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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-05-05 · Heft 18 (5.5.1911) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 18 (5.5.1911)
Date
1911-05-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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,s Mx Gemeindebote. Veilase zur „Allgemelnen Leitung dc§ Judentums öerlin, 5. Mai 1911 korrWondrnrm und Mschrichtrn. . Deutschland. J. Berlin, 2. Mai. Die „Deutsche Konferenzgemeinschast der ^llianee Israölita Universelle" war am letzten Dienstag zu. einer ordentlichen Tagung nach Berlin einberusen worden, um Stellung zu nehmen zu den Alliance-Wahlen und einigen Unstimmigkeiten, die sich wiederum zwischen dem Präsidium der Konferenzgemeinschaft und den Pariser Herren aus Anlaß der Wahlvorbereitungen entspannen hatten. Die von Herrn Geheimrat Professor Dr. Landau geleitete/Versammlung war sehr stark besucht, insbesondere auch von zahlreichen Lokalkomitees beschickt worden. Herr Geheimrät Landau hatte, da der erste Vorsitzende Herr Justizrat Max Fuchs auf einer längeren Erholungsreise begriffen ist, auch die Verhandlungen mit Paris über die Wahlangelegenheit geführt, bis sie vor reichlich zwei Wochen gänzlich abgebrochen worden waren. Nachdem der Geschäftsführer im Ehrenamt, Hetr Rechtsanwalt Dr. Apfel, einen kurzen Geschäftsbericht erstattet hatte, gab Herr G.eheimrat Landau einen ausführlichen Bericht über den Gang der Wahlangelegenheit. Vorweg sei bemerkt,.- daß die „Deutsche Konferenzgemeinschaft" trotz mancher Bedenken den Pariser Herren doch, so weit nachgegeben hat, daß bei den bevorstehenden Wahlen nicht, wie es satzungsgemäß erforderlich wäre, zwei Drittel der Mitglieder des Zentralkomitees neugewählt werden sollen, sondern zunächst nur ein Drittel. Auch mit dem Wahltermin, der eigentlich ziemlich ungünstig mitten in die Reise- und Badesaison auf den 4. Juni festgesetzt worden ist, hat sich die „Deutsche Konferenzgemeinschaft" einverstanden erklärt. Dagegen herrscht eine Differenz, nicht in bezug auf die ganze Liste der von Paris aufgestellten Kandidaten, wohl aber in bezug auf die Wiedernominierung des derzeitigen Vizepräsidenten der „Alliance", des Herrn Salomon Reinach. Es sei vorweg bemerkt, daß die Versammlung einhellig beschloß, an das Zentralkomitee in Paris das Ersuchen zu richten, an Stelle von Reinach, den die „Deutsche Konferenzgemeinschaft" aus „den dem Zentralkomitee bekannten Gründen" als K a n d i d at e n z u n o m i nieren ablehnt, einen anderen Pariser Herrn für die Wahl in Vorschlag zu bringen. Ueber die Jnopportunität einer Wiederwahl des Herrn Reinach bestand in dex Versammlung keine Meinungsverschiedenheit. Man war vielmehr allgemein der Ansicht, daß Herr Reinach bei aller Anerkennung seiner Bedeutung als Gelehrter und Politiker doch nicht geeignet sei, bestimmenden Einfluß in der Leitung einer jüdischen Weltorganisation auszuüben, die gegebenen Falles genötigt wäre, Aufgaben und Gedanken zu vert^ten,^Aie mit der Stellung des Herrn Reinach im und zum JudWtNutMlechterdings nicht in Einklang zu bringen sind. Diese Person Äfrage ist übrigens auch bereits Gegenstand schriftlicher Auseinandersetzung zwischen Berlin und Paris gewesen. Man hat in Paris und auch anderswo darauf hingewiesen, daß die parteireligiöse Stellung der einzelnen Kandidaten nicht in Frage kommen dürfe, da die „Alliance" selbst parteireligiös neutral zu sein habe. Man hat des ferner« darauf hingewieseN, und zwar gegenüber dem Einwand, daß es doch nicht ganz gleichgültig sei, in welchem Geiste das Schulwesen im Orient geleitet werde, daß Herr Reinach auf das Schulwesen selbst keinen Einfluß habe, und daß man schließlich eine so bedeutende Persönlichkeit, wie Herrn Reinach, mit seinen guten Beziehungen zum Quai d'Orsai, zur französischen Regierung, in der Leitung der „Alliance" nicht gern entbehren möchte. Demgegenüber ist besonders von Herrn Rabbiner Dr. We rner - München betont worden,' daß Herr Reinach sich nicht nur sehr weit vom allgemeinjüdischen Standpunkt in seinen Anschauungen entferne, sondern auch einmal in einem süddeutschen jüdischen Blatte erst vor kurzem öffentlich das Bekenntnis abgelegt hätte, daß das Judentum durch das Gebot der Sabbatheiligung und der rituellen Schächtmethode gegenüber den anderen Religionsbekenntnissen „rückständig" sei. Für diese „Rückständigkeit" einzutreten, könnte aber jeden Tag Aufgabe des Herrn Reinach werden. Nach den Statuten ist die „Alliance" berufen, überall, wo Juden ihres Glaubens halber bedrückt werden, einzutreten. — Abgesehen von Herrn Reinach wurde die Vorschlagsliste des Pariser Zentralkomitees angenommen. Die Kandidatenliste selbst konnte einstweilen nicht vervollständigt und bekannt gegeben werden, weil von den drei Frankfurter Herren, die seinerzeit anläßlich der Unstimmigkeiten ihr Mandat niedergelegt hatten, noch keine Antwort auf die, jetzt wiederholte Bitte, die Demission zurückzunehmen, eingelaufen war. Sobald die Antwort eintrifft, wird die Liste veröffentlicht werden. Obwohl nur ein Drittel des Zentralkomitees erneuert werden soll, wird sich die Zahl der neuzuwählenden Mitglieder des Zentralkomitees auf etwa 38 belaufen. Denn außer dem Drittel der turnusmäßig ausscheidenden Zentralkomiteemitglieder müssen bekanntlich auch die von dem Zentralkomitee im.Laufe der Jahre kooptierten Mitglieder, sowie Ersatzleute für diejenigen Zentralkomiteemitglieder gewählt werden, die aus den verschiedensten Gründen von dem Amte zurückgetreten find. — Einen sehr breiten Raum nahmen ferner die Debatten ein, die sich an die Verlesung des.Briefwechsels über die Wahlangelegenheit knüpften, die zwischen dem Pariser Zentralkomitee einerseits und der „Deutschen Konferenzgemeinschaft" wie den deutschen Mitgliedern des Zentralkomitees anderseits geführt worden sind. Aus diesem Briefwechsel und noch mehr aus der Debatte über ihn ergab sich, daß der vor kurzem abgeschlossene Frieden zwischen Paris und Berlin doch immer noch kein gefestigter ist. Paris bestreitet den deutschen Mitgliedern der „Alliance" überhaupt das Recht, Kandidaten vorzuschlagen. Demgegenüber wurde auf das Entschiedenste betont, daß es hierbei sich nicht um Personen — denn in dieser Richtung hat die „Deutsche Konferenzgemeinschaft", bis auf die eine Ausnahme des Herrn Reinach, die Pariser Vorschlagsliste akzeptiert —. sondern es handelt sich hierbei um das bedeutungsvolle Prinzip, wer. Vorschläge für die Wahl, der deutschen Zentralkomiteemitglieder zu machen hat, um die Frage, ob die 13 000 deutschen Alliancemitglieder ein Vorschlagsrecht besitzen -oder nicht. Da der Briefwechsel über diese ganze Angelegenheit demnächst von offizieller Seite der jüdischen Presse zugänglich gemacht werden wird, erübrigt es sich, hier auf die näheren Einzelheiten einzugehen. Nur soviel mag erwähnt sein: Aus der Zustimmung der einzeln befragten deutschen Mitglieder des Zentralkomitees zum Wahltermin und zur Wahl von nur einem Drittel der Zentralkomiteemitglieder hat die Pariser Zentrale zugleich die Zustimmung zu ihrer ausgestellten Kandidatenliste herauslesen wollen, obwohl dieselben deutschen .Zentralkomiteemitglieder dem Präsidium der Konferenzgemeinschaft ausdrücklich mitgeteilt haben, daß sie mit der Pariser Kandidatenliste keineswegs einverstanden sind. Mit Beziehung hierauf, nahm die Versammlung, die folgende Resolution einstimmig an: „Die zu Berlin am 25. d. M. zu einer ordentlichen Tagung vereinigte „Deutsche Konferenz gemeinschaft" billigt nach Kenntnisnahme des gesamten in der Wahlangelegenheit zwischen .Paris und Berlin gepflogenen Briefwechsels das Vorgehen ihres Präsidenten und spricht ihm ihr volles Vertrauen aus." Zum Schluß der mehr als vierstündigen Verhandlungen, die sich mit Einzelheiten der Wahlarbeit beschäftigten, wurde noch der Beschluß gefaßt, das Präsidium mit der Fortführung der Wahlarbeit zu betrauen. L. ©erlitt, 26. Der 29. Bericht der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin bringt anläßlich der im Berichtsjahre begangenen Feier des 100. Geburtstages Äbr. Geigers eine vortreffliche Würdigung der Verdienste dieses großen Gelehrten um die Anstalt sowie die beiden Reden der Herren Prof. Dr. Klein-Stockholm und Dr. Elbogen, die bei der Gedächtnisfeier am 22. Mai vor einem geladenen Publikum gehalten wurden. Die Zusammensetzung des Lehrerkollegiums weist gegen das Vorjahr einige Veränderungen auf. Herr- Rabbiner Professor Dr. Maybaum gab mit Schluß des Wintersemesters seine während

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