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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-04-14 · Heft 15 (14.4.1911) · p. Seite 179

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 15 (14.4.1911)
Date
1911-04-14
Page
Seite 179 (sequence 11)
Language
German
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nötig. Dem kranken Menschen ist die Eßware nicht alles; ein solcher bedarf besonders zarter Behandlung. Einem solchen muß das Geschenk so überbrachte werden, daß er es als Ehrenbezeugung ausfasse. Nun, wer soll mitgehen? ... „Esterchen soll sie begleiten," machte Frau Eschkeles der Beratung ein Ende. Esterchen Preßte beide Hände aufs Herz. . „M?" fragte sie schweratmend. „Ja, Du," wiederholte ihre Mutter. . (Fortsetzung folgt.) . Literarische Mitteilungen. ----- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur. 1911. Herausgegeben vom Verbände der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland. Vierzehnter Band. Berlin 191t. M. Poppelauer. : Ein besonders wohlgelungener Jahrgang; außer der üblichen politischen und literarischen Revue von M. Philippson und S. Bernseld enthält der Band stimmungsvolle Artikel von I. El bogen über Abraham Geiger und M. Philippson über seinen Vater Ludwig Philippson, ferner einen lehrreichen Artikel von Ismar Freund über „Staat, Kirche und Judentum in Preußen" und eine sehr feine, vortrefflich geschriebene, tief ausholende, vielleicht nur etwas zu breite Charakteristik A. Schnitzlers von Victor Klemperer. Endlich eine, das Mittelmaß jüdischer Novellistik weit überragende Novelle „Versöhnungstag" von Auguste Hauschner. Ist auch das hier behandelte Motiv: die Bekehrung^mes hartherzigen Vaters, der seinen Sohn verstoßen hat, weil dieser Schauspieler geworden ist und sich mit einer'Christin verheiratet hat. eine Bekehrung, die durch die Weihe des heiligen Tages .hervorgerufen wird, ziemlich verbraucht, so ist die Darstellung so eigenartig, so reich mit. feinen Zügen ausgestattet, daß man an der Erzählung große Freude empfindet und eine ganz besondere Genugtuung, daß die verdiente Verfasserin sich.entschlossen hat, sich einmal auch auf diesem rein jüdischen Gebiete zu bewegen. L. G. — Wilhelm Bacher. Die hebräische und arabische Poesie der Juden in Jemen. Budapest 1910. Eine Publikation von Wilhelm Bacher verdient stets die größte Beachtung. Die vorliegende, die dem 33. Jahresbericht der Budapcster Landes-Rabbinerschule vorangeht, macht uns mit dem literarischen Schaffen der Juden in Jemen bekannt, die nach dem Auftreten Mohammeds nicht bloß vom Schauplatz der Weltereignisse, sondern auch aus dem Bewußtsein der großen jüdischen Gesamtheit verschwunden waren. Erst durch Benjamin von Tudela (1160 bis 1170) erhalten wir wieder Kunde von ihnen, aber seine Angaben stehen, wie der Verfasser richtig bemerkt, „in seltsamem Gegensatz zu den Tatsachen, die nur wenige Jahre später (1172) Moses Maimuni zu seinem bekannten Trostschreiben an die jemenischen Juden „Jggeret Teman" veranlaßten." Es ist ein gar' trauriges Kapitel, das dieses Sendschreiben aus der Geschichte der Juden in Jemen uns entrollt. Wir erfahren, daß sie unter schwerem Druck seufzen, unter vernichtendem Glaubenszwang leben und von einem Pseudomessias Befreiung' aus ihrer trostlosen Lage erhoffen. Nachdem wieder fast sechs Jahrhunderte verstreichen, ohne daß wir authentische Nachrichten über deren Geschick vernehmen, gelangt über sie genauere Kunde an uns durch den berühmten christlichen Forscher Carsten Niebuhr, dcr 1763 Jemen bereist hatte und dessen über die dortigen Juden gemachten Beobachtungen und Notizen ebenso wie die späterer Reisender, wie Bacher aufmerksam macht, - von Carl Ritter im zwölften Teile seiner Erdkunde verarbeitet und so zum Gemeingut der Wissenschaft wurden. Im Jahre 1859 besuchte Jacob Saphir die Juden in Jemen und veröffentlichte in seinem, wenn wir nicht irren, von dem Verein „Aelcirre Mräamim" herausgegebettrn Reisewerke I ^Lbeu Saphir" eine Fülle wertvoller Nachrichten über die sozialen und religiösen Zustände der jemenischen Juden sowie sehr ansprechende Proben ihrer Dichtungen, die uns einen tiefen Einblick in das Seelenleben dieser unserer Glaubensgenossen gewähren. Wilhelm Bacher gebührt nun das Verdienst, durch die vorliegende Publikation das bisher wenig bekannte Gebiet der jüdisch-jemenischen Poesie der literarisch gebildeten Welt erschlossen und, wie er sich ausdrückt, „ein Inventar der jüdisch-jemenischen Dichtung angelegt" zu haben. Sein Werk besteht aus zwei Abteilungen. Die erste, in deutscher Sprache, hat folgenden Inhalt: Vorwort. 1. Die benutzten Quellen. 2. Die Liedersammlungen. 8. Salim ben Joseph Schibzi (Um 1640; er war unter den jüdischen Dichtern Jemens der bedeutendste, befaßte sich viel mit dem Studium der Kabbalah und erfreute sich des Rufes eines Wundertäters.) 4. Die übrigen jemenischen Dichter. 5. Die Sprache, 6. die Form, 7. der Inhalt der Dichtungen. Im zweiten, hebräischen Teile wird vom Verfasser alphabetisch aufgeführt, was in der jemenischen Liedersammlung jemenischen und was nichtjemenischen Dichtern angehört und zugleich einige Proben der jemenischen Dichtungen mitgeteilt, von denen das Gedicht von Schibzi „Ahabath’ Hadassa" besonders hervorragt. „Mit den Gedichten Schibzis und seiner Schule" bemerkt der Verfasser im Vorwort. „treten uns Kundgebungen des religiösen und dichterischen Empfindens entgegen, wie es sich im 17. und 18 Jahrhundert bei den Juden Jemens entwickelt hatte. Sie vervollständigen unsere Kenntnis von der Entwicklung des jüdischen Geistes." Die vorliegende Publikation reiht sich würdig dem vom Verfasser vor einigen Jahren herausgegebenen Werke über jüdisch-persische Dichter an. Für beide Gaben können wir Prof. Wilhelm Bacher nur dankbar sein. Albert Katz. -^Jgnaz Zollschan, Das Rassenproblem unter besonderer 'Berücksicht igung der theoretischen Grundlagen der jüdischen Rassen frage. Zweite verbesserte und vermehrte Auflage, Wien und Leipzig. Wilh. Braumüller, 1911. Der starke Erfolg, den Zollschans Werk aufzuweisen hat — nach .einem Jahre war die erste Auflage schon vergriffen — zeigt, daß seine Darstellung des Rasseuproblents einem allgemein verbreiteten Interesse entgegenkam. Die Behandlung des Stoffes ist im wesentlichen referierend, nur gelegentlich gibt uns der Verfasser seine eigene Ansicht zu hören. Er teilt das Problem in folgende zwei Fragen: 1. Sind die Juden den Ländern, in denen sie leben, ökonomisch und kulturell schädlich, bedeutungslos oder nützlich? 2. Gibt es eine in sich homogene jüdische Rasse und hat dieselbe bestimmte Eigenschaften,! die ihr ihren geschichtlichen Weg für alle Ewigkeit vorbestimmen? ' Ju der Hauptsache ist der erste Abschnitt des Buches der Auseinandersetzung zwischen der sogenannten arischen und der semitischen Raffe gewidmet, als deren Vertreter bekanntlich bei dem „teutsch" gesinnten homo europäus die Germanen bzw. die Juden gelten. An die spezielle Betrachtung der beiden angeblichen Rassetypen schließt sich eine allgemeinere über das Rassenproblem als solches; der dritte und letzte Teil des Buches handeltüber den Kulturwert der jüdischen Rasse. Der Verfasser ist in der einschlägigen anthropologischen Literaturgut bewandert, kennt auch die Schriften eines Woltmann, Wilser und anderer Dilettanten; merkwürdigerweise aber läßt er keinen Sprachforscher zu Wort kommen. Und doch ist der Begriff „arisch" oder „indogermanisch", der heute so vielfach in Rassefragen mißbraucht wird, ein rein sprachlicher. Es fehlt dem Verfasser auch offenbar an den linguistischen und vorgeschichtlichen Kenntnissen, um die Theorie einer arischen Rasse in ihrer ganzen Haltlosigkeit zu erkennen. Aus den verschiedenen indogermanischen» (oder populär: „arischen") Sprachen erschließen wir eine indogermanische Ursprache, die zwischen AOO bis 2000 v. Chr. von dem ungetrennten Stammvolk irgendwo in Mitteleuropa oder Zcntralasien — genauer lassen sich die Ursitze vorläufig nicht bestimmen — gesprochen worden ist. Diese Zeit ist relativ sehr jung, in ihr bildeten sich weder neue' Menschenrassen, noch waren in den in Betracht kommenden Gegenden noch reine Rassen erhalten. Alles, was wir mit Sicherheit von dem Aussehen der Jndogermanen wissen, ist, daß gegenüber den dunkelfarbigen-Ureinwohnern Indiens die einziehenden Arier sich als hellfarbig bezeichneten, und das bei Griechen und Römern der blonde

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