Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1911)
- Date
- 1911-04-28
- Page
- Seite 203 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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die Idee und so war sein Widerspruch vergeblich. Man ernannte Berele zum Schowewem-Faster. „Na, Reb Tojwije," sprach Eibisch, der Vorstand, nach der Beratung zu Rotfleck, „ich versichere, daß Sie sich ein Stück Himmelreich erworben haben. Jetzt eilen Sie zu Beers hin und bringen Sie ihnen die gute Nachricht." „Daß sie mich hinauswerfen sollen?" antwortete Rotfleck verschmitzt. „Soll nur ein anderer Narr damit hingehen." „Ich werde es ihm schon sagen lassen," sprach endlich Eschkeles. Zu Hanse erzählte er Esterchen, was man beschlossen hatte. Er wußte die Sache derart auszumalen und der Fasten-Mission eine solch religiöse Bedeutung beizulegen, daß Esterchen den Eindruck gewann, als ob man ihren Schützling mit weiß Gott welch einer heiligen Aufgabe betraut hätte. Rasch kleidete sie sich um und eilte zu Beers hin. Unterwegs begegnete ihr Heimlich. Sie wollte ihm ausweichen, da sie ihm wegen seines herzlosen Streiches grollte, doch als Heimlich grüßte, grüßte sie zurück und fühlte auch schon in derselben Minute Mitleid mit ihm, denn der Mann schien ihr niedergeschlagen zu sein. „Was machen Sie, Onkel Ore?" frug sie freundlich. „Danke Fräuleinchen. Nun, der Mensch findet eben etwas, womit er fortwursteln kann." „Schwer ist es, in Ihrem Alter ein neues Handwerk zu beginnen. Sehen Sie, Onkel Ore, warum haben Sie jene närrische Sache angestiftet?" „Weiß der Teufel, Es war gewiß von Gott. Einmal wirft der Fleischhauer den Ochsen zu Boden, ein andermal der Ochse den Fleischhauer." - „Wie befindet sich Tante Genendl?" „Ganz gut. Sie zankt und versöhnt sich. Diese Frau hat ihresgleichen nicht. Sie ist gut wie ein Engel. Selbst ihre Zankerei ist lauter Zucker. Eine andere Frau möchte in einem solchen Falle auch das Fleisch von ihrem Manne herunternagen. Nicht? Und Genendl? Gott bewahre! Sie zankt bloß, versöhnt sich aber immer wieder." „Onkel Ore," sprach Esterchen mit plötzlichen Entschlüsse, „ich sage Ihnen etwas. Versöhnen Sie sich mit Beers, wie, wenn man Ihnen dann das Hackrecht wieder zurückgibt?" „Ich möchte mich ja gern mit ihm aussöhnen, doch glaube ich nicht, daß sie es auch tun wollen." „Auch sie werden es wollen, wenn sie wahrnehmen, daß Sie ihnen gut sind. Schauen Sie, die Gemeinde hat Onkel Berele eine Stelle gegeben. Er weiß es noch nicht. Ich wollte ihm die Botschaft überbringen, doch es ist besser, wenn Me gehen. Gehen Sie, Onkel Ore, damit werden Sie die Leutchen aussöhnen, Sie werden schon sehen." Sie erzählte haarklein, wovon die Rede war. Heimlich gefiel der Einfall, obschon der Gedanke, Blümele unter die Augen zu treten, die er aus lauter närrischem Leichtsinn so sehr beschämt hatte, ihm einige Herzbeklemmung verursachte. Esterchen empfahl sich und war glücklichem einem Wege zweierlei Gutes getan zu haben. Heimlich schlenderte langsam in die Richtung von Beers Haus hin und legte sich unterwegs mit großer Ueberlegnng in seinem Kopfe das zu Sagende zurecht; er versteht ja doch mit den Leuten zu sprechen. Berele war zu Hause, saß an Brucheies Bett und las ihr aus einem hebräischen Legendenbuche Geschichten vor. Wunderbar schöne Geschichten von heiligen Menschen, die Wunder vollbracht haben. „Das heiße ich Menschen, was?" prahlte Berele, als ob die vielen Heiligen alle seine Vorfahren wären. „Wie haben die beten können! Wenn ich bedenke, Bruchele, -daß das Juden waren und. daß auch ich Jude bin, so hüpft mein Herz vor lauter Freude. Wir sind eine großartige Nation. Großartig. Und unsere Religion? Was soll ich Dir sagen? Eine solche Religion gibt es nicht mehr auf der Welt." . (Fortsetzung folgt.) Leitlchrikten. 1. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums usw. Herausgegeben von M. Brann. 55. Jahrgang. Januar und Februar 1911. 2. Mitteilungen vom deutsch-israelitischen Gemeindebunde. Herausgegeben vom Ausschuß des deutsch-israelitischen Gemeindebundes. Nr. 77, 1911, März. 3. Der Staatsbürger. Halbmonatsschrift für Politische Bildung. Herausgegeben von Hans Dorn, Leipzig. F. W. Grunow. 2. Märzheft und 1. Aprilheft. 4. Jung Juda. Illustrierte Zeitschrift für unsere Jugend. 10. Jahrgang 1911, Nr. 1. 2, 3, 4, 7. Prag, Stefansgasse 630. Herausgeber Philipp Lebenhart. 5. Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Judentum. 11. Jahrgang, Heft 3. 6. Liberales Judentum. Monatsschrift für die religiösen Interessen des Judentums. Herausgegeben von Cäsar Seligmann Jahrgang 3, Heft 3. 7. K. C. - Blätter. Monatsschrift der im Kartellkonvent vereinigten Korporationen. 1. Jahrgang, Nr. 7, 1. April 1911. 8. Wegweiser für die Jugendliteratur usw. Redigiert von M. Spanier. Jahrgang 7, Nr. 2. E- Lüchereinlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Die geistigen und sozialen Strömungen des 19. Jahrhunderts, von Theobald Ziegler, ordentlicher Professor an der Universität Straßburg i. E. 10. bis 14. Tausend, ungekürzte Volksausgabe. Berlin 1911, Georg Bondi. Preis 4.60 Mark, geb. 5.50 Mark. Kulturträger der Gegenwart über die Feuerbestattung, Umfrage, veranstaltet im Aufträge des Verbandes der Feuerbestattungsvereine deutscher Sprache von Else Dormitzer-Dorn. Nürnberg, Wilh. Tummels Buchdruckerei, Nürnberg. Heinrich HeineS 'sämtliche Werke. Erster Band. Leipzig im Jnselverlag. . Preis 2 Mark, geb. 3 Mark. Luthers Stellung zu den Juden. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Deutschland während des Reformationszeitalters. Breslauer Dissertation von Reinhold Lewin. Berlin, Trowitzsch & Sohn, 1911. Vortrag: Das enthüllte Mysterium oder das positive Christentums (Enderzeugnis) von Valerie Gyighi, Verfasserin des „Weltgerichts". Die politische Geschichte der Frankfurter Juden bis zum Jahre \ 1349 vom Oberlehrer Professor Dr. I. Kracauer. Beilage zum \ Programm des Philanthropins, Realschule und Höhere Mädchen, schule der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. Ostern 1911, Frankfurt a. M.-Rödelheim. Druck von M. Lehrberger & Cie., 1911. Philanthropin, Realschule und höhere Mädchenschule der israelitischen Gerneinde zu Frankfurt a. M. Programm, Ostern 1911, Inhalt: Schulnachrichten von Dr. S. Adler. Frankfurt ä. M., Druck von Kumpf & Reis. Die Hagada aus Aegypten. Israels Bedrückung in Aegypten nach den dortigen zeitgenössischen Inschriften in kurzer populärer Form geschildert von Rabbiner Dr. Sigmund Jampel, Schwedt a. O. nebst Bildern der betreffenden Pharaonen und ihrer interessantesten Denkmäler, Frankfurt a. M., Verlag von I. Kaufmann. 1911.