Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1911)
- Date
- 1911-04-28
- Page
- Seite 204 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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. : Maskerade der Seele, Tra gische- Komödie von Joachim Friedenthar. Berlin 1911. Oesterheld & Cie. Verlag. Der Fall Hilsner. Ein europäisches Justizverbrechen. Berlin 1911. Truck und Verlag von A. W. Hayns Erben. , .,,.4 *'1, Homiletische Bibliothek, herausgegeben von Rabbiner I. Nobel/ Filehne, I. Kasualreden, Erste Trauerrede von Rabbiner Israel- Nobel. Verlag von I. Kauffmann in Frankfurt a. M. Allgemeine Religionsgeschichte von Conrad v. Orelli, II. Auflage in zwei Bänden. Erster Band erste Lieferung: Bonn, A. Marcus und E. Webers Verlag, 1911. > Lehmanns jüdische Volksbücherei, Band 60 und 61: Dr. Markus Lehmann, von Tr. Zon Lehmann, zwei Teile. Verlag von J.Kauffmann, Frankfurt 1910. Preis a 50 Pfennig. Grundriß der Gesamtwissenschaft des Judentums. Talmudische Archäologie von Dr. Samuel Krauß, Professor der israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien. Band II. Mit 35 Abbildungen im Text. (Schriften herausgegeben von der Gesellschaft zur Beförderung der Wissenschaft des Judentums.) Leipzig, Buchhandlung Gustav Fock, 1911. Literatur als Ware, Bemerkungen über die Wertung schriftstellerischer Arbeit von W. Fred. Berlin 1911. Im Verlage von Osterfeld. Lelections kor hornes and schools, compiled by Marion L. Misch, Philadelphia. The Jewish Publicalions society 1911. Zionism and liberal Judaism;by the Rev S. Levy, M. A, Printed by Ballanlyne Hanson & Co., Edinburg and London 1911. Year Book of the Central Conference of American Rabbis. Vor lume XX Edited by David Marx, Julian Morgenstern and Max Heller. Year Book edilorial committee. 1910—5670. Containing the Procee* dings of the Convention held in Charlevoix, Michigan, June 28 to July Ar, 1910. The Hebrew Classics. In 25 Volumes, Royal Octavio. The most celebrated works of Post-Biblical Hebrew Liierature, from the third. Century of our era to the present day. The original hebrew text with complete englishtranslation on opposite pages. Introductions and critical appreciations by the leading hebrew scholars of our time Editor-in-Chief: Rev. Dr. Emil. G. Hirsch. To be published by. The National Alumni. 34 Union Square, New York. Sprechfaul. 4 4-nter den mir zugesandten Novitäten befindet sich auch H ein von ersten Fachmännern bearbeitetes borusfisches Sammelwerk mit Heft zur „märkischen Religionsgeschichte" usw. Da wird merkwürdigerweise wohl „Das Magazin für die Wissenschaft des Judentums" und das Hildesheimer Seminar in der Gips-' straße, nicht aber Abraham Geiger, nicht die „Hochschule" usw. erwähnt. Dem „Reformjudentum" (Anführungszeichen auch 1. c.) wird eine ganze Zeile gewidmet, dagegen erhält der „Zionismus" (Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, wobei auch „Die Welt" zitiert wird) 16 Zeilen. M. Fr. * Erklärung. hne die praktische stimuliernde Bedeutung des Zionismus irgendwie zu verkennen, bin ich des öfteren der zionistischen Theorie, dem national-jüdischen Gedanken, in Wort und Schrift entgegengetreten. Ich habe ihm gegenüber vornehmlich den Einwand geltend gemacht, daß - Nationaljudentnm in keinem logischen Zusammenhang mit der jüdischen Religion stehe, daß im Judentum nur eins herrschen könne,1 entweder die Nation oder die Religion, und daß demgemäß eine, Herrschaft des Nationaljudentums nicht nur den heute häufig herrschenden Atheismus von Leuten, die den Namen „Jude" tragen, , sanktionieren würde, sondern daß auch bei Anerkennung eines Nationaljudentums man sehr wohl ein guter „Jude" und dabei ein gläubiger Christ oder Mohammedaner.sein könne. Ich sehe in dieser unbestreitbaren Tatsache nicht nur-, eine unendliche Gefahr für unsere .Religion in der Zukunft, -sondern mehr noch jut bie Gegenwart; denn das Feststehen der. Tatsache,..,daß „christliche Juden" - etwas Mögliches feien, gibt allen Täuflingen eine furchtbare Waffe in die Hand, die wir noch oft-genug in unserem Kam'pf gegen-die Abfallseuche zu spüren bekommen werden. Mit diesem meinem Gedankengang beschäftigen sich nun zwei Artikel des zionistischen Organs („Jüd. Rundschau", Nr. 12 und 13). Sachlich müssen sich beide fast ganz zu nieinem Standpunkt bekennen. Der erste, unter dem Titel „Ein liberaler Trick", Meint zwar, daß ich nur theoretisch im Recht sei- und daß inder Praxis ein solcher „christlicher Jude" unmöglich Vorkommen könne. Er sieht darum ich meinen Ausführungen eine Tüftelei ohne realen Hintergrund. Dieser Einwand will freilich nicht viel besagen; denn bei ehrlich denkenden Menschen gibt es zwischen Theorie und Praxis keine Unterschiede. Scharf stellt sich zudem noch im zweiten'Artikel („Frühlingsgewitter") Dr. Jeremias aus Posen auf meine Seite, weist nachdaß meine Behauptungen sehr wohl einen realen Hintergrund haben und belegt sie zum Ueberfluß mit vortrefflich passenden Beispielen aus der Geschichte. Meine Behauptung, daß man ein guter Nationaljude und dabei ein guter Christ sein könne, ist mir demnach außer, von Dr. Joseph noch von zwei anderen Seiten im Zionismus zugestanden worden; es ist sogar noch mehr zugegeben worden, als ich behauptet hätte, nämlich daß auch in der Praxis von heute sich derartige Fälle ereignen können. Sobald man meine Argumente als-logisch anerkannte/war die Berechtigung meiner Befürchtungen erwiesen. Diesem vom Standpunkt des Zionismus gewiß sehr betrüblichen Ergebnis suchen nun beide Artikel die Bedeutung 311 nehmen und von ihm die Aufmerksamkeit abzulenken, indem sie meine Person mit einer Flut von Schimpfworten und Verdächtigungen bedenken, die offensichtlich verraten, daß sie einer ohnmächtigen Wut entspringen. Schimpfen ist nun kein Argument, und wer schimpft, hat immer Unrecht! Aus diesem Gebiet muß ich mich von vornherein für besiegt erklären, denn mit der Schimpffertigkeit der beiden Artikelschreiber es aufzunehmen, ist mir völlig unmöglich. Ich werde mich nicht verleiten lassen, auf dasselbe niedrige Niveau hinabzusteigen, und diese Flut von recht gehässigen persönlichen Verunglimpfungen, unter denen auch ein kleines Denunziatiönchen an die Adresse meiner Gemeinde nicht fehlt, wird keinen Unbefangenen darüber hinwegtäuschen, daß hier, um den Mangel an sachlichen Argumenten zu verdeckendasselbe verwerfliche Mittel angewandt worden ist, das wir Juden aller Schattierungen mit sittlicher Entrüstung bei der radauantisemitischen Presse vom Schlage der „Wahrheit" und der „Staatsbürger-Zeitung" so oft zu geißeln pflegen. Von einer gerichtlichen Verfolgung des Verfassers des zweiten' Artikels, der mehr noch als der erste inhaltlich und formell die Absicht der Beleidigung verrät, will ich nicht nur aus Gründen, die in der Person des Verfassers liegen. Abstand nehmen. Mehr noch leitet mich der Gedanke, daß es dem Ansehen unseres deutschen Judentums nicht sonderlich förderlich sein kann, wenn der Oeffentlichkeit dargelegt werden müßte, welche tadelnswerte Mittel manche Kreise unseres Judentums anwenden, sobald ihnen in sachlichen Streitigkeiten die wirklichen Beweisgründe zu fehlen beginnen. Die zionistische Kampfesweise wird am besten durch folgendes, interessante Detail gekennzeichnet. Man hat es für angebracht gehalten/ mit einem ausdrücklichen Hinweis auf den Schmähartikel von Jeremias die betreffende Nummer der „Rundschau" an die einzelnen Vorstandsmitglieder meiner Gemeinde zu senden, in der durchsichtigen Tendenz, beu Rabbiner beim Vorstande zu denunzieren und. sein Ansehen in seiner Gemeinde herabzusetzen. Ich habe dem nichts hinzuzufügen! Ich glaut e, daß es genügen Mird, diese Tatsache und die darin zum Ausdruck kommende saubere Gesinnung niedriger zu hängen! Ich darf ferner annehmen, daß ebenso wie der Vorstand meiner Gemeinde auch jeder anständige Zionist für ein solches feiges Denunziantentum die gebührende tiefe Verachtung empfinden wird. - Dr. Felix Goldmann-Oppeln. Druck und Verlag :von Rudolf Mo ff ein Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwih in Berlin..