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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-04-28 · Heft 17 (28.4.1911) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 17 (28.4.1911)
Date
1911-04-28
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Ä 'übersehe^ wird aber noch mehr getan werden müsset,- damit wieder geordnete Zustände herbeigeführt werden. Ich habe daher aus Gründen der Humanität, und weil die Palästina-Verwaltung, welche ihren Sitz in Deutschland hat, mir geeignet und willig erscheint, weitere'Hilfe zu leisten. Ihren Vertreter bei dem hiesigen Gouverneur eingeführt, damit auch dieser für die Hilfsaktion sich interessiere; es handelt sich nach meiner Ansicht darum, Maßregeln zu ergreifen zur Linderung der augenblicklich dringenden Not, von welcher zirka 700 Greise betroffen sind/sowie eine Anzahl von Familien, die bisher in hiesigen Talmudschulen ihren Lebensunterhalt hatten- und ich hoffe,' daß der Hilferuf, den die Deutsch-holländische Palästina- Verwaltung hat ergehen lassen, überall entsprechenden Widerhall finden wird. Der Kaiserliche Generalkonsul (gez.) Schmidt." Weitere Spenden nehmen die Bureaus der Deutsch-holländischen Palästi',a> Verwaltung in Frankfurt a. M. (Schützenstroße 14) und Berlin (Heidereutergasse 4), sowie das Frankfurter Hilfskomitee für die notleidenden Brüder im Auslande (Kassierer Dr. Israel Roos,, Schöne Aussicht 5) entgegen. -6- Ellwarrgen (Württemberg), 18. April. Der Privatier Leopold Weil beging mit seiner Ehefrau Hanna, geborene Neuburger, am. Sonntag (den 9. April in seltener Geistesfrische und körperlicher Rüstigkeit, umgeben von seinen Kindern, Enkeln, einer Urenkelin und Verwandten das Fest der goldenen Hochzeit. Leopold Weil widmete sich in jungen Jahren dem Buchdruckereigewerbe, war in mehreren Städten Norddeutschlands und in Wien tätig, und übernahm später, nachdem er das Zeitungswesen gründlich kennen gelernt hatte, die Leitüng des Amtsblatts Ellwangen, das er kurz darauf als Eigentum erwarb und durch unermüdlichen Fleiß im Verein mit hervorragender Begabung zu hoher Blüte brachte. Im Juli 1903 verkaufte er seine ausgedehnte Buchdruckerei mit dem Verlag der „Jagstzeitung" an die Aktiengesellschaft „Deutsches Volksblatt" und lebt seitdem als Privatier in Ellwangen. Der König von Württemberg ließ den Jubilaren durch den Vorstand der Stadt Ellwangen eine Bronzeplakette mit seinem Bildnis und mit Widmung überreichen, der Regierungspräsident des Jägstkreises zeichnete sie durch ein Handschreiben aus, in welchem er in warmen Worten Weil als Nestor der württembergifchen Journalistik feierte. Von nah und fern hatte' sich das Jubelpaar zahlreicher Beweise der Verehrung und Wertschätzung zu erfreuen; alle Kreise der Stadt Ellwangen, ohne Unterschied der Konfession, nahmen an dem Fest teil und lieferten so den Beweis, welches Ansehen die Jubilars genießen, die treue Anhänger des jüdischen Glaubens sind. Gesterreich-Angarn. K. Wien, 18. April. Die „Neue/Freie Presse" brachte kürzlich einen hochinteressanten Artikel von dem bekannten Publizisten S. Münz, betitelt „Eine Audienz b?i Königin Elisabeth vonRumänien". Der Autor berichtet, daß er am 22. Llpril 1910 die Ehre hatte, von Königin Elisabeth in fünfviertelstündiger Audienz zugleich mit Sir Max Waechter empfangen zu werden. Tie Königin überreichte bei dieser Gelegenheit den Herren ihr Werk „Mein Penatenwinkel", das die hohe Frau die Memoiren ihrer Seele nennt. Dieses Buch ist den Freunden ihrer Jugend gewidmet. Das vierte Kapitel des „Penatenwinkel" handelt von Jakob Bernays. S. Münz schreibt darüber: „Nichts in diesem Buche erscheint mir so bezeichnend für den Charakter der Königin wie eben das Kapitel Bernays. Jakob Bernays war ein Freund des Wiedschen Hauses, und Mutter und Tochter, die Fürstin zu Wied und die . spätere Königin von Rumänien lauschten seinen Worten." „Aber gegessen hat er nicht bei uns." schreibt die Königin, „was mich als Kind oft betrübte. Er erklärte, da er Jude sei, so wolle er an seinen Gebräuchen festhalten. Er hat einen nachhaltigen Einfluß ausgeübt durch die Macht seiner Persönlichkeit und seines ausgedehnten Wissens. Damals hatte er einen großen Kummer darüber, daß sein Bruder Christ wurde! Ich muß sagen, er hatte recht.. Ich habe ganz das Gefühl der Rumänen, die von einem Uebergetretenen sagen: „8a turcit!“ Er ist Türke oder Mohamme^ daner geworden. Das sagen sie auch von einem, der Christ ünrd. Da alle Religionen Menschenwerk sind und wir den lieben Gott, nach unserem Bilde schaffen, so hat es auch gar keinen Zweck, die Kirche, in der man geboren ist, zu verlassen: Man sollte suchen, dieselbe höher zu bringen, zu reinigen und zu Veredeln." Wie Königin Elisabeth über die Religionen im allgemeinen denkt, berichtet der Autor: „Bernays," so lautet eine Stelle in dem Buche, das sie mir schenkte- „sagte immer, die einzige Religion, die von jeglichem Fetischismus frei ist. sei die jüdische. Er hatte recht. Denn das Christentum hat sich allem Fetischismus, den es in den verschiedenen Ländern vorfand, anbequemen müssen. Wenn das Christentum noch das wäre, wie es aus Christi Mund kam, so wäre es eine andere Reiligion als . das, was wir heute so nennen. Wenn wir unser Tun und Denken mit der Bergpredigt zusammenhalten. so können wir nur verstummen und erröten." Die Königin begreift es, daß, da sich die Religionen in den Kirchen verweltlicht und verstöfflicht hatten, die geistig hochstehenden Menschen sich vielfach von der Religion abgewendet haben. „Seien wir/ sagle sie, „ganz ehrlich gegen uns selbst. Was würden wohl die heutigen Christen tun, wenn Christus wieder erschiene? Ich fürchte, sie würden nicht einmal Hosiannah schreien, sondern ihn sofort für einen gefährlichen Sozialisten erklären, und wenigstens in ein Irrenhaus sperren. Tolstoi hat dem Christentum streng nachleben wollen und es in der Tat verwirklicht, und er ist moralisch so gut wie gekreuzigt worden, zumal als er die Schächer aus dem Tempel zu jagen anfing und sie Ottergezüchte nannte, als er so viel Wahn und Heuchelei aufdeckte, mit dem das Christentum umhängt worden. Das Christentum selbst blieb nur solange rein, als es verfolgt war. In der Stunde, da es zu Macht ünd Ehre gelangt war, hörte es vollkommen auf, Christentum zu sein. Kehrte Christus jetzt wieder, so würde er erstaunt sein, zu sehen, wer sich Christ nennt." Münz berichtet ferner: „Indem die Königin Bernays gedachte, bedauerte sie .es, daß sie ihn nicht mit Renan, mit dem er in Briefwechsel stand, nicht mit Tolstoi zusammen sehen konnte, denn solche drei Männer miteinander Gedanken austauschen hören, wäre für sie ein großer Genuß gewesen." Vielleicht als Anspielung auf die Judenverfolgungen in Rumänien machte die Königin die Bemerkung, daß man im großen Publikum den Einfluß einer Königin überschätze. „Glauben Sie," meinte die Königin, „daß es unser einem vergönnt ist, Sympathien und Antipathien so frei walten zu laffen wie manche Personen, die in ihrer sozialen Stellung unter uns stehen? Gesetzt den Fall, daß ich Grund habe, aus rein menschlichen Motiven jemanden nicht zu mögen, glauben Sie, daß ich mich zum König darüber frei äußern kann? Ganz unmöglich." Von Sah und jfrrn. — Dem aus seinem Amte scheidenden Seminardirektor Dr. Michael Holzman in Berlin wurde von seinen ehemaligen Schülern eine Büste von Comenius, dem Propheten unter den Pädagogen, gestiftet, die einer seiner ältesten Zöglinge, Herr Dr. Barol, in tiefempfundenen Worten als Zeichen ihrer dankbaren Anhänglichkeit und herzlichen Verehrung überreichte. — Am 25. d. M. ist Rabbiner Dr. Raphael Ungerleider nach langem Leiden im Alter von 77 Jahren gestorben. Nekrolog folgt. — Zu Ehren des nach 40jäbrigem erfolgreichen Wirken aus seinem Amt scheidenden Lehrers S. Friedländer in Wronke veranstalteten dessen ehemalige Schüler ein Abschiedsdiner. bei welchem dem greisen Lehrerpaar von seiten der jüdischen Gemeinde, verschiedentlicher Vereine und besonders von seinen einstigen Schülern herzliche Worte der Anerkennung und des Dankes gezollt wurden. — Aus Posen wird uns geschrieben: Am Beginn des Sommerhalbjahrs betrug die Schülerzahl im Königlichen Friedrich - Wilhelms - Gymnasium zu Posen 565 und 112 in der Vorschule; am 1. Februar 552 bzw. 119; von diesen waren 166 und 47 jüdisch. — Der Oberlehrer am Königlichen Friedrichs- Gymnasium zu Breslau, Herr Professor Dr. Rubens ohn, welcher während des ganzen Schuljahres für wissenschaftliche Reisen beurlaubt war, scheidet von der Anstalt, um die Stelle des Direktors des Römer-Museums in Hildesheim zu übernehmen. — In Leobschütz wurde in der. letzten Stadtverordnetensitzung an Stelle des Stadtältesten Hollaender, der sein Amt aus Gesundheitsrücksichten und wegen seines hohen Alters niedergelegt hat, der frühere Dampfrnühleybesiher Rentier Heinrich Magen einstimmig zum Stadtrat gewählt. — Der stellvertretende- Vorsitzende des Verbandes der

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