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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-05-05 · Heft 18 (5.5.1911) · p. Seite 213

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 18 (5.5.1911)
Date
1911-05-05
Page
Seite 213 (sequence 9)
Language
German
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es Bedeutung für die Lösung von streitigen Fragen der älteren deutschen Wirtschaftsgeschichte überhaupt, so daß vielleicht noch mancherlei Erörterungen sich daran knüpfen werden. .; ■ Seim Lämpchen. Roman von Peter UjvLri. - Berechtigte Übersetzung von Rosa Trencsäni. XIII. ^^esorgt betrachtete Bruchele ihren Mann: „Du wirst ermüden, Berele, sprich" nicht so viel. Möchtest Du nicht eine Kartoffel essen? Blümele hat gestern vier Stück für Dich aufgehoben." Berele fuhr ärgerlich auf: „Für mich? Warum gerade für mich? Und warum hat sie sie weggelegt? Wieso hat sie gewußt, daß ich hungrig sein werde? Hat sie sie aufgehoben, so esset sie selbst." . „Zwei davon gehören Dir." Berele wollte nichts davon hören, doch Bruchele drang so lange in ihn, bis er sich erweichen ließ, und der Frau zuliebe die zwei Kartoffeln aß. , „Nur Dir zu Gefallen esse ich, Bruchele," behauptete er eigensinnig, >,nur Dir zu Gefallen. Und wenn ich schon esse, so will ich Dir auch bekennen, daß es mir schmeckt. Die Kartoffel ist überhaupt ein sehr gutes Essen." „Für morgen sind schon wieder keine da," stammelte traurig die kranke Frau. Berele brach in schrilles Gelächter aus: „Für morgen, Bruchele? Morgen ist ja Donnerstag. Schowewem, Bruchele, Schowewem. Wer wird morgen essen? Morgen fasten wir." Bruchele wurde noch trauriger. Berele schaute sie an und verstummte dann, denn plötzliche Rührung schnürte ihm derart die Kehle zu, daß ihm das Sprechen schwer fiel. Doch nahm er sich alsbald zusammen. Die Frau könnte noch glauben, daß ihm das morgige Fasten so nahe gehe. „Ein schönes Fasten ist das morgige," begann er unsicher, doch, als er das erste Wort herausgebracht hatte, überströmte seine. Begeisterung derartig, daß sogar Blümele aus der kalten Küche hereinkam, um seinen Worten zu lauschen. „Doch meinst Dü, daß nur das morgige? Jedes Fasten ist schön. Was heißt das, schön? Herrlich sage ich. Der Mensch steht in der Frühe auf und fastet. Nun, ist das keine schöne Sache? Warum fastet er? Weil er fromm und religiös ist. Diejenigen, welche essen, essen die vielleicht Gott zu Gefallen? Teufel auch! Essen ist keine Kunst. Ihrem Magen zuliebe essen sie, wie der Ochse. Was für Juden sind das? Hat uns Gott vielleicht deshalb seine heiligen Gebote gegeben, damit wir nur immer essen sollen? Essen kann auch der Türke. Also mögen die nur essen. Ich möchte nicht um die Welt ein Türke sein. Könnte ich denn ohne Fasten leben? Du. kannst Dir nicht vorstellen, Bruchele, wie gern ich faste. Ich begreife gar nicht, wie diejenigen ihre Religion lieben können, die nur einmal im Jahre fasten müssen. Was für eine Religion ist das? Unsere Religion, das ist eine Religion. Eine wunderschöne Religion. Der Mensch kann so oft fasten, als er allein will. Nicht wahr Blümele?" Blümele schwieg. „Morgen wirft auch Du fasten, nicht , wahr Blümele?" fuhr Perele fort. „Du müßtest nicht fasten, da Du ein Mädchen bist, aber warum sollst Du nicht fasten? Warum sollst Du Dir nicht auch eine Mizwe *) erwerben?" Berele hätte noch weiter die Wonne des Fastens gepriesen, doch er schwieg, da ein Gast kam. „Berele," sprach Heimlich besangen, „glaube mir, ich bin kein schlechter Mensch, und daß ich jene Narrheit begangen habe, dafür habe ich schon gebüßt. Berele, verzeihst Du mir?" Berele blickte würdevoll auf den zerknirschten Mann. „Was für Rede ist das, Reb Ore?" sprach er mißbilligend. „Was bin ich? Bin ich ein Landrabbiner? Was krümmst Du Deinen Rücken vor mir, als wenn Du einen Buckel hättest. Ich möchte gern wissen, was ich Dir verzeihen soll? Hab" ich nicht Recht, Bruchele? Ich sage, Reb Ore, daß ich Dir nichts zu verzeihen habe. Und warum? Weil nichts geschehen ist. Nichts, Reb Ore. Du sagst, daß jene Bocher-Geschichte? Du glaubst doch nicht, daß ich Blümele jenem Bocher gegeben hätte. Wer ist denn jener Bocher? Der ist für eine Schneiderstochter gut, aber für meine Tochter! Nein, Reb Ore, für meine Tochter nicht." Heimlich wäre aus Freude über diese Worte beinahe aus der Haut gefahren. Nachdem er so die Vergangenheit geordnet hatte, lenkte er das Gespräch auf den eigentlichen Zweck seines Besuchs. Er begann damit, daß er eine gute Nachricht bringe. Von Bereles Gesicht schmolz die schroffe Autorität und machte freundlicher Heiterkeit Platz. Auch Bruchele und sogar Blümele lächelten. „Berele," rückte Heimlich mit der Botschaft heraus, „halte Dich an den Sessel fest, ich bringe eine große Neuigkeit. Du hast ein Amt bekommen. Die Gemeinde hat an Dich gedacht und Dir ein Amt verliehen." Berele erhob sich. „Nu, was Hab" ich Dir gesagt, Bruchele?" frug er und reckte sich dabei stolz empor. Da setzte sich auch Bruchele, auf den Ellbogen gestützt, im Bett aufrecht, und Blümele kam näher. Heimlich schlürfte geradezu das Vergnügen. Auf solchen Erfolg hatte er gar nicht gerechnet. Und er begann erst nur tastend, und dann kühner geworden, damit zu prahlen, daß auch er ein Verdienst an der Sache habe. Er sprach weitschweifig und umständlich. Die kleine Familie lauschte ihm mit gespannter Neugierde und zurückgehaltenem Atem. Endlich kam er auf die winterlichen Fastentage zu sprechen. „Ich habe gesagt," schloß er seine Rede, „Berele ist ein braver Mensch, ein-religiöser Mensch. Möge er der Schowewem- Faster sein." Bereles Gesicht wurde düster. Und wie ihn Bruchele anblickte, lächelte sie auch nicht mehr. - „So, . Reb Ore," sprach Berele in ungewöhnlich dumpfem Tone, „das hast Du gesagt?" „Wirklich, das habe ich gesagt. Der Erwerb ist nicht groß, aber sehr schön. Berele fuhr auf: „Und Du hast geglaubt, daß ich das annehmen werde?" „Aber Berele!" „Und die Gemeinde hat geglaubt, daß ich das annehmen werde? Also was bin ich denn? Bin ich vielleicht. ein *) Verdienst.

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