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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-04-28 · Heft 17 (28.4.1911) · p. Seite 201

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 17 (28.4.1911)
Date
1911-04-28
Page
Seite 201 (sequence 9)
Language
German
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Vier Jahre später, am 16. Dezember.1888/feierte Deutsch in körperlicher und geistiger Frische seinen siebzigsten Geburtstag. Auch bei diesem Anlaß suchte die Gemeinde den Jubilar zu erfreuen und ihre Verehrung kund zu tun. Der Vorstand erschien in der Wohnung des Jubilars, und unter Ueberreichung eines Silbergeschenks verlas der Vorsitzende eine von den Behörden gewidmete Adresse. Beim Betreten des Gotteshauses an dem darauffolgenden Sabbat fand Deutsch seinen Platz mit Girlanden bekränzt. So brachte auch diese Feier dem Jubilar viele Beweise der Liebe und Wertschätzung. Deutsch entzückte bis in sein hohes Greisenalter hinein seine Gemeinde durch die Pracht seiner Stimme und die Glut seines Vortrages und gehörte fast ein halbes Jahrhundert zu den musikalischen Sehenswürdigkeiten Breslaus. Die physischen Kräfte unseres Deutsch fingen mit der Erreichung seines 73. Lebensjahres an nachzulafsen, und nur mit Unterbrechungen konnte er sein Amt ausüben. Am 20. Februar 1892 erkrankte Deutsch an Influenza, und nach achttägigem Krankenlager hauchte der Meister seine edle Seele aus. Der liederreiche Mund, der tausende und abertausende Hörer durch seine großartige Stimme und seinen künstlerischen Vortrag entzückte und erbaute, verstummte, und das edle Herz des gottbegnadeten Sängers hörte zu schlagen aus. Die- Trauerbotschaft verbreitete sich schnell durch die schlesische Hauptstadt, und der Vorstand der Gemeinde beschloß, die Bestattung seinerseits zu übernehmen und mit den höchsten Ehren zu schmücken, die eine jüdische Gemeinde ihrem allbeliebten Kultusbeamten zu zollen vermag. Zugleich versandte der Vorstand an die Breslauer Tagesblätter folgenden Nachruf: „Das heute Nacht erfolgte Hinscheiden des Herrn Moritz Deutsch, ersten Kantors und musikalischen Dirigenten der Neuen Synagoge wird in unserer Gemeinde allseitig mit tiefem Schmerze empfunden. Hat doch der Verewigte fast ein halbes Jahrhundert seine ungewöhnlichen künstlerischen Gaben mit seltener Pflichttreue in den Dienst seines Amtes gestellt und durch sein Wirken in hohem Maße dazu beigetragen, unserem Gottesdienste einen würdigen und weihevollen Charakter zu verleihen, der vielfach anderwärts zum Vorbild geworden ist. Eine ideal angelegte Natur, von wahrer Herzensfrömmigkeit beseelt, eine anspruchslose liebenswürdige Persönlichkeit erfreute er sich stets und überall ungeteilter Hochschätzung und Verehrung, und sein Andenken wird in unserer Gemeinde nicht erlöschen. Breslau, den 27. Februar 1892. Der Vorstand und das Repräsentanten-Kollegium der Shnagogen-Gemeinde. Am 29. Februar, so berichtete der „Jüdische Kantor", wurden die sterblichen Ueberreste des großen Toten zur letzten Ruhe geleitet. Von nah und fern waren Verehrer, Freunde, Schüler des allbekannten Meisters herbeigeströmt, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. In den Vormittagsstunden war der Sarg für den engen Kreis der Leidtragenden im Trauerhause aufgebahrt,, umgeben von der überwältigenden Fülle herrlicher Blumen, die Liebe und Anhänglichkeit dem Andenken des Dahingeschiedenen geweiht hatte. Um 12 Uhr erfolgte dann die feierliche Uebersührung der Leiche in die Synagoge, und an derselben Stelle, von der so oft die wunderbare Stimme des Verewigten zum Preise des Höchsten erklungen, da wurde jetzt die Bahre niedergestellt. Das Gotteshaus war mit den meisten Symbolen der Trauer geschmückt und ernst und trauervoll verharrte auch die Kopf an Kopf gedrängte Gemeinde, die zusammengeströmt war, der Feier beizuwohnen. Dieselbe begann mit dem Gesänge eines von Deutsch nierten Psalms. Dann ergriff Herr Rabbiner Dr.' Knoller das Wort, anknüpfend an den Psalmvers r>po r6 '^22 •'ttbab rHlDTK, um beredt zu verkünden, was wir besessen und verloren in dem Manne, dessen Andenken die Feier galt. An den Segen, den der Geistliche von geweihter Stätte über die Bahre sprach, schloß sich die Zelebrierung der Totenfeier durch Herrn Kantor Manes, doppelt die Herzen ergreifend, weil gerade sie das eigenste Werk des Verstorbenen gewesen und unzählige Male von ihm anderen zum Trost und zur Ausrichtung an gleicher Stelle erklungen war. Dann setzte sich der von einer unübersehbaren Menge Leidtragender gefolgte Zug nach dem Friedhofe in Bewegung, wo Herr Rabbiner Dr. Rosenthal, nachdem die Bahre Änter Ehorgesängen in der Halle niedergesetzt worden, dem Verwigten die letzten Geleitworte sprach. Ausgehend von dem Bibelwort des Aron ,7112' *6*], er wird nicht sterben", pries auch er die Verdienste, die der Verstorbene sicherworben, weit über die eigene Gemeinde hinaus, ja, um das gesamte israelitische Volk. In tiefster Ergriffenheit lauschte die Trauerversammlung und geleitete dann den Sarg zur Gruft. In der Nähe der Stätte, wo sein langjähriger Freund, Herr Rabbiner Dr. Soel, zur letzten Ruhe gebettet worden, hatte der Gemeindevorstand auch seine Beisetzung angeordnet, und langsam sank unter Tönen des Chores zur Gruft, was von Deutsch sterblich war. Der Ausspruch Singers, welchen ich in den Biographien von Sulzer und Lewandowski anführte, gilt auch von Deutsch: „Wenn die Geschichte des Judentums einstens, in späteren Tagen, all die Namen ihrer verdienstvollen Glaubensmitglieder verzeichnet, so wird in goldenen Lettern auch hell und rein erstrahlen der Name „Moritz Deutsch". Leim Lämpchen. Roman von Peter UjvLri. Berechtigte Uebersetzung von Rosa Trencsäni. XII. ^^erele lachte, doch Esterchen lachte nicht, sondern blickte mit feuchten Augen diesen Menschen an, dem keinerlei Veränderung der Lebensverhältnisse die gute Laune trüben konnte. Esterchens Ernst fiel Berele auf -und er schöpfte Verdacht daraus. „Freileinleben. Sie haben gesagt, daß sie auskühlen wird?" Esterchen antwortete nicht. Berele steckte die Pfeife ein und strich sich nachdenklich den schöngewellten Bartals ob seine Gedanken in diesem wären und geordnet werden müßten. Dann blickte er aus Esterchen. Ein schlaues Lächeln blitzte aus seinen Augen. Na, jetzt wird er die kleine Schelmin gleich gefangen haben. „Haben Sie es gesehen?" fragte er vorsichtig. Esterchen sagte, sie hätte es nicht gesehen. Auch sie dachte daran, den schlauen Menschen jetzt gleich zu fangen. Doch Berele ging nicht so leicht in die Falle. Er nahm wieder seine Pfeife hervor, zündete sie langsam an und sprach mit der unerschütterlichen Rühe des Philosophen: „Sie haben gesagt, daß sie auskühlt, Freileinleben? Nun, so esse ich sie gern. Heiße Suppe ist nicht gut, Freileinleben." Esterchen war schon längst in der dritten Gasse, als Berele noch immer vor dem Tore stand und im Selbstgespräch wiederholte, daß heiße Suppe nicht gut sei.

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