischen Gesetzen die ohne Erlaubnis der Regierung auswandernden Personen immer als russische Staatsangehörige betrachtet werden, so daß die Militärpflichtigen als Deserteure verfolgt werden, hatte Baron Hirsch, um die in Rußland zurückgebliebenen Angehörigen solcher Emigranten vor Verfolgungen zu schützen, beschlossen, die jüdische Auswanderung zu legalisieren. , Zu diesem Zwecke knüpfte sein Vertreter in Petersburg, der bekannte Eisenbahnkönig Samuel Poljakow, Unterhandlungen mit der russischen Regierung, an. Er riet Baron Hirsch, dem allmächtigen Pobjedonoszew eine Million Rubel zum Geschenk zu machen, .um seine Unterstützung in .dieser Sache zu erwirken. Pobjedonoszew nahm auch das Geld an —wie er sägte, für Kirchen und Schulen — und sagte Baron Hirsch seine Unterstützung zu. Er teilte das Anliegen des Barons Hirsch' Alexander III. mit,, und es wurde beschlossen, das Werk des Philanthropen zu 'unterstützen. Aber weder Pobjedonoszew noch Alexander III.-hat seine Zusagen eingehalten.' -Nach Empfang der Million legte die russische Regierung Baron Hirsch die größten Schwierigkeiten in den Weg. Die Regierung verlangte, cs mögen nur ganze Familien, auch Greise, Krüppel und Kranke auswandern, was die Aktion sehr erschwerte. Pobjedonoszew hatte dem Baron Hirsch auch versprochen, es werde den Juden gestattet werden. sich auf dem flachen Lande als Ackerbauer anzusiedeln, nach Empfang des Geldes aber, wurde diese Zusage gebrochen; die drakonischen Wohnrechtsbeschränküngen des Grafen Jgnatiew blieben zu Recht bestehen. Noch mehr: auf Verlangen ' der russischen Regierung mußte Baron Hirsch in der - Petersburger -Reichsbänk 200000 Rubel deponieren, damit die Kosten bestritten werden könnten, falls jüdische Auswanderer die Rückbeförderung nach ihrer Heimat verlangen sollten. Aber keiner der jüdischen Emigranten hat von dem russischen Konsulaten in Amerika bei der Rückwanderung nach Rußland irgendwelche Unterstützung erhalten, so Daß auch die 200000 Rubel - des BäronS Hirsch bei der russischen Regierung verblieben sind. Das ist die wahre, lehrreiche Geschichte der Million des Herrn Pobjedonoszew . . . Die ewige Angst, die vor und nach Passah die Ju den der östlichen Länder plagt, irgendwo könnte wieder das grausige Ritualmordmärchen geäußert werden, ist leider auch diesmal nicht gegenstandslos gewesen. Wenigstens berichtet die „Vossische Zeitung": - - - Warschau, 6. Mai. Den hiesigen jüdischen Jargonblättern wird von ihren Mitarbeitern aus verschiedenen Gegenden Rußlands berichtet, daß di^ jüdische Bevölkerung Mit Besorgnis der Zukunft entgegensieht. In Kiew ist nämlich vor einiger Zeit die Leiche eines KnabenS, eines gewissen Juschtschinski, gefunden worden, und da der Täter bisher nicht entdeckt ist, so beschuldigen die russischen nationalistischen Blätter die Juden, daß sie den Knaben zu rituellen Zwecken ermordet hätten. Die Hetze wird von diesen Blättern so systematisch geführt, daß man für die nächste Zukunft wieder Pogroms befürchtet. Die polnischen Blätter, sogar die klerikalsten und reaktionärsten, treten, obwohl der ermordete Knabe Pole und Katholik war. mit großer Entschiedenheit gegen das Ritualmordmärchen auf. Die kürzlich mitgeteilte Resolution der Dumakommission fürLandesschutz, wonach Juden aus demMilitärdienste ausgeschlossen werden sollen, hat, wie die jüdischePresse in Rußland meldet, unter unseren dortigen Glaubensgenoffen begreiflicherweise die größte Erbitterung hervorgerusen. Viele Judengemeinden faßten Protestbeschlüsse gegen diese erniedrigende Resolution. Die kräftigste und wegen der Unterschriften, die sie trägt, auch interessanteste Protestkundgebung hat die Judengemeinde von Kursk an den Dumadeputierten dieser Stadt, der der Nationalistenpartei angehört, gerichtet. Sie lautet: „Wir sind überzeugt, daß die Mitglieder der Kommission durch die Verleumdungen gegen die jüdischen Soldaten irregeführt wurden- Jeder..treue Untertan ist verpflichtet, die schädlichen Elemente von der Armee fernzuhalten. Aber es ist die Frage, ob die Juden ein solches schädliches Element bilden. Wo sind die Tatsachen, wo die Beweise für eine solche Behauptung? Anstatt Tatsachen hören wir nur Verleumdungen. Haben die Juden nicht zusammen mit den Christen für Kaiser und Vaterland gekämpft? Sind etwa nicht genug Juden auf den Schlachtfeldern gefallen? Haben nicht Juden genug militärische Auszeichnungen erhalten? Mit unserem verletzten patriotischen Gefühl protestieren wir gegen die Verleumdungen und den Schimpf, die gegen uns geplant werden. Wir können nicht schweigen, wenn man die Absicht kundgibt, für uns Juden den Militärdienst durch eine' Militärsteuer zu ersetzen, denn es ist Pflicht eines jeden, das Vaterland zu verteidigen, und die Juden haben stets dem Väterlande und dem Staate gegenüber ihre Pflicht erfüllt." Diese Kundgebung trägt die Unterschrift von, 136 Kursker Juden, durchweg Söhne und Enkel von jenen heldenmütigen ,,Nikolajewer" Soldaten, die wegen ihrer Tapferkeit und ihres Opfermutes die volle Freizügigkeit in ganz Rußland erhalten hatten. > Die „N. I. K.", berichtet voy einer. Sitzung des zionistischen Aktionskomitees, die Ende April in Köln stattfand.. Nach einer Besprechung der Läge des Zionismus in der Türkei, im Anschlich an die jüngsten, zionistischen

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