Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1911)
- Date
- 1911-04-28
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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wie er in seinem demnächst erscheinenden . Jahresbericht mitteilt, dem „Deutschen Nationalkomitee zur Bekämpfung des 'Mädchenhandels?, angcschlossen. lDem jüdischen Zweigverein dieses Nationalkomitees gehört der Hilfsverein in Verbindung mit der Großloge für Deutschs land bekanntlich schon seit langen Jahren an.) — Auf der von der Jewish Association for the protection of girls and women in London im Vorjahre einberufenen Konferenz war der Hilfsverein durch die Herren Geheimrat Maretzki, Paul Laskar-Hamburg und Dr. Rosenak-Bremen vertreten und ebenso, auf. dem Ende Oktober vorigen Jahres in Madrid abgehaltenen Internationalen Kongreß zur Bekämpfung des Mädchenhandels durch Herrn Paul Laskar: Der verdienstvolle Vorkämpfer für die Bestrebungen zur Bekämpfung des Mädchenhandels, Herr Geheimrat Maretzki, hat übrigens jetzt eine wirkungsvolle Instruktionausgearbeitet, nach der in Zukunft die Grenzkomitees des Hilfsvereins gemeinsam mit den russischen Komitees der „I. C. A." in noch gesteigertem Maße als bisher den Kampf gegen den Mädchenhandel führen werden. St. SMensteirr, 18. April, Am 1. d. M. beging Herr Kantor W Karo fein 25'jähriges Jubiläum als Kultusbeamter der. hiesigen Gemeinde. Er blickte an diesem Tage zugleich auf. eine 40 jährige Dienstzeit zurück, von welcher 25 Jahre Jahre auf unsere Gemeinde entfallen. In der überaus hervorragend geschmückten Synagoge feierte Herr Rabbiner Dr. Olitzky in seiner Sabbatpredigt den Jubilar als. den formvollendeten Kultusbeamtem der es verstanden hat, die Liebe aller Gemeindemitglieder sich zu erwerben, ein echter Hausfreund überall zu werden, und flehte zum Schluß Gottes Segen über ihn und seine Familie herab. Eine Reihe von Vereinigungen, deren Vorstand der Jubilar zum Teil seit ihrer Gründung angehört, ließ durch Deputationen ihm ihre Glückwünsche abstatten, so die Synagogengemeinde durch die Herren Sanitätsrat Dr. Kamnitzer und Woythaler, der Verein für,jüdische Geschichte und Literatur durch Herrn Ghmnasialoberlehrer Levy, die Chewra; Kadischa durch Herrn Jakob Silber st ein. Die Sprecher der Abordnungen überreichten wertvolle Ehrengaben. Das Lehrerkollegium der Luisenschule, zu welchem auch die Tochter des Jubilars gehört, sandte mit einem Begleitschreiben eine Palme. Gerührten Herzens dankte der Jubilar in seiner bescheidenen Weise auf jede Ansprache. Anstatt eines Geldgeschenks hat die Gemeindevertretung den Jubilar unter Belastung aller seiner Einnahmen durch Anstellung eines zweiten Beamten vom Schächterdienst gänzlich entbunden und sein einstiges Ruhegehalt festgesetzt. Am 16. d. M. erschienen als Vertreter des Vereins jüdischer Religionslehrer Ostpreußens und des Vorstandes der Pensionskasse die Herren Sturmann, Peritz und Davidsohn und überreichten dem Mitvorsteher und Kollegen einen Tafelaufsatz als Anerkennung für seine Leistungen und sein Wirken im Verein. Seiner Ansprache legte der Vorsitzende Sturmann denselben Text zugrunde (Jirm. 31, 16 und 17), den er vor.22 Jahren bei dem 25 jährigen Jubiläum des' seligen Kultusbeamten Tonn in derselben Gemeinde an führte.. Ein Mittagsmahl, bei welchem die Herren Dr. Olitzky, Peritz und Vorsteher Weinberg Trinksprüche aus. brachten, beschloß die schönen Festtage. *.* Graudenz, 21. April. Der. Westpreußische Rabbinerverband hielt am 5. April zu Graudenz im Sitzungszimmer der Shnagogen-Gemeinde seine Jahresversammlung ab, bei der auch der Gemeindevorstand durch zwei Mitglieder vertreten war. Einige Kollegen waren leider durch Krankheit und andere Abhaltungen am Erscheinen verhindert. Nach Begrüßung der Erschienenen durch den Vorsitzenden Dr. Rosenberg-Thorn und den Gemeindevorsteher Kommerzienrat Belgard erstattete ersterer den Jahresbericht, der sich im wesentlichen auf die Verhandlungen bezog, die im Laufe des Geschäftsjahres mit dem Rabbinerverband in Deutschland, dem Verband der Deutschen Juden und anderen Körperschaften gepflogen worden waren. — Ueber die Punkte des Berichts, die außerhalb der festgesetzten Tagesordnung lagen, entspann sich eine rege Diskussion. Zunächst wurde die Stellungnahme zum Antrag des Oberschlesifchen Rabbinerverbandes an den Rabbinerverband in Deutschland, „die. Schaffung einer Zentralkasse zur Unterstützung leistungsschwacher Gemeinden herbeizuführen," dahin präzisiert, daß dieser Plan ge- Ordert werden solle, falls die Gesamtorganisation der Deutschen Juden auf Grund der Vorschläge deS Rabbinerverbandes in Deutschland nicht zustande kommen sollte. — Alsdann gelangte der Antrag Dr. Kaelters-Danzig zur Annahme, die Synagogenvorstände durch Vermittlung des Westpreußischen Gemeindeverbandes zu veranlassen, bei ihren Stadtbehörden wegen der Wahl ihres Rabbiners in. die städtische Schuldeputation vorstellig zu werden, da in allen anderen preußischen Provinzen außer Westpreußen und Posen dies gesetzlich vorgeschrieben sei. — Auf eine Zuschrift der Gemeinde Strasburg hin erklärten alle anwesenden Rabbiner einstimmig, und sie waren hierbei auch der Zustimmung der abwesenden Kollegen sicher, daß kein Verbandsmitglied in einer dem Jnspektionsbezirk eines änderest Kollegen zugehörigen Gemeinde eine Amtshandlung ohne vorherige Genehmigung des zuständigen Inspizienten übernehmen dürfe. Auch soll der Deutsch-Israelitische Gemeindebund ersucht werden, künftighin im Jahrbuch die Zugehörigkeit der Gemeinden zu den Jnspektionsbezirken zu vermerken. — Hierauf erstattete der Kassenwart Dr. Guttmann-Kulm den Kassenbericht. Ein Mittagessen, von der Graudenzer Gemeinde den Gästen zu Ehren gegeben, unterbrach danach die Verhandlungen. An der Tafel, an welcher mehrere Mitglieder des Vorstandes und der Repräsentantenverfammlung teilnahmen, toastete Herr Kommerzienrat Belgard auf den Rabbiner- , verband, Herr Dr. Rosenberg auf die Gemeinde Graudenz, Herr Dr. Loevh-Graudenz auf das Zusammenwirken von Gemeindebehörden und Rabbinern. — Nach der N/z stündigen Pause wurde wieder in die Tagesordnung eingetreten und in eingehender Weise §§ 27 und 28 des Organisationsentwurfs besprochen. Man gelangte zu folgender Fassung: „Bei allen Beratungen des Vorstandes und der Gemeindevertretung über religiöse Unterrichts- und Wohltätigkeitsangelegenheiten und -Einrichtungen ist der zuständige Rabbiner als beratendes Mitglied zuzuziehen.! Bei Aenderungen des bestehenden Kultus oder Ritus steht dem Rabbiner ein Suspensionsveto zu (gemäß den Beschlüssen des Rabbinerverbands in Deutschland)." — Von der Eingabe an die Behörden bezüglich der Uebernahme der Gesamtkosten für den jüdischen Religionsunterricht an den höheren Lehranstalten, betreffs welcher Sache mit dem Verband der Deutschen Juden und dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund seit längerer Zeit Verhandlungen gepflogen worden waren, wurde aus Opportunitätsgründen vorläufig Abstand genommen. Dagegen soll die Regierung durch Vermittlung des Westpreußischen GemeindeverbandeS angegangen werden, die Inspektion des jüdischen Religionsunterrichts an den Volksschulen dem zuständigen Rabbiner zu übertragen. — Im Anschluß an das Referat von Dr. Loevy über den Gesetzentwurf der Privatbeamtenversicherung wurde der Beschluß gesüßt, den Rabbinerverband in Deutschland zu ersuchen, dahin zu wirken, daß die Segnungen des geplanten Gesetzes sich auch auf die Rabbiner erstrecken.. — Das geplante Referat über die Einführung des Hebräischen bei dem jüdischen Religionsunterricht an den höheren Lehranstalten soll auf der nächsten Versammlung von Dr. Kaelter, das Korreferat von Dr. Loevy gehalten werden. Der von Dr. Rosenberg übernommene Vortrag über den systematischen Religionsunterricht konnte aus Mangel an Zeit nicht mehr gehalten werden. Nachdem dieser noch die Bildung von Jugendvereinen warm empfohlen, eventuell als Jugendabteilungen bei Literaturvereinen, und an Stelle des nach Mecklenburg berufenen Dr. Silberstein- Elbing, Dr. Loevy zum. Schriftführer gewählt worden war, wurde die Versammlung geschlossen, aus welcher die Teilnehmer manche schätzenswerte Belehrung und Anregung mit in ihr Berufsleben genommen haben dürften. £2 Frankfurt a. M., 21. April. Der Deutsch-holländis ch e n P a lä st i n a-V er w a l t u n g ist vom Kaiserlich deutschen Konsulat in Jerusalem nachfolgendes amtliches Schreiben zugegangen: „Kaiserlich deutsches Konsulat J.-Nr. 973. Jerusalem, 7. April. Durch Ihren hiesigen Vertreter, Herrn Rabbiner I. Horovicz. sowie auch durch andere vertrauenswürdige Personen bin ich unterrichtet worden über die Notlage, in welche ein Teil der hiesigen jüdischen Bevölkerung durch den finanziellen Zusammenbruch mehrerer Anstalten, insbesondere der Greisenashle, geraten ist. Ebenso ist es mir bekanntgeworden, daß die Palästina-Verwaltung in so anerkennenswerter Weise eingegriffen hat, um dem dringendsten Bedürfnis abzuhelfen und sich dadurch Anspruch auf den. Dank von vielen Hunderten in ihrer Existenz bedrohten Personen erworben hat. So weit ich die Lage