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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-04-28 · Heft 17 (28.4.1911) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 17 (28.4.1911)
Date
1911-04-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 28. April 1911 Der Demeindevote. Vetlage zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums". korrelpondkn-en und Nachrichten. Deutschland. 5. Berlin, 25. April. In drei Synagogen ' fanden am letzten Sonntag Konfirmationsfeiern statt. In der Neuen Synagoge' legten 15 junge Mädchen das jüdische Glaubensbekenntnis ab und wurden durch eine poetische, schwungvolle und gemütstiefe Predigt des Rabbiners Dr. Bergmann feierlich in die große jüdische Gemeinschaft eingesührt. Das Gotteshaus, von vielen Hunderten besucht, prangte in dem üblichen Schmucke. — Im Tempel der jüdischen Reformgemeinde in der Johannisstraße erfolgte durch Prediger Dr. I e l s k i * die Entlassung von neun konfirmierten Knaben und sechs Mädchen. Auch hier hatte sich eine große Anzahl Andächtiger eingefunden. Prediger Dr. Jelski gab den nun ins ernste Leben tretenden Konfirmanden den Spruch als Leitstern auf dem Lebensweg mit: ,,Ein reines Herz verschaffe mir, o Gott, und einen festen Geist erneuere in mir." Mit Recht, sagte er, stelle der Sänger das Herz voran. Alles Wissen ist tot, wo nicht die reinen Quellen des Herzens fließen, nicht nur das physische - Leben ist am Herzen gebunden/auchdas Leben rm chöHeren Mn ne. Wir -Juden glauben -nicht an "die Erbsünde, Reinheit der Seele ist nach der Schrift ein Geschenk, das jedem zuteil wird; aber dies Gut muß täglich erworben werden, will man es besitzen. Wie in der Natur ist es im Leben, aus dem kleinen Samenkorn wächst der mächtige. Baum empor, aus dem ersten Keim des Bösen, dem wir nachgeben, wächst der alles beherrschende Trieb, Dämonen, die wir nicht mehr los werden. Darum hütet Euch vor dem ersten Schritt vom rechten Wege, denn er führt unentrinnbar weiterauf abschüssiger Bahn. Die sündhaften Phantäsiebilder sind schlimmer als die.Sünde selbst. Zu dem reinen Herzen, müsse Festigkeit des Geistes kommen. Wissen ist gewiß ein Schmuck, aber Wissen ist noch nicht Bildung und Bildung noch nicht fester Geist. Erst wenn bas Wissen sich mit unserem ganzen Wesen zu einer Einheit' verschmilzt, ist Wissen Bildung. Freut Euch^ daß Eure Religion,, die zwar manche, ja viele Opfer fordert, doch nie das Opfer des Intellekts.verlangt, sie fordert gerade zum Denken, zum Erkennen, zum Prüfen heraus, sie kennt keine bindenden Dogmen, läßt den Geist frei und ungebunden walten Nur mit reinem Herzen und festem Geist erfassen wir die hohen Ideale des Guten, Schönen und Wahren." — Schließlich fand auch in der Synagoge Lindenstraße die Einsegnung von 14 Konfirmandinnen statt. Sie wurde von Rabbiner Dr. Blumenthal in ergreifender und erhebender Weise vollzogen. Auch hier wohnte eine zahlreiche Teilnehmerschaft dem feierlichen Akte bei. 8. Berlin, 21. April. Wie schon mitgeteilt, übernimmt Dr. Spanier aus Münster die Leitung der jüdischen Mädchenschule erst zu Michaelis d. I. Bis dahin ist mit der Erledigung der Rektoratsgeschäfte Herr Lehrer Falkenberg betraut worden. Die Schlußfeier gestaltete sich sehr erhebend. Im Aufträge des Talmüd- Thora-Vorstandes war Geheimrat Professor Dr. Geiger erschienen, der dem scheidenden Rektor Dr. Gutmann sowie den in den Ruhestand tretenden Lehrerinnen Frl. Z ucktzr und Frl. Schölila nk tiefempfundene Worte des Dankes und Abschieds sprach.' Frl. Zucker überreichte er sodann im Aufträge des Ministeriums ein Bild der Kaiserin. Dann sprach Dr. Gutm ann. Er wünschte den scheidenden Damen eine lange, glückliche Muße und verabschiedete sich sodann von Lehrern und Schülern. Dr. Samte r sprach im Namen des Lehrerkollegiums, eine Selektanerin für die Schülerinnen. Deklamationen und Gesang eröffneten und beschlossen die Feier. 2Q Berlin, 25. April. Die Nummer 77 der „Mitteilungen vom Deutsch-Jsraelitischen Gemeindepunde" enthält folgende erfreuliche Nachricht: Unser Ausschußmitglied/ Mrr. Siegfried Brünn in Berlin, dessen wohltätiger Sinn sich schon oft zugunsten der Bestrebungen des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes' betätigt hat, hat an den Ausschuß folgenden Brief gerichtet: An den Deutsch- Israelitischen Gemeindebund. Berlin, z. Zt. Rom, den. 26. März 1911' Hierdurch erkläre ich mich bereit, dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund den Betrag von vorläufig 20000 Mark zu überweisen. Ich will mit dieser Summe zwei milde Stiftungen begründen. 1. ^der Summe, also der Betrag von 15 000 Mark, ist dazu bestimmt, mittels, der Zinsen Reise- und Aufenthaltsstipendien an bedürftige Lehrer zu gewähren, die sich an Ferien-Fortbildungskursen beteiligen. 2. Der Rest von 5000 Mark soll eine besondere Stiftung bilden für Prämiengaben an solche Lehrer in kleinen Kultusgemeinden, die sich um die Erhaltung des Judentums dadurch verdient machen, daß sie jüdischejunge Leute beiderlei Geschlechts von Zeit zu Zeit in ihrem Hause über das Judentum, und seine Ausgaben unterweisen. Die Verwaltung beider Stiftungen soll -von der Lehrabteilung ausgeübt werden." Jedoch soll bezüglich der zweiten Stiftung dem Verbände der jüdischen Jugendvereine ein wesentlicher Einfluß zustehen, über dessen Ausdehnung die besonderen Statuten Aufschluß geben. R. Berlin, 21. April. Der Hilfsverein für RawLtschrrzu Berlin .hielt im» „Altstädter Hof".7seine 80. Meneral- 7 veMammluug . ab, diL sehr^gutpe sucht war. ' Der Vorsitzende, Herr - Leopold BaD t,- gedachte in warmen Worten der, im Laufe des letzten Jahres verstorbenen Mitglieder, der Herren Adolf Cohn, Eduard Engel, Paul Lemmlein und Julius Rosenthal-Breslau. Er forderte die Anwesenden auf, das Andenken der Heimgegangenen dadurch zu ehren, daß sie in ihrem Sinne auch weiterhin die Interessen des Vereins fördern möchten. Insbesondere gedachte er des dahingegangenen Herrn Adolf Cohn, den er in treffender Weise als den Brennpunkt, der Zusammenkünfte des Vereins bezeichnete. Die Versammlung, ehrte das Andenken der Verstorbenen durch. Er? heben von den Plätzen. Auf den Bericht des Vorsitzenden über die Tätigkeit des Vereins im abgelaufenen Jahre erfolgte die Wiederwahl der ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder Max Blaß, Ludwig L. Brann, Carl Gutherz und Louis Friedmann, sowie der Revisionskommission. Der Bericht der Revisionskommission wurde.verlesen und ihrem Anträge entsprechend dem Vorstande Decharge erteilt. Der Verein feiert im März nächsten Jahres lein vierzigjähriges Bestehen und beabsichtigtdieses Jubiläum festlich zu begehen. wurde ein Vergnügungskomitee gewählt, daß die Feier vorbereiten soll. Dem Komitee wurde auch ein aus der Mitte der Versammlung gestellter Antrag, häufiger Kereinsversammlungen abzuhalten, zur Beratung überwiesen. 8. Berlin, 25. April. Im'Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde in der Rosenstraße fand letzten-Sonntag mittag die Generalversammlung des Vereins „Israelitisches Lehrerinnenheim zu Berlin E. V." statt. Dem Wirtschaftsbericht erstattete Frau Kalischer, die'darauf besonders hinwies, daß trotz der Verhältnismäßig guten Finanzlage doch, der Verein nicht allen Anforderungen genügen kann. Fräulein Wiesenthal, gab als Vorsitzende der Propagandakommission einige neue Vorschlägezur Erweiterung der Propaganda. In Köln und Dresden wurden neue Zweigvereine begründet. Das Kuratorium wurde durch Akklamation wiedergewählt es wird aus seiner Mitte heraus den Vorstand wählen. Die Versammlung erfreute sich eines, guten Besuchs. «l. Berlin, 25. April. Die Komitees des „Hilfsvereins der Deutschen Juden" haben seit ihrer Begründung stets ihr Augenmerk darauf gerichtet, daß alle verdächtigen Manipulationen, die mit dem Mädchenhandel in Verbindung zu stehen schienen, aufgeklärt wurden. Sie haben seit Jahren "'viel dazu beigetragen, um dem schändlichen Handwerk , der Mädchenhändler entgegenzutreten. In noch bedeutenderem Maße konnte der Hilfsverein den Kampf gegen . den Mädchenhandel aufnehmen, seitdem er in engere Fühlung mit den russischen Komitees der „I. C. A." getreten ist und er nunmehr diesseits und jenseits der Grenze ein wachsames Auge auf alles, was sich Verdächtiges ereignet, werfen kann. Um den Kampf gegen den Mädchenhandel wirksamer führen zu können, hat sich der Hilfsverein-

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