Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1911)
- Date
- 1911-05-05
- Page
- Seite 215 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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gemeiner Hund, jetzt: getraust Du Dich nicht. Weil Du Dich jetzt vor mir fürchtest. Weil Du siehst, daß ich eine Amtsperson bin. Ein ganz gewöhnlicher, seiger Hund bist' Du. Packe Dich fort! Sei froh, daß ich Dich mit meiner Lanze hier nicht aufgespießt habe. Wärest Du ein Dieb, so hätte ich Dich aufgespießt. Du hast ja gesehen, daß ich mich, nicht gefürchtet und die Lanze zum Stechen bereit gehalten habe." Und damit wandte er dem Hunde stolz den Rücken. „Ein schönes Amt ist doch diese Nachwächterschaft," dachte er beim Weitergehen, „sogar der Hund respektiert es." Berele drehte sich um und ging festen Schrittes und stolzerhobenen Hauptes vorwärts. Der. Hund trottete ihm nach. Der Hund zeigte sich damit aufrichtig und offenherzig, denn seine Zutunlichkeit war nicht erlogen. Berele dagegen heuchelte entschieden. Umsonst spielte er den stolzen Makkabäer, umsonst tat er so, als ob er den Hund nur als Hund ansehen würde, in Wahrheit fühlte er anders. In den ersten Augenblicken empfand er etwas, wie Entsetzen und griff mehrmals unsicher nach seinen Beinen, denn es schien ihm, als ob der Hund seine Waden beschnupperte. Als er dann sah, daß die Bestie friedliche Absichten habe, beruhigte er sich und es tat ihm nahezu wohl, neben seinem Schatten den des Hundes zu sehen. (Fortsetzung folgt.) Litersrilche Mitteilungen. — Talmudische Archäologie von Dr Samuel Krauß, Professor der israelitisch-theologischen Lehranstalten Wien. Band I. Schriften, herausgegeben von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Leipzig. G. Fock, 1910 (XlH, 720 S.) S. Krauß unternimmt in seiner Talmudischen Archäologie zum erstenmal den Versuch, das Leben des jüdischen Volkes im Zeitalter des Talmuds — also in einem Zeitraum von fast sechs. Jahrhunderten — zur Gesamtdarstellung zu bringen, und es ist ihm, so weit sich aus dem vorliegenden ersten Bande ersehen läßt, in überraschender Weise gelungen, dieser umfassenden Aufgabe gerecht, zu werden. Ausgehend von der primitivsten Art der Wohnungen in Palästina, wie Höhlen, Hütten und Zelten, schildert der Verfasser in fließender Art, wie sie sich bei der Schwierigkeit der Materie selten findet, im I. Kapitel „Wohnung und Hausgerät" den Bau und die Einrichtung des Wohnhauses mit seiner Umgebung und allem dazu gehörigen Hausgerät. Das ll Kapitel behandelt die Nahrung und ihre Zubereitung, wobei naturgemäß die Herstellungsweise des Brots im Vordergründe steht. Im. III. Kapitel „Kleidung und Schmuck" zeigt sich besonders deutlich der Einfluß der griechisch-römischen Kultur auf die Lebensgewohnheiten auch des jüdischen Orients. Das letzte, IV. Kapitel ist ausführlichen Angaben über Waschungen und Badewesen gewidmet. Darauf folgen die Mitteilungen über Kosmetik, die uns die raffinierteste Anwendung von allerlei-Präparaten und Parfümerien verraten, und schließlich Anthropologisches und Medizinisches, Der ganze folgende Teil des umfangreichen Werks (S. 268—720) enthält die wissenschaftlichen Noten, die schon auf den ersten Blick auch dem Laien zeigen, welche unendlich mühevolle Kleinarbeit hinter der. flüssigen, das, Interesse des Lesers wachrufenden Gesamtdarstellung steckt. Man weiß nicht, was man mehr bewundern soll: die Belesenheit des Verfassers auf dem fast unübersehbaren Gebiet der semitischen und klassischen Philologie oder die Kombinationsgäbe. die ihn an den entlegensten Stellen gleiches oder ähnliches finden läßt, das zur Lösung, der schwebenden Fragen beiträgt. Dabei, gibt sich aber der Verfasser, dem im Verhältnis zu den Forschern auf dem Gebiete der Archäologie des klassischen Altertums nur eine sehr geringe Zahl von Monographieen über talmudisch-archäologische Stoffe zur, Verfügung stand, bezüglich der Kenntnis so verschiedenartiger Realien durchaus keiner Täuschung hin undmacht, auch nicht den Anspruch, in allen Fragen, die er in seiner talmudischen Archäologie. berührt, daS letzte Wort gesprochen zu haben. Vielmehr wollen wir hoffen, daß der Wunsch, den der Verfasser selbst in seinein Vorwort Ausdruck gibt/ sich erfülle, und die Spezialforschung die von ihm ungebahnten Wege einschlage, indem sie sich die einzelnen Teile und Zeitalter seines Werks' zur' Bearbeitungerwähle. Als nicht zu unterschätzende Beigabe sind noch die über das ganze Werk zerstreuten Bemerkungen von Immanuel' Löw zu erwähnen,- der dem Verfasser selbst als „der beste Kenner dertalmudischen Realien" gilt und dem er auch den vorliegenden 1. Band gewidmet hat. Der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums aber gereicht es zur Ehre, der talmudischen Archäologie eine-ihrem inneren Gehalt entsprechende'tadellose Ausstattung gegeben und so - ihren Grundriß um ein neues wertvolles Werk bereichert zu haben, dessen zweiten Band wir mit größter Erwartung entgegensetzen. (Dieser ist'inzwischen erschienen. Die Red.) Dr. Arthur Rosenzweig. * --- Ph. Hauser. Les Grecs et les Semites dans l’histoire de l’humanUe. Pari?, A. Matoine, 25—27 rue de l’^cole de mödecine. 504 S. Ein sehr umfangreiches Buch, das ein großes Stück Welt- und Geistesgeschichte darsteüt. Deo Weltgeschichte mit dem offenbaren Zweck, in ihr die Vervollkommnung des Menschengeschlechts zu sehen und nachzuweisen, daß manche Völker den besonderen Beruf haben, die Menschheit.zu fördern. Auch gewisse biologische Grundsätze sind berücksichtigt. Für uns kommen indes nur die Teile in Betracht, in denen von Juden die Rede ist. Die zahlreichen Abschnitte also, die über den Orient im allgemeinen, wie Araber usw. handeln, können hier überhaupt nicht berührt werden. Und auch von den die Juden behandelnden Abschnitten kommen für uns im wesentlichen nur die der Neuzeit bestimmten in Betracht. Wie weit also die ersten Partien über die Entwicklung des Monotheismus, Kampf dieser Richtung mit dem Polytheismus, Versöhnung der griechischen und jüdischen Kultur in Aegypten, Streit zwischen Christentum und Judentum, Hervortreten, des Judentums in Babylonien, der modernen Forschung entsprechen, wie weit in den dem Mittelalter < gewidmeten, z. B. in dem folgenden: „Einfluß der griechisch-arabischen Kultur auf die Entwicklung der religiösen Philosophie unter den Juden Spaniens" Neues entwickelt oder. Altes geboten wird, vermag ich nicht zu sagen. Was die neuere Zeit betrifft, so geht der Verfasser gewiß zu weit, denn was Leibniz, Pascal, Bayle, Locke, die ganze englische Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts in unserem Werke zu tun haben, läßt sich doch wohl schwerlich feststellen. Viel eher hätte eS zu dem Thema des Verfassers gehört, zu zeigen, wie z. B. durch Reuchlin und die folgenden Hebraisten, durch Luther und die Bibelübersetzer überhaupt doch eigentlich erst recht der Einfluß des jüdischen Geistes und der jüdischen Bücher auf die Menschheit begonnen hat. Und wenn ich über die Griechen ein Wort sagen, darf, obgleich das ja eigentlich in diese- Zeitschrift nicht gehört, so hätte die große Renaissancebewegung, das Wiederauskommen der griechischen Studien in viel breiterer Weise dargelegt werden müssen, als das hier geschieht. Doch bleiben wir bei unserem Gegenstände stehen. Gerade die. Erwähnung des Judentums fehlt da> wo man sie erwartet. Wenn z. B. von Kant die Rede ist, so hätte, wie es von Cohen und Stein neuerdings in Deutschland geschehen ist, gezeigt werden,müssen,. wie dieses System mit dem Judentum verwandt ist, bzw. welche Wirkung es auf einzelne Juden und damit aus das jüdische Geistesleben, geübt hat. Auch in den Teilen, welche mit der neuesten Zeit sich beschäftigen, findet sich eine sehr starke Mischung von Nötigem und Unnötigem, denn wir könnten doch fragen: was benötigt man für dieses Werk der Auseinandersetzung über. Hegel, Fourier, Spencer, und wenn: schon die Darstellung von Boerne. Heine, Lässalle, Marx hierher gehört, so muß man sagen, daß die Darstellung aller dieser.Personen äußerst nichtssagend ist — die „tiefe Gelehrsamkeit", die Heine zugeschrieben wird, wirkt geradezu seltsam. Auch in .den letzten Abschnitten glaubt man häufig einen Abriß der allgemeinen Kulturgeschichte vor sich zu haben, nicht aber-ein einem speziellen Gegenstände gewidmetesBuch, denn sonst wüßte man wirklich nicht, wieder; Kulturkampf, Richard? Wagner, Hartmann,. Nietzsche