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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-04-14 · Heft 15 (14.4.1911) · p. Seite 176

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 15 (14.4.1911)
Date
1911-04-14
Page
Seite 176 (sequence 8)
Language
German
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Lsphse! Lüwrnkrtd. II. Nekrolog, der in Nr. 7 Seite 77 bis 79 dem heimgegangenen Direktor des Schillertheaters gewidmet wurde, sollte in seiner Einheitlichkeit nicht unterbrochen werden. Es galt in ihm ein Bild von der höchst eigenartigen und erfolgreichen Tätigkeit eines Mannes zu entwerfen, der aus idealen Beweggründen, durchaus nicht aus Erwerbssucht ein großzügiges Werk errichtet hatte, um dem Volke eine billige und würdige geistige und künstlerische Kost zu verschaffen. Durch die Wiedergabe eines solchen Artikels, durch die Charakteristik eines kunstbegeisterten, in seinem Streben auf das Hohe gerichteten Mannes ist unser Blatt gewiß nicht über die Grenzen seiner Aufgabe hinausgegangen. Wohl aber ziemt es ihm auch darauf hinzüweisen, nicht nur, was eigentlich selbstverständlich ist, daß Raphael Löwenfeld Jude war, sondern daß er auch als Jude verdienstvoll wirkte. Zwar trat er in; Pen letzten 17 Jahren, in der Epoche seines der Allgemeinheit zugute kommenden Wirkens nicht in jüdischen Angelegenheiten hervor, und soweit mir bekannt ist, blieb es ihm auch erspart, in seiner weithin sichtbaren exponierten Stellung antisemitische Anrempelungen zu erfahren und auf solche zu erwidern. Aber bevor er diese seine Stellung antrat, hatte er einmal Gelegenheit gehabt mutig für die Juden einzutreten. Durch dieses Auftreten gewann er einen großen Erfolg, aber er vermied es, für sich dadurch Ehren in Anspruch zu nehmen, die ein weniger der Sache, mehr der Person dienender Streber auf sich hätte häufen können. Im Jahre 1893 schrieb er eine kleine Schrift, die folgenden Titel führt: „Schutzjuden oder Staatsbürger? von einem jüdischen Staatsbürger". Motto: Es ist Arznei, nicht Gift, was ich Euch reiche. Berlin 1893. Verlag von Schweitzer <L Mohr. (Mir liegt die dritte Auflage vor: Vermehrt um Stimmen der Presse und Zuschriften aus dem PublikuM.)^ Sie wurde der unmittelbare Anlaß zu der Gründung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, wie dieser es in dem Nekrolog auf seinen geistigen Vater dankbar anerkannt hat. Bei der Veröffentlichung seiner Schrift nannte sich Löwenfeld nicht, sondern schrieb in einer kurzen „am Neujahrstage 1893. Der Verfasser", datierten Vorrede Nachstehendes: „Nicht aus Rücksicht oder Menschen furcht verschweige ich meinen Namen auf dem Titel dieses Schristchens; ich möchte nicht, daß sein geringes Gewicht meinen Worten schade. Wenn ich das Glück habe, daß die Sache, die ich vertrete, Anhänger findet, und daß die Gleichgesinnten zu einer Tat zusammentreten, so werde ich mich nicht scheuen, das Visier aufzuschlagen. Verhallt mein Wort ungehört, dann war es gleich, wer es gesprochen hat." Die Schrift hatte ihren unmittelbaren Anlaß in dem Gerücht, der Vorstand der jüdischen Gemeinde habe beschlossen, eine Abordnung an den Kaiser zu schicken und den Monarchen um Schutz und Schirm gegen den Antisemitismus anzuflehen. Dagegen trat Löwen feld aus. Nachdem er die Entstehung des modernen Antisemitismus und die Wirkungen gewürdigt, die von dieser Bewegung ausgegangen waren, erklärte er, eine solche Abordnung einer Deputation hätte keinen praktischen Zweck, denn es könnte möglich sein, daß es dem Monarchen beliebte, ein tadelndes Wort zu sprechen; die Abordnung Hätte aber auch keinen moralischen Wert, denn eine solche Bitte würde die Juden zu Schutzjuden machen; als Staatsbürger aber müßten sie kämpfen^ mit Wahrheit und Mut. Die große Masse der Juden müßte die Gleichgültigkeit aufgeben, sich 'eng aneinanderschließen, „damit in Zükuyst weder das Geschrei der Geschäfts-Antisemiten und Geschäfts- Philosemiten noch das gutgemeinte, aber falsche Verteidigungssystem der orthodoxen Minderheit oder der sensationslüsternen Presse für den Ausdruck der Majorität der deutschen Juden gelte". Zum Schluffe der ganzen Schrift wurden sechs Sätze mitgeteilt, die die Ansicht des Verfassers zusammenfaffen, und die, da sie die Anschauung der Mehrheit der jüdischen Staatsbürger gut wiedergeben, noch heute verdienen, wiederholt^ zu werden. Diese Sätze lauten: „1. Wir sind nicht deutsche Juden)' sondern deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens. 2. Wir brauchen und fordern als Staatsbürger keinen anderen Schutz als den der verfaffungsmäßigen Rechte. 3. Wir gehören als Juden keiner politischen Partei cm.. Die politische Anschauung ist, wie die religiöse, die Sache des einzelnen. 4. Wir stehen fest auf dem Boden der deutschen Nationalität. Wir haben mit den Juden anderer Länder keine andere Gemeinschaft als die Katholiken und Protestanten Deutschlands mit den Katholiken und Protestanten anderer Länder. 5. Wir haben keine andere Moral als unsere andersgläubigen Mitbürger. 6. Wir verdammen die unsittliche Handlung des einzelnen, wes Glaubens er sei; wir lehnen jede Verantwortung für die^ Handlung des einzelnen Juden ab und verwahren uns gegen die Verallgemeinerung, mit der fahrlässige oder böswillige Beurteiler die Handlung des einzelnen Juden der Gesamtheit der jüdischen Staatsbürger zur Last legen." Es lohnt sich wohl, diese Sätze, die vor 18 Jahren ausgesprochen wurden, Sätze, die schon damals nicht neu waren, die aber durch die Zeit ihren Wert und ihre Bedeutung nicht verloren haben, und die noch heute vielen Gegnern neu und unfaßbar klingen, zu wiederholen. Es bleibt Raphael Löwenfeldsgroßes Verdienst, sie formuliert zu haben. Er hat dadurch' nicht nur den Anstoß gegeben zur Bildung einer großen Genossenschaft, die in den Jahren ihres Bestehens ungemein segensreich, gewirkt hat, sondern das weitere und größere, den Mut seiner Glaubensgenossen gestärkt zu haben. Er hat sich mit dieser Schrift den dauernden Dank der deutschen Judenheit erworben. L. G. BEEla Iomtow in Städte!. /Alis a heller Tog in draußen, V-' 'S is a Iomtowtognochmitteg. Un es lacht die Sunn ... Heimlech, is in kleinem Städtel, In dem stillen Mark spazieren Junge Maidlech fest georemt, Reden soidendig zusammen, Herzer klappen, Aiglech sunklen, Un die Bäcklech flammen, flammen. — -- Un verschlossen alle Krönten, Auf die Schwellen sitzen Waiblech, Auszuruhen noch dem Schlofen, — Un die Suttnenstrahlen glätten Seire Pönimer, die darre . .Un sei glanzen . . .

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