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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-04-28 · Heft 17 (28.4.1911) · p. Seite 197

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 17 (28.4.1911)
Date
1911-04-28
Page
Seite 197 (sequence 5)
Language
German
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den Einfluß hingewiesen wurde, den die Bibel auf das Aufblühen der'.bildenden Künste, > der verschiedenen Literaturen und des sozialen Lebens in der ganzen zivilisierten Welt mehr oder weniger ausgeübt hak: 'Doch - fei -mir gestattet, hier bloß zwei kurze Auszüge zu bringen, die den Worten entnommen sind, .die der jetzige König von England und der Präsident der Vereinigten Staaten Amerikas anläßlich des besagten Jubiläums jüngst geäußert haben. Die Bibel, oder vielmehr die autorisierte englische Uebersetzüng derselben, sägte der fragliche Monarch, sei, von einem weltlichen Standpunkt aus betrachtet, der größte nationale Schatz, den England besitzt. Was ihren religiösen und ethischen Wert anlangt, so könne man mit Recht behaupten, daß er von reinem anderen existierenden Gegenstand an Größe übertroffen wird. Der Präsident der Vereinigten Staaten Amerikas schickte seinerseits eine Depesche in Verbindung mit dem in Rede stehenden Jubiläum, die vom hiesigen amerikanischen Gesandten hier öffentlich, verlesen wurde,, und die unter anderem folgende zwei Sätze enthält. In Amerika und in England, sagt Präsident Taft, sei es allgemein als Tatsache anerkannt, daß alles Gute, was unsere Staatsgesetze, unsere Literatur und unser soziales Leben aufzuweisen haben, seine Existenz meistenteils der Bibel zu verdanken hat. Letztere sei wirklich der größte Segen, womit die Vorsehung die gesamte Menschheit bedacht hat. Diese schönen Lobesworte, möchte ich noch zum Schluß bemerken, werfen auch ein schönes Licht auf die großen Geistesgaben, welche "die Autoren der Bibel, die mit Recht das Buch der Bücher genannt wird, besessen haben. Und diese Autoren gehören der jüdischen Glaubensgemeinschaft an, die, obschon sie der Vor- und Nachwelt den größten existierenden Geistesschatz überliefert immer in verschiedenen Ländern dem achtung ausgesetzt ist. Ja noch mehr. Nicht allein haben die Juden die Bibel in ihrer Ursprache geschaffen, sondern sie waren auch die ersten Heber» setzer derselben, da sie ihre griechische. Version, die Septuaginta, haben entstehen lassen. Letztere war auch die Quelle, woraus die anderen Uebersetzer der Bibel in etwa 500 Sprachen ihre Inspiration geschöpft haben. * Und doch legen, wie es scheint, die eingangs erwähnten russischen Rabbiner vielmehr Gewicht auf die Lehren und Anweisungen des „Schulchan Aruch";, als auf solche, die in der Bibel Vorkommen. Sie ziehen den Schatten dem schönen Licht vor! Staatsrat j)rof. nach einer Photographie hat, noch und der Ver- Die lechlte ordentliche Tagung der bsdilchen Lsndeslynode. II. ährend alle früheren Synoden durch ebenso rasche als V V'' gründliche Arbeit und durch streng sachliche Behandlung der Vorlagen sich ausgezeichnet hatten, brachte ein orthodoxer Heißsporn mit zionistischem Einschlag, der mit der agitatorischen Hilfe der..Frankfurter Zentrale, der süddeutschen Orthodoxie von dem meist aus Zweiggemeinden bestehenden WahlbezirkMarchingen-Wertheim (der Hauptort Tauberbischoss? heim wählte liberal) in die Synode entsandten Jnstitutsinhaber Dr. Jonas Simon von Heidelberg, der in der israelitischen Gemeinde dieser Stadt nicht den geringsten Einstuß besitzt, es diesmal fertig, durch stundenlange leidenschaftliche Ergüsse die Versammlung zu erregen, dem Präsidenten sein Amt möglichst zu erschweren und, soweit es an ihm lag — seine Parteigenossen rückten bald merklich von ihm ab — die Synode nach außen zu kompromittieren. Nach einem sachlichen Referat des Budgetberichterstatters Ed. Bauer-Mannheim .(orthodox), das die Vorlage des Obcrrats, abgesehen von den zur besonderen Beratung vorbehaltenen Positionen für Aufbesserung von Religionslehrern und Unterstützung von Gemeinden, zur Annahme empfahl, verlangte und erzielte Dr. Simon eine Generaldiskussion, „nachdem unser junges jüdisches Parlament allmählich aus den Kinderschuhen herauswächst i und die Allüren und die Bestrebungen eines parlamentarischen Instituts immer mehr sich zur Aufgabe macht". Man merkt den Einfluß der „national-jüdischen" Großspurigkeit. „Um nicht allzuweit üuszuholen," kam er eingehend auf die von der vorigen Synode erledigte Gebetbuchvorlage zurück, pries einerseits die Friedensliebe jener Synode und beschuldigte anderseits den Oberrat. daß er die ihr angeblich gemachten Versprechungen nicht erfüllt habe. Beweis: Der Oberrat hat sich nicht gescheut, im Jahre 1908 neben dem orthodoxen Professor Dr. Loewy in Freiburg den Rechtsanwalt Dr. Th. Kaufmann in Heidelberg in das Kollegium zu wählen, einen Mann, „der nicht der großen Masse der badischen Judenheit angehört, sondern der kleinen Partei des sogenannten liberalen Judentums" (lebhafte Bewegung, Murren, Zurufe: „vorherrschendeRichtung"!)ZweiterBeweis: Unmittelbar nach der vorigen Synode ist die Vereinigung für das liberale Judentum, in Deutschland konstituiert worden, und wer steht unter dein Aufruf? „Von Freiburg Rabbiner Dr. Lewin, von Karlsruhe Rabbiner Dr. Appel, Stadtrat Fritz Hamburger, Geheimer Oberregierungsrat Dr. Mayer. Man hätte die Sache kürzer machen können, man hätte einfach schreiben können: der Große Öberrat der Israeliten." (Sehr lebhafte Bewegung. Bravoruf, lebhafter Widerspruch, Lachen). Dritter Beweis: „Es gibt Religionslehrer, die die Grundsätze des Judentums mit Füßen treten, die am Sabbat öffentlich schreiben" (wozu zu bemerken, daß noch nie ein solcher Lehrer dem Oberrat namhaft gemacht worden ist) „und der Oberrat verlangt gleichwohl, daß auch die Kinder orthodoxer Eltern an diesem Reformunterricht teilnehmen; ja er hat es soweit gebracht, daß hier in Karlsruhe ein Kind (Unruhe und Bewegung, abmahnende Zurufe: ich muß bas hier erwähnen — durch Schutzmannsgewalt in den Religionsunterricht geführt wurde." Vierter . Beweis: Der Oberrat hat durch den moralischen Druck, den jede Behörde auf ihre untergeordneten Organe unwillkürlich ausübt, es zuwege gebracht,' daß die Beamten der Landessynagoge, die Geistlichen und die Religionslehrer, im Sinne der oberrätlichen 'Religionspolitik beeinflußt wurden. „Das war keineswegs ferne Absicht," sagt der Redner, gleich daraus v. Harkavy aus dem Jahre 1870.

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